Editorial von Katrin Stoll

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde,

finden Sie nicht auch: Dieser Sommer war speziell. Nach mehreren Lockdowns und sonstigen Zumutungen der Pandemie kamen wir endlich wieder in den Genuss von Leichtigkeit. Ein Mehr an Normalität war dann auch bei unserer erfolgreichen Juniauktion und der viel beachteten Sonderauktion SHE zu spüren. Endlich konnte man wieder ausgehen und beim „Aperölchen“ ins Gespräch kommen.

Wir Menschen sind ja soziale Wesen und benötigen den kreativen Austausch wie die Luft zum Atmen. 

In diesem Sinne ist auch das vorliegende Magazin Ausdruck der regen Kommunikation, die NEUMEISTER in der Stadt, im Land und auf der Welt kultiviert. Klar, dabei geht es vorrangig um Verkauf. Uns liegt aber auch am Herzen, über das zu berichten, was uns ganz grundsätzlich inspiriert und antreibt, vor allem in München, denn hier ist unser Auktionshaus mitten in der City und deren Kulturbetrieb verankert.

Auch ein bisschen unter dem Aspekt der Kulturförderung und Standortstärkung laden wir Sie in dieser Ausgabe zu einer Street Art-Safari ein und beschäftigen uns mit den Umbrüchen an der Bayerischen Staatsoper. Die inhaltlichen Links sind immer da: So ist NEUMEISTER experimentierfreudig wie die Street Art. Und: Ich selbst teile einige fundamentale Aussagen von Serge Dorny, dem neuen Intendanten des Münchner Opernhauses – wenn er zum Beispiel sagt, dass Kunst eine emanzipatorische Dimension hat, Kultur uns also befreien kann. Insofern sieht sich NEUMEISTER – über das eigentliche Auktionsgeschäft hinaus – in der Pflicht, die kulturelle, geistige und soziale Entwicklung von Menschen durch Bildung zu fördern und neue kreative Räume und Spielwiesen zu schaffen. 

Wie cool und spannend das sein kann, ist auch diesem Heft zu entnehmen. 

Herzlichst, Ihre

Katrin Stoll

SPRITZTOUR - Street Art in München

Häuserkampf

Gegen Krieg, Gewalt und Unrecht der„Dark World“ schreien diese Wandmalereien an. Sie stammen von weltbekannten Urban  ArtKünstlern und zieren seit 2017 mehrere Häuserfassaden auf dem ehemaligen Siemens Campus in der Hofmannstraße. 

Selbstporträt von Blek le Rat an der Wurzerstraße. Die Friedens - taube fügte Bananensprayer Thomas Baumgärtel später hinzu.

Kunst am Klo
Freddie Mercury, Rainer Werner Fassbinder und Albert Einstein: Während des Lockdowns im Februar 2020 entstanden auf einem Klohäuschen am Holzplatz die Porträts der drei Berühmtheiten, die alle zeitweise in München gewohnt haben.

STREET ART IN MÜNCHEN STEHT FÜR FANTASIE OHNE GRENZEN. AUF SAFARI DURCH EINEN GROSSSTADTDSCHUNGEL, IN DEM BUNTE BOTSCHAFTEN AN JEDER ECKE ERBLÜHEN.

POSITIVE BILDER

Das mit dem Spazierengehen bin ich inzwischen ein bisschen leid. Aber erstens müssen die Corona-Pfunde ja auch mal wieder weggelaufen werden und zweitens wird es höchste Zeit, das Grau der vergangenen anderthalb Jahre mit positiven Bildern zu überdecken. Wie schön, dass diese in München allerorten zu finden sind. Auf zu einem Stadtbummel der besonderen Art, besser: der Street Art.

DAS ERWECKUNGSERLEBNIS

New York, London, Berlin. Klar. Doch wer denkt bei Street Art schon an München? Es war jedoch tatsächlich die beschauliche bayerische Landeshauptstadt, die in den 1980er Jahren als Wiege der deutschen Graffiti-Szene und Vorreiter europäischer Street Art für Aufsehen sorgte. Ganz genau begann es in der Nacht vom 23. auf den 24. März 1985. Da schnappten sich sieben Jungs aus dem Großraum München Farbdosen und besprühten damit eine S-Bahn von vorne bis hinten (Szene-Sprech: „window-down end to end“). Und weil dieser erste „Wholetrain“ Deutschlands auf einem Abstellgleis des Bahnhofs Geltendorf entstand, ging er als „Geltendorfer Zug“ in die SprayerHistorie ein. Für Münchens Street Art-Experten Martin Arz war diese illegale Kunstaktion der „große Knall“. Das Erweckungserlebnis gewissermaßen für all die jungen Wilden, die seither ihre bunten Botschaften auf Mauern, Brückenpfeilern und Unterführungen aufbringen.

BRÜCKEN SCHLAGEN

Auch weil sich Privatpersonen, Unternehmen und Behörden aufgeschlossen für Street Art zeigten, entstand im Laufe der Jahre quer durch München eine einzigartige Street Art Galerie, die auch von Szene-Größen mit Werken bedacht wurde. Eine der coolsten Locations befindet sich seit 2013 unter der Donnersberger Brücke, deren Pfeiler von 60 Künstlern verschönert wurden. Überhaupt standen und stehen triste Unterführungen stets besonders im Visier der Sprayer. So verwandelten internationale Künstler graue Betonpfeiler am Candidplatz unter dem Motto "Brücken schlagen" in eine Brückengalerie. Die Werke stammen unter anderem von Sebastian Wandl, L.E.T., Case, Herakut, Lapiz aus Neuseeland, Rone aus Australien und der „Klebebande“ aus Berlin.

Ein Thema für sich sind die Brücken an der Isar. Seit 1996 gestalten junge Künstler in häufigem Wechsel zum Beispiel die Pfeiler der Brudermühlbrücke. An beiden Ufern hellt Street Art zudem die Wände dunkler Unterführungen auf. Bereits Kultstatus besitzen die Malereien im Fußgängertunnel der Luitpoldbrücke auf der Seite des Friedensengels. In allen Farben des Regenbogens haben sich Künstler dort verwirklicht. Je nach Tageszeit schimmern die Flügel des Vogels, der zur Treppe hinaufführt, unterschiedlich, wirkt der Mann in Ze Carrions Darstellung grässlicher Gewaltszenen noch bedrohlicher. Auch an Kuriositäten mangelt es nicht: So entstanden im Februar 2020 auf einem denkmalgeschützten Klohäuschen am Holzplatz Porträts von Freddie Mercury, Rainer Werner Fassbinder und Albert Einstein – drei Berühmtheiten, die eines gemeinsam haben: Sie wohnten alle zeitweise im Glockenbachviertel. Martin Arz und Thomas Zufall, Wirt der Café-Bar „München 72“, haben das Konzept „The Pissoir“ entwickelt. Zur künstlerischen Ausgestaltung holten sie die Street Art-Gruppe „Graphism“ mit ins Boot.

HAUSHOHE WANDMALEREI

Eines der imposantesten Münchner Street Art-Werke prangt haushoch in der Bayerstraße 69, gleich ums Eck vom Hauptbahnhof. Matthias Köhler, international bekannt als „Loomit“, und Markus Müller („WON ABC“) haben das Georg Elser (1903–1945) gewidmete Graffito im Sommer 2017 auf der 23 Meter hohen und über elf Meter breiten Fassade einer StadtsparkassenFiliale angefertigt. Kunstvoll verbinden die beiden das Bildnis des gescheiterten Hitler-Attentäters mit Abbildungen acht weiterer Figuren. Was auf den ersten Blick wie eine wilde Mischung wirkt, ist bei genauerem Hinsehen ein kluges Gesamtkunstwerk voller (pop-)kultureller Bezüge. Daniel Düsentrieb beispielsweise symbolisiert Elsers technisches Geschick. Und Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit, spielt auf die grundlegende Frage an, ob man das Risiko eingehen darf, Unschuldige zu töten, um einen Diktator zu beseitigen. Ebenfalls im Sommer 2017 entstanden im Rahmen des von einer Immobiliengesellschaft geförderten Street Art- und Graffiti-Festivals „SCALE –Urban WallArt Munich“ auf dem ehemaligen Siemens Campus in der Hofmannstraße riesige Wandmalereien. Weltbekannte Urban Art-Künstler verzierten die 90 und 150 Quadratmeter großen Fassaden der nah beieinanderstehenden Gebäude binnen einer Woche mit großflächigen Street Art-Malereien – alles völlig legal, ebenso wie das Elser-Graffito, das auf Einladung der Zeitungen tz und Münchner Merkur realisiert werden konnte (siehe auch Interview auf Seite 20 /21).

