NEUMEISTER MAGAZIN Dezember 2020
 
TITELSTORY

BRUTALE BEGEGNUNGEN Fotografisch inszeniert von Michael Leis

Wie brutalistische Sakralbauten mittelalterliche Skulpturen in Bewegung bringen

Unnahbare, klotzige und scheußliche Ungetüme, die Stadt und Land verschandeln, so die gängige Sicht. „Brutalismus“ erregt die Gemüter so sehr wie keine andere architektonische Stilrichtung. Während sich die Bevölkerung in ihrer Ablehnung profaner „Betonmonster“ weitgehend einig ist, sieht die Sache bei Kirchenbauten etwas anders aus.

Der architekturgeschichtliche Begriff ist ja auch irritierend. Brutalismus hat schließlich nichts mit brutal zu tun, sondern leitet sich vom französischen „béton brut“ (Sichtbeton) ab. Trotzdem wird das Stigma, das dem Namen innewohnt, von Kritikern gern aufgegriffen. Zurück zu den Anfängen: In den 1960er und 1970er Jahren wurde die Bunkerarchitektur mit ihren sichtbaren Betonskeletten, unverputzten Fassaden und offenliegenden Versorgungsleitungen als Symbol für eine klassenlose Gesellschaft gefeiert. Und es sollte Wirkung zeigen, dass Architekten der Moderne Beton als ehrliches, zutiefst demokratisches Baumaterial anpriesen. Kommunen gaben Betonbauten fortan am Fließband in Auftrag und bald prägten Betonriesen als Rathäuser, Schulen und Kirchen die Stadtbilder; auch ganze Wohnviertel und Leuchtturmprojekte wie das Olympische Dorf in München wurden in brutalistischer Manier erbaut. Heute sind die anfälligen Bauwerke in die Jahre gekommen. Viele müssten aufwendig saniert werden, doch kaum jemand kämpft für sie, sodass etliche Betongebilde abgerissen wurden.

An brutalistische Sakralbauten ließ man die Abrissbirne jedoch nicht heran. Nicht nur, weil viele dieser Gotteshäuser unter Denkmalschutz stehen, wohl auch, weil sie von den Menschen wirklich ins Herz geschlossen wurden und – umgeben von Kitas, Supermärkten und bezahlbarem Wohnraum – Mittelpunkte gesellschaftlichen Lebens sind. Mal klein und unscheinbar, mal mächtig wie gotische Kathedralen sind sie als Teil des Ganzen verortet. Wie ihre profane Verwandtschaft präsentieren sich brutalistische Sakralbauten in bestmöglich vereinfachter Formensprache. Die Konstruktion ist ebenfalls klar erkennbar und funktional. Nur wenige Materialien sind ihrem Wesen gemäß im Spiel.

Die Architektur erfüllt hier ausschließlich den Zweck, das Gotteshaus im Glanz edler Einfachheit zu zeigen. Von den Außenansichten brutalistischer Kirchenbauten mögen Betrachter zunächst irritiert sein, die Atmosphäre im Innern wird sie zutiefst beeindruckt zurücklassen: Leere. Weite. Fast völliger Verzicht auf Raumschmuck. Tageslicht, das nur durch winzige Öffnungen auf rohen Beton fällt. Die Raumwirkung ist phänomenal. Und nichts, das in diesen begehbaren, wie Höhlen wirkenden Skulpturen ablenkt von geistlicher Kontemplation.

Als führender Protagonist des Brutalismus gilt Gottfried Böhm. Der Kölner, der am 23. Januar 2020 seinen 100. Geburtstag feierte, zählt zu den wichtigsten Architekten der Nachkriegsära. 1986 wurde er als erster Deutscher mit dem Pritzker-Preis, dem „Nobelpreis“ für Architektur, geehrt. Gottfried Böhm schuf Architektur-Ikonen des 20. Jahrhunderts, darunter den 1968 eingeweihten Wallfahrtsdom in Velbert-Neviges als sein wichtigstes Werk. Dieser wuchtige Betonfelsen wirkt wie eine monumentale, expressionistische Skulptur. 6.000 Menschen fasst das Gotteshaus, das mit seinem ansteigenden, geschwungenen Pilgerweg den Weg einer Wallfahrt versinnbildlicht und in seiner Strenge wie ein Gegenentwurf zu Gaudís Sagrada Familia in Barcelona wirkt. Gottfried Böhm ist übrigens immer noch aktiv und entwirft mit seinen Söhnen Stephan, Peter und Paul unter einem Dach spektakuläre Großbauten wie die Zentralmoschee in Köln und das Museum Ägyptischer Kunst in München.

Auf schmückendes Beiwerk wird in Betonkirchen verzichtet, sodass sich das Auge schon am Anblick eines bunten Rosenkranzes erfreut. Spannend wird’s, wenn in der Betonwüste gotische Skulpturen ins Spiel kommen. Das zeigt die Fotoreportage, für die Michael Leis aufregende Begegnungen spätgotischer Skulpturen der NEUMEISTER-Weihnachtsauktion (siehe Seite 23–26) mit sakralen Betonbauten inszenierte. Die Fotografie lenkt den Blick dabei auf ein erstaunliches Wechselspiel: Einerseits laden die jahrhundertealten Skulpturen kühle Betonräume inhaltlich auf. Andererseits erscheinen die spätmittelalterlichen Madonnen, deren kunstfertige Ausarbeitung in einer gotischen Kathedrale aufgrund der „Konkurrenz“ überbordenden Raumschmucks schlichtweg übersehen werden könnte, plötzlich voller Emotionen und entfalten eine ungeahnte Freude an der Bewegung.

