Joseph Stieler - Königin Karoline Friederike von Bayern. 1823

Auktion 929, Kat.-Nr. 64

SONDERAUKTION KUNST IM EXIL am 15. März 2021

Joseph Stieler

Königin Karoline Friederike von Bayern. 1823

Schätzpreis:
€ 60.000 bis € 80.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 111.125 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Joseph Stieler

1781 Mainz - 1858 München

 

Königin Karoline Friederike von Bayern. 1823

 

 

(1776 Karlsruhe - 1841 München). Hüftbild nach rechts, den Kopf zum Betrachter gewandt. In reich besticktem Kleid mit kunstvoller Halskrause, pelzverbrämtem Mantel und mit federgeschmücktem Hut. L. u. signiert und 1823 datiert. Öl auf Lwd. 72 x 59 cm. Rest. Rahmen.

 

Gegenstück zu Kat.-Nr. 63.

 

Karoline Friederike war eine Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden und seiner Gemahlin Amalie Prinzessin von Hessen-Darmstadt. Sie galt bereits in ihrer Jugend als literarisch umfassend gebildet und an der französischen Kultur interessiert und orientiert. 1793 heiratete Karolines Schwester Luise den russischen Großfürsten Alexander, sie stieg bereits 1801 zur Zarin auf. 1796 wurde Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken in Ansbach, wohin sich neben der pfälzischen auch die badische Herrscherfamilie vor den anrückenden Franzosen geflüchtet hatte, auf die 20-Jährige aufmerksam. 1797 erfolgte die Heirat. Karoline akzeptierte den deutlich älteren Ehemann mit vier kleinen Kindern anfänglich nicht ohne Vorbehalte. Für den Bräutigam war es bereits die zweite Ehe, nachdem seine erste Gemahlin Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt 1796 verstorben war. Die Ehe mit Karoline wurde sehr glücklich, ihr entstammten acht Kinder, fünf Töchter überlebten.

 

Die tiefgläubige Protestantin Karoline setzte sich stark für religiöse Toleranz ein. Ihrer Liebe zur Literatur, vor allem französischen Werken, blieb sie treu, dem oberfränkischen Dichter Jean Paul wandte sie ein Pension zu.

 

Karoline sympathisierte deutlich mit Österreich und den französischen Royalisten. Die Zumutungen der napoleonischen Heiratspolitik empörten sie. Aufgrund des deutlichen Altersunterschiedes war ihr politischer Einfluss auf ihren Mann zwar gering, dennoch konnte sie ihren Willen mit ganz eigenen, "psychologischen" Hilfsmitteln zeigen: In Diplomatenkreisen galten ihre Tränen als gefürchtetes Druckmittel.

 

Über Napoleons Gattin, Kaiserin Joséphine, äußerte sich Karoline zurückhaltend-kritisch: "Sie ist eine liebenswürdige, sehr obligeante Frau, voller Bestreben zu gefallen, aber ihre Würde verlangt, dass man bei ihr vor Langeweile stirbt". Als die Pläne einer Heirat zwischen der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie mit Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons, enthüllt wurden, entrüstete sie sich heftig und echauffierte sich über den "Despotismus des Tyrannen [Napoleon], der unser Schicksal gestaltet". Die von ihr unerwünschte Heirat machte jedoch nicht nur Maximilian Joseph zum ersten bayerischen König, sondern Karoline zur ersten evangelischen Königin des jungen Königreiches.

 

In Joseph Stielers Verkaufsverzeichnis sind 1823 zwei laut Ulrike von Hase-Schmundt "ziemlich sicher identische" Bildnisse der Königin aufgeführt, jeweils für den Preis von 25 Louis dOr, woraus zu schließen ist, dass beide für das Königshaus bestimmt waren. Möglicherweise waren die Bildnisse des Königs und der Königin für die Prinzessinnen und auswärtige Höfe bestimmt. Ein Zusammenhang ihrer Entstehung mit der 1823 stattgefunden Heirat der gemeinsamen Tochter Prinzessin Elisabeth von Bayern mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm ist nicht auszuschließen.

 

Das vorliegende Porträt zeigt eine selbstbewusste bayerische Königin, mit wachem Blick und geradezu kommunikativ den Betrachter fixierend, gekleidet nach der neuesten französischen Mode. Die bezüglich der französischen Kaiserin Joséphine ehemals so unverhohlen formulierte Kritik, dass man in deren Gegenwart vor Langeweile stürbe, musste Königin Karoline sicherlich nicht fürchten.