SCHÖNES AM SCHLACHTHOF

Die Stadt München förderte Wandmalereien im öffentlichen Raum früh. Bereits 1985 erhielten Sprayer auf einem ehemaligen Kasernengelände an der Dachauer Straße ein Areal, in dem sie sich legal austoben konnten. Heute sind die Orte, an denen auch all jene, die sich in der Szene noch keinen Namen gemacht haben, die Spraydose auspacken können, um Wände legal zu verschönern, eher selten. Hotspot ist hier vor allem die Tumblinger Straße im Schlachthofviertel. Aufgrund der begrenzten Fläche ist die Halbwertszeit der Kunstwerke dort jedoch kurz. Soeben geschaffene Werke werden teils schon nach Stunden übersprüht, zudem zermürbt der starke Andrang zusehends die Mauern.

Noch bis Dezember ist im MUCA die Ausstellung „Ikonen der Urban Art“ zu sehen. Mit vielen Originalen von Szene-Größen der Urban Art. Auch Banksy ist mit Schlüsselwerken vertreten.

RAUM SCHAFFEN IM KOLLEKTIV

Öffentlichen Raum für Street und Urban Art finden, zumal im rechtlichen Rahmen, ist vor allem für Nachwuchskünstler ein Problem. Im Kollektiv soll es, auch inhouse, gelöst werden. Die Stadt unter dem Motto „Einfach mal machen“ als kreative Spielwiese zu gestalten, hat sich broke.today vorgenommen. Das seit 2019 aktive Künstler-Kollektiv will dazu Räume für alle schaffen, die sich im teuren München keine Ateliers oder Studios leisten können und somit gleichzeitig Newcomer fördern und Erlebnisorte der Kultur und Begegnung anbieten. Mit „Traphouse“ ist dies beeindruckend gelungen. Im Rahmen des Projektes erhielten im April 2021 insgesamt 27 Künstler 7 Tage lang Gelegenheit, leer stehende Wohnungen eines Abbruchhauses in Schwabing in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln. Über mehrere Stockwerke hinweg kam es im Zuge der Zwischennutzung zu einer Explosion der Kreativität, bevor das bunte Farbspektakel nach einigen Wochen wieder vorbei war. Derweil sucht und findet die Szene weitere Off-Locations, ein aktuelles Beispiel dafür ist das Projekt „La Maison Almedina“.

Deutschlands buntester Schlachthof Das weitläufige Gelände des Münchner Schlachthofes ist heute im besten Sinne zweckentfremdet. Hotspot der Sprayer-Szene ist die Tumblinger Straße, wo Mauern ganz legal mit Graffiti verschönt werden dürfen.

KUNST UND KOMMERZ

Bei aller offiziellen Akzeptanz gibt es rote Linien: So schalten sich die Behörden immer dann ein, wenn Street Art illegal entsteht und lassen sie dann umgehend entfernen – es sei denn, es handelt sich um visuelle Schmankerl wie das Selbstbildnis, das der Franzose Blek le Rat hinter dem Hotel Vier Jahreszeiten an der Wurzerstraße aufgetragen hat. Der Mann ist ein Star der Szene, Urvater der sogenannten Stencils, also Graffiti, die mithilfe von Schablonen angebracht werden. Er gilt damit als Wegbereiter des liebsten Phantoms der Kunstszene: Banksy. Mit diesem Namen wären wir mittendrin in der Diskussion um Kunst und Kommerz. Street Art soll ihrem Wesen nach ja eigentlich für alle da sein, doch auch Künstler wollen von etwas leben. Und so wird aus Street Art Urban Art. Was einst nur auf der Straße zu sehen war, erzielt heute bei Auktionen Höchstpreise, wird in Galerien und Museen ausgestellt. Dass dies alles kein Widerspruch sein muss, macht das Museum of Urban and Contemporary Art vor www.muca.eu/. In einem ehemaligen Umspannwerk der Stadtwerke stellt das MUCA auf 2.000 Quadratmetern internationale Urban Art aus. Hier zeigt sich, dass das alles keine Fingerübung halbstarker MöchtegernPicassos ist – sondern: Kunst. Ohne Sie ist alles nichts. In diesem Sinne: Ab auf die Straße!

Von Katja Kraft

VON DER STRASSE IN DEN AUKTIONSSAAL - EIN GESPRÄCH mit KATRIN STOLL, Geschäftsführende Gesellschafterin bei NEUMEISTER

Under the bridge Die größte Street Art Galerie Münchens befindet sich unter der Donnersberger Brücke. 60 Künstler verewigten sich dort auf Mauern und Brückenpfeilern.

NEUMEISTER als Spezialist für Alte Kunst – und dann Street Art. Wie geht das zusammen?

Wir halten unsere Tradition zwar in Ehren, sind gleichwohl experimentierfreudig und immer offen für Neues. Wobei: Einige der frühen Sprayer sind ja fast schon Klassiker. Ist eben alles relativ. Inhaltlich gibt es zudem Bezüge zwischen vermeintlich alter und zeitgenössischer Kunst. Ein gutes Beispiel dafür ist Carl Spitzwegs „Justitia", die wir im letzten Jahr für rund 700.000 Euro versteigert haben. Das Gemälde aus dem Jahr 1857 ist in seiner Aussage hochaktuell, denn – wie bei der Street Art – geht es um die Thematisierung von Recht und Unrecht, um Gesellschaftskritik, um Protest gegen Spießbürgertum und Überwachungsstaat – alles nur subtil statt plakativ vermittelt. Gerade die Justitia als Sinnbild der Gerechtigkeit wird heute weltweit von Street Art-Künstlern aufgegriffen und ist an Aktualität ungebrochen. Das Graffito an der Sparkassen -Fassade in der Münchner Bayerstraße ist dafür ein Beispiel. Und denken Sie nur an Banksy, der 2004 in einer Nacht- und Nebelaktion eine sechs Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Justitia -Statue aus Bronze in einer Londoner Grünanlage positionierte – und zwar im Look einer Prostituierten mit kniehohen Lacklederstiefeln, Reizwäsche, ins Strumpfband gestopften Dollarnoten und der Inschrift „Trust no one“.

Street Art am Fluss
Durch welches Museum kann man schon joggen oder radeln! An der Isar ist dies unter anderem in der Fußgängerunterführung der Luitpoldbrücke möglich. Der Weg führt vorbei an gut erhaltenen Murals, die durch künstliche Lichtquellen in Szene gesetzt werden.

Was hat Straßenkunst in Auktionshäusern und Museen zu suchen?

Das hat mit Marktwirtschaft zu tun. Wenn die Nachfrage vorhanden ist, reagiert der Markt, bieten Auktionshäuser und Galerien Urban Art an. Und zu den Museen: Wie cool Urban Art präsentiert werden kann, macht das MUCA vor. Ich gehe immer gerne in dieses viel zu wenig beachtete Haus – in dem wir übrigens schon mal ein NEUMEISTER -Neujahrs -Dinner ausgetragen haben.

Welche Rolle spielt Urban Art aktuell bei NEUMEISTER?

