HIGHLIGHTS AUKTION
MODERNE CONTEMPORARY ART

26. JUNI
AB CA. 17 UHR

 

CÉCILE PLAISANCE
1968 Paris

US FLAGG (WHITE). 2013

Barbie Lenticulaire. Multiple.
Photo Lentikulardruck. Ex. 1/4. 72,5 × 55 cm

AUKTION 413 // LOT 338
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

 

CÉCILE PLAISANCE
1968 Paris

GEISHA. 2013

Barbie Lenticulaire. Multiple.
Photo Lentikulardruck. Ex. 1/4. 72,5 × 55 cm

AUKTION 413 // LOT 337
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000


WAHRE NACKTHEIT


Wie kaum ein anderer hat Lovis Corinth das pulsierende Leben an der Wende vom 19. und zum 20. Jahrhundert auf die Leinwand gebracht. Inspiriert von den großen Salonmalern Adolphe William Bouguereau und Tony Robert-Flury, überträgt er klassische Bildthemen in komplex konzipierte Figurenbilder. Beharrlich die Anerkennung des traditionsreichen Pariser Salons anstrebend, findet Corinth schließlich seine eigene Stimme. Das „Dionysische“ mit seinen verbundenen exzessiven Kultfeiern prägt das Werk des jungen Corinth, wofür das vorliegende Gemälde „Bacchantenzug“ aus dem Jahr 1896 ein wunderbares Beispiel liefert. Es zeigt eine panoramaartige Szene, in der Bacchus, der griechische Gott des Weins, von einem tanzenden und trinkenden Gefolge umgeben ist. In einem tranceähnlichem Zustand scheinen die Bacchanten und Mänaden sich ungehemmt dem Rausch und der Lust hinzugeben. Corinth feiert hier aber nicht nur hedonistischen Genuss, sondern wirft auch einen ironischen Blick auf die Graecophilie des wilhelminischen Zeitalters. Das Gemälde ist zudem eine autobiographische Referenz – Corinth liebte es, ausschweifend zu feiern. EB

 

LOVIS CORINTH
1858 Tapiau – 1925 Zandvoort

BACCHANTENZUG. 1896

Öl auf Leinwand. 55,5 × 100 cm

AUKTION 413 // LOT 301
SCHÄTZPREIS 
€ 150.000 – 200.000


EIN BACH ALS QUELL DER INSPIRATION


Julius Exter war nicht nur Künstler, sondern auch leidenschaftlicher Gärtner, und diese Liebe zur Natur floss in seine Werke ein. 1892 war der Maler maßgeblich an der Gründung der Münchner Secession beteiligt, einer bedeutenden Künstlergruppe, die einen entscheidenden Beitrag zur Modernisierung der Kunstszene leistete. Sein Engagement für die Moderne spiegelte sich auch in seinem persönlichen Leben wider: 1902 erwarb er ein altes Bauernhaus in Übersee-Feldwies am Chiemsee und gründete dort eine Malschule. Bis zu seinem Tod im Jahr 1939 lebte und arbeitete er dort, wobei die Umgebung Inspirationquelle für viele seiner Werke war. Exters malerische Themen reichen von intimen Aktszenen bis hin zu idyllischen Landschaften. Die vorliegende Arbeit, eine Landschaft bei Sonnenuntergang, ist ein eindrucksvolles Beispiel für Exters Fähigkeit, Stimmungen und Lichtverhältnisse einzufangen. Die rötlichen Töne des Himmels, die Spiegelung im Wasser und der pastose Farbauftrag verleihen dem Gemälde eine atmosphärische Tiefe. Die Landschaft ist zwar nur angedeutet, doch ihre Konturen sind klar erkennbar, was Exters Meisterschaft in der Darstellung von Licht und Form unterstreicht.

