KULTUR BAUSTELLE MÜNCHEN


VON Katja Kraft und Andreas Lück

 

Münchens Hochkultur blüht, zeigt aber welke Stellen. Konzerthäuser, Theater und Museum sind marode und wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Andere werden in den nächsten Jahren die Türen schließen, um fit für die Zukunft gemacht zu werden. In Zeiten, in denen die Stadt ohnehin unter jahrelangen Straßenbaustellen zu leiden hat, drohen nun auch dauerhafte Kulturbaustellen. Deshalb fordern Kulturfreude nun Entscheidungen, Ideen und Visionen ein. Damit die München als Kulturstandort nicht still und leise im Schattendasein eingeht. 

Drei Orchester von Weltrang, Theater und Museen der Spitzenklasse, Events mit Mega-Stars, dazu ein breites, begütertes Publikum. München braucht Vergleiche mit Paris, London, Rom oder Wien nicht scheuen. Warum sonst zieht es Sir Simon Rattle, den Chefdirigenten des BR-Symphonieorchesters an die Isar oder Serge Dorny, den experimentierfreudigen Intendanten der Staatsoper? Warum gibt Popstar Adele in diesem Jahr acht Konzerte in Riem? Unglaublich, welches Potential München als Kunststadt besitzt! Damit könnte man es jetzt bewenden lassen, wäre da nicht die große Zahl jener Kulturfreunde, die sorgenvoll in die Zukunft blicken. Sie befürchten, dass Stillstand im Kultursektor den klangvollen Ruf Münchens als kosmopolitische Metropole beschädigen könnte – wobei das zähe Ringen um das Konzerthaus gern als Paradebeispiel für die Hasenherzigkeit politischer Entscheider angeführt wird. Neben so einem spektakulären Neubauprojekt ist es dann aber auch der Sanierungsstau im Altbestand, der den Blutdruck hiesiger Kulturkämpfer in die Höhe treibt. Sollte es auf den Kulturbaustellen der Stadt nicht schneller, koordinierter und willensstärker vorangehen, bestehe auch hier die Gefahr, dass Münchens schön - geistiges Image Schaden nehme. Und es ist ja wirklich einiges im Umbruch: Neue Pinakothek, Villa Stuck und Münchner Stadtmuseum wurden wegen Umbauarbeiten bereits geschlossen. Residenztheater, Oper und Haus der Kunst sind weitere Großprojekte der nächsten Jahre. Eine Mammutaufgabe.

Ist der Ruf nach Neubau und Sanierungen von Kulturtempeln in wirtschaftlich schweren Zeiten nun ein unverhältnismäßiger Luxus oder unumgänglich, um München dauerhaft kulturelles Gewicht zu verleihen? Vor allem darum kreist die Diskussion. Doch angesichts angespannter Haushalte tut sich die Politik schwer, Steuergelder für Bauprojekte im Kulturbereich bereitzustellen. Geht diese Rechnung auf? Zitat: Was bringt das Sparen, wenn kulturinteressierte Touristen vergrault werden oder auch weltoffene Expats, die es wegen attraktiver IT-Arbeitsstellen eigentlich nach München zieht, dann aber doch nicht kommen, weil sie das Kulturangebot nicht überzeugt? Schließlich sei noch angeführt, dass die Stärkung der Kultur als Integrationsort für eine pluralistische Gesellschaft ein Wert ist, der in Zahlen gar nicht bezifferbar ist.

Die bayerische Staatsregierung scheint ein reines Gewissen zu haben. Laut Kunstminister Markus Blume investiere der Freistaat so viel wie kein anderes Bundesland in Kultur. Unlängst ließ er wissen, das bayernweit Baumaßnahmen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro im Kulturbereich laufen. Nun gelte es, mehr privates Kapital für Großprojekte zu mobilisieren. Und wie es in Bayerns Landeshauptstadt angehen könnte, verdeutlichte Blume vor rund einem Jahr, als er eine „Kulturkaskade“ ankündigte, seine Strategie für anstehende Sanierungen Münchner Kulturstätten.