Urban Art führt bei uns noch ein Nischendasein, aber das kann sich ändern. Ansonsten kommt Urban Art immer wieder mal zum Aufruf. So haben wir 2018 die Fotoarbeit „Freedom Graffiti. 2013“ des in Damaskus geborenen Künstlers Tammam Azzam versteigert. Der Schätzpreis betrug 3.000 bis 4.000 Euro, verkauft wurde das Werk für 6.096 Euro.

Tammam Azzam. Freedom Graffiti. 2013
AUKTION MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART

Sie kennen FRIEDRICH KARL GOTSCH nicht?

Spätestens bei der NEUMEISTER Herbstauktion werden Sie mehr über ihn erfahren. Denn dann ist der lange vergessene, jetzt wiederentdeckte Neo-Expressionist mit gleich 36 Werken vertreten. Hier bietet sich eine erstklassige Chance, preisgünstig an ein Werk des Künstlers zu gelangen.

Als Vorgeschmack auf die im Herbst zur Versteigerung kommende Zeitgenössische Kunst möchten wir Ihnen zwei hyperrealistische Werke von GOTTFRIED HELNWEIN empfehlen, eine subtil-spannende Arbeit des aktuell stark nachgefragten CHRISTIAN BRANDL und „Nichtstrieb“ von BERND KOBERLING, einem Mitbegründer der jungen Wilden.

GERHARD RICHTER offenbart in einer Serigrafie seine graue Sicht der Schweizer Alpen, ECKART HAHN versetzt Berge in Wohnräume.

Auf den Punkt bringt es schließlich die „elementare Malerei“ des deutsch-amerikanischen Malers JERRY ZENIUK, der 1993 bis 2011 Professor für Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste München war. Aufregend und faszinierend sind die Arbeiten des kroatischen Malers EDO MURTIC.

AUKTION MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART

23. SEPTEMBER, 16 UHR

 

VORBESICHTIGUNG 16. - 20. SEPTEMBER
täglich 10 - 17 Uhr
Sa, So 10 - 15 Uhr

WELTPREMIERE - FRIEDRICH KARL GOTSCH

IM HERBST ZU HABEN: 36 ARBEITEN VON FRIEDRICH KARL GOTSCH AUS EINER BERÜHMTEN PRIVATSAMMLUNG

 

Graphik, Papierarbeiten, Ölgemälde. Die noch nie auf dem Kunstmarkt angebotenen Werke decken die gesamte Schaffensperiode des Künstlers ab.

 

 

Erkannt? Beim Hintergrund handelt es sich nicht um eine Betonmauer, sondern um die Decke der Münchner Pinakothek der Moderne.

IM SCHATTEN DER GROSSEN

ERNST LUDWIG KIRCHNER, ERICH HECKEL ODER ALEXEJ VON JAWLENSKY. KENNT MAN. ABER DA IST NOCH EINE ZWEITE GENERATION VON KÜNSTLERN, DIE – UM 1900 GEBOREN – DEN GROSSEN DEUTSCHEN EXPRESSIONISTEN FOLGTE UND IN DEREN SCHATTEN STAND. DURCH DEN NATIONALSOZIALISMUS ZUDEM JEGLICHER WIRKUNGS - MÖGLICHKEIT BERAUBT, WURDEN SIE FORTAN SCHLICHTWEG VERGESSEN. FRIEDRICH KARL GOTSCH TEILTE DIESES SCHICKSAL. 

Alles startet vielversprechend. Gotsch studiert Volkswirtschaft, Philo - sophie und Kunstgeschichte, gleichzeitig nimmt er privaten Malunterricht bei Hans Ralfs in Kiel. Dieser erkennt das Talent des Schülers und weist ihm den Weg zu den Expressionisten, allen voran zu Edvard Munch, der für Gotsch lebenslang geistiger Anreger sein wird. 1920 hat der junge Mann seine erste Einzelausstellung in der Kunsthalle Kiel – ein ermutigender Erfolg, den Gotsch zu Beginn seines Kunststudiums in Dresden feiert. An der Elbe studiert er von 1920 bis 1923 als Meisterschüler bei Oskar Kokoschka, der ihn künstlerisch prägt.

Mit seiner Freundin Hilde Goldschmidt reist Gotsch nach seinem Kunst - studium nach New York, Paris und Italien. Als die Angriffe gegen Juden 1933 zunehmen, flieht Goldschmidt ins Ausland, während Gotsch nach Berlin geht. Es folgen schreckliche Jahre künstlerischer Isolation und menschlicher Zumutungen. Zwar erhält Gotsch kein Malverbot, doch die National - sozialisten behindern seine Arbeit zunehmend: Der Expressionist muss seine Bilder verstecken, zahlreiche Werke gehen dabei verloren. Und während Gotsch seinen Kriegsdienst als Dolmetscher leistet, wird sein Berliner Atelier von Bomben zerstört.

Ungebrochen übersteht Gotsch die NS-Zeit, doch nach dem Krieg setzt sich die abstrakte Malerei durch, Expressionisten finden kaum Beachtung, und für Gotsch interessiert sich niemand mehr. Der trotzige Einzelgänger ist verletzt und verbittert, nimmt seine künstlerische Tätigkeit aber wieder auf. In Auseinandersetzung mit der Abstraktion und Picassos Kubismus entwickelt er dabei einen neuen und ganz eigenen spätexpressionistischen Stil. Zahl - reiche seiner erhaltenen Gemälde übermalt und zerstört der Künstler übrigens und bearbeitet sie nach seinen neuen stilistischen Kriterien; auch deshalb sind nur wenige Gemälde aus der frühen Schaffensperiode erhalten geblieben. Noch zu Lebzeiten gelingt es Gotsch die Anerkennung für seine Malerei zurückzuerobern. Zahlreiche Einzelausstellungen sowie die Übernahme eines Großteils seiner Werke in die Sammlung des Genfer Petit Palais im Jahr 1964 sowie die Gründung der K. F. Gotsch-Stiftung am Schleswig-Hol - steinischen Landesmuseum 1968 verhelfen Gotsch zu überregionaler Aner - kennung. Zudem erhält er eine Reihe von Auszeichnungen, zum Beispiel den Villa-Romana-Preis und die Ehrenprofessur des Landes Schleswig-Holstein. Porträts, Stillleben, Landschaften. Klassische, mythologische, religiöse und literarische Themen. Friedrich Karl Gotsch hinterließ uns ein vielfältiges Werk. Es wird weiter wirken. Und spätestens jetzt ist die Zeit reif für die Wiederentdeckung eines unterschätzten Expressionisten.

Friedrich Karl Gotsch - Das Kind im Pelzmantel. 1922/1950

Auktion 402, Kat.-Nr. 1000

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Capri. 1928/50er Jahre

Auktion 402, Kat.-Nr. 1004

Schätzpreis € 7.000 bis € 9.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Selbstporträt mit blauer Kappe. 1929

Auktion 402, Kat.-Nr. 1005

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Liliencron. 1954

Auktion 402, Kat.-Nr. 1014

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Atelierinterieur. 1957

Auktion 402, Kat.-Nr. 1016

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Tessiner Bäuerin mit Kind. 1959

Auktion 402, Kat.-Nr. 1017

Schätzpreis € 5.000 bis € 7.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Bildnis einer Dame. 1959

Auktion 402, Kat.-Nr. 1019

Schätzpreis € 5.000 bis € 7.000
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Der Blitz - La Foudre. 1964

Auktion 402, Kat.-Nr. 1023

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.500
noch erhältlich

Friedrich Karl Gotsch - Fünf Monotypien. 1964

Auktion 402, Kat.-Nr. 1031

Schätzpreis € 800 bis € 1.000
noch erhältlich

KINDLICHE ALPTRÄUME - GOTTFRIED HELNWEIN

Der irisch-österreichische Künstler Gottfried Helnwein zählt heute zu den erfolgreichsten und bekanntesten deutschsprachigen Künstlern der Nachkriegszeit. Er ist bekannt für seine hyperrealistischen Bilder und Fotoporträts von prominenten Persönlichkeiten wie Mick Jagger, Michael Jackson, Andy Warhol, Arnold Schwarzenegger, Marilyn Manson und der Band Rammstein. Seine Bilder zeigen fesselnde, aber auch schockierende Themen der Gewalt und des Missbrauchs, oftmals malträtierte Kinder, mit Blessuren, Wunden oder Bandagen versehen. Sein Grundthema bleibt die Gewalt, vor allem das physische und seelische Leid von Kindern. Ein Sinnbild absoluter Verlorenheit und purer Verzweiflung ist das Werk „Der Frevel“.