 

 

JULIUS EXTER
1863 Ludwigshafen – 1939 Übersee-Feldwies

SEESTRASSE AM BACH

Öl auf Malkarton. 30 × 49 cm

AUKTION 413 // LOT 302
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 6.000


MAISTERHAFT


Kurz nach ihrer Rückkehr aus Skandinavien im Jahr 1920 wurde Gabriele Münter in der Münchner Galerie Thannhauser im Rahmen einer ersten Einzelausstellung mit einer Retrospektive ihres Werks gewürdigt. Dennoch fiel ihr – zwischen München, Murnau und Elmau bei Garmisch-Partenkirchen pendelnd – die Wiederaufnahme einer geregelten künstlerischen Arbeit zunächst schwer. Erste Anhaltspunkte für einzelne Bilder boten sich ihr in den vertrauten Motiven von Murnau und der umgebenden Landschaft, darunter ein Garten mit Akazien, wie in vorliegendem Gemälde „Vom Mai“. Eine Reihe von dunkelbraunen Akazienbäumen teilt das Bild einer frühlings - blühenden Landschaft, die grün und Braun gehalten wird, in zwei Teile: Oben das blasse Rosa des Himmels und am linken Bildrand ein spitzgiebeliges Haus. Unten eine Frau mit einem Kind auf dem Arm. Die rund zugeschnittenen, offenbar kurz vor dem Austrieb stehenden Akazienkronen sorgen im Spannungfeld von Weggabelung und Zaunverlauf für eine ausgeprägt rythmische Akzentuierung der Komposition. Gabriele Münter entschied sich hier – anders als in ihren frühen, großflächig und mit leuchtenden Farben gemalten Werken – für eine kleinteilige Bildorganisation aus gemischten Farben, in der jedoch, laut Lenbachhaus, „der Nachhall ihrer alten, lebhaften Pinselführung fortlebt“. Das Thema des Garten mit Akazien schien Gabriele Münter immerhin so reizvoll, dass sie es, begleitet durch Skizzen und Aquarelle, in mehrfachen Variationen aufgriff. 

 

 

GABRIELE MÜNTER
1877 Berlin – 1962 Murnau/Oberbayern

VOM MAI

Öl auf Leinwand. 34,5 × 44,4 cm

AUKTION 413 // LOT 310
SCHÄTZPREIS € 80.000 – 120.000

Das Bild ist im Nachlass der Künstlerin unter der Nr. L 327 verzeichnet. Es wird in das von der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung herausgegebene Werkverzeichnis der Gemälde Gabriele Münter aufgenommen.


TOSKANA FRAKTION


Der 1880 in Speyer geborene Hans Purrmann erlernt zunächst das Handwerk des Dekorationsmalers im Betrieb seines Vaters. Seinem Interesse an der Kunst folgend, beginnt er 1897 an der Akademie der Bildenden Künste in München unter Gabriel von Hackl und Franz von Stuck zu studieren. Während dieser Zeit lernt er unter anderem Paul Klee, Wassily Kandinsky und Albert Weisgerber kennen, die sein Werk ebenso inspirieren, wie Pablo Picasso und Henri Matisse, die er in Paris trifft. 1908 bekommt Purrmann eine Anstellung in der neu gegründeten Akademie von Henri Matisse, mit dem er mehrere Reisen in deutsche Städte unternimmt. In Paris lernt Purrmann auch die Malerin Mathilde Vollmoeller kennen, die er 1912 heiratet. 1916 bezieht die Familie ihren Hauptwohnsitz in Berlin, wo sich Erfolge bald einstellen: So findet in den Räumen der Berliner Kunsthandlung Paul Cassirer 1918 Purrmanns erste große Einzelausstellung statt. 