 

Gutachten Dr. Ulrike von Hase-Schmundt, München, Dezember 2020.

 

Provenienz: Aus dem Königlichen Haus. - 1924 nach Sárvár verbracht.



Titel-Zusatz:
(1776 Karlsruhe - 1841 München). Hüftbild nach rechts, den Kopf zum Betrachter gewandt. In reich besticktem Kleid mit kunstvoller Halskrause, pelzverbrämtem Mantel und mit federgeschmücktem Hut


Signatur-Bez-Vorne:
L. u. signiert und 1823 datiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
72 x 59 cm
Zustand:
Rest
Rahmen:
Rahmen
Echtheit:
Gutachten Dr. Ulrike von Hase-Schmundt, München, Dezember 2020.
Provenienz:
Aus dem Königlichen Haus. - 1924 nach Sárvár verbracht.
Kommentar:
Karoline Friederike war eine Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden und seiner Gemahlin Amalie Prinzessin von Hessen-Darmstadt. Sie galt bereits in ihrer Jugend als literarisch umfassend gebildet und an der französischen Kultur interessiert und orientiert. 1793 heiratete Karolines Schwester Luise den russischen Großfürsten Alexander, sie stieg bereits 1801 zur Zarin auf. 1796 wurde Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken in Ansbach, wohin sich neben der pfälzischen auch die badische Herrscherfamilie vor den anrückenden Franzosen geflüchtet hatte, auf die 20-Jährige aufmerksam. 1797 erfolgte die Heirat. Karoline akzeptierte den deutlich älteren Ehemann mit vier kleinen Kindern anfänglich nicht ohne Vorbehalte. Für den Bräutigam war es bereits die zweite Ehe, nachdem seine erste Gemahlin Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt 1796 verstorben war. Die Ehe mit Karoline wurde sehr glücklich, ihr entstammten acht Kinder, fünf Töchter überlebten. Die tiefgläubige Protestantin Karoline setzte sich stark für religiöse Toleranz ein. Ihrer Liebe zur Literatur, vor allem französischen Werken, blieb sie treu, dem oberfränkischen Dichter Jean Paul wandte sie ein Pension zu. Karoline sympathisierte deutlich mit Österreich und den französischen Royalisten. Die Zumutungen der napoleonischen Heiratspolitik empörten sie. Aufgrund des deutlichen Altersunterschiedes war ihr politischer Einfluss auf ihren Mann zwar gering, dennoch konnte sie ihren Willen mit ganz eigenen, "psychologischen" Hilfsmitteln zeigen: In Diplomatenkreisen galten ihre Tränen als gefürchtetes Druckmittel. Über Napoleons Gattin, Kaiserin Joséphine, äußerte sich Karoline zurückhaltend-kritisch: "Sie ist eine liebenswürdige, sehr obligeante Frau, voller Bestreben zu gefallen, aber ihre Würde verlangt, dass man bei ihr vor Langeweile stirbt". Als die Pläne einer Heirat zwischen der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie mit Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons, enthüllt wurden, entrüstete sie sich heftig und echauffierte sich über den "Despotismus des Tyrannen [Napoleon], der unser Schicksal gestaltet". Die von ihr unerwünschte Heirat machte jedoch nicht nur Maximilian Joseph zum ersten bayerischen König, sondern Karoline zur ersten evangelischen Königin des jungen Königreiches. In Joseph Stielers Verkaufsverzeichnis sind 1823 zwei laut Ulrike von Hase-Schmundt "ziemlich sicher identische" Bildnisse der Königin aufgeführt, jeweils für den Preis von 25 Louis dOr, woraus zu schließen ist, dass beide für das Königshaus bestimmt waren. Möglicherweise waren die Bildnisse des Königs und der Königin für die Prinzessinnen und auswärtige Höfe bestimmt. Ein Zusammenhang ihrer Entstehung mit der 1823 stattgefunden Heirat der gemeinsamen Tochter Prinzessin Elisabeth von Bayern mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm ist nicht auszuschließen. Das vorliegende Porträt zeigt eine selbstbewusste bayerische Königin, mit wachem Blick und geradezu kommunikativ den Betrachter fixierend, gekleidet nach der neuesten französischen Mode. Die bezüglich der französischen Kaiserin Joséphine ehemals so unverhohlen formulierte Kritik, dass man in deren Gegenwart vor Langeweile stürbe, musste Königin Karoline sicherlich nicht fürchten.