Seit Ende der 1970er Jahre widmet sich Helnwein zunehmend den Figuren der Pop- und Trivialkultur, wobei er sich an sein Vorbild Walt Disney anlehnt. Dabei bedient er sich zwar grundsätzlich der Bildsprache und Formen des Comics – integriert und verbindet aber Figuren aus gänzlich unterschiedlichen Welten, wodurch ein völlig neuer Zusammenhang entsteht.

Häufig bezieht sich Gottfried Helnwein auf kindliche Alpträume. Aus dieser Welt stammt auch „Kriminaltango“ (siehe S. 32/33), das eine schreiende Frau in Bluse und Rock vor dunklem Hintergrund zeigt. Sie hält sich verzweifelt mit beiden Händen die Ohren zu, auch sind ihre Augen geschlossen, das Gesicht ist insgesamt verzerrt. Vor ihr schwebt eine gemein lachende Wurst mit Zorro Maske – sie scheint es auf die Frau abgesehen zu haben. Technisch ist alles in malerisch minutiöser Perfektion – typisch für Helnweins Hyperrealismus. Der Betrachter ist fasziniert und beunruhigt zugleich, das liegt auch daran, das die dargestellten Figuren mehr wissen, als wir herauslesen können.

VON IPEK BLASK, NEUMEISTER-EXPERTIN GEMÄLDE, ZEICHNUNGEN, GRAPHIK, SKULPTUREN 20./21. JAHRHUNDERT

Gottfried Helnwein - Kriminaltango. 1983

Auktion 402, Kat.-Nr. 1062

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

Gottfried Helnwein - Der Frevel

Auktion 402, Kat.-Nr. 1063

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.500
noch erhältlich

SUBTILE SPANNUNG - CHRISTIAN BRANDL

Die Werke des 1970 in Erfurt geborenen Künstlers Christian Brandl strahlen Klarheit und Ruhe aus, bei näherer Betrachtung spürt man jedoch eine ungewöhnliche Spannung. Der Künstler zeigt eine Momentaufnahme mit Figuren, die beunruhigt wirken. Der Betrachter fragt sich zwangsläufig, was wohl passiert sein mag. Genau das macht den Reiz und die Besonderheit der Bilder aus. Brandls Stil lässt schon erahnen, dass wir es hier mit einem bedeutenden Künstler der berühmten „Neuen Leipziger Schule“ zu tun haben, der zu den wichtigen Vertretern der zeitgenössischen figurativen Malerei Deutschlands gehört.

Christian Brandl - Flucht. 2010

Auktion 402, Kat.-Nr. 1074

Schätzpreis € 8.500 bis € 10.500
noch erhältlich

Werke von Christian Brandl werden aktuell stark nachgefragt. Das zeigte sich auch bei der NEUMEISTER Frühjahrsauktion. Nach spannenden Bietgefechten wechselte Brandls Werk „Am Meer“ für 21.590 Euro den Besitzer und übertraf den Schätzpreis von 8.000 bis 10.000 Euro damit deutlich. 

MILDER WINTER - BERND KOBERLING

Bernd Koberling - Nichtstrieb. 1996

Auktion 402, Kat.-Nr. 1067

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

GIPFELTRAUM - GIPFELRAUM - GERHARD RICHTER - ECKART HAHN

Gerhard Richter - Schweizer Alpen II. 1969

Auktion 402, Kat.-Nr. 1059

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

Gerhard Richter - Schweizer Alpen II. 1969

Auktion 402, Kat.-Nr. 1060

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Eckart Hahn - Stille. 2003

Auktion 402, Kat.-Nr. 1072

Schätzpreis € 7.000 bis € 9.000
noch erhältlich

FARBE UND BEWEGUNG - EDO MURTIC

Edo Murtic - Velký záliv (Große Bucht). 1990

Auktion 402, Kat.-Nr. 1090

Schätzpreis € 6.000 bis € 9.000
noch erhältlich

Edo Murtic - Ocakávania (Erwartung). 1992

Auktion 402, Kat.-Nr. 1091

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

AUF DEN PUNKT - JERRY ZENIUK

Jerry Zeniuk - Untitled. 1999

Auktion 402, Kat.-Nr. 1070

Schätzpreis € 3.000 bis € 5.000
noch erhältlich

Jerry Zeniuk - Ohne Titel. 1999

Auktion 402, Kat.-Nr. 1071

Schätzpreis € 3.000 bis € 5.000
noch erhältlich

AUKTION GRAPHIK UND GEMÄLDE 15. - 20. JH.

Um das magische Farbspiel der „Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang“ zu erleben, müssen Sie sich nicht in die Berliner Nationalgalerie begeben. Sie können das berühmte Gemälde von AUGUST KOPISCH auch in unserem Auktionssaal bewundern, wo eine der Fassungen dieses Werkes bei der NEUMEISTER Herbstauktion aufgerufen wird.

Überhaupt bewegen wir uns dann nah am Wasser: Landschaften an Fluss und Meer steuern unter anderem JOHANN GEORG SCHÜTZ und FERNAND-MARIEEUGÈNE LEGOUT-GÉRARD bei.

Wahre Liebhaberstücke sind MARTEN VAN VALCKENBORCHS „Flusslandschaft mit Schafherde und Flucht nach Ägypten“, und JAN GRIFFIERS „Weite Flusslandschaft“.

Badende ins Bild setzt MAURICE CHABAS.

Auch die Genre-Malerei des 19. Jahrhunderts ist im Herbst stark vertreten. Einblicke in das Volksleben geben JOHANN SPERLS Meisterwerk „Kirchweihfest“, LORENZO QUAGLIOS „Fröhliche Gesellschaft vor dem Berggasthaus“ und EUGEN HOFMEISTERS „Sonntag in einer schwäbischen Bauernfamilie“. Sujets aus dem bäuerlichen Leben steuert auch FRITZ FREUND bei. Und wie man einen Lehrer einwickelt, zeigt „Der uneigennützige Schulmeister“ von HANNO RHOMBERG.

Freunde hochkarätiger Porträts wird das „Bildnis einer jungen Frau mit Krone“ von JAN VAN BIJLERT begeistern. Ein echter Hingucker ist auch das kleine „Selbstporträt eines Künstlers mit Zeichengriffel“, das uns ein unbekannter Maler hinterließ.

Kein Unbekannter ist hingegen CARL SPITZWEG, der im Herbst unter anderem mit der Ölstudie „Brustbild eines Türken“ und der Zeichnung „Orientale mit Tschibuk“ vertreten ist.

Und nun viel Vergnügen beim Durchstöbern unserer Gemäldegalerie

AUKTION GRAPHIK UND GEMÄLDE

15. - 20. JH.

23. SEPTEMBER, 14 UHR

 

VORBESICHTIGUNG 16. - 20. SEPTEMBER
täglich 10 - 17 Uhr
Sa, So 10 - 15 Uhr

GEMÄLDE 19. UND 20. JH.

SINNBILD DER VERGÄNGLICHKEIT - AUGUST KOPISCH

AUGUST KOPISCH GILT ALS EINER DER VIELSEITIGSTEN KÜNSTLER DES 19. JAHRHUNDERTS. DER MALER UND DICHTER („DIE HEINZELMÄNNCHEN“) WAR AUCH ERFINDER (SCHNELLOFEN) UND FORSCHER. IMMER NEUGIERIG, IMMER AUF DER SUCHE, ENTDECKTE ER (1826) CAPRIS BLAUE GROTTE ODER SPAZIERTE SEELENRUHIG AUF EINEM AUSBRECHENDEN VULKAN. DAS LEBEN ALS GRATWANDERUNG FÜR EINEN AUSSERGEWÖHNLICHEN MENSCHEN, DESSEN INTERESSE STETS DEM SUBLIMEN UND SONDERBAREN GALT.