1919 erwirbt die Familie ein Fischerhaus in Langenargen am Bodensee, um dort viele Sommer zu verbringen. Doch Purrmann fühlt sich zunehmend von Italien angezogen, und so zieht er von 1923 bis 1928 mit seiner Familie nach Rom. Seine dortige Umgebung inspiriert ihn zu Licht durchfluteten Landschaftsbildern in kräftigen Farben. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wird Purrmanns Werk im nationalsozialistischen Deutschland als „entartete Kunst“ diffamiert. Er wird mit einem Ausstellungsverbot belegt und von der Gestapo überwacht. Es bleibt nur die Flucht: Freunde verhelfen Purrmann zur ehrenamtlichen Leitung der Villa Romana in Florenz. „Ich habe den Verwaltungsposten bei der Villa Romana in Florenz bekommen. An dem Posten ist ja nicht viel, nur freie Wohnung (eingerichtet), vier Zimmer und ein Atelier. Ich habe auf zwei Jahre angenommen und muss im Oktober antreten, damit komme ich aus Berlin und dem fruchtlosen Streit“, schreibt er einem Freund im Juni 1935. Purrmann ist der bekannteste und erfolgreichste Künstler, die die Toskana als Exil wählen. Die Landschaft inspiriert ihn, er huldigt ihr mit prächtigen Gemälden und Aquarellen. Sind Purrmanns Gemälde in den 1920er Jahren noch stark vom Stil der Fauvisten geprägt (in leuchtenden, kräftigen Farben entstehen v.a Ansichten der Ufer von Sanary-sur-Mer und Langenargen am Bodensee), so löst sich der Künstler in Italien zunehmend von seinen Vorbildern und entwickelt seinen eigenen Stil. Mit vorliegendem Gemälde, das den Blick von der Villa Romana auf die Villa Bitthäuser zeigt, ge - währt uns Purrmann in seiner für diese Zeit typischen Malweise – mit transparent erscheinendem Farbauftrag – einen Blick in die sommerliche Landschaft der Toskana mit Zypressen und üppiger Vegetation.

Purrmann und seiner Frau gelingt es überdies, die Villa Romana zu einem lebendigen Kunstzentrum zu machen. Von den Nationalsozialisten zwar bedroht, aber unangetastet, wird es zum Refugium für deutsche Künstler wie Werner Gilles, Eduard Bargheer und Monika Mann. Eine freie Insel der Kunst im Exil.

Nach Mussolinis Sturz 1943 flieht Purrmann in die Schweiz, wo er weiterhin künstlerisch tätig ist. Die folgenden Jahre sind von umfangreicher Ausstellungstätigkeit und zahlreichen Ehrungen geprägt. Er stirbt 1966 in Basel. Werke von Purrmann befinden sich heute unter anderem im Kunstmuseum Stuttgart, dem Museum für Neue Kunst Freiburg und der Neuen Pinakothek in München.

 

 

HANS PURRMANN
1880 Speyer – 1966 Basel

BLICK AUF DIE VILLA BITTHÄUSER, FLORENZ. 1942

Öl auf Leinwand. 76 × 61 cm

AUKTION 413 // LOT 317
SCHÄTZPREIS: 60.000 – 80.000


ENTRÜCKT


Lyonel Feininger faszinierte das Weimarer Land, diese für ihn neue „Alte Welt“, seit er dort 1906 zum ersten Mal seine spätere Frau Julia Berg besuchte. Dörfer wie Oberweimar, Vollersroda und Gelmeroda, die er mit dem Fahrrad erkundete, fesselten seine Phantasie, und vor allem die kleine gotische Dorfkirche von Gelmeroda, die er in unzähligen Naturnotizen und Gemälden festhielt, wurde zum Symbol einer romantisch verklärten Märchenwelt, die er in seine Comic-Strips, Gemälde und die frühen „Mummenschanzbilder“, die von seltsam überlängten und historisch gekleideten Menschen bevölkert sind, einfließen ließ. Etwa seit Anfang der 1920er Jahre erscheinen Städte und Dörfer bei Lyonel Feininger im Lichte einer eingefrorenen Weltentrücktheit und Spiritualität. Sie bezeichnen Feiningers romantische Hinwendung zu einer Welt, die durch Massengesellschaft und Industrialisierung vor dem Untergang stand – was blieb, war die Flucht in eine illusionäre „Traumstadt“. Als Feininger in die USA zurückkehrte, nahm er die imaginären thüringischen Dörfer in seinem Inneren mit, auch als er eine neue Linearität in seiner Malerei entwickelte und sich New Yorker Stadtansichten widmete.  

