HIGHLIGHTS AUKTION
GRAPHIK UND GEMÄLDE 16. - 20. JH.

26. JUNI
AB CA. 15:30 UHR

HIGHLIGHT: CARL SPITZWEG
DAS PFERD ALS WERT: JOHANN ADAM KLEIN
TAFELFREUDE (Slg. Figdor)
MAXILMALE MACHT: GOLDENER REITER (Slg. Figdor)

 

 

FRANZ XAVER NACHTMANN
1799 Obermais – 1846 München

STILLLEBEN MIT FRÜCHTEN UND INSEKTEN (Detail)

Öl auf Leinwand. 43,5 × 32,5 cm

AUKTION 413 // LOT 176
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 10.000


KRIEG UND FRIEDEN


MANIERIST, ENDE 16. JH.

ALLEGORIE AUF KRIEG UND FRIEDEN

Putten mit Kriegsgerät und Füllhorn.
Öl auf Holz. 78 × 57,5 cm

AUKTION 413 // LOT 149
SCHÄTZPREIS € 10.000 – 12.000

ALBRECHT DÜRER
1471 Nürnberg – 1528 ebenda

MARIA VON EINEM ENGEL GEKRÖNT

Kupferstich auf Bütten. 13,8 × 9,7 cm

AUKTION 413 // LOT 133
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 6.000

BARTOLOMÉ ESTEBAN MURILLO
1617 Sevilla – 1682 ebenda, Nachfolge (Werkstatt)

MARIA IMMACULATA

Öl auf Leinwand. 59 x 44,5 cm

AUKTION 413 // LOT 152
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 6.000

Das Motiv der Unbefleckten Empfängnis Mariens, die „Immaculata", findet sich in zahlreichen Versionen im Werk Murillos. Vgl. zu vorliegender Komposition hinsichtlich Stellung der Maria und des Wolkensockels mit Putten das großformatige Gemälde im Detroit Arts Institute (Inv.-Nr. 89.70) sowie eine Ölstudie in Londoner Privatsammlung (s. Valdivieso, Enrique, Murillo. Catálogo razonado de pinturas, Madrid 2010, S. 473, Nr. 300).

MICHELE ROCCA, GEN. IL PARMIGIANINO
1670-75 Parma – zuletzt 1751 in Venedig nachweisbar

DIE GEBURT DES ADONIS

Öl auf Leinwand. 64,7 × 49,7 cm

AUKTION 413 // LOT 167
SCHÄTZPREIS € 7.500 – 8.000

Zur Abstammung des Adonis gibt es in der Mythologie mehrere Versionen. Eine davon erzählt, dass sich die schöne Myrrha in ihren eigenen Vater Kynaris, König von Zypern, verliebt. Nach einer gemeinsamen Nacht, entflieht sie dem Vater. Inzwischen hochschwanger, verwandeln die Götter sie in einen Baum, den Myrrhenbaum, aus dem der Adonisknabe geboren wird.


FLUCHT NACH ÄGYPTEN


BATTISTA DOSSI (BATTISTA LUTERI; BATTISTADI NICCOLÒ DI LUTERO)
um 1500 – 1548 Ferrara

DIE FLUCHT NACH ÄGYPTEN

(Detail). Öl auf Pappelholz. 66,1 × 87,3 cm

AUKTION 413 // LOT 143
SCHÄTZPREIS € 25.000–30.000

ITALIEN (VENETO)
2. Viertel 16. Jh.

DIE HLL. NIKODEMUS UND JOSEPH VON ARIMATHIA AM GRABE JESU

Öl auf Holz. 21,1 × 16,9 cm

VAUKTION 413 // LOT 144
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000

Die kleine Tafel könnte aus dem ehemaligen Kontext einer Predella stammen. Stilistisch steht der Künstler unter dem Eindruck des Schaffens von Bartolomeo Cincani, gen. Bartolomeo Montagna (1450 Vicenza – 1523 ebenda). So können zum Beispiel die Predellatafeln Montagnas aus S. Bartolomeo in Vicenza (heute in der Pinacoteca der Musei Civici in Vicenza) zum Vergleich herangezogen werden. Diese stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts. Die vorliegende Tafel wäre aufgrund von modischen Details, zum Beispiel der Stiefel des Hl. Nikodemus, in die Jahre um 1520/30 zu datieren. Als Autor käme somit einer der Schüler Montagnas in Frage.

