Lucas Cranach d. Ä. - Das ungleiche Paar

Auktion 390, Kat.-Nr. 540

Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 3. Dezember 2020

Lucas Cranach d. Ä.

Das ungleiche Paar

Schätzpreis:
€ 120.000 bis € 150.000

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noch erhältlich
Beschreibung:
Lucas Cranach d. Ä.
1472 Kronach - 1553 Weimar
und Werkstatt

Das ungleiche Paar


Öl auf Holz. 19 x 14,2 cm. Montiert. Rückseite des aufmontierten Rahmens parkettiert. Rest. Rahmen min. besch.

Auf einer verhältnismäßig kleinen Tafel ist ein grotesk anmutendes Paar dargestellt: Ein alter, offensichtlich wohlhabender Mann, der einer jungen Schönheit, die liebevoll ihren Arm auf seine linke Schulter gelegt hat, einen Ring ansteckt. Im 16. Jahrhundert war dieses Bildthema allgemein beliebt und fand vor allem über Druckgraphiken Verbreitung. Absicht dieser Darstellungen war moralische Belehrung einerseits und das Aufzeigen der Vergänglichkeit des Lebens andererseits.

Das Bildthema lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen, nördlich der Alpen war wohl Jacopo de Barbari, Cranachs Vorgänger im Amt des Hofmalers zu Weimar, der Erste, der es darstellte. Sein "Urbild" fand vor allem in den Niederlanden Künstler, die sich von ihm inspirieren ließen, so z. B. Quentin Massys. Über Massys führt der Weg zum Verständnis des "ungleichen Paares" zu dessen Freund, dem bedeutenden Gelehrten und Humanisten Erasmus von Rotterdam: Dieser macht sich in seiner berühmten Satire "Lob der Torheit" (1509) über jene älteren, zahnlosen, weißhaarigen Männer lustig, die jungen, mitgiftlosen jungen Frauen einen Heiratsantrag machen.

Ganz ohne Mitgift scheint die junge Dame auf unserem Gemälde jedoch nicht zu sein: Sie ist nach der neuesten Mode gekleidet, das sorgfältig frisierte Haar umfängt ein perlenbesticktes Netz. Dennoch: Der moralisierende Charakter der Darstellung ist nicht zu übersehen, denn der Blick der jungen Dame trifft sich nicht mit jenem des lustvoll-traurigen Alten. Etwas verklärt, sibyllinisch lächelnd, blickt sie knapp an ihm vorbei in eine Zukunft, die ihr nach dem Ableben des viel zu alten Ehegatten beschieden sein mag ...

Das Bildthema des ungleichen Paares manifestierte sich, begründet offenbar auf einem großen Erfolg bei den Sammlern, zu einem immer wiederkehrenden Thema in der Cranach-Werkstatt. Rund 40 Versionen sind bekannt. Diese entstanden ab 1522. Sehr eng verwandt ist unserem Gemälde jene im Besitz des Kunsthistorischen Museums in Wien (Inv.-Nr. Gemäldegalerie 895), die um 1530/40 datiert wird und auch in den Maßen (19,5 x 14,5 cm) entspricht.

Bemerkenswert ist, dass der wiedergegebene Frauentypus sich auch auf Gemälden anderen Themas wiederfindet: "Venus und Amor, der Honig stiehlt" im Statens Museum, Kopenhagen (1531) oder die "Salome" im Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut, gehen auf dasselbe Modell zurück. Eine Tatsache, die möglicherweise auf ein damaliges Schönheitsideal zurückzuführen ist, jedoch auch eine Facette des "ungleichen Paares" deutlicher macht: die junge Braut als biblische Salome und als Göttin der Liebe, der Schönheit und ewiger Jugend - eine Universalrolle für das junge Modell ... Der moralischen Intention Lucas Cranachs (und seiner Auftraggeber), mit diesem Bildthema die verborgene Motivation von Beziehungen mit deutlichem Altersunterschied aufzudecken und anzuprangern, gibt diese Koinzidenz eine weitere ausgesprochen subtile Note.


Provenienz: Lord Kinnaird, Rossie Priory. - Anonymer Verkauf Sothebys London, 30. November 1966, Lot 83. - Ankauf durch Seymour R. Thaler, New York. - Privatbesitz.

Literatur: Friedländer, Max J. / Rosenberg, Jakob, The Paintings of Lucas Cranach. London 1978, S. 26, WVZ-Nr. 286: als Werk Lucas Cranachs d. Ä. und dort um 1530 datiert.


:
und Werkstatt

Technik:
Öl
Träger:
auf Holz
Maße:
19 x 14,2 cm
Zustand:
Montiert. Rückseite des aufmontierten Rahmens parkettiert. Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Provenienz:
Lord Kinnaird, Rossie Priory. - Anonymer Verkauf Sothebys London, 30. November 1966, Lot 83. - Ankauf durch Seymour R. Thaler, New York. - Privatbesitz.
Literatur:
Friedländer, Max J. / Rosenberg, Jakob, The Paintings of Lucas Cranach. London 1978, S. 26, WVZ-Nr. 286: als Werk Lucas Cranachs d. Ä. und dort um 1530 datiert.