Um das Zusammenspiel von Gotik und Beton zu erleben, muss man natürlich nicht in die Kirche gehen. Die eigene Wohnung tut’s auch. Immer mehr Kunstfreunde finden Gefallen am kontrastreichen Kombinieren der Stile, sodass sich eine spätgotische Madonna dann im Wohnzimmer auf einer Bauhauskommode vor einer Sichtbetonwand wiederfindet – um den Betrachter dort mit ihrem verhaltenen Lächeln in den Bann zu ziehen. (al/kjk)

Es werde Licht!

Nicht von dieser Welt wirkt der Wallfahrtsdom im Velberter Stadtteil Neviges, den der Kölner Architekt Gottfried Böhm als Prototyp eines brutalistischen Sakralbaus entwarf. Am schönsten ist es dort an sonnigen Tagen. Dann dringt natürliches Licht nicht nur durch die wenigen, kleinen Fenster ins Innere; auch die Buntglasfenster – mit der Rose als Mariensymbol – tauchen kalten Beton in warmes Rot. Straßenlaternen, Pflaster und Emporen, die wie Fenster und Balkone von Häusern angeordnet sind – man fühlt sich wie auf einem Kirchenvorplatz. Doch das mächtige Faltdach erinnert daran, dass dies ein Innenraum ist. Wie eine monumentale Raumplastik kommt er daher; ein Ort der Begegnung mit dem Altar im Zentrum des Geschehens.


Stille. Nacht.

Auch aus dieser Perspektive stellt der Velberter Wallfahrtsdom alles in den Schatten.

Wie in einer Höhle

Verschachtelte Wände aus Wasch- und Sichtbeton, sparsame Beleuchtung, asymmetrisch gefaltetes Dach. Das Innere der katholischen Pfarrkirche St. Gertrud in Köln wirkt wie das Innere eines Raumschiffs. Wärme spendet das Kruzifix über dem Altar. Und auch die ins Bild montierte Heilige Sippe bringt der Beton in Bewegung.

Kraft

Wie der Teil eines Kraftwerks wirkt der Turm der katholischen Kirche St. Marien in Gaggenau. Und drinnen ist dann auch zu spüren, dass Energie und (geistige) Kraft am Werk sind. Hier rauer Beton, reduzierte Formen und dramatisches Licht, dort eine  Madonna auf Tuch und Teppich. Im Innern von St. Marien wird greifbar, dass Kirche und moderne Architektur fruchtbar in Spannung zueinander stehen können. Der von Rainer Disse entworfene Bau ist geprägt durch mathematische Harmonie und Klarheit. Für die künstlerische Gestaltung zeichnet Horst Antes verantwortlich.

Farbe

Auch St. Gertrud in Köln, 1962 bis 1965 erbaut, trägt die Handschrift von Gottfried Böhm. Von Taufbecken, Tabernakel und Altar bis hin zu Portal und Wetterfahne: Beinahe die gesamte Ausstattung entstammt den Entwürfen des berühmten Architekten. Farbe ins Spiel bringen großformatige Gemälde und bunte Fenster.

 

 

Leiden

Eine Pietà, fotografisch vor Beton positioniert. Das Leiden Marias trifft den Betrachter unmittelbar.


Begehbare Plastik

Als begehbare Plastik ist die Monheimer Friedenskirche konzipiert. Kleine Fensteröffnungen tauchen den Innenraum in gedämpftes Licht, auch warmes Holz, orangefarbene Türen und weitere Farbelemente nehmen dem Sichtbeton die Härte. Große Fastentücher und ein kurzfloriger Teppichboden sorgen für eine hervorragende Akustik.

Gebirge aus Beton

Diese Nürnberger Mondsichelmadonna scheint sich im rheinischen Umfeld wohlzufühlen, ihr zartes Lächeln deutet dies zumindest an. Es sollen die Alpen gewesen sein, die Walter Maria Förderer zu diesem außergewöhnlichen Entwurf für die Evangelische Kirchengemeinde Monheim inspirierten. Der Schweizer Architekt formte die 1968 bis 1974 erbaute Friedenskirche als hoch aufragendes zerklüftetes Betongebirge. Der Gipfel ist der 23 Meter hohe Glockenturm. Zum Ensemble gehören Kindertagesstätte, Gemeindezentrum und Mitarbeiterwohnhaus.


Nischen und Winkel

Roher Sichtbeton, verschachtelte Nischen und Winkel, schwere Betonsäulen, brachiales Gewölbe, höhlenartige Atmosphäre und zauberhafte Lichteffekte: Auch Christi Auferstehung in Köln (1970) hat den typischen Böhm-Touch – bis auf die rötlichen Ziegelwände: Die Anregung dazu erhielt der Architekt von seiner Mutter.

Deckenkunst

Die Decke der katholischen Pfarrkirche St. Mauritius in München (1967) besteht aus einem Spannbetonrost und 49 quadratischen Betonkassetten. Nur durch einige dieser Kassetten über dem Altarbereich fällt Tageslicht ein. Die Kirche und zugehörige Gebäude wurden von den Architekten Herbert Groethuysen, Detlef Schreiber und Gernot Sachsse als städtebauliche Einheit geplant. Den Hauptraum bildet eine 14 Meter hohe quadratische Halle mit Sichtbetonwänden.