Sie war eine Brutstätte der Malaria, Herden schwarzer Büffel zogen durch die gefürchtete Sumpflandschaft der Paludi Pontine, die sich im Südosten Roms auf dem Weg nach Neapel zu beiden Seiten der Via Appia erstreckte. Erst im 20. Jahrhundert gelang es, die Sümpfe, die in der Antike eine blühende Region waren, trocken zu legen, und damit auch einen Herd der Malaria zu besiegen, die Rom bis dahin immer wieder heimgesucht hatte.

Die Erhabenheit des Verfallenden der mythologischen Landschaft inspirierte zahlreiche Künstler. Mit ihren halb versunkenen Fragmenten antiker Bauten und von der Natur überwucherten Skulpturen avancierten die Pontinischen Sümpfe zum Sinnbild der Vergänglichkeit menschlicher Kultur. Goethe beschrieb sie in seiner Italienischen Reise – und August Kopisch brachte sie mit poetischer Strahlkraft auf Leinwand. Womit wir bei der vorliegenden Komposition wären, die als ein Hauptwerk des Künstlers gilt: Aus erhöhter Position und mit in die Ferne gerichtetem Blick werden wir Zeuge des schwelgerischen Farbspiels eines glutroten Sonnenuntergangs und magischer Spiegeleffekte auf den Wasserflächen. Aber am besten beschreibt es der Maler selbst. So heißt es in seinem Brief an den Berliner Bankier und Sammler Joachim Heinrich Wilhelm Wagener: „Man sieht über die pomtinischen Sümpfe in das tyrrhenische Meer, in welches die Sonnenscheibe soeben versinken will. Der purpurrothe Scirokkohimmel wird von Ueberschwemmungswassern gespiegelt, welche der Fluß Nymphaeus zum Meere führt. Im Hintergrund zur Linken erhebt sich aus den schilfigen Ebnen das Vorgebirge Monte Circello die vormalige Insel der Kirke, noch ferner eine der Ponza-Inseln. Zur Rechten des Flußes sieht man eine verfallene Wasserleitung aus den Zeiten der Caesaren; im Vordergrunde eine halb römische, halb mittelaltrige Burgruine mit rundem Thurm. Die Staffage bildet eine Herde wilder Büffel, die von Ufer zu Ufer schwimmt.“

Von August Kopischs Pontinischen Sümpfen sind drei Fassungen nachweisbar: Die wohl erste und viel beachtete Ausführung, die Kopisch 1839 auf der Berliner Akademieausstellung zeigte, wurde vom preußischen König erworben. Dieses Gemälde befand sich bis 1945 im Stadtschloss Potsdam und ging im Krieg verloren. Eine zweite Fassung von 1848 befindet sich heute in der Berliner Nationalgalerie. Eine dritte Fassung befand sich in Berliner Privatbesitz – und ist möglicherweise diejenige, die jetzt bei NEUMEISTER versteigert wird.

VON BARBARA HUBER, NEUMEISTER-EXPERTIN FÜR GEMÄLDE UND GRAPHIK BIS ANGEHENDES 20. JAHRHUNDERT

August Kopisch - Die Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang

Auktion 402, Kat.-Nr. 493

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

Á LA FRANCAISE - FRANZÖSISCHE MALEREI DES 19. JAHRHUNDERTS

Fernand-Marie-Eugène Legout-Gérard (Le Gout-Gérard) - In einer bretonischen Hafenstadt

Auktion 402, Kat.-Nr. 552

Schätzpreis € 10.000 bis € 15.000
noch erhältlich

Maurice Chabas - Badende

Auktion 402, Kat.-Nr. 557

Schätzpreis € 5.000 bis € 6.000
noch erhältlich

George Alfred Bottini - Der Kostümball

Auktion 402, Kat.-Nr. 559

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.500
noch erhältlich

Narcisse Virgile Diaz de la Peña - "Mare et fagotière"

Auktion 402, Kat.-Nr. 570

Schätzpreis € 5.500 bis € 6.000
noch erhältlich

Victor Alfred Paul Vignon - "Chemin à la boue"

Auktion 402, Kat.-Nr. 571

Schätzpreis € 5.500 bis € 6.500
noch erhältlich

Paul Emmanuel Péraire - Paris - Rue de lAbreuvoir, Montmartre

Auktion 402, Kat.-Nr. 572

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
noch erhältlich

SEHNSUCHT NACH EINER VERLORENEN ZEIT

Süddeutsche Gemälde des 19. Jahrhunderts, die heiteres Volksleben darstellen, haben treue Anhänger. Wohl nicht nur, weil diese Arbeiten meisterhaft ausgeführt und entsprechend werthaltig sind. Kaufmotiv scheint zudem die Sehnsucht nach einer verlorenen Zeit zu sein, samt ihrer liebgewonnenen Traditionen. Dafür stehen auch zahlreiche Arbeiten, die bei der NEUMEISTER Herbstauktion aufgerufen werden.

Lorenzo Quaglio - Fröhliche Gesellschaft vor dem Berggasthaus

Auktion 402, Kat.-Nr. 495

Schätzpreis € 12.000 bis € 15.000
noch erhältlich

Hanno Rhomberg - Der uneigennützige Schulmeister

Auktion 402, Kat.-Nr. 497

Schätzpreis € 6.500 bis € 8.000
noch erhältlich

Eugen Hofmeister - Sonntag in einer schwäbischen Bauernfamilie

Auktion 402, Kat.-Nr. 498

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

Johann Sperl - Kirchweihfest

Auktion 402, Kat.-Nr. 499

Schätzpreis € 30.000 bis € 40.000
noch erhältlich

WALD UND WIESE - FRITZ FREUND

Das Schaffen von Fritz Freund, von dem gleich neun Arbeiten in dieser Auktion vertreten sind, umfasst ebenfalls Genre-Darstellungen aus dem bäuerlichen Leben sowie impressionistische Landschaften. Der Maler studierte 1881 – 1887 an der Münchner Akademie unter Gabriel von Hackl, Nikolaus Gysis und Wilhelm Lindenschmit d. J. Ab 1900 verbrachte er seine Sommermonate regelmäßig in Miesbach, wohin er 1919 seinen Wohnsitz ganz verlegte

Fritz Freund - Hirtenknabe auf dem Gipfel

Auktion 402, Kat.-Nr. 425

Schätzpreis € 150 bis € 200
noch erhältlich

Fritz Freund - "Die Geschwister"

Auktion 402, Kat.-Nr. 509

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
noch erhältlich

Fritz Freund - "Die Waldbank"

Auktion 402, Kat.-Nr. 510

Schätzpreis € 1.500 bis € 2.000
noch erhältlich

Fritz Freund - Waldweg

Auktion 402, Kat.-Nr. 511

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

Fritz Freund - Moorlandschaft mit Strohmandl

Auktion 402, Kat.-Nr. 512

Schätzpreis € 400 bis € 600
noch erhältlich

Fritz Freund - Weg im Gebirge

Auktion 402, Kat.-Nr. 513

Schätzpreis € 400 bis € 600
noch erhältlich

Fritz Freund - Gebirgslandschaft mit Bauerngehöft

Auktion 402, Kat.-Nr. 514

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

Fritz Freund - "Spaziergang"

Auktion 402, Kat.-Nr. 515

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

Fritz Freund - Landschaft bei aufziehendem Gewitter

Auktion 402, Kat.-Nr. 516

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

GEMÄLDE 15. BIS 18. JH.