Skeptiker befürchten, dass München zur kulturellen Provinzstadt degradiert werden könnte. Zaudern und ein Mangel an Visionen wird der bayerischen Kulturpolitik im Hinblick auf die Landeshauptstadt vorgeworfen, Entscheidungsfreude und Mut zu Neuem eingefordert. Einer von denen, die sich Sorgen um den Kulturstandort München machen, ist Markus Michalke. Seit Jahrzehnten engagiert sich der Vorsitzende der Stiftung Pinakothek der Moderne ehrenamtlich für die Kultur in der Isarmetropole. Zusammen mit Anna Kleeblatt (u. a. Vorstand der Freunde des Nationaltheaters e.V.) hat er m Herbst 2022 die „Initiative Kultur Zukunft“ ins Leben gerufen. „Nur mit einer gründlichen Planung, einer klaren Ausrichtung auf die Zukunft, einer guten Kommunikationsstrategie, ihrer konsequenten Umsetzung und der Einbindung von Expertinnen und Experten können die vielen Sanierungsvorhaben der Kulturbauten in den nächsten 30 Jahren zukunftsrelevant umgesetzt werden. So werden öffentliche Gelder nicht verschwendet und keine Denkmäler saniert, sondern es wird ein (Er-)Lebensraum für die Gesellschaft geschaffen,“ so Markus Michalke.

Rund 39 Förderkreise wichtiger bayerischer Kulturinstitutionen haben sich der "Initiative Kultur Zukunft" bereits angeschlossen. Vom Verein der Freunde des Bayerischen Staatsschauspiels über die Freunde und Förderer der Münchner Philharmoniker, die PIN-Freunde der Pinakothek der Moderne bis zu den Freunden Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Dabei fordert die Initiative mitnichten einfach nur mehr Geld. Ihr Wunsch ist es vielmehr, dass Steuermittel sinnvoll in Kunst und Kultur investiert werden. Es geht um Perspektiven, man möchte für die Anforderungen der Zukunft sensibilisieren, bei der Lösung drängender kulturpolitischer Fragen inspirieren, ermutigen, unterstützen – und ganz konkret: zeitgemäße Sanierungskonzepte partizipativ entwickeln.

Aber wie sieht es auf Münchens Kulturbaustellen aktuell eigentlich aus? Wo wird schon gewerkelt? Was ist geplant? Wir haben uns umgeschaut. 

 


GASTEIG
Ein offenes Haus für alle

Auf einer Anhöhe am Isarufer thront seit 1985 ein Backsteinbau, dessen Äußeres manche wohlwollend als markant beschreiben, andere kurzum als unsäglich hässlich: Das Kulturzentrum Gasteig, dessen Name auf „Gacher Steig“ (bayr. „Steiler Steig“) zurückgeht, ist Heimstätte der Münchner Philharmoniker. Nun wird das wuchtige Gebäude generalsaniert – nicht aus ästhetischen Gründen, sondern wegen technischer Notwendigkeiten. Der Umbau des in die Jahre gekommenen Hauses mit seinen mehr als 90.000 Quadratmetern soll den Gasteig fit für die Zukunft machen. Bis das Kulturzentrum in neuem Glanz erstrahlt, weicht man in eine eigens dafür gebaute Interimsspielstätte aus: Die bereits im Oktober 2021 auf einem Werksgelände der Stadtwerke München eröffnete Isarphilharmonie „Gasteig HP 8“, die die Herzen der Münchner mit ihrem coolen Industrieambiente schnell erobert hat, ist Bühne für die Münchner Philharmoniker, das Orchester des Bayerischen Rundfunks sowie das Münchner Kammerorchester. 

 

 

 

Offen und transparent: So soll das neue Kulturzentrum Gasteig aussehen. Ein Ort der Begegnung.