 

 

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KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN

 

Eine kleine, aber sehr feine Suite gotischer Skulpturen aus Oberschwaben ist Highlight der Weihnachtsauktion.

Dr. Bettina Schwick, NEUMEISTER-Expertin für Möbel,  Skulpturen und Textilien, stellt Region, Kunstwerke und Sammler vor.

GOTISCHE SKULPTUREN

Eine kleine, aber sehr feine Suite gotischer Skulpturen aus Oberschwaben ist Highlight der Weihnachtsauktion.

Dr. Bettina Schwick, NEUMEISTER-Expertin für Möbel,  Skulpturen und Textilien, stellt Region, Kunstwerke und Sammler vor.

IN DER AUKTION

- Corpus Christi

Auktion 390, Kat.-Nr. 136

Schätzpreis € 7.000 bis € 9.000
Ergebnis € 12.065 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- Hl. Johannes d. T.

Auktion 390, Kat.-Nr. 140

Schätzpreis € 12.000 bis € 15.000
noch erhältlich

- Pietà

Auktion 390, Kat.-Nr. 144

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

- Mondsichelmadonna

Auktion 390, Kat.-Nr. 145

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- Hl. Sippe

Auktion 390, Kat.-Nr. 147

Schätzpreis € 35.000 bis € 40.000
noch erhältlich

- Hl. Sebastian

Auktion 390, Kat.-Nr. 148

Schätzpreis € 18.000 bis € 22.000
noch erhältlich

- Mondsichelmadonna

Auktion 390, Kat.-Nr. 150

Schätzpreis € 10.000 bis € 12.000
noch erhältlich

- Marienkrönung

Auktion 390, Kat.-Nr. 151

Schätzpreis € 48.000 bis € 50.000
noch erhältlich

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KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN

 

LASS’ BLUMEN SPRECHEN

Wer könnte davon besser erzählen als Emile Gallé. Seine Vasen sind Poesie. Geschichten aus dem Kollektiv steuern Meißner Musiker bei. Von früher berichten schöne Uhren. Und auf Nymphenburger Papageien macht sich jeder Kunstkenner seinen Reim.

GLASKUNST VON ÉMILE GALLÉ

KOSTBAR. SELTEN. FEIN.

Vasen von Émile Gallé sind wahre Poesie.

IN DER AUKTION

- Vase

Auktion 390, Kat.-Nr. 97

Schätzpreis € 1.800 bis € 2.300
noch erhältlich

- Stangenvase

Auktion 390, Kat.-Nr. 98

Schätzpreis € 2.500 bis € 3.000
noch erhältlich

- Stangenvase

Auktion 390, Kat.-Nr. 99

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.500
noch erhältlich

- Kugelvase

Auktion 390, Kat.-Nr. 101

Schätzpreis € 3.000 bis € 4.000
Ergebnis € 9.525 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- Bodenvase

Auktion 390, Kat.-Nr. 105

Schätzpreis € 2.000 bis € 3.000
Ergebnis € 2.794 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

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KUNSTKOLLEKTIV

Meissener Porzellan macht sich immer gut unterm Weihnachtsbaum. Wer dabei außergewöhnliche Stücke sucht, wird sie bei der NEUMEISTER-Auktion im Dezember finden. Kunsthistorisch interessant ist zum Beispiel eine Musikantengruppejüngeren Datums. Zum Hintergrund: Gegen Ende der 1950er Jahre griff die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen den Zeitgeist auf. Ab den 1960er Jahren war es dann Peter Strang, der das neue, moderne Gesicht der Manufaktur erst als Modelleur, später als künstlerischer Leiter wesentlich prägte. Zusammen mit vier Kollegen gründete er 1960 auch das „Kollektiv künstlerische Entwicklung“, ein kongeniales Miteinander, das viele Ideen hervorbrachte – und ein Orchester.

Das Beste: Die fünf Künstler, die da als Musikanten zusammenspielten, verewigten sich selbst in Meissener Musikanten-Porzellan: Ludwig Zepner (Orchesterchef), Prof. Heinz Werner (Zieharmonika), Peter Strang (Saxophon), Volkmar Bretschneider (Trommler) und Rudi Stolle (Doktorhut). Ein Geschenktipp von Dr. Bärbel Wauer, Expertin für Angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts.

- "Maskentänzer"

Auktion 390, Kat.-Nr. 82

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
Ergebnis € 1.270 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- "Peter Schlemihl"

Auktion 390, Kat.-Nr. 83

Schätzpreis € 800 bis € 1.000
Ergebnis € 2.540 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- Märchenfigur "Der kleine Muck"

Auktion 390, Kat.-Nr. 84

Schätzpreis € 600 bis € 800
Ergebnis € 826 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- "Archivarius Lindhost"

Auktion 390, Kat.-Nr. 85

Schätzpreis € 800 bis € 900
Ergebnis € 4.191 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- "Till Eulenspiegel"

Auktion 390, Kat.-Nr. 86

Schätzpreis € 600 bis € 800
Ergebnis € 2.032 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- "Der Jongleur"