 

 

LYONEL FEININGER
1871 New York – 1956 ebenda

OBERGRUNSTEDT I. 1920

Farbiges Aquarell über Tusche.
48 × 49 cm

AUKTION 413 // LOT 308
SCHÄTZPREIS € 35.000 – 50.000


GEPFLÜCKT


 

 

 

KARL SCHMIDT-ROTTLUFF
1884 Rottluff bei Chemnitz – 1976 Berlin

STILLLEBEN MIT PILZEN.

Farbiges Aquarell mit Tusche auf Aquarellkarton.
49,5 × 66,2 cm

AUKTION 413 // LOT 315
SCHÄTZPREIS € 18.000 – 20.000

 

KARL SCHMIDT-ROTTLUFF
1884 Rottluff bei Chemnitz – 1976 Berlin

DREI KATZEN. UM 1910

Aquarell und Tuschpinsel auf bräunlichem Velin.
47 × 60 cm

AUKTION 413 // LOT 307
SCHÄTZPREIS € 30.000 – 40.000


EIN MAGISCHER ABEND


 Franz Radziwill war ein bedeutender Maler des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine einzigartigen Werke im Stil des Magischen Realismus. Seine künstlerische Reise begann in den 1920er Jahren im Kreis der Realisten, darunter Künstler wie Georg Grosz, Otto Dix, Christian Schad und Karl Hubbuch. Inspiriert von den alten Meistern und beeinflusst vom Surrealismus sowie der Neuen Sachlichkeit, entwickelte Radziwill eine bemerkenswerte malerische Sprache. Nach ersten Erfolgen in Städten wie Bremen, Hamburg und Berlin zog Radziwill 1922 nach Dangast am Wattenmeer, wo er 60 Jahre lang leben und arbeiten sollte. Diese Entscheidung markierte eine bedeutende stilistische Wende in seinem Schaffen. So löste er sich um 1923 vom Expressionismus und entwickelte seine eigene Interpretation des Magischen Realismus.

Radziwills Werke zeichnen sich durch eine einzigartige Betonung der Landschaftsmalerei aus und reflektieren seine charakteristische Haltung gegenüber den Techniken des 20. Jahrhunderts. Seine Gemälde sind unverwechselbar und unterscheiden sich deutlich von denen anderer deutscher realistischer Maler. Durch seine meisterhafte Fusion von Realität und Fantasie schuf Radziwill eine faszinierende künstlerische Welt, die bis heute Bewunderung hervorruft.

Das Leben von Franz Radziwill war ebenso widersprüchlich wie seine rätselhaften Bilder. Er zog sich vor den Wirren der Weimarer Republik ins beschauliche Dangast zurück und empfand die „Aufbruchsstimmung“ des Nationalsozialismus zunächst als positiv. Er trat sogar in die Partei ein und wurde 1933 Professor für Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Da Radziwills expressionistisches Frühwerk jedoch nicht dem nationalsozialistischen Kunstgeschmack entsprach, fiel er in Ungnade: Gemälde wurden beschlagnahmt und Ausstellungen verboten, zudem wurde ihm 1935 die Professur in Düsseldorf entzogen.

Der Krieg brachte für Radziwill persönliche Entbehrungen mit sich, Freundschaften zerbrachen und geliebte Menschen starben. In der Nachkriegs - zeit entwickelte der Maler ein neues Kunstverständnis und erlangte späte Anerkennung in beiden deutschen Staaten. Sein Werk bleibt ein eindrucksvolles Zeugnis der großen Umbrüche und Widersprüche des 20. Jahrhunderts, festgehalten in farbgewaltigen Bildern, die den brutalen Einfall der Technik in eine vermeintlich romantische Natur thematisieren.