Frühestens Anfang der 2030er-Jahre soll der neue Gasteig inklusive Philharmonie und Stadtbibliothek Besuchern wieder offenstehen. Im Rahmen der Sanierungspläne werden unter anderem Teile der Backsteinfassade durch Glasflächen ersetzt. Eine von weitem sichtbare gläserne Kulturbrücke soll alle Gebäudeteile verbinden – womit man signalisieren möchte, dass Europas größtes Kulturzentrum ein offenes Haus für alle ist und als pulsierender Begegnungsort eine Brücke in die Stadt schlägt. Buchstäblicher Höhepunkt der Sanierungspläne: Auf dem Dach der Philharmonie soll ein neuer Aussichtspunkt hoch über der Isar entstehen. Dort wird es auch ein Dachrestaurant geben – und vor allem einen einzigartigen Panoramablick über München. Den kann man allerdings schon jetzt in der Bar genießen, die im letzten Sommer auf dem Dach des Gasteigs entstand und nun in die zweite Saison geht. On top gibt es dort Getränke, Speisen und chillige Musik. ➝ gasteig.de


KONZERTHAUS MÜNCHEN
Es war einmal eine große Idee

Es war einmal eine große Idee. Konzipiert als „offenes, lebendiges und überraschendes Haus“ sollte das „Konzerthaus München“ mit Musik von Klassik bis Jazz, von Weltmusik bis zu völlig neuen experimentellen Formen begeistern und berühren. Ein Neubau mit spektakulärer Architektur und einzigartiger Akustik als würdiges Domizil des weltberühmten Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Mit 1800 Plätzen in einem großen Saal, bis zu 600 Sitzen in einem kleinen Saal und einem Multifunktionssaal.

Neben den Bereichen „Sound Art und Education“ der Hochschule für Musik und Theater München sollte zudem für alle Klangkörper Platz sein, die derzeit keine Heimat haben. Kein reiner Konzert - tempel also, sondern eine multifunktionale Begeg - nungsstätte. Ein Konzerthaus mitten im Herzen der Stadt, im Münchner Werksviertel, einem krea - tiven, coolen und innovativen Areal am Münchner Ostbahnhof. Soweit die Vision. Die Realität sieht nüchterner aus – spätestens seitdem die Bayerische Staatsregierung das Konzerthaus verbal zum Konzertsaal "redimensioniert" hat. Vor allem wegen der Finanzierung wird seit Jahren um das Großprojekt gerungen, dessen Kosten zuletzt auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt wurden. 2022 hatte Ministerpräsident Markus Söder dem Leucht - turmprojekt eine vielfach zitierte „Denkpause“ verordnet, die seitens der Regierung bis kurz nach der Landtagswahl am 8. Oktober 2023 andauerte. Anschließend bekannte sie sich war zum Konzertsaal im Werksviertel, machte aber klar, dass die Planung überarbeitet und die Kosten abgespeckt werden sollten. Aus dem Milliarden müsse ein Millionenprojekt werden, gab Minister Blume vor.

Die Konzerthaus-Stiftung brauchte keine Zeit zum Nachdenken. Sie handelte, nutzte die von Markus Söder verordnete Auszeit und sammelte mehrere Millionen Euro. Freunde der großen Idee appellieren, dass man gerade in der Wirtschaftskrise nicht an der Kultur sparen dürfe. 

Animation des Konzerthauses im Münchner Werksviertel. Ob es so jemals realisiert wird, ist fraglich, denn das Haus soll zum Saal „redimensioniert“ werden.