GILLIS VAN CONINXLOO
1544 Antwerpen – 1606 Amsterdam, Umkreis

WALDLANDSCHAFT MIT JÄGERN

Öl auf Leinwand. 121 × 186 cm

AUKTION 413 // LOT 157
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000

EYECATCHERIN

PETRUS STAVERENUS
tätig in Den Haag, erwähnt 1634 – 1654, Nachfolge 17./18. Jh.

„SEHEN“

Öl auf Leinwand. 55,5 × 49 cm

AUKTION 413 // LOT 163
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

Es handelt sich bei dem vorliegenden Gemälde um die Personifikation des „Sehens“ i. S. des Sehsinnes (niederländisch „Gezicht“). Als Grundlage für die Komposition diente eine Druckgraphik nach einem Gemälde des Petrus Staverenus. Petrus Staverenus, Genre- und Bildnismaler sowie Kupferstecher, wurde 1635 Mitglied der Haarlemer Sint-Lucasgilde. Sein Schaffen erinnert an die Werke Frans Hals'. Zu seinen bekanntesten Werken zählt eines Serie von Darstellungen der Fünf Sinne. Diese Folge scheint im 17. und auch noch im 18. Jahrhunderts sehr populär gewesen zu sein. Abraham Blooteling schuf nach der Serie Mezzotintoradierungen, ebenso fertigten Pieter Schenck und Jan Verkolje Kupferstiche nach den Vorlagen Staverenus'. Im vorliegenden Fall gelangte ein – wie üblich das Motiv seitenverkehrt darstellender – Reproduktionsstich nach dem „Gezicht“ in die Hände eines der deutschen Sprache mächtigen Künstlers. Dieser bezeichnete sein Werk wie folgt: „Sehen / Die Lust kommt durchs Gesicht, / was lieblich anzusehen. / Das Innerst wird entzünd / von diesen marmor paar. / [So]bald Sie nur erblickt,/ ist der Effect geschehen,/ daß der verliebte haas / legt seine proben dar.“ 

FRANKREICH
(JEAN PERRÉAL, CA. 1455 LYON – 1530 PARIS, NACHFOLGE?) 16. Jh.

BILDNIS KARL VIII. VON FRANKREICH (1470 – 1498)

Öl auf Holz. 47,7 × 37,5 cm

AUKTION 413 // LOT 146
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 5.000

Karl VIII. war Sohn Ludwigs XI. und dessen Frau Charlotte von Savoyen. Er war von 1483 – 1498 König von Frankreich und der letzte König aus dem Geschlecht der Valois. Karl VIII. trägt hier die Kette und den Orden vom Hl. Michael (Ordre de SaintMichel). Der Orden war 1469 von seinem Vater Ludwig XI. gegründet worden. 

 

 

NICOLAUS TREU
1734 Bamberg – 1786 Würzburg

FRANZ CHRISTOPH REICHSFREIHERR VON HUTTEN ZUM STOLZENBERG (1706 STEINBACH – 1770 BRUCHSAL)

Öl auf Kupfer. 17,2 × 12,5 cm (im Oval).

AUKTION 413 // LOT 172
SCHÄTZPREIS € 1.500 – 2.000


FACETIME. FRÄNKISCH.


JOHANN CHRISTOPH FESEL
1737 Ochsenfurt – 1805 Würzburg, zugeschrieben

FRANZ LUDWIG FREIHERR VON UND ZU ERTHAL (1730 LOHR A. M. – 1795 WÜRZBURG)

Öl auf Leinwand. 62 × 47,5 (im Oval)

AUKTION 413 // LOT 173
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 3.500

FRÄNKISCHER MEISTER
2. Hälfte 17. Jh.

BILDNIS EINES DOMHERRN
(KONRAD WILHELM VON WERNAU, 1638 DETTINGEN – 1684 WÜRZBURG, ?)