 

FRANZ RADZIWILL

1895 Strohausen bei Rodenkirchen – 1983 Wilhelmshaven

ABEND

Gouache über Tuschzeichnung. Ca. 30 × 38 cm

AUKTION 413 // LOT 309
SCHÄTZPREIS € 7.000 – 9.000


GEDANKENSTRICH


 

 

 

ERNST LUDWIG KIRCHNER
1880 Aschaffenburg – 1938 Davos

LANDUNGSSTEG IN BURGTIEFE MIT SEGELBOOT. 1908

Strichätzung auf weichem Velin.
Handexemplar des Künstlers. 13,5 × 9,7 cm

AUKTION 413 // LOT 306
SCHÄTZPREIS € 10.000 – 15.000


KOFFERKUNST


 

 

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER
1928 Wien – 2000 Queen Elizabeth 2, Pazifischer Ozean

LOOK AT IT ON A RAINY DAY. 1971/72

Original-Holzkassette mit farbigem Deckelprägedruck und handsigniert.
10 Farbserigraphien mit Metallprägungen.
Blattgröße: 49 × 66,5 cm

AUKTION 413 // LOT 322
SCHÄTZPREIS € 9.000 – 11.000

 

 
 
KUNSTVOLL KÜNSTLICH: GUSTAV KLIMT
DIE BOTSCHAFT DER BEAUVOIR

KÖRPERKUNST


Es scheint, als beobachte Lassnig ihren Körper nicht nur rein äußerlich, also das, was sie sieht, wenn sie in den Spiegel schaut, sondern auch ihren Zustand, ihr Gefühl während des Malprozesses, ein situatives Empfinden. Die Wahrnehmungserfahrungen der Künstlerin sind also nicht nur auf das Sinnesorgan Auge beschränkt. Lassnig malt das Äußere und fügt das Innere hinzu. Die Körperempfindungen, die sich in den Selbstporträts der Künstlerin offenbaren und die sie auf die Leinwand bringt, erscheinen als zentrales Moment ihres Schaffens. Lassnig selbst nannte diese Werke später „Körperbewusstseinsbilder“. Diese schuf die Künstlerin nicht nur im Stehen, sondern auch liegend oder sitzend, manchmal sogar mit geschlossenen Augen. 

 

MARIA LASSNIG
1919 Kappel am Krappfeld – 2014 Wien

„SELBSTPORTRAIT IN NYC“. 1969

Farbsiebdruck und Handabzug auf Velin.
56 × 45,5 cm

AUKTION 413 // LOT 334
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000

 

MARIA LASSNIG
1919 Kappel am Krappfeld – 2014 Wien

„SIE WEBT MIT GÖTTLICHEN HÄNDEN“. 1975

Bleistift auf Zeichenpapier. 38 × 41 cm

AUKTION 413 // LOT 333
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 6.000


WARTEN AUF DEN ABSTAUBER


Der 1976 in Köln geborene Künstler Christian Gieraths studierte nach Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturwissenschaften von 1999 bis 2005 an der Freien Kunstakademie in Münster in der Klasse von Ulrich Erben Bildende Kunst. Parallel dazu begann er 2001 ein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf in der Fotoklasse von Thomas Ruff. Im Jahr 2005 schloss er sein Studium als Meisterschüler von Ulrich Erben in der Klasse von Daniele Buetti ab. In Gieraths' Arbeiten dominieren menschenleere Straßen und Plätze, die eine tiefe Ruhe und ein Innehalten suggerieren. Diese Szenen sind geprägt von einer besonderen antirealistischen Atmosphäre, expressiver Farbigkeit und markanter Lichtgebung. Ein Beispiel hierfür ist die scheinbar verlassene Basketballhalle aus der Serie "Sotchi Royal". Trotz ihres Verfalls strahlt sie eine Ästhetik aus, die sowohl Melancholie als auch Ruhe in sich trägt. Gieraths fängt das Ambiente dieses Ortes mit meisterhafter Hand ein und erweckt es zum Leben, indem er dem Betrachter eine poetische Reise durch vergessene Räume ermöglicht.