Auktion 390, Kat.-Nr. 87

Schätzpreis € 600 bis € 800
Ergebnis € 826 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- Fünf Clowns (Saxophonspieler, Trommler, Zieharmonika, Doktorhut, Orchesterchef)

Auktion 390, Kat.-Nr. 88

Schätzpreis € 2.500 bis € 3.000
Ergebnis € 3.556 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- Zwei Clowns (Saxophonspieler und Gitarrist)

Auktion 390, Kat.-Nr. 89

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
noch erhältlich

AUS DER ZEIT UNSERER U[R]AHNEN

- Standuhr

Auktion 390, Kat.-Nr. 222

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.200
noch erhältlich

- Carteluhr

Auktion 390, Kat.-Nr. 226

Schätzpreis € 1.800 bis € 2.200
Ergebnis € 3.302 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

- Carteluhr

Auktion 390, Kat.-Nr. 227

Schätzpreis € 1.400 bis € 1.600
Ergebnis € 1.524 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

DAS COMEBACK DER PAPAGEIEN

- "Kakadu mit Blumenkorb"

Auktion 390, Kat.-Nr. 80

Schätzpreis € 5.000 bis € 6.000
noch erhältlich

- "Kakadu mit Blumenkorb"

Auktion 390, Kat.-Nr. 81

Schätzpreis € 5.000 bis € 6.000
noch erhältlich

EXHIBITION

"Ich möchte Geschichten erzählen"

Kunst und Kapitalverbrechen. Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und der Münnerstädter Altar

Ein Gespräch mit Dr. Frank Matthias Kammel, Generaldirektor des Bayerischen Nationalmuseums in München

 

Wie kam das „Kapitalverbrechen“ ins Museum?

Nicht von alleine! Das hat Jahre gedauert. Seit 2013 habe ich darauf hingearbeitet, die Flügel vom Altaraufsatz der Münnerstädter Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena – und damit Veit Stoß als Maler – auszustellen. Ich wusste, dass in Münnerstadt Sanierungsarbeiten im Chor anstanden. 2019 war es dann so weit. Die nach Zerteilung des Altaraufsatzes im 17. und 19. Jahrhundert an Ort und Stelle verbliebenen Skulpturen und Tafelgemälde müssen bis zum Frühjahr 2021 ausgelagert werden. Damit ergab sich für das Bayerische Nationalmuseum die Einzigartige Chance, diese originalen Teile des von Tilman Riemenschneider geschaffenen Hochaltarretabels samt der Gemälde von Veit Stoß in einem kurzen Zeitfenster von einigen Monaten auszustellen. Dies bot die Möglichkeit der Gegenüberstellung mit den vor Jahrzehnten zu uns gelangten Teilen des Altars, vor allem aber der Veranschaulichung eines kulturhistorisch besonders bedeutenden und interessanten Beispiels der spätmittelalterlichen Künstlersozialgeschichte.

 

Bitte nur kurz für den Laien: Was haben wir uns unter „Retabel“ vorzustellen?

Das ist ein Altaraufsatz.

So eine anspruchsvolle Ausstellung in Zeiten der Pandemie? Das muss eine Herausforderung gewesen sein.

Richtig. Andere Museen sagen Ausstellungen derzeit ab, schon, weil es nicht einfach ist, die Finanzierung zu stemmen oder Leihgaben zu bekommen. Aber wir möchten mit der neuen Schau zeigen, dass es weitergeht. Natürlich mussten wir bei der Konzeptionierung hier und da Kompromisse eingehen. Dennoch bin ich sicher, dass die Besucher aufgrund der einzigartigen Exponate und der Story, die hinter ihnen steht, begeistert sein werden.

 

Was ist in der Ausstellung denn zu sehen?

Die Ausstellung erzählt insbesondere die spannende Geschichte des Münnerstädter Altars. Zu sehen sind die Münnerstädter Gemälde, sämtliche graphischen Blätter von Veit Stoß, Skulpturen von Tilman Riemenschneider, Arbeiten fränkischer Zeitgenossen sowie Objekte der Rechtsgeschichte und der Alltagskultur – vom Folterwerkzeug bis zum kostbaren Schmuck. Die Ausstellung bietet insofern den Genuss hochrangiger Kunst, lenkt den Blick aber auch auf den Zusammenhang von Verbrechen und künstlerischer Praxis.

 

Verbrechen, Folter – ziemlich reißerische Aufhänger.

 Nun, wir möchten mit der Ausstellung natürlich Neugier wecken und auch Menschen, denen mittelalterliche Kunst eher fern ist, ansprechen. Aber es geht um mehr. Sehen Sie: Hinter jedem Exponat steckt doch eine Geschichte, und diese Geschichten, die immer mit Menschen zu tun haben, möchten wir erzählen. Die Welt des Mittelalters ist weit weg, aber die Gefühle der Menschen, ihr Leid, ihre Trauer und ihre Freude sind uns nah. Dies hilft uns, die Vergangenheit zu verstehen und aus ihr zu lernen.

 

Möchten Sie dann auch Verständnis für Veit Stoß wecken?

Nun, er war wohl kein angenehmer Mensch. Aber, Hand aufs Herz: Steht es uns an, über ihn zu richten? Sicher war das Urteil, das seine kriminelle Tat bestrafte, nach damaligen Maßstäben gerecht. Das reiche Nürnberg lebte ja vom Handel; er bildete die Säule der städtischen Gesellschaft. Und da konnte man es sich nicht erlauben, dass irgendwelche Zweifel an kaufmännischer Reputation aufkamen. Insofern war Urkundenfälschung kein Kavaliersdelikt, sondern ein Kapitalverbrechen, das mit dem Tode bestraft wurde.

