HIGHLIGHTS
AUKTION KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN

28 SEPTEMBER 14 UHR


Für Freunde feinen Porzellans hält die Herbstauktion eine Schatztruhe ausgesuchter Pretiosen bereit. Zum Aufruf kommen etwa 60 Positionen aus der Privatsammlung eines Kunstfreundes aus Münster mit Faible für Blumen- und Insektendekor. Für blühende Begeisterung in der Auktion dürfte eine wertvolle Becher-Vase sorgen, gefertigt in Meissen, um 1730. Buntes „indianisches“ Blumendekor, fliegende Vögel sowie verstreute Blüten und Insekten lassen sich da ausmachen – und jene blaue Marke, die Kennern verrät, dass dieses schöne Stück – wie sämtliche Porzellane der Meissener Manufaktur mit der Marke „AR“ (Augustus Rex) in Unterglasurblau – ausschließlich für August den Starken (1670 – 1733) gefertigt wurden, entweder, um dessen private Sammlung zu vervollständigen oder an Fürsten- und Königshäuser verschenkt zu werden. Weitere Highlights sind Stücke aus dem berühmten „Brühlschen Allerlei“. Namensgeber ist Heinrich Graf von Brühl (1700 – 1763), Premierminister am sächsisch-polnischen Hof und Direktor der Meissener Porzellanmanufaktur. Als Ausdruck seiner gesellschaftlichen Stellung, zu der auch Repräsentationspflichten in Vertretung des Königs gehörten, gab dieser zwei außergewöhnliche und umfangreiche Service in Auftrag: das 1735 – 1742 entstandene Schwanenservice mit seinen feinen Relief-Darstellungen und opulentem figürlichen Schmuck und das so genannte Brühlsche Allerlei mit seiner Bemalung, die 1742 erstmals Feldfrüchte mit Blumenbuketts auf Porzellan vereinte. Aber wie spricht uns Porzellan durch die Blume an? Antworten gibt ein Artikel von Dr. Sarah-Katharina Andres-Acevedo. Einfach nur schön sind die Kunstobjekte, die aus dem Nachlass des Sammlers Adam Sieder stammen. Zum Konvolut zählen vor allem gotische Skulpturen und Barockmöbel aus dem süddeutschen Raum sowie einige bedeutsame Gemälde. Abgerundet wird das Angebot durch hochwertige Ikonen aus einer süddeutschen Privatsammlung.

Durch die Blume

Meissner Porzellan


Begibt man sich auf einen Streifzug durch die Frühzeit der 1710 in Dresden gegründeten Königlichen Porzellan-Manufaktur, so begegnen einem Blüten und Blumen zunächst in Form elaborierter plastischer Belege auf Gefäßen aus Böttgerporzellan. Gemalt dekorieren sie der Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt (1696 – 1775) und später auch seine Werkstattmitarbeiter erstmals in den 1720er Jahren als authentische Kopie nach japanischen und chinesischen Porzellanen aus der Sammlung Augusts des Starken (1670 – 1733) für die Ausstattung des Japanischen Palais in Dresden. 

Ikonen: Bilder für die Seele

 


 Ikonen sind bei NEUMEISTER seit jeher gefragt. Mit etwa 50 Positionen aus einer süddeutschen Privatsammlung, sämtlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert,  ist das Angebot der Andachtsbilder in der September-Auktion diesmal außergewöhnlich groß.

EINFACH NUR SCHÖN

NEUMEISTER versteigert ausgesuchte Objekte aus dem Nachlass des Kunstsammlers ADAM SIEDER


Adam Sieder, ehemaliger Vorstand der Sparkasse Memmingen und sein Leben lang kunstinteressiert, sammelte vor allem gotische Skulpturen und Barockmöbel aus dem süddeutschen Raum sowie Werke des deutschen Barockmalers Johann Heiss (1640 Memmingen  – 1704 Augsburg).


Storage mit STIL


Von NEUMEISTER-Expertin Dr. Bettina Schwick M. A.

Im September versteigert NEUMEISTER mehrere Kommoden, in denen sich Geschmack und Stil der Zeit spiegeln.

Die Kommode als halbhohes Kastenmöbel mit Schubladen zählt neben dem Schrank oder der Truhe zu den sogenannten Behältnismöbeln, ist entwicklungsgeschichtlich jedoch jünger. Sie leitet sich ab von dem Typus der Truhe und des spätgotischen Schubladenschranks und findet sich ab dem 17. Jahrhundert vor allem im Frankreich. Von dort aus verbreitet sie sich ab Anfang des 18. Jahrhunderts in den deutschsprachigen Raum.

In der Handhabung bequemer (frz. commode) als etwa eine Truhe und deutlich praktischer für Aufbewahrungszwecke, setzte sich in dieser Zeit die Bezeichnung als Kommode durch.