 

CHRISTIAN GIERATHS
1976 Köln – lebt in Münster

BASKETBALLHALLE. 2000

C-Print auf Dibond. Ex. 3/6. 120 × 120 cm

AUKTION 413 // LOT 336
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000


MASSIVE DREHUNG


Unter den zeitgenössischen Bildhauern, die das Medium Stahl nicht nur nutzen, sondern tiefgehend erkunden, sticht Thomas Röthel besonders vor. Geboren 1969 in Ansbach, trat Röthel in die Fußstapfen seines Großvaters und Vaters und begann seine künstlerische Laufbahn als Holzbildhauer, bevor er an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg seine Fähigkeiten erweiterte. Schnell entwickelte er seine eigene Sprache im Umgang mit Stahl – einem Material, das zu seinem bevorzugten Ausdrucksmittel wurde. Die Skulptur „Drehung“ illustriert eindrucksvoll Röthels künstlerischen Ansatz und Fähigkeit, Stahl – ein scheinbar unflexibles Material – in eine fließende dynamische Form zu verwandeln. Der Schaffensprozess der vorliegenden Skulptur „Drehung“ basiert auf einem präzisen, wohlüberlegten Ansatz: Aus einem Ausgangsformat aus massivem Stahl, das nach spezifischen Verhältnissen von Länge, Breite und Stärke ausgewählt wird, entstehen durch gezielte Einschnitte, gleichmäßiges Erhitzen und behutsamen Biegungen Skulpturen, die sowohl physikalische Schwere als auch visuelle Leichtigkeit ausstrahlen; nachträgliche Korrekturen sind so gut wie ausgeschlossen. Ohne den Einsatz von Schweißtechniken ermöglicht Röthel den Stahl zu drehen und zu wenden, wodurch jeder Winkel der Skulptur eine neue Dimension der Betrachtung bietet. „Drehung“ vereint in sich somit die Kontraste von Dynamik und Statik, Schwere und Leichtigkeit, was typisch für Röthels Arbeiten ist. Jedes Werk steht in diesem Prozess für sich und hinterfragt sowohl die materiellen als auch bildhauerischen Grenzen des virtuosen Umgangs mit diesem Werkstoff.

EB

 

THOMAS RÖTHEL
1969 Ansbach

DREHUNG

Stahl, gedreht. Beton-Sockel. H. 104 cm

AUKTION 413 // LOT 332
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 5.000


GETEILT UND VERBUNDEN


1989 entwickelt Alfred Lechner eine kurze Werkserie aus nur sechs Skulpturen. Sie besteht aus Teilungen, genau kalkulierte Schnitte an rechteckigen Körpern und Kuben, die wieder zusammengeschweißt werden, teilweise geraten die Schnittflächen nach außen. Er stellt die geteilten Körper wieder her, die Teilungsabsicht soll durch die sichtbare „Wunde“ vom Betrachter vollzogen werden. Die ursprüngliche Teilungsabsicht unterliegt nun dem Wunsch nach Ganzheit, obwohl oder weil sie in der „Wunde“ erkennbar bleibt.

 

 

ALF LECHNER
1925 München – 2017 Obereichstätt, Dollnstein

VERSCHLIESSUNG V. 1989

Stahl massiv. 72,5 × 30 × 30 cm

AUKTION 413 // LOT 331
SCHÄTZPREIS € 18.000 – 20.000

ONLINEKATALOG

LOSE 1 - 26, AB 14 UHR
LOSE 50 - 124, AB CA. 14:30 UHR
LOSE 125 - 228, AB CA. 15:30 UHR
LOSE 300 - 338, AB CA. 17 UHR

HIGHLIGHTS

SCHMUCK
KUNSTHANDWERK
GRAPHIK UND GEMÄLDE 16. - 20. JH.
MODERNE CONTEMPORARY ART