Insbesondere bei der Musik müsse Münchens Anspruch sein, sich mit Weltstädten wie New York und London zu messen. Man dürfe sich da ruhig mehr zutrauen, sonst habe man schon verloren. Auch auf Hamburgs Elbphilharmonie verweisen Münchens Konzerthaus-Befürworter gerne. Da habe es wegen der aus dem Ruder gelaufenen Kosten auch erst einen Aufschrei gegeben, jetzt sei das Haus als Wahrzeichen und Weltattraktion nicht mehr aus Hamburg wegzudenken. ➝ konzerthaus-muenchen.de stiftung-konzerthaus.org


RESIDENZTHEATER
Hinter der Bühne wird’s eng

Ab 1948 erstand das im Krieg zerstörte Residenztheater aus Ruinen. Schon wenige Jahre später konnte Premiere gefeiert werden, und alles, was Rang und Namen hatte, war dabei. Scharenweise drückte man sich seinerzeit an den Scheiben der Eingangstüren die Nasen platt, um einen Blick auf die illustre Gesellschaft zu erhaschen. Die Liebe der Münchner zum „Resi“ ist seither ungebrochen, auch wenn das bei der Eröffnung als „modernste Bühne Deutschlands“ gefeierte Haus ins Rentenalter gekommen ist. Zwar wurden schon früher Sanierungsarbeiten durchgeführt, doch nun ist ein weiteres Upgrade der Heimspielstätte des Bayerischen Staatsschauspiels nötig. Für Besucher auf den ersten Blick nicht ersichtlich, müssen zum Beispiel Büros und Garderoben dringend erweitert werden.

Für die Zeit der Auffrischungsarbeiten von 2029 bis 2034 braucht es ein Ausweichquartier, auch wenn Cuvilliéstheater und Marstall als Bühnen weiter zur Verfügung stehen. Auf der Suche nach einer Hauptspielstätte blickte man zunächst aufs Prinzregententheater, aber dort hat die August Everding Akademie ihren Stammsitz. Man käme den Schülerinnen und Schülern in die Quere, die an vielen Abenden im Jahr auf der Bühne agieren, ganz zu schweigen von den privaten Veranstaltern, die das Prinzregententheater für Konzerte und Lesungen buchen. BR-Chor und dem Rundfunkorchester, die häufig hier spielen, würde man ebenfalls einen ihrer Austragungsorte streitig machen. Daher ist die Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke als Exitvariante im Gespräch. ➝ residenztheater.de

 


HOCHSCHULE FÜR MUSIK UND THEATER
Zukunftsweisender Campus als Vision

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist die größte staatliche Kunsthochschule in Bayern und bildet in den Bereichen Musik, Tanz und Theater, Kulturmanagement und Kulturjournalismus insgesamt rund 1.300 Studierende aus. Mit fünf Standorten ist die HMTM an wichtigen kulturellen Knotenpunkten in München aktiv. Hauptsitz ist seit 1957 der ehemalige "Führerbau" in der Arcisstr. 12 am Königsplatz mitten im Münchner Kunstareal. Das Gebäude diente den Nationalsozialisten seinerzeit vor allem der Repräsentation. Hier befanden sich Hitlers Büro und die Arbeitsräume seiner Stellvertreter. Auch Gemälde für ein zukünftiges „Führermuseum“ lagerte man hinter den dicken Mauern. Am 30. November 1938 wurde hier das „Münchner Abkommen“ geschlossen.

Das am 25. September 1937 bei einem Besuch Mussolinis eingeweihte Gebäude befindet sich seit Jahren in marodem Zustand. Regelmäßige Wasserschäden und Probleme mit der Stromversorgung sorgen immer wieder für Unterrichtsausfälle. Das soll sich ändern: So erteilte Kunstminister Blume im Oktober 2023 den Planungsauftrag für die Generalsanierung und Erweiterung des Instituts und setzte damit einen weiteren Baustein seiner „Kulturkaskade“. Die Maßnahme umfasse nicht nur die Generalsanierung des Hauptgebäudes, vielmehr werde das gesamte Areal zu einem zukunftsweisenden Campus erweitert. Da das Hauptgebäude aus der NS-Zeit historisch belastet ist, soll der Planungsprozess von einem extra dafür initiierten „Dialogforum Erinnerungskultur“ begleitet werden. Während der Bauzeit wird in der Frankenthalerstraße in Giesing ein Interimsquartier für die Hochschule geschaffen. Wann genau die Sanierung startet und wie lange sie dauern wird, ist zurzeit noch unklar. ➝ hmtm.de

 

Hinter der prächtigen Fassade des Nationaltheater besteht Handlungsbedarf.