Öl auf Leinwand. 84 × 69 (im Oval)

AUKTION 413 // LOT 171
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 4.500


PRINZENROLLE


GEORGES DESMARÉES
1697 Gimo (Schweden) – 1776 München zugeschrieben

PRINZ KARL VON POLEN UND SACHSEN

Öl auf Leinwand. 81,5 × 65 cm

AUKTION 413 // LOT 169
SCHÄTZPREIS € 9.000 – 12.000

Prinz Karl Christian Joseph Ignaz Eugen Franz Xaver (1733 Dresden – 1796 ebenda) war der fünfte Sohn Augusts III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, und Maria Josephas von Österreich. Unter seinen Geschwistern war auch die spätere bayerische Kurfürstin Maria Anna Sophie. Während des Siebenjährigen Krieges flüchtete er gemeinsam mit einem Großteil der kurfürstlich-königlichen Familie nach München, an den Hof seines Schwagers Maximilian III. Joseph von Bayern und seiner Schwester. In dieser Zeit sollte Georges Desmarées den Auftrag erhalten haben, den Prinzen zu porträtieren – und dies als Reflex auf die herrschenden Kriegszeiten im Harnisch und mit entschlossenem Gesichtsausdruck. 1758 ernannte ihn sein Vater zum Herzog von Kurland und Semgallen, in seinem Schloss Mitau sorgte er für eine glänzende Hofhaltung. 1763 dankte Karl als Herzog ab und kehrte nach Dresden zurück. 

HENRI MILLOT
um 1721 erstmals erwähnt – ab 1730 tätig in Straßburg und danach in Paris, zugeschrieben

CHRISTIAN IV. VON PFALZ-ZWEIBRÜCKEN

Öl auf Leinwand. 151,5 × 118 cm

AUKTION 413 // LOT 170
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken (1722 Bischweiler/Bischwiller – 1775 Schloss Pettersheim) war ein Sohn Herzogs Christian III. von Pfalz-Zweibrücken und Karolines von Nassau-Saarbrücken. Bereits mit zwölf Jahren erhielt er nach dem Tod seines Vaters den Herzogstitel, bis 1740 übernahm daher seine Mutter die Regentschaft. Die Jahre 1737 bis 1739 verbrachte er zusammen mit seinem Bruder zur Ausbildung in Leyden, danach folgte bis 1740 ein Aufenthalt am französischen Königshof. 1751 ging Christian eine morganatische Ehe mit der Französin Marianne Camasse (1734 – 1807), spätere Gräfin von Forbach, ein. Sein Neffe, Maximilian Joseph, der spätere König Maximilian I. Joseph von Bayern, kam nach dem Tod seines Vaters, des jüngeren Bruders Christians, Friedrich Michael von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, in die Obhut Christians IV.

Das vorliegende Bildnis zeigt den jungen Pfälzer Prinzen noch zu Lebzeiten seines Vaters. Seine Eltern hatten sich im Jahr seiner Geburt, 1722, bereits von Henri Millot porträtieren lassen. 


VORNEHME BLÄSSE


DEUTSCH
3. Viertel 18. Jh.

BILDNIS EINER JUNGEN DAME

Pastell auf Pergament. 47,3 × 37,3 cm

AUKTION 413 // LOT 135
SCHÄTZPREIS € 1.200 – 1.500

Laut Angaben des Nachlassenden soll es sich um ein Porträt einer Prinzessin aus dem Hause Hessen-Darmstadt handeln. Aufgrund gewisser physiognomischer Ähnlichkeiten könnte man die Dargestellte eventuell mit Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt (1757 Berlin  – 1830 Weimar) identifizeren. 


GEWICHTIGE NÄSSE


PETER JACOB HOREMANS
1700 Antwerpen – 1776 München

MAGD AM BRUNNEN

Öl auf Leinwand. 37 × 28,5 cm

AUKTION 413 // LOT 164
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 5.000


SITZGRUPPE


 

 

HEINRICH WILHELM (HENRY GUILLAUME) SCHLESINGER
1814 Frankfurt a. M. – 1893 Neuilly