 

Kunst und Kriminalität. Wo ist der Link?

Die Konjunktion von Verbrechen und künstlerischer Praxis ist ein Thema, das in allen Zeiten bis in die Gegenwart von Interesse ist. Ohne die kriminelle Verfehlung und ihre Folgen hätte Veit Stoß wohl nie gemalt und der Münnerstädter Altar wäre sicher in einer ganz anderen Weise vollendet worden. Welche Melange bilden Kreativität und Kriminalität? Veit Stoß ein Kapitalverbrecher? Emil Nolde ein Nazi? Ernst Ludwig Kirchner ein Päderast? Inwiefern spielen kriminelle oder moralische Verfehlungen bei der kunsthistorischen Bewertung eine Rolle? Um solche Fragen kreist die Ausstellung. Das ist brandaktuell und sehr spannend!

 

Genau wie bei NEUMEISTER, da erzählen Kunstwerke ja auch aufregende Geschichten. Wo ist die Schnittmenge von Museum und Auktionshaus?

 Da halte ist es mit Wilhelm Bode, nach dem das berühmte Museum in Berlin benannt ist. Er meinte, dass Museen und Kunsthandel voneinander profitieren können. Wie fruchtbar sich das gestalten lässt, zeigt unsere jahrzehntelange Zusammenarbeit mit NEUMEISTER, zum Beispiel in Form des gegenseitigen Austausches bei der Provenienzforschung. Museen setzen immer wieder neue Akzente und bringen gemeinsam mit Auktionshäusern frischen Wind in die Kunstgeschichte. Auch wenn die Missing Links seltener geworden sind, so warte ich doch auf den Tag, an dem bei NEUMEISTER ein unbekanntes Tafelbild von Veit Stoß auftaucht.

 

 

 „MUSEEN SETZEN IMMER WIEDER NEUE AKZENTE UND BRINGEN GEMEINSAM MIT AUKTIONSHÄUSERN FRISCHEN WIND IN DIE KUNSTGESCHICHTE.“

Die Ausstellung Kunst und Kapitalverbrechen Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und der Münnerstädter Altar Sonderausstellung im Bayerischen Nationalmuseum, München Dezember 2020 – 2. Mai 2021

Publikation Kunst und Kapitalverbrechen. Veit Stoß, Tilman Riemenschneider und der Münnerstädter Altar, hg. Von Frank Matthias Kammel, München 2020, ca. 200 Seiten, mit durchgängig farbigen Abb., erhältlich im Museum (€ 29)

Reguläre Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr 

Eintritt für Sonderausstellung und Museum Erwachsene € 10, ermäßigt € 8 

Freier Eintritt für Besucher bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Info: Der Ausstellungstermin hat sich aufgrund der aktuellen Pandemie geändert. 

Weitere Informationen unter www.bayerisches-nationalmuseum.de

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Der Täter Veit Stoß (1447 – 1533) ist neben Tilman Riemenschneider (1460 –1531) der bedeutendste Künstler der süddeutschen Spätgotik. Vielleicht aus Horb am Neckar stammend, erscheint er 1477 erstmals in den Quellen, als er sein Bürgerrecht in Nürnberg aufgibt. Von dort zieht es ihn nach Krakau, wo Stoß an dem riesigen, knapp 16 Meter hohen Hauptaltar der Marienkirche arbeitet und damit sein Hauptwerk schafft. In Polen zu Ansehen und Wohlstand gekommen, kehrt der Künstler Anfang 1496 nach Nürnberg zurück. 1499 kauft er sich dort ein stattliches Haus, das etwa dreimal so viel kostet wie das von Albrecht Dürer.
In Nürnberg lebt Stoß fortan mit kurzer Unterbrechung – siehe unten – bis zu seinem Tod.

Der Fälscher Veit Stoß, der mit Investments wohl mindestens ebenso viel verdient wie mit seiner Kunst, versucht, sein Geld gewinnbringend anzulegen. Doch dann wird er kalt erwischt. Stoß wird betrogen und fälscht im Dezember 1502 einen Schuldschein, um den Geldverlust zu kompensieren.

Der Gebrandmarkte Die Urkundenfälschung wird 1503 aufgedeckt, der Künstler eingekerkert und gebrandmarkt. In der Reichsstadt Nürnberg ist Urkundenfälschung eigentlich ein Kapitalverbrechen, und nur wegen seiner großen Reputation wird Veit Stoß nicht enthauptet. Die „abgemilderte“ Strafe: Ihm werden öffentlich beide Wangen mit einem glühenden Eisen durchstoßen. Veit Stoß verliert bürgerliche Ehre und öffentliches Ansehen.

Der Flüchtling Obwohl Veit Stoß Nürnberg nun eigentlich nicht mehr ohne Genehmigung des Stadtrates verlassen darf, flieht er zu seinem Schwiegersohn Jörg Trummer nach Münnerstadt am Rand der Rhön. Zu groß ist seine Furcht vor noch härterer Bestrafung.