LANDSCHAFTSMALEREI 17. UND 18. JAHRHUNDERT

Johann Georg Schütz (Schüz) - Baumbestandene Fluss- bzw. Uferlandschaft mit Figurenstaffage

Auktion 402, Kat.-Nr. 416

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.500
noch erhältlich

Marten van Valckenborch - Flusslandschaft mit Schafherde und Flucht nach Ägypten

Auktion 402, Kat.-Nr. 437

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

Jan Griffier - Weite Flusslandschaft

Auktion 402, Kat.-Nr. 440

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

AUGENBLICKE

Jan van Bijlert (Bylert) - Bildnis einer jungen Frau mit Krone

Auktion 402, Kat.-Nr. 436

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

Deutsch - Franz Georg Reichsgraf von Schönborn

Auktion 402, Kat.-Nr. 469

Schätzpreis € 10.000 bis € 12.000
noch erhältlich

Deutsch - Selbstporträt eines Künstlers mit Zeichengriffel

Auktion 402, Kat.-Nr. 475

Schätzpreis € 2.000 bis € 3.000
noch erhältlich

ARBEITEN AUF PAPIER 19. UND 20. JH.

CARL SPITZWEG

Carl Spitzweg - Orientale mit Tschibuk

Auktion 402, Kat.-Nr. 420

Schätzpreis € 800 bis € 1.200
noch erhältlich

Carl Spitzweg - Gebirgslandschaften - Blütenstudie - Pferde - Wirtsgarten

Auktion 402, Kat.-Nr. 421

Schätzpreis € 1.500 bis € 1.800
noch erhältlich

Carl Spitzweg - "Brustbild eines Türken"

Auktion 402, Kat.-Nr. 486

Schätzpreis € 7.500 bis € 8.500
noch erhältlich

OPER IM UMBRUCH

JEDER MENSCH EIN KÖNIG

Ein ausladender Bau für das Volkstheater, ein cooles Interimsquartier für die Philharmonie und Facelifting für die Glyptothek: Münchens Kulturlandschaft hat sich im Herbst neu aufgestellt. Einen Umbruch erlebt auch die Bayerische Staatsoper. Dort geht Serge Dorny mit der Spielzeit 2021/22 als neuer Intendant an den Start. Was treibt den Mann an? Wir wollten es wissen. Schon weil wir bei NEUMEISTER – wie zahlreiche Kunstliebhaber in unserem Umkreis – begeisterte Opernfans sind

VISIONEN IM GEPÄCK

Das vorweg: Serge Dorny bringt eine beeindruckende Vita mit – und Visionen.
Vor allem soll sich das Haus durch neue Formate einem breiteren, diversen Publikum öffnen. Damit schließt Dorny nahtlos an seine Zeit an der Opéra National de Lyon an, wo er von 2003 bis 2021 überaus erfolgreich als Intendant tätig war. Jetzt möchte der 59-Jährige zugehen auf die Menschen seiner neuen Wirkungsstätte und ins Gespräch kommen, sowohl mit dem Publikum als auch mit anderen Kulturinstitutionen. Da hat Dorny eine weitreichende Vernetzung über den Max-Joseph-Platz hinaus im Sinn, ist zum Beispiel offen für Kooperationen mit Akademien, Museen und der Biennale.

DIE OPER ALS LEBENDIGE KUNSTFORM

Ein Haus, in dem Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner und Johann Strauss nicht nur aufgeführt werden, sondern gelebte Geschichte sind, ist für jeden Intendanten eine Herausforderung. Dorny nimmt sie selbstbewusst, neugierig und respektvoll an. „Diese reiche Geschichte der Bayerischen Staatsoper macht mich bescheiden – aber auch stolz, ein Teil davon sein zu dürfen“, betont er. „Es spornt an, erfinderisch zu sein, Tradition mit Innovation eine inspirierende Verbindung eingehen zu lassen, sodass die Oper weiterhin eine lebendige Kunstform bleibt.“ Das im besten Sinne verwöhnte Münchner Opern - publikum möchte er durchaus fordern, ihm „mehr abverlangen“ und „ab und zu sogar etwas zumuten“. Und so wählt er – zusammen mit Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski als weiterem Newcomer an seiner Seite – für die erste gemeinsame Spielzeit das philanthropische Motto „Jeder Mensch ein König“. Mit diesem „königlichen Meisterwerk“, das sich Mensch nennt, sollen sich dann auch die Neuproduktionen auseinandersetzen. Neun von elf Opernpremieren der neuen Saison sind Stücke aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Möchte sich Dorny künftig also vor allem auf zeitgenössische Musik konzentrieren? Dessen Erwiderung: „Sind die Werke des 20. Jahrhunderts noch zeitgenössisch, oder sind sie schon Teil unseres musiktheatralen Erbes?“ Mit dieser Gegenfrage macht Dorny klar, dass für ihn die Unterscheidung zwischen Musik der Vergangenheit, der sogenannten Klassik, und zeitgenössischer Musik gar nicht so entscheidend ist. „Für mich ist zeitgenössisch alles, was uns heute umgibt. Alle Musik, die wir hic et nunc hören, ist zeitgenössisch, ob sie nun von Claudio Monteverdi oder Georg Friedrich Haas stammt.“

BAYERN IM BLICK

In Schubladen zu denken – das wird deutlich, wenn man Serge Dorny zuhört – ist seine Sache nicht. Und weil sich der neue Chef der BAYERISCHEN Staats - oper auch als solcher versteht, möchte er sein Haus zum Kulturmagneten für den ganzen Freistaat machen. Die beliebte „Oper für alle“, von Vorvorgänger Sir Peter Jonas als kostenloses Freiluft-Event für jedermann ins Leben gerufen, soll deshalb künftig als Septemberfest je in einem anderen Ort Bayerns ausge - tragen werden. Auch hier also: die Lust der Weiterentwicklung von Bewährtem – und auch eine Verneigung vor Sir Peter Jonas. „Unsere Arbeit wird geprägt sein von unserem großen Respekt vor der Geschichte dieses Hauses und vor denen, die uns vorausgegangen sind. Es wird von ihrem Erfindungsreichtum, ihrem Wagemut und ihrer Entdeckerfreude inspiriert sein“, betont Dorny. JA, MAI Doch wie kann man Menschen nicht nur außerhalb, sondern auch hinter den respekteinflößenden Mauern des Opernhauses begeistern? Für Dorny ist die Antwort klar: Man müsse selbst hinaus, zu den Menschen gehen, damit die sich nach und nach hineintrauen. Einer dieser Appetizer, mit dem der neue Intendant Menschen aller Alters- und Einkommensgruppen begeistern möchte, heißt „Ja, Mai“. Im Frühling 2022 wird das neue, alljährliche Festival, das sich dem frühen und zeitgenössischen Musiktheater widmen soll, erstmals gefeiert. Breit ist der Ansatz auch bei den ebenfalls neu eingeführten Offstagen 360, ein besonders bunt und divers konzipiertes Format. Durch die Teilnahme an Projekten und Clubnächten sowie weiteren musiktheatralen Angeboten soll jeder die Möglichkeit bekommen, „sich auszuprobieren, unabhängig von Bildung, sozialem Status oder Herkunft“, betont Dorny. Musiktheater lebe „mit und von den Menschen in der Stadt“. Und wenn das Konzept aufgeht, wird manch einer, der sich bislang nur auf die Stufen der Bayerischen Staatsoper hockte, um dort beim Drink den Sonnenuntergang zu beklatschen, sich erheben und nach dem Pausengong hineingehen in ein Haus, das Münchens Kulturlandschaft auch in den nächsten Jahren bereichern und überraschen dürfte. Serge Dorny und sein Team werden schon dafür sorgen.