FAMILIENBILDNIS

Öl auf Leinwand. 63,5 × 80 cm

AUKTION 413 // LOT 180
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

SPANIEN
um 1800

BILDNIS EINES KÜNSTLERS MIT ZEICHNUNG

Öl auf Holz. 36,5 × 26,6 cm

AUKTION 413 // LOT 174
SCHÄTZPREIS € 10.000 – 12.000

In einem Armlehnstuhl sitzt ein junger Mann mit schwarzem kurzen Haar und goldenem Ohrring an einem einfachen Holztisch. Von einem seitlichen Fenster fällt das Licht auf die Szene. Der Dargestellte mit androgynen Zügen hält uns Betrachtern eine Zeichnung auf bläulichem Papier entgegen. In der rechten Hand hält der junge Künstler den Zeichenstift und eine Mappe, in der Rötelzeichnungen zu erkennen sind. Das junge Alter des Dargestellten steht in Kontrast zur routinierten Malweise des Gemäldes, was die Wahrscheinlichkeit eine Künstler-Selbstbildnisses relativiert. Möglicherweise hat ein Lehrer seinen Schüler mit der gelungenen figürlichen Studie porträtiert.


DAS PFERD ALS WERT


Johann Adam Klein gehört zu den bedeutenden realistischen Künstlern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seine Leidenschaft für das Zeichnen war seit früher Jugend stark ausgeprägt, sie steht für das immerwährende Streben des Künstlers nach Objektivität in der Darstellung. So füllte er im Laufe seines Lebens mehr als 50 Skizzenbücher, deren Motive er im Atelier zu Druckgraphik und Gemälden zusammenführt. Seine Reisebilder sind von hohem topographischem Wert, seine Volksszenen – wie hier ein Pferdemarkt – sind präzise erfasst, man könnte sie als "reportagenhaft" bezeichnen.

Johann Adam Klein war der Sohn eines Nürnberger Weinhändlers. Bereits früh erhielt er eine fundierte zeichnerische und druckgraphische Ausbildung. Von 1811 bis 1818 studierte er an der Wiener Kunstakadmemie, seinen Lebensunterhalt verdiente er sich u. a. beim berühmten Verlag Artaria mit dem Malen von Staffagefiguren in topographische Ansichten. Es schlossen sich zahlreiche Studienreisen an. Sein Nürnberger Verleger und Gönner Johann Friedrich Frauenholz vermittelte ihm Kontakte zu zahlungskräftigen Auftraggebern. So reiste Klein z. B. mit der Hofequipage des Fürsten Metternich nach Ungarn, um dort edle Pferde zu porträtieren. Seit 1819 hielt sich Johann Adam Klein in Rom auf, wo er Bekanntschaft mit dem inkognito reisenden bayerischen Kronprinzen Ludwig (dem späteren König Ludwig I.) schloss. Ludwig zählte fortan zu seinen Förderern. 1821 kehrte Klein nach Nürnberger zurück. 1839 erfolgte schließlich der Umzug nach München, die Landschaft in Oberbayern übte eines besonderen Reiz auf den Künstler aus.

Was die Kombination von topographischer Exaktheit und brillanter Wiedergabe von Pferden aber auch Trachten betrifft, kann das vorliegende Gemälde als Summe seines künstlerischen Lebens gelten. Liebevoll schildert Johann Adam Klein die Details, er charakterisiert treffend verschlagene Pferdehändler, deren wohlwollende Kunden, darunter Offiziere, Studenten und Städter. Ganz links ein vornehmer Herr mit Zylinder, der sich von einer Magd, auf dem Hinterkopf die typische Münchner Riegelhaube, sein Bier zapfen lässt. Rechts im Vordergrund teilt ein Bauer den Erlös eines erfolgreichen Verkaufs mit einem Bettler, indem er Münzen auf dessen Hut legt. Der gewittrige Himmel lässt die Hauptprotagonisten des Gemäldes - die Pferde - beim plötzlichen Einfall kräftigen Sonnenlichts majestätisch aufleuchten, ihr Fell glänzt seidig, die kraftvollen Körper sind in Klein'scher Manier perfekt wiedergegeben. Die Bewegungen sind elegant und begeistern durch ihre Variation.