Der Exilant Im „Exil“ verschafft Trummer seinem Schwiegervater den Münnerstädter Auftrag; eine Gelegenheitsarbeit, aber gut bezahlt. Und so bemalt er 1504 in Münnerstadt die Skulpturen und die Flügel des 1490/92 von Tilman Riemenschneider für die Stadtpfarrkirche geschaffenen Altarretabels. Farbenprächtig schildern die Szenen der Werktagsseite die Legende des Frankenapostels Kilian. Die Bilder gelten als die einzigen Gemälde von Veit Stoß. Sie sind – neben den seltenen, aber wohl nicht in Münnerstadt erstellten Kupferstichen – einzigartige künstlerische Zeugnisse der von der kriminellen Verfehlung überschatteten Phase seines Lebens, in der Aufträge ausblieben.

Der reumütige Querulant 1505 kehrt Veit Stoß freiwillig nach Nürnberg zurück und wird dort erneut kurzzeitig verhaftet. Zuerst zeigt man wenig Mitleid mit dem eigenwilligen Zeitgenossen, der sich weiterhin energisch um Rehabilitierung bemüht. Stoß gilt als Querulant, als „unruwiger haylosser Burger“.

Der Rehabilitierte Es dauert etwa ein Jahrzehnt, bis sich die Wogen glätten. Aufträge für Kaiser Maximilian I., der ihn protegiert, halten Stoß über Wasser; ab 1516 bestellen dann auch wohlhabende Nürnberger Patrizier wieder bei ihm, sodass Veit Stoß 1533 als wohlhabender Mann zu Grabe getragen wird.

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ALTE MEISTER

 

Auf einem Meisterwerk von Lucas Cranach d. Ä. grüßt ein ungleiches Paar aus der Renaissance, mit derben Sujets die stark vertretene flämisch-niederländische Malerei.

Barock ist mit Sophonisbe, die einen Giftbecher trinkt, mit von der Partie.  Beeindruckend auch die hochkarätigen französischen Historienbilder und die Werke deutscher Landschaftsmaler des 19. Jh. Und natürlich darf auch Carl Spitzweg als echter NEUMEISTER-Klassiker bei der Weihnachtsauktion nicht fehlen.

MALEREI DES ORIENTALISMUS AUS DEM 19. JAHRHUNDERT

KARL MAY WAR NIE IM WILDEN WESTEN. UND GENAUSO WENIG WIRD ALBERT RIEGER JE IN EINER OASE EINEN SONNENUNTERGANG GENOSSEN HABEN. BEI DER ORIENTALISCHEN SZENE, DIE DER KÜNSTLER MIT ÖL AUF LEINWAND BRACHTE, LIESS ER SEINE PINSEL VON NEUGIER UND SEHNSUCHT LEITEN. DER 1834 IN TRIEST ALS SOHN DES MALERS GIUSEPPE RIEGER GEBORENE MALER WAR EIN KIND SEINER ZEIT. IN GANZ EUROPA LÖSTE DER ORIENT VON ÄGYPTEN BIS CHINA IM 18. UND 19. JAHRHUNDERT EINE UNGEHEURE FASZINATION AUS. EIN MYSTIFIZIERTES TRAUMREICH – ANGSTEINFLÖSSEND UND ANZIEHEND ZUGLEICH.

Rieger war in seiner Arbeit sehr vom in Berlin geborenen deutschen Maler Bernhard Fiedler (1816–1904) beeinflusst. Der tat, was viele Wissenschaftler und Künstler zu dieser Zeit gern getan hätten: Er reiste in die ersehnte Ferne. Gefördert vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und vom belgischen König Leopold II. unternahm Fiedler Expeditionen durch Ägypten, Palästina und Syrien – und brachte umfangreiches Material für seine Motive mit. Der Einfluss Fiedlers großformatiger Orientgemälde in romantischer Naturauffassung auf Riegers Werk ist unverkennbar. Etwa in der „Oase bei Sonnenaufgang“, die in der Weihnachtsauktion bei NEUMEISTER aufgerufen wird. Ebenfalls ein Großformat – 159 × 226 cm – und reich an Details. Im Zentrum befindet sich eine von Dattelpalmen bewachsene Oase. Die untergehende Sonne spiegelt sich im Wasser. Unter Palmen, am Wasser sitzend, eine Gruppe in orientalischer Kleidung, mit Turban und Fez, teils Pfeife rauchend. Ein Kind läuft umher. Ein scheinbar friedliches Bild. Und doch lösen die wuchernden Pflanzen eine leichte Irritation beim Betrachter hervor. Was verbirgt sich hinter der exotischen Kulisse?

Solch phantasievolle Verbildlichung fremder Welten wurde durch Napoleons Feldzug in Ägypten (1798/99) vor allem in Frankreich phantasievoll angeheizt. Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867) etwa provozierte mit seinem „Das türkische Bad“ (1863): Lauter nackte Damen in einem Harem; zwei davon gar dabei, sich gegenseitig zu liebkosen. Ingres war nie im Orient; er hatte sich zu seinen freizügigen Darstellungen dieser Welt durch Berichte inspirieren lassen. Und so übernahm er in seiner Bildsprache das Klischee vom Morgenland als Ort von Dekadenz und Sinnlichkeit. Geschickt: Durch fremdländisches Interieur im Bildhintergrund verortete der Künstler auch die verruchtesten Szenen irgendwo am anderen Ende der Welt, nahm ihnen damit die Brisanz – und machte sie auch in Europa gesellschaftsfähig.