VON KATJA KRAFT

KUNST FÜR DIE BÜHNE

Seit mehr als 100 Jahren wirken bildende Künstler an Musiktheatern mit. Auch in Bayern prägen sie Inszenierungen. Zwischen Frühjahrs- und Winter-Lockdown 2020 feierte in München etwa „7 Deaths of Maria Callas“, ein Opernprojekt der Performance-Künstlerin Marina Abramovic, eine stille Premiere. Bei den letzten Opernfestspielen schuf Phyllida Barlow das Bühnenbild für die Neuinszenierung von „Idomeneo“ – zeitgleich war der britischen Bildhauerin eine große Retrospektive im Haus der Kunst gewidmet. Derweil untermalten farbrauschende Schüttbilder des Aktionskünstlers Hermann Nitsch Wagners „Walküre“ bei den Bayreuther Festspielen. Bereits 2018 hatte Georg Baselitz für die Bayerische Staatsoper das Bühnenbild zum „Parsifal“ gestaltet. Baselitz oder Picasso: Bedeutende Künstler haben immer wieder Bühnenbilder erstellt. Und Arbeiten von Malern, die Bühnen mit ihren Werken in Szene setzten, bringen auch bei Auktionen Musik ins Spiel. Manchmal gibt es aber ganz andere Bezüge. So werden bei der NEUMEISTER Herbstauktion zwei Gemälde aus der Sammlung des 2020 verstor - benen Sir Peter Jonas versteigert. Credo des langjährigen Intendanten der Bayerischen Staatsoper war es, nicht nur Eingeweihten Zugang zur Musik zu gewähren – Motto: „Oper für alle!“ Tipp: Diesen Titel trägt auch die von Julia Glesner verfasste, mit einem Vorwort von Donna Leon bedachte und im Insel Verlag erschienene Biografie über Sir Peter Jonas. Nach der Lektüre wird deutlich, dass der Mann ein religiöser Mensch war – ja, dass sich seine Faszination für Opern gar aus der Begeisterung für Kirchenmusik entwickelte. In diesen Kontext lassen sich dann auch die beiden Kunstwerke einordnen, die im Herbst versteigert werden: eine Madonna mit Kind, in der Art Pietro Lorenzettis (Lot 431,) und eine flämische Pietà aus dem 16. Jahrhundert (Lot 433).

AUKTION KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN

Einfach ergreifend: Die um 1640 entstandene, FRANCESCO MOCHI zugeschriebene Statue des Heiligen Thomas, der einfach nicht glauben kann, dass Jesus auferstanden ist, ist ein Highlight der NEUMEISTER Herbstauktion.

Um Emotionen geht es aber auch bei anderen Objekten, die im Sektor Kunsthandwerk und Antiquitäten aufgerufen werden. Tief berühren zum Beispiel die GOTISCHEN SKULPTUREN aus einer schwäbischen Sammlung.

Nicht nur meisterhaft ausgeführt, sondern überdies den Geist ihrer Zeit spiegelnd, empfehlen wir die HISTORISCHEN MÖBEL der Auktion – von der um 1740 entstandenen Kommode der MÜNCHNER HOFWERKSTÄTTEN bis zu den etwa 250 Jahre später produzierten „Chinese Chairs“ von KARL SPRINGER reicht das Angebot.

Selten schön und zu moderaten Schätzpreisen aufgerufen sind die FRANZÖSISCHEN UND DEUTSCHEN FAYENCEN, die aus zwei Konvoluten in die Barer Straße gelangten.

Must haves für Porzellanliebhaber sind JOSEF WACKERLES dekorativer „Tag“ und eine kostbare MEISSENER Kaffeekanne.

Als Beispiele gepflegter Trinkkultur stellen wir Ihnen zudem einen Elfenbeinbecher fürstlicher Provenienz und eine um 1600 gefertigte Abendmahlskanne vor.

Und warum sollte man im Herbst bei Kunsthandwerk und Antiquitäten sonst noch mitbieten? Antworten gibt NEUMEISTER-Expertin Dr. Doris Bachmeier.

AUKTION KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN
AM 22. SEPTEMBER, 14 Uhr

Vorbesichtigung: 16. bis 20. September

Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr

BAROCKE SKULPTUR - GLAUBENSSACHE

- Kniender (Ungläubiger Thomas)

Auktion 402, Kat.-Nr. 132

Schätzpreis € 15.000 bis € 18.000
noch erhältlich

Bei der Herbstauktion kommen drei gotische Skulpturen aus einer bedeutenden oberschwäbischen Sammlung zum Aufruf.
Jede für sich ein Must have für Liebhaber erlesener Bildwerke.

GOTISCHE SKULPTUR - SCHÖNES AUS SCHWABEN

- Hl. Johannes d. T.

Auktion 402, Kat.-Nr. 125

Schätzpreis € 9.000 bis € 11.000
noch erhältlich

- Hl. Sebastian

Auktion 402, Kat.-Nr. 128

Schätzpreis € 12.000 bis € 14.000
noch erhältlich

- Marienkrönung

Auktion 402, Kat.-Nr. 130

Schätzpreis € 35.000 bis € 38.000
noch erhältlich

EDLE MÖBEL - AUS HÖFISCHEM BESITZ - FÜRS SCHLOSS GEMACHT - AUSSCHWEIFEND

- Kommodenaufsatzschreibschrank

Auktion 402, Kat.-Nr. 149

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

- Kommode

Auktion 402, Kat.-Nr. 151

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

- Salontisch

Auktion 402, Kat.-Nr. 162

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

SIT IN - KARL SPRINGER

Der gebürtige Berliner Karl Springer (1931–1991) ging 1957 in die USA und ließ sich in New York nieder. Zunächst bei Lord & Taylor tätig, sorgten seine handgefertigten Entwürfe bald auch im Luxuskaufhaus Bergdorf Goodmann für Aufmerksamkeit. Wallis Simpson, die Herzogin von Windsor, entdeckte Springer früh und empfahl ihn an Freunde und Bekannte. Sodann zählten Prominente wie Jackie Onassis, Diana Ross und Frank Sinatra zu seiner Kundschaft. Springer gründete eine eigene Werkstatt und legte sein Hauptaugenmerk auf den Entwurf und die Produktion von Möbeln. In den 1970er Jahren eröffnete er einen großen Showroom in New York City; Galerien in Miami, Los Angeles und Tokio sollten folgen. In den 1990erJahren hatte sein Unternehmen, die Karl Springer Ltd., auch in München eine Dependance. Das unermüdliche Streben nach hoher Qualität, ein unvergleichliches Gefühl für Proportionen, einfache Formen, Liebe zum Detail und Hingabe an kompromisslose Handwerkskunst trugen maßgeblich zum Erfolg Karl Springers bei. Inspirieren ließ er sich von Art déco und Bauhaus, aber auch vom alten China und afrikanischer Ashanti-Kunst. Zahlreiche Reisen lieferten ihm Ideen für neue Formen und Materialien.

VON DR. BÄRBEL WAUER, NEUMEISTER-EXPERTIN FÜR JUGENDSTIL, ART DÉCO, ANGEWANDTE KUNST DES 20. JAHRHUNDERTS

 

Typisch für Springers Arbeiten ist die Verwendung exotischer und luxuriöser Materialien wie IN Shagreen, lackiertes Pergament, seltene Hölzer, Edelmetalle und Lucite – ein transparenter, besonders bruchfester und elastischer Kunststoff, der auch bei den vier „Chinese Chairs“ im Spiel ist, die im Herbst bei NEUMEISTER zur Versteigerung kommen.

 

- "Chinese chair"

Auktion 402, Kat.-Nr. 107

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- "Chinese chair"

Auktion 402, Kat.-Nr. 108

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- "Chinese chair"

Auktion 402, Kat.-Nr. 109

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- "Chinese chair"

Auktion 402, Kat.-Nr. 110

Schätzpreis € 8.000 bis € 10.000
noch erhältlich

"ICH DREHE KEINE TELLER UM"
EIN GESPRÄCH mit DR. DORIS BACHMEIER, NEUMEISTER-Expertin für Keramik,
Porzellan, Silber, Uhren, Volkskunst, Kunsthandwerk und Ikonen

Drehen Sie die Teller um, wenn Sie bei Freunden zum Essen eingeladen sind?