RS

 

JOHANN ADAM KLEIN
1792 Nürnberg – 1875 München

PFERDEMARKT

Öl auf Leinwand. 47,5 × 61 cm

AUKTION 413 // LOT 183
SCHÄTZPREIS € 12.000 – 15.000


ATEMBERAUBEND


JOHANN ADAM KLEIN
1792 Nürnberg – 1875 München

PFERDEFUHRWERK

Öl auf Holz. 30,5 × 39 cm

AUKTION 413 // LOT 184
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 6.000

JOHANN ADAM KLEIN
1792 Nürnberg – 1875 München

IM STALL

Öl auf Holz. 27 × 36 cm

AUKTION 413 // LOT 185
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 5.000

 

HEINRICH BÜRKEL
1802 Pirmasens – 1869 München

ÜBERFALL AUF EINE KUTSCHE

Öl auf Leinwand. 43,5 × 46 cm

AUKTION 413 // LOT 187
SCHÄTZPREIS € 10.000 – 12.000


COWGIRLS


 

JOSEF WOPFNER
1843 Schwaz am Inn – 1927 München

KUHHIRTIN AM SEEUFER

Öl auf Leinwand. 29,5 × 66,5 cm

AUKTION 413 // LOT 204
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 10.000

 

XAVIER DE COCK
1818 Gent – 1896 Deurle

MÄDCHEN MIT KÜHEN

Öl auf Leinwand. auf Holz. 57,5 × 84 cm

AUKTION 413 // LOT 195
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

Der belgische Tiermaler Xavier de Cock studierte 1830 – 35 an der Kunstakademie in Gent und war dann Schüler von Ferdinand de Braekeleer in Antwerpen. Mit seinem Bruder, dem Landschaftsmaler César de Cock (1823 –1904), liess er sich 1855 in Paris nieder. Von dort unternahmen die Brüder zahlreiche Ausflüge nach Barbizon und wurden Anhänger der Freiluftmalerei. Im Stil der Schule von Barbizon malte Xavier de Cock überwiegend Landschaften, die zumeist Tiere, wie Kühe oder Schafe, im Vordergrund zeigen.


FRÜHSTÜCKSLEKTÜRE


Ein in einen dunkelroten Morgenmantel gekleideter, allem Anschein nach gutsituierter Zeitungsleser steht in seinem abgeschiedenen Gärtchen. Hinter ihm die Hauswand, über dem Fenster eine Fassadenmalerei des 18. Jahrhunderts. An der Hausecke hängt ein verlassener Vogelbauer. Unter einem Busch links ein kleiner Tisch mit dem Morgenkaffee und ein Sessel. Der Leser zieht es aber vor, sich seiner Lektüre stehend zu widmen. Der Busch spendet ihm Schatten, die dunkle Silhouette des Lesers zeichnet sich dadurch klar von der sonnenbeschienenen Hauswand ab. Der Unterkiefer des Mannes ist leicht vorgeschoben, die Lippen geschürzt. Durch die Brille blickt er konzentriert auf seine Lektüre. Der Schirm seiner Kopfbedeckung ermöglicht ihm ein störungsfreies Lesen. Nach Siegfried Wichmann (AK 1985/86, s. u.) handelt es sich bei dem Dargestellten um Spitzwegs Nachbarn, den er täglich beobachten konnte.

Das morgendliche Idyll scheint perfekt. Aber die Ruhe trügt. Eine Ruhe, die sich dem Betrachtenden durch den leeren Vogelbauer (ohne ein lustig zwitscherndes Vögelchen) und das abweisend verschlossene Fenster umso stärker vermittelt. Denn der Leser sucht bewusst einen störungsfreien Rückzugsort. Sein einziges Interesse ist auf die Zeitung beschränkt. Seine Umgebung hat er vergessen, die kurze Entfernung zwischen Blatt und Augen scheint das Maß seiner Welt zu sein. Diese kleine Welt endet mit dem Gartenzaun: Denn draußen ist Revolution! Die Aufstände und bürgerlich-revolutionären Erhebungen der Jahre 1848 und 1849 werden jedoch niedergeschlagen. Und mit dieser Niederschlagung ging eine Einschränkung bürgerlicher Rechte einher. Zeitungen und Lesegesellschaften wurden verboten, Publikationen unterlagen einer strengen Zensur. Das gegenseitige Bespitzeln erlebte eine hohe Zeit. Und „Justitia“ war nicht mehr unparteiisch – unser Meister, Carl Spitzweg, schuf das sprechendste und anklagendste Werk, das sich diesen Umständen widmet: Mit „Fiat Justitia“ (bei NEUMEISTER im Jahr 2020 versteigert) riskierte er seine Karriere, der Schriftsteller Heinrich Heine, der seine Kritik nicht in Form eines gemalten klein - städtischen Idylls sondern in Schrift formulierte, musste dafür ins Exil gehen.