Abhängig von Entstehungsort, Kunstlandschaft und Auftraggeber wurde die schlichte Kastenform in Stollenbauweise vielfältig variiert: So finden sich nicht nur rechteckige, sondern auch trapezförmige Grundrisse, die Korpusform wurde durch Schweifungen belebt und die Oberflächen durch den Einsatz verschiedener Furnierhölzer, Fassungen oder Materialien wie etwa Schildpatt oder Elfenbein in unterschiedlichsten Dekorformen gestaltet. An die Stelle einer (furnierten) Holzplatte konnte auch eine dem Grundriss entsprechende Steinplatte aufgelegt sein.

KOMMODE
Frankreich (Paris), Mitte 18. Jh.

Furnier Rosenholz
86 × 128 × 65,5 cm

AUKTION 406 // LOT 200
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 5.000

 

Die Kommode weist noch die für die französische Stilphase der Régence (um 1715 – ca. 1730) charakteristische Korpusform „en tombeau“ auf, bei der Front und Seiten gebaucht sind. Charakteristisch hierfür sind auch die sogenannten Traversen, horizontale Zwischenstege, die die Schubladen voneinander trennen. Auf einem der Stollen unter der Marmorplatte findet sich der Schlagstempel „I. M. CHEVALL“ (wohl Jean-Mathieu Chevallier, Meister 1743): 1743 hatte die Zunft der Möbelschreiner in Paris die Stempelpflicht eingeführt, um die Konkurrenz durch nicht zünftig organisierte Schreiner einzuschränken.

 

Typisch für barocke Stockholmer Kommoden ist die ausgeprägte Bauchung oder Bombierung des Korpus, die von den geschweiften Vorderstollen nachvollzogen wird. Die rautenförmige Furnieranordnung ist hier ein beliebtes Dekorelement. Auch für Stockholmer Schreinermeister ist eine namentliche Kennzeichnung ihrer Produkte belegt: Hier findet sich auf dem Vorderstück einer Schublade der Schlagstempel „GFT“, der für Gustaf Foltiern steht, der zwischen 1771 und 1804 als Meister in Stockholm tätig war

KOMMODE
Stockholm, gestempelt Gustaf Foltiern,
Meister in Stockholm 1771 – 1804, 2. Hälfte 18. Jh.

Furnier Palisander, Ahorn
82 × 93 × 50 cm

AUKTION 406 // LOT 201
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 6.000
KOMMODE
Sachsen, 18. Jh.

Furnier Nussbaum, Nussmaser
85 × 122 × 68 cm

AUKTION 406 // LOT 203
SCHÄTZPREIS € 3.500 – 3.800

 

Ein breitgelagerter Korpus auf niedrigen, leicht ausgestellten Beinen bestimmt die Proportionierung dieser typischen sächsischen Kommode. Die frontale Bauchung wiederholt sich in dem geschweiften Profil der Platte, durch Zwetschge abgesetzte Friese rahmen mit Nussmaser furnierte Felder und grenzen die Schubladen voneinander ab. Typologisch gut vergleichbar sind hier Kommoden der Jahrhundertmitte in Schloss Moritzburg oder dem Kunstgewerbemuseum in Schloss Köpenick.

 

Die Besonderheit dieser nussbaumfurnierten süddeutschen Kommode mit seitlichen Tragegriffen ist die aufwändige Gravur des Beschlagdekors, der nicht nur die abgerundeten Vorderkanten und die kleine Schürze hervorhebt, sondern auch die horizontalen Messingbänder und sogar die Kastenschlösser der Schubladen ziert. Bestimmend ist hier die Ornamentform des sogenannten Lauboder Bandlwerks, das von Frankreich ausgehend ab dem zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts durch Ornamentstecher Verbreitung im deutschsprachigen und insbesondere im süddeutschen Raum fand. Der besondere Dekoraufwand lässt auf einen hochgestellten Auftraggeber schließen, der dieses Möbel sicherlich für einen Repräsentationsraum in Auftrag gegeben hatte.

KOMMODE
Süddeutsch (Ansbach?), 1. Hälfte 18. Jh.

Furnier Nussbaum
85 × 112 × 66 cm

AUKTION 406 // LOT 205
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000
FAYENCEN
PORZELLAN
SILBER
OSTASIATISCHE KUNST
MÖBEL
JUGENDSTIL, DESIGN DES 20. JAHRHUNDERTS
KUNSTGEWERBE
JUGENDSTIL, KUNSTGEWERBE DES 20. JAHRHUNDERTS
SKULPTUREN
ADAM SIEDER STIFTUNG
MÖBEL
EINRICHTUNG
KUNSTHANDWERK
UHREN
TAPISSERIE UND TEXTILIEN
SAMMLUNG MEISSNER PORZELLAN