NATIONALTHEATER
Opern in der Paketposthalle?

Goldglanz und roter Samt, Kronleuchter und Königsloge, Büsten und Bilder: Das prunkvolle Nationaltheater – Spielstätte der Bayerischen Staatsoper, des Bayerischen Staatsorchesters und des Bayerischen Staatsballetts – blickt stolz auf über 350 Jahre Geschichte zurück. 1811 wurde es durch König Max Joseph von Bayern eröffnet, zweimal wurde das klassizistische Gebäude danach zerstört (1823 durch ein Flammen, 1943 durch Bomben), zweimal wieder aufgebaut. Im Laufe der Zeit erfolgten diverse Modernisierungen, doch nun ist – vor allem wegen Mängeln bei Barrierefreiheit und Brandschutz – eine Generalsanierung unausweichlich. Sie soll ab 2034, also nach Abschluss der Umbauarbeiten im benachbarten Residenztheater, erfolgen. Das Prinzregententheater ist hier ebenfalls als Ausweichquartier angedacht. Problem: Die dortige Bühne ist für Oper und Ballett zu klein. Und so wird als Interimslösung auch die Paketposthalle diskutiert. ➝ staatsoper.de

In den Ausstellungssälen der Neuen Pinakothek wird asbesthaltiger Trockenbau auf einer Fläche von ca. 15.000 qm vollständig entfernt. Insgesamt werden ca. 200 asbesthaltige Bauteile, ca. 300 Brandschutzklappen und ca. 400 Brandschutztüren und -tore demontiert. Außerdem werden asbesthaltige Wand- und Deckenbeläge auf einer Fläche von ca. 35.000 qm abgefräst. Das belastete Material wird in Big Bags verpackt und fachgerecht entsorgt.

NEUE PINAKOTHEK
Bis 2029 dicht

Auch die Neue Pinakothek wird grundlegend saniert. Wohl noch bis 2029 bleibt das Museum daher geschlossen. Immerhin wird eine Auswahl von Hauptwerken der Kunst des 19. Jahrhunderts während der Sanierung im Erdgeschoss der Alten Pinakothek und in der Sammlung Schack ausgestellt. Welche Arbeiten von Caspar David Friedrich bis Vincent von Gogh wo zu sehen sind, erfährt man in der jeweiligen Standortangabe in der Online-Sammlung des Hauses. ➝ pinakothek.de/de/neue-pinakothek


SAMMLUNG GOETZ


Tapetenwechsel

Auch das Ausstellungsgebäude der Sammlung Goetz in München-Oberföhring bleibt für Besucher bis auf Weiteres geschlossen. Nach 30 Jahren sind hier umfangreiche Sanierungsarbeiten erforderlich. Eigentlich hatte sich bereits ein alternativer Pop-Up-Ausstellungsraum für die renommierte Sammlung ergeben: Für zwei Jahre sollte sie im Lovecraft im ehemaligen Kaufhof am Stachus Ausstellungsflächen erhalten. Doch das Zwischennutzungsprojekt mit vielen anderen Angeboten scheiterte an fehlenden Genehmigungen. Trostpflaster: Werke aus dem Bestand der Sammlung Goetz sind weiterhin in wechselnden Kooperationsausstellungen mit anderen Häusern zu sehen. So zeigt das Neue Museum Nürnberg noch bis 31. August die Schau „Tapetenwechsel. Künstlertapeten aus der Sammlung Goetz“ und am 13. Juni startete in der Pinakothek der Moderne die Ausstellung „Gutai. Sammlung + Goetz“. ➝ sammlung-goetz.de



Verhüllt: Auch die Sammlung Goetz erhält ein Facelifting.