Es war für die Bürger ratsam, sich politisch nicht zu äußern. Der Rückzug in den privaten Raum ermöglichte dagegen ein kleines, stilles Glück. Unbeobachtet und fernab der Gesellschaft konnte der Zeitungsleser sich über das Geschehen „draußen“ informieren und wenigstens mimisch seine Meinung über das zum Ausdruck bringen, was allmorgendlich in der Zeitung stand.

RS

 

CARL SPITZWEG
1808 München – 1885 ebenda

DIE FRÜHSTÜCKSLEKTÜRE

Öl auf Karton. 20,6 × 13,6 cm

AUKTION 413 // LOT 181
SCHÄTZPREIS € 50.000 – 60.000


SPIELWIESE


 

JOHANN SPERL
1840 Buch b. Fürth – 1914 Bad Aibling

WIESENSTÜCK

Ölstudie auf Leinwand. 20,5 × 30,7 cm

AUKTION 413 // LOT 194
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 5.000

JOHANN SPERL
1840 Buch b. Fürth – 1914 Bad Aibling

„SOMMERLUST“

Öl auf Holz. 22,3 × 32 cm

AUKTION 413 // LOT 193
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 10.000

Anders als etwa sein Freund und Weggefährte Wilhelm Leibl (1844  – 1900) setzte Johann Sperl einen starken Fokus auf die Natur, spätestens mit seinem Wegzug aus München nach Berbling 1878. Sperls Werke zeigen die Vielfalt der Natur, die Wiesen seiner Gemälde werden von unterschiedlichsten Pflanzen, Blumen und Insekten belebt. Und der Mensch findet sich in dieser Natur wieder, besonders gern in spielenden Kindern, wie in vorliegendem Gemälde. Das Mädchen auf der Wiese jagt mit vollem Körpereinsatz einem Schmetterling hinterher. Die Szene gibt den Moment des ausgelassenen Tobens wieder, ohne versteckte moralisierende oder narrative Ebenen. Wir als Betrachtende sollen uns einfach an diesem Augenblick und der sommerlichen Stimmung erfreuen

SCHLACHTENDONNER


WILHELM TRÜBNER
1851 Heidelberg – 1917 Karlsruhe

„SCHLACHT VON AMPFING“

Ölstudie auf Leinwand. 44,5 × 36,5 cm

AUKTION 413 // LOT 215
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

NACHT IM SOMMER


FRANZ VON STUCK
1863 Tettenweis – 1928 München

SOMMERNACHT. 1910

Pastellkreide über Heliogravure.
59,8 × 50,3 cm

AUKTION 413 // LOT 141
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 12.000

Franz von Stuck hatte nicht nur mit seinen Originalen außerordentlichen Erfolg. Die steigende Bedeutung und Wertschätzung seiner Motive seitens des Publikums verlangte jedoch schon sehr bald nach Reproduktionen. Da Stuck nicht nur ein guter Maler, sondern auch ein geschickter Geschäftsmann war, ging er zum Zwecke der Vermarktung schon 1888 eine geschäftliche Verbindung mit dem Verleger Franz Hanfstaengel ein, die sich später als äußerst lukrativ erweisen sollte. Hanfstaengel wählte für eine begrenzte Auswahl der beliebtesten Stuck´schen Sujets ein aufwendiges Edeldruckverfahren, die Photogravure. Dieses Tiefdruckverfahren wirkt aufgrund seiner samtigen Erscheinungsweise ausgeprochen künstlerisch. Es ist bekannt, dass einzelne dieser reproduzierten Blätter anschließend auch von Franz von Stuck selbst überarbeitet wurden. Die äußerst qualitätvolle Ausführung der Pastellbearbeitung unseres Bildes lässt durchaus an eine eigenhändige Arbeit Franz von Stucks denken, wobei letztlich die Beweisführung offen bleiben muss. Der Rahmen, ein Original aus der Entstehungszeit, greift einen Entwurf Franz von Stucks auf. Er unterstreicht mithin den Eindruck eines gelungenen, wohl komponierten Originals, das nur mit einer sehr starken Lupe sein darunter liegendes Geheimnis preisgibt. 