Domenico Morelli - Sitzende Orientalin

Auktion 390, Kat.-Nr. 534

Schätzpreis € 500 bis € 700
noch erhältlich

Wilhelm Gail - Tanz im Löwenhof der Alhambra in Granada

Auktion 390, Kat.-Nr. 674

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

Das Interesse am Orient war grenzenlos. Populäre „Menschenschauen“ und vor allem die Weltausstellungen der Jahre 1855 und 1867 förderten den Trend. In Paris 1867 beispielsweise war der preußische Beitrag zu dieser globalen Schau ein maurischer Kiosk. Im 19. Jahrhundert ließen sich auch in Deutschland immer mehr Künstler von fernen Ländern inspirieren. Und mit dem beginnenden Orient-Tourismus fanden exotische Motive großes Interesse beim kunstinteressierten Publikum.

Maler wie Adolf von Meckel (1856–1893), dessen frühe Gemälde noch europäische Landschaften zeigen (siehe Seite 75), wendeten sich nach einer Reise durch Ägypten, Palästina oder Syrien ganz dem orientalischen Genre zu. Mit Georg Macco (1863–1933) ist ein weiterer deutscher Orientalist in der Dezemberauktion vertreten (Lot 528, 529, 713), ebenso wie der Italiener Domenico Morelli (1826–1901) mit der Zeichnung „ Sitzende Orientalin“. Zur Versteigerung kommt auch ein wunderbares Gemälde-Pärchen des französischen Künstlers Théodore Frère (1813– 1888), der sich ab 1839 ausschließlich orientalischen Sujets zuwendet. Der Mann bereiste Algerien und Syrien, Konstantinopel und Kleinasien und durchquerte die Wüste. Regelmäßig verbrachte der Künstler den Winter in Ägypten und unterhielt sogar ein Atelier in Kairo. 1869 befand sich Frère im Gefolge der französischen Kaiserin Eugénie bei deren Ägyptenreise zur Eröffnung des Suez-Kanals, eine Tour, die er in 13 Aquarellen und Gemälden der Serie „Voyage de S. M. l’impératrice Eugénie en Egypte“ festhielt.

In der Weihnachtsauktion kommen zwei Gemälde von Théodore Frère zum Aufruf: eine rastende Karawane vor den Ruinen des Tempels von Karnak und ein Kuhhirte am Ufer des Nils. Ganz in die maurische Thematik fügt sich auch der Tanz im Löwenhof der Alhambra ein, ein stimmungsvolles Gemälde von Wilhelm Gail (1804–1890), dem Reisen nach Italien und 1832/33 nach Spanien einen großen Motivvorrat für Gemälde und auch druckgraphische Arbeiten lieferten. 1837, dem Entstehungsjahr des zur Versteigerung kommenden Gemäldes, publizierte er beispielsweise die Lithographienfolge „Erinnerungen aus Spanien“. Die Alhambra in Granada und der dortige Löwenhof sind als Motiv auf mehreren Gemälden Wilhelm Gails nachweisbar.

Was bleibt ist Fernweh. Und da geht es uns heute kaum anders als Betrachtern von Orientgemälden im 19. Jahrhundert. Zumal die Reiseplanung in exotische Länder derzeit schwerfällt. Sonnenuntergang in paradiesischen Oasen leibhaftig erleben? Gerade eher schwierig. Wie gut, dass das mit dem gedanklichen An-andere- Orte-Beamen auch im 21. Jahrhundert noch ganz hervorragend gelingt. Die gemalten Inspirationsquellen hängen bereit. Augen auf – und fröhliche Reise! (kjk)

Théodore Frère - Rastende Karawane vor den Ruinen des Tempels von Karnak - Kuhhirte am Ufer des Nils

Auktion 390, Kat.-Nr. 672

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Unbekannt - Orientalische Küstenlandschaft mit Zelt

Auktion 390, Kat.-Nr. 673

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
noch erhältlich

GRUSS VOM PHARAO

ALTÄGYPTISCHE KÄFER, MEISTERLICH AN DIE KETTE GELEGT

Eine Oper für Kairo komponieren!!! Puh! Ich gehe nicht hin, sie zu inszenieren, weil ich fürchten müsste, dort mumifiziert zu werden“, so Giuseppe Verdi am 16. Juli 1870 in einem Brief an einen Freund. Er komponierte sie doch. Am 24. Dezember 1871 fand die Uraufführung von „Aida“ in Kairo statt, danach eroberte die Oper Europa. Erst Napoleons Feldzug, dann Aida und die Orientmaler: Ägypten war im damaligen Europa angesagt wie nie. Jeder Gentleman, der auf sich hielt, unternahm eine „Expedition“ in dieses verheißungsvolle Abenteuerland, am liebsten mit dem Schiff. So staksen am 22. Januar 1891 zum Beispiel Herrschaften aus Hamburg, britische Ladys und wohlhabende Amerikaner samt einer Entourage von Butlern und Dienstboten in Cuxhaven über die Gangway an Bord der „Auguste Victoria“, um mit dem mondänen Passagierschiff das Mittelmeer zu erkunden. Der mit unfassbarem Luxus ausgestattete Dampfer von Hapag Lloyd sorgt überall für Aufsehen, wird in den Häfen des Mittelmeeres mit Salutschüssen empfangen und in Konstantinopel kommt sogar der Sultan an Bord. Fünf Tage verweilt das Schiff im ägyptischen Alexandria, genug Zeit also, um auf Kamelen zu reiten, Pyramiden zu bestaunen, eine Fahrt auf dem Nil zu unternehmen sowie Skarabäen und sonstige Erinnerungsstücke einzutüten.