HAUS DER KUNST
Antworten gesucht

„Münchens ungeliebter Gigant muss saniert werden“, titelte der Deutschlandfunk am 7. Juni 2019. Der Umgang mit der eigenen NS-Geschichte, Finanzprobleme und die überfällige Sanierung, das alles sei ja auch nicht einfach, hieß es weiter. Nicht schwer zu erraten: Die Rede ist vom „Haus der Kunst“. Dessen Ruf als eines der weltweit bedeutendsten Zentren der Gegenwartskunst steht seit Jahren im Widerspruch zu den Anforderungen moderner Ausstellungstechnik. Seit den 1990er Jahren ist nichts mehr in das Haus investiert worden, dann fiel vor etwa zehn Jahren die Entscheidung zur Sanierung. Aus dem Vergabeverfahren ging 2013 das Architekturbüro von David Chipperfield als Gewinner hervor. Seitdem passierte nicht viel. Nun ist eine Sanierung des Hauses ab 2029 angepeilt. Problem: Bis dahin könnten Chipperfields Pläne veraltet sein. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. ➝ hausderkunst.de

 

 

Das Haus der Kunst wartet seit Jahren auf eine Generalsanierung.

VILLA STUCK


Interimsquartier im Bahnhofsviertel

Die Villa Stuck wird technisch saniert und barrierefrei ausgebaut, auch an den Fassaden wird gewerkelt Die ehemalige Residenz des Künstlers Franz von Stuck bleibt daher bis Sommer 2025 geschlossen. An der Goethestraße 54, unweit des Hauptbahnhofs, hat das Museum seit dem 3. Mai 2024 ein Interimsquartier gefunden – und macht vor, wie man den Laden trotz Schließung am Laufen hält. Bis zur Wiedereröffnung wird das Inventar der Wohnräume samt wertvoller Bilder und Möbel in Depots eingelagert. Einige Sammlungshighlights wurden an die bulgarische Nationalgalerie in Sofia ausgeliehen.

 

Impressionen der Umbauphase.

 

Das auf den Namen "VS" getaufte Ausweichdomizil in der Goethestraße ist zwar weitaus weniger repräsentativ als der Prachtbau an der Prinzregentenstraße, aber gerade durch diesen Bruch ergeben sich neue Möglichkeiten. Allein die bewegte Geschichte des unscheinbar wirkenden, orangefarbenen Gebäudes hat es in sich. Das wurde in der NS-Zeit als Zwangsunterkunft für jüdische Personen genutzt, in den 1980er Jahren beherbergte es Rinascita e. V., einen der aktivsten italienisch-migrantischen Vereine in München – was bis zum 16. Juni auch in der Ausstellung „Was bisher geschah“ thematisiert wurde.

 

Öffnet im Interimsquartier die Tür für neue Zielgruppen: Michael Buhrs, Direktor der Villa Stuck

Bespielt wird das ganze Gebäude. Die Ausstellungsräume verteilen sich auf drei Etagen, zudem gibt es einen Saal für Filmvorführungen und eine Bibliothek. Das Beste: VS steht allen offen! Der Eintritt ist grundsätzlich frei (Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 12 bis 20 Uhr) und es gibt freies WLAN im ganzen Gebäude.

Direktor Michael Buhrs und sein Team fühlen sich in den Übergangsräumen in einer der spannendsten und lebendigsten Gegenden Münchens“, wie es auf der Website der Villa Stuck heißt, offenbar sehr wohl und haben für etwa ein Jahr ein Programm entwickelt, das stetig verändert und erweitert wird. Damit werden dann auch ganz neue Zielgruppen angesprochen. „Wir sind hier die Neuen und möchten unsere Nachbarn kennenlernen“, sagt Buhrs. Und deshalb wurde auch ein Community-Manager engagiert. „Wolfi“ soll dafür sorgen, dass sich unter denen, die vielleicht noch nie in der schmucken Villa Stuck waren, herumspricht, was im Museum und in der Interimsstätte an spannenden Programmen für alle Altersklassen geboten wird. ➝ villastuck.de


