DIE BOTSCHAFT DER BEAUVOIR


Hélène de Beauvoir, geboren 1910, entstammt einer gesellschaftlich etablierten Familie und erlebt die tiefgreifenden sozialen, politischen und somit auch künstlerischen Umwälzungen des frühen 20. Jahrhunderts hautnah. Ihre ambitionierte künstlerische Laufbahn und der unermüdliche Kampf um Anerkennung werden geprägt von intellektuellen Auseinandersetzungen mit ihrer Schwester, der Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir sowie dem befreundeten Philosophen Jean-Paul Sartre. Hélène, aktiv in der Frauenbewegung der 1970er Jahre, widmet sich in ihrer Kunst den drängenden und stets aktuellen Fragen des Feminismus und der ökologischen Verantwortung.

Werke Hélène de Beauvoirs werden bei NEUMEISTER immer wieder mit guten Ergebnissen versteigert. Auch in der Juni-Auktion kommen einige ihrer wunderbaren Arbeiten zum Aufruf. Gehen wir kurz auf zwei Bilder ein, die sich nahtlos in das Gesamtwerk Hélène de Beauvoirs integrieren und ihre Fähigkeit, persönliche und politische Anliegen mittels einer vielschichtigen Bildsprache zu kommunizieren, veranschaulichen:

Das 1976 entstandene Gemälde „Une bergère gardait ses moutons“ illustriert eindrucksvoll de Beauvoirs künstlerische Reife und Naturverbundenheit. In diesem Werk präsentiert sie eine idyllische Szene, in der eine Schäferin in harmonischer Einheit mit ihrer Umgebung dargestellt wird. Die asymmetrische Komposition ist lebhaft und farbintensiv und erzeugt dadurch eine expressive und emotionale Wirkung auf den Betrachter. Die Szene könnte als Allegorie auf die Bewahrung und den Respekt vor der natürlichen Welt gedeutet werden, wobei Tiere und Blumen die Vielfalt und Schönheit der Natur symbolisieren. Die Wahl, eine Schäferin darzustellen, könnte zudem auf traditionelle Geschlechterrollen anspielen und diese im modernen Kontext neu interpretieren, was de Beauvoirs feministisches Engagement widerspiegelt.

Ein Jahr zuvor, 1975, schuf de Beauvoir „L’Oiseau et le chapeau à plumes“ , das ebenfalls ein bemerkenswertes Beispiel für die Verschmelzung von kraftvoller Farbgebung und dynamischer Formensprache darstellt, die für de Beauvoirs Schaffen in den 1970er Jahren charakteristisch ist. Der stilisierte Vogel und der extravagante, gefiederte Hut können als Metaphern für die soziale Maskerade und die theatralischen Facetten des gesellschaftlichen Lebens gelesen werden. Der Vogel, oftmals Symbol für Freiheit und Aspiration, steht sowohl im Kontrast als auch im Dialog mit dem menschlichen Element, das durch den extravaganten Hut eine gesellschaftliche Rolle/Maske verkörpert.
EB

 

 

HÉLÈNE DE BEAUVOIR
1910 Paris – 2001 Goxwiller

L`OISEAU ET LE CHAPEAU À PLUMES. 1975

Acryl auf Holz. 75 × 76 cm

AUKTION 413 // LOT 325
SCHÄTZPREIS € 7.000 – 9.000

 

HÉLÈNE DE BEAUVOIR
1910 Paris – 2001 Goxwiller

UNE BERGÈRE GARDAIT SES MOUTONS. 1976

Acryl auf Holz. 78 × 155 cm

AUKTION 413 // LOT 326
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000

 

HÉLÈNE DE BEAUVOIR
1910 Paris – 2001 Goxwiller

NUS. 1963

Acryl auf Leinwand. 100 × 81 cm

AUKTION 413 // LOT 323
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000

 

HÉLÈNE DE BEAUVOIR
1910 Paris – 2001 Goxwiller

AKT MIT PFERD. 1965

Acryl auf Leinwand. 92 × 65 cm

AUKTION 413 // LOT 324
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000