FRANZ VON LENBACH
1836 Schrobenhausen – 1904 München

BILDNIS EINES MÄDCHENS (MARION LENBACH?)

Öl auf Karton. 53 × 48,5 cm

AUKTION 413 // LOT 219
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000

FRANZ VON LENBACH
1836 Schrobenhausen – 1904 München

BILDNIS EINER DAME MIT HUT

Öl auf Karton. 77,5 × 69,5 cm

AUKTION 413 // LOT 218
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

GABRIEL VON MAX
1840 Prag – 1915 München

„ENTSAGUNG“

Öl auf Leinwand. 70,5 × 58,5 cm

AUKTION 413 // LOT 216
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000

 

NOCH ZU HABEN. KLEINE KAISERIN. 


Marie-Victoire Jaquotot war als Porzellanmalerin berühmt. Anfangs arbeitete sie noch als anonyme Künstlerin für die Porzellanmanufaktur in Sèvres. Von 1801 bis 1842 war sie dann unter ihrem eigenen Namen dort tätig. 1801 (nach der Trennung von ihrem ersten Mann, ihrem Lehrer Etienne-Charles Le Guay) debütierte sie auf dem Pariser Salon. Außer ihren eigenen Arbeiten auf Porzellan oder als Miniaturistin schuf sie zahlreiche Vorlagen vor allem für Porträts als Porzellandekoration. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts arbeitete Jaquotot für den französischen Hof, bemalte dessen Porzellanservice und fertigte Porträts von Mitgliedern des Hofes. 1803 kam ihr Sohn Philippe Comairas zur Welt (der 1855 ihren künstlerischen Nachlass erbte), danach heiratete sie in zweiter Ehe Isidore Pinet. 1808 wurde ihr die überhaupt erste goldene Medaille für Porzellanmalerei verliehen. Unter König Ludwig XVIII. wurde sie zur Kabinettmalerin des Königs ernannt, kurz darauf wurde ihr der Titel „Premier Peintre sur porcelaine du Roi“ zuteil. Das vorliegende Bildnis der Kaiserin könnte als eine der Vorlagen für die Porzellanmanufaktur in Sèvres gedient haben. Es ist gesichert, dass Marie-Victoire Jaquotot 1812 von einem Porträt Joséphines spricht, das sie nach der Natur gefertigt habe. Für die Übertragung auf das Porzellan habe sie dann eine Schablone verwendet. 

 

MARIE-VICTOIRE JAQUOTOT
1772 Paris – 855 Toulouse

JOSÉPHINE DE BEAUHARNAIS, KAISERIN DER FRANZOSEN

Bleistift auf Velin. ca. 6,4 × 4,6 cm

AUKTION 413 // LOT 136
SCHÄTZPREIS €1.500 – 2.000

 

ERNST FRIES
1801 Heidelberg – 1833 Karlsruhe

DOPPELBILDNIS HERMANN UND HEINRICH FRIES

Bleistiftzeichnung auf braunem Papier.
Im Oval 22,1 × 28,3 cm

AUKTION 413 // LOT 138
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000


ROMANTISCH


VICTOR JEAN NICOLLE
1754 Paris – 1826 ebenda

TIVOLI

Aquarell und Feder in Grau und Braun auf Velin.
Ca. 7,2 × 11,3 cm

AUKTION 413 // LOT 137
SCHÄTZPREIS € 1.500 – 2.000

HIGHLIGHTS

SCHMUCK
KUNSTHANDWERK
GRAPHIK UND GEMÄLDE 16. - 20. JH.
MODERNE CONTEMPORARY ART

ONLINEKATALOG

LOSE 1 - 26, AB 14 UHR
LOSE 50 - 124, AB CA. 14:30 UHR
LOSE 125 - 228, AB CA. 15:30 UHR
LOSE 300 - 338, AB CA. 17 UHR