MÜNCHNER STADTMUSEUM


Treffpunkt für alle

Sowohl im Hinblick auf seine Ausmaße, als auch seine gewaltigen Sammlungen von unschätzbarem Wert ist das Stadtmuseum das größte kommunale Museum in Deutschland. Das riesige Areal besteht aus zwei großen Innenhöfen, die von vier höchst unterschiedlichen Bauteilen eingerahmt werden. Das älteste Gebäude ist das historische Zeughaus aus dem Jahr 1500. Dieses ist zwar zum St.-Jakobs-Platz hin orientiert, berührt aber auch den Rindermarkt mit dem Ende der 1950er Jahre errichteten Sammlungstrakt und den Sebastiansplatz mit dem Nachbau des mittelalterlichen Marstallgebäudes aus dem Jahr 1977.

 

 

So soll der Innenhof des Stadtmuseums nach dem Umbau aussehen. Hier der Blick vom neuen Haupteingang am Rindermarkt auf den markanten Kubus.

2005 beschloss der Kulturausschuss die „Neukonzeption des Münchner Stadtmuseums” inklusive einer grundlegenden Sanierung der Bausubstanz. Diese ist nun angelaufen, und das Museum wurde bis Mitte 2031 geschlossen. Vor allem der Erhalt und die Sanierung des über die Jahrhunderte gewachsenen Gebäudeensembles stehen bei dem Projekt im Vordergrund, dennoch wird sich das Museum künftig in einem völlig neuen Look präsentieren. Ein neuer Haupteingang am Rindermarkt wird direkt in den mit einer neuen Glasüberdachung zur Museumslobby aufgewerteten Innenhof führen, wo ein Gebäudekubus zusätzlich über Stege zu den Obergeschossen an die bestehenden Ausstellungsflächen angebunden wird. Bei der Planung gilt dem Thema Barrierefreiheit ein besonderes Augenmerk, auch Angebote für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung sind essentiell. „Wir haben durch die notwendige Generalsanierung die Chance, unser Museum ganz neu zu denken. Ein Haus zu schaffen, das ein echter Treffpunkt wird – für alle Teile der Bevölkerung“, freut sich Direktorin Frauke von der Haar.

Tipp: Wer nicht bis zur Eröffnung warten möchte, sollte sich jetzt schon den 25. Oktober im Kalender markieren: Dann startet in der Hypo Kunsthalle eine Jugendstilausstellung – unter anderem mit Objekten aus dem Münchner Stadtmuseum. ➝ muenchner-stadtmuseum.de

Bergson: Cooles Ambiente und viel Raum für Kultur.

BERGSON

Hier spielt die Musik

Ein gigantisches Rundum-Glücklich-Paket eröffnet in diesem Jahr Stück für Stück in Aubing. Mit bewundernswertem Enthusiasmus haben die privaten Bauherren Christian und Michael Amberger (Firma Allguth) und ihr künstlerischer Direktor Roman Sladek ihre Version des Kulturkraftwerks Bergson in einem stillgelegten ehemaligen Heizwerk im Westen Münchens verwirklicht. „Unser Anspruch ist es, für die Besucher ein Gesamterlebnis zu kreieren“, formuliert es Programmdirektor Maximilian Maier. In der einmaligen Anlage mit den hohen Decken, den lichtdurchfluteten Räumen, dem Industriecharme, wird es nicht weniger als alles geben. Konzertsaal, Kunstgalerie, Nachtclub, Kleinkunstbühne, Restaurant, Biergarten, Bars. Kulturgenuss mit allen Sinnen. Seit April haben das Restaurant und das Atrium, die ehemalige Kesselhalle des Heizwerks, geöffnet. Und bieten spannende kulinarische und kulturelle Programme, oft auch beides miteinander vermischt. Peu à peu folgen die Eröf­fnungen des Biergartens, des Live-Clubs Barbastelle, der zwei Galerien (7. Mai und 12. Juli) und schließlich des Konzertsaals mit großem Festakt im goldenen Oktober. Dann strahlt er aus allen Ecken – der neue Stern des Münchner Westens. ➝ bergson.com

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