Oh nein…!

Im Ernst. Wie ist das, wenn man sich so viele Jahre beruflich mit schönen und wertvollen Kunstgegenständen beschäftigt? Ist man da noch unbefangen?

Hm, ich betrachte die Dinge schon eher aus dem wissenschaftlichen Blickwinkel. Das ist eine Berufskrankheit. Ich kann aber auch umschalten und alles einfach nur emotional auf mich wirken lassen und genießen – ob in einer Kirche, einem Museum oder bei einem Essen mit Freunden.

Sie lieben Ihren Beruf?

Sehr! Ich mache das jetzt seit mehr als drei Jahrzehnten, und auch wenn mit der Zeit Routine ins Spiel kommt, wird's nie langweilig. Das kunsthistorische Gebiet, mit dem ich mich beschäftige, ist unglaublich vielfältig. Da gibt es stets etwas Neues zu entdecken, und natürlich sind auch die eingelieferten Objekte immer wieder für Überraschungen gut

Was war denn Ihre größte Überraschung?

Da fällt mir spontan das Paar Meissener Vasen ein, die exklusiv für den sächsischen König August den Starken gefertigt worden waren. Nur wenige Tage vor der Auktion stellte sich heraus, dass genau diese Vasen zur legendären Porzellansammlung der 1933 verstorbenen Hermine Feist gehörten – und in der LostArtDatenbank eingetragen waren. Um Rechtssicherheit zu schaffen, setzten wir uns umgehend mit den Erben in Verbindung, und es gelang uns, innerhalb von drei Tagen und zwei Minuten vor Auktionsbeginn mit deren Anwalt einen Vergleich zu schließen. Aufgrund der schnellen und restlosen Klärung der Provenienz kam es dann – binnen Minuten – auch zu einem Auktionsergebnis von 107.950 Euro. Damit wurde der Schätzpreis von 6.000 bis 8.000 Euro um ein Vielfaches übertroffen.

Hört sich spannend an.

Ist es auch. Das Interesse ist da, vor allem, wenn die Objekte selten, von bester Qualität und interessanter Provenienz sind. Das spiegelt sich dann auch in sehr guten Auktionsergebnissen. Das Vasenpaar aus der Feist-Sammlung ist dafür nur ein Beispiel. Bei jeder Auktion gibt es solche erfreulichen Außreißer nach oben. So erzielte ein 59-teiliges Nymphenburger Perlservice bei unserer Auktion im Mai 2020 am Ende 17.780 Euro – bei einem Schätzpreis von 1.200 Euro. Das ist aber viel Geld.

Geht man nicht in eine Auktion, um etwas günstiger als anderswo zu bekommen?

Das ist kein Widerspruch. Für ein 59-teiliges Nymphenburger Perlservice zahlen Sie anderswo immer noch mehr als 17.780 Euro. Aber auch für kleinere Budgets ist stets etwas dabei.

Das hört sich alles so an, als ob Porzellan & Co. auch im digitalen Zeitalter angesagt ist. Ist das nicht anachronistisch?

Im Gegenteil. Gerade Alt und Neu vertragen sich doch gut. Hier hat in letzter Zeit ein Umdenken stattgefunden. Insbesondere bei Jüngeren, die mit sinnentleerter Neuware nichts anfangen können, sondern viel mehr Freude daran haben, ihr modernes Wohnumfeld mit Kunstgegenständen vergangener Zeiten inhaltlich aufzuladen. Bewahren statt wegwerfen ist angesagt.

Da wächst dann also eine ganz neue Sammlergeneration heran?

Die Zahl der klassischen Sammler, die ganz gezielt kaufen, um die Schätze dann in einer Glasvitrine zur Schau zu stellen, nimmt ab. Wer heute ein Objekt bei NEUMEISTER ersteigert, denkt nicht mehr in erster Linie daran, einen Sammlungsbestand zu ergänzen. Vielmehr geht es um den Gebrauch. Man möchte die Sachen nicht nur ansehen, sondern auch tagtäglich benutzen. Ob das nun eine 300 Jahre alte Kaffeekanne ist, eine Jugendstil-Vase oder ein silberner Kerzenleuchter aus dem Barock – die Dinge sollen und wollen gebraucht werden.

Halten Sie das Zuhause auch so?

Ich habe keine Vitrine, in der Meissener Porzellan verstaubt. Da sind lediglich ein paar schöne Einzelstücke, die ich im Laufe der Jahre erworben habe. Und die benutze ich dann auch. Das tut den Sachen gut. So läuft Silber nicht an, wenn man es ständig benutzt.

Wie kamen Sie eigentlich zur Kunst?

Mein Vater war Steinmetz. Und wenn es irgendwo Museen, Kirchen und Denkmäler gab, dann sind wir alle hin. Das hat mich wohl geprägt. Ich habe dann in München Kunstgeschichte studiert und parallel am Landesamt für Denkmalpflege gearbeitet. Promoviert habe ich über den Bildhauer und Innenarchitekten Lorenz Gedon. Nach ihm ist die Gedonstraße in Schwabing benannt.

Wann ging es für Sie bei NEUMEISTER los?

Das war 1988, direkt nach meiner Promotion.

Kein Schreibtischjob?

Nein, die Katalogisierung frisst zwar viel Zeit, aber man kommt auch mit interessanten Menschen zusammen und lernt spannende Orte kennen.

Zum Beispiel?

Sárvár, ein eher unspektakuläres Städtchen in Ungarn. Dort lebte Ludwig III. plus Verwandtschaft zeitweise im Exil. Schätze aus dem Hause Wittelsbach, die dort viele Jahre hinter dicken Mauern eines Schlosses versteckt waren, haben wir erst kürzlich im Rahmen einer Sonderauktion versteigert. Ich hatte selbst das Privileg, nach Sárvár zu reisen. So wird Geschichte greifbar und lebendig.

Ein heißer Tipp für die Herbstauktion?

Fayencen. Da rufen wir ein ganzes Konvolut auf. Und zwar zu günstigen Schätzpreisen. Hier sind Schnäppchen möglich

SELTEN. SCHÖN.

Wenn ein Objekt bei einer Auktion das Zehnfache des aufgerufenen Preises erzielt, ist es womöglich eine Fayence-Arbeit. Der Wert dieser historisch bedeutsamen Keramikarbeiten wird häufig unterschätzt, sogar von Experten. Doch Fayencen sind selten geworden, auch die Anzahl der Werkstätten, die heute noch hochwertige Kunstkeramiken herstellen, nimmt weltweit ab. Und die Bedeutung der Objekte für Sammler damit zu.

EIN GESCHENK VON PICASSO
Im Laufe der Jahrhunderte haben immer wieder berühmte Künstler Fayencen erschaffen. Dass sich sogar die Elite der Moderne des Werkstoffs Keramik annahm, hat auch mit dem Fayence-Ursprungsort Faenza zu tun, bzw. mit Aktivisten und Förderern wie Gaetano Ballardini, der bereits 1908 mit einer Stiftung den Grund - stein für das dortige Internationale Keramikmuseum (MIC) legte. Der Faenza-Preis wird seit 1938 alle zwei Jahre im Rahmen eines Keramik - kunst-Wettbewerbs verliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bat Ballardini Künstler weltweit, Werke an das aus - gebombte Museum zu schicken – und erhielt Objekte von Chagall, Matisse und Picasso, der im südfranzösichen Vallauris (Fayence-)Keramik für sich als Kunstform entdeckte.

SIEGESZUG IM SÜDEN

Fayence ist eine spezielle Art der glasierten Keramik, deren Ursprung in Mesopotamien und Persien vermutet wird und etwa 2.500 Jahre zurückliegt. Über Nordafrika gelangte die Technik um 800 n.Chr. nach Spanien und Portugal. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die andalusische Keramik schließlich über Mallorca nach Italien exportiert, nach Florenz sowie nach Faenza, wo es reichhaltige Lehm- und Tonvorkommen gab. Dort