Berichte über solch aufregende Reisen waren ein beliebtes Gesprächsthema in den Salons. Da wurde dann aber auch ernsthaft die Frage gestellt, ob es sich für Damen überhaupt schickt, eine Kreuzfahrt zu unternehmen? Oder ist es nicht ungehörig, dass sich – um beim Beispiel der Auguste Victoria zu bleiben – an Bord 67 Damen befanden.

Hm, wie sollte eine Dame von Stand ihr Faible für den Orient und insbesondere Ägypten dann am besten zur Schau tragen? Klar, sie könnte sich Gemälde an die Wand hängen oder einen kleinen Obelisken im Schlaf- gemach positionieren – aber wie viel reizvoller ist es, den Hauch der Pharaonen-Zeit auf der Haut zu spüren, etwa in Form von altägyptischen Skarabäen und Amuletten, gefasst als Collier, Armband und Ohrstecker. Ein Traum! Sehr viel später, im Dezember 2020, könnte dieser Traum wahr werden, denn dann wird bei NEUMEISTER eine Parure aufgerufen, erstellt in Frankreich um 1865 zu Hochzeiten des Orient-Hypes. Jetzt heißt es nur noch: Bieten!

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TASTE

Wie feiert man eine gelungene Auktion? Mit Champagner, schon klar. Doch es gibt da eine reizende Alternative, die praktischerweise nur wenige Meter von NEUMEISTER entfernt liegt. Berauscht vom Bieten, Überbieten, Zuschlag bekommen und der großen Freude über ein neues erkämpftes Objekt verlässt man das Haus an der Barer Straße 37 und schlendert rechts den Weg entlang gen Karolinenplatz.

Wie oft ist man hier als Einheimischer schon hergelaufen, geradelt oder mit der Tram gefahren. Aber hat man diesen einzigartigen Ort eigentlich bei all den Besuchen bewusst wahrgenommen? Und sich vergegenwärtigt, wie herrlich dieses Kunstareal eigentlich ist? 16 Museen, Ausstellungshäuser, ungefähr 40 Galerien und sechs Hochschulen auf 66 Hektar mitten in der Stadt. Was für ein Geschenk! In diesem vermaledeiten Corona- Jahr stand während des ausgefallenen Oktoberfests bekanntlich das Wiesn-Riesenrad auf dem Königsplatz. Und von hoch oben sah man von Glück beseelt auf dieses vor Kunst und Kultur strotzende Plätzchen.

Als Herzstück mittendrin: die Alte Pinakothek. Da zieht’s uns hin auf unserem Weg zum perfekten Ausklang eines aufregenden Auktionsnachmittags. Aber nicht gleich in die Ausstellungsräume mit ihren mehr als 700 Gemälden. Erst locken uns Kaffee- und Kuchenduft vom Eingangsbereich aus nach links. Denn in dem im hinteren Teil der Vorhalle liegenden Café Klenze gibt es einige der köstlichsten Torten und Teigwaren, die man in München finden kann.

Doch zurück zu den Köstlichkeiten: Wir feiern nicht mit Torte, Quiche oder Kuchen – im Herbst und Winter müssen es Scones sein. Denn für seine Scones ist das Victorian Teahouse, zu dem das Klenze gehört, bekannt. Und wenn schon Scones, dann die mit der köstlichen Cornish Clotted Cream und Erdbeermarmelade. Dazu heiße Schokolade, Tee oder Kaffee. In netter Gesellschaft genossen und im Anschluss die Alten Meister besucht. Dieser Tag wird zur prickelnden Erinnerung – wer braucht da noch Champagner? (kjk)

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MODERNE KUNST

 

Max Liebermann, Lesser Ury und Max Slevogt: 
Bei der NEUMEISTER-Weihnachtsauktion geben sich drei der bedeutendsten deutschen Impressionisten die Ehre.

Mit einem hockarätigen Gemälde, das Max Pechstein in der Künstlerkolonie Nidden malte, folgt der nahtlose Übergang zum Expressionismus.

Und eine Lithographie von Pablo Picasso führt in den sonnigen Süden Frankreichs.

Lesser Ury - Auf dem Balkon des Café Bauer, Berlin. 1889

Auktion 69, Kat.-Nr. 1000

Schätzpreis € 130.000 bis € 180.000
noch erhältlich

Max Liebermann - Tennisplatz am Meer - Studie. 1901

Auktion 69, Kat.-Nr. 1001

Schätzpreis € 80.000 bis € 120.000
noch erhältlich

Hermann Max Pechstein - Keitelkähne. 1920

Auktion 69, Kat.-Nr. 1004

Schätzpreis € 350.000 bis € 450.000
noch erhältlich

Rupprecht Geiger - 683/74, 1974

Auktion 69, Kat.-Nr. 1016

Schätzpreis € 40.000 bis € 60.000
noch erhältlich

Bernd Zimmer - Erdschnitt-Sahara. 1996

Auktion 69, Kat.-Nr. 1061

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

SCHMUCK

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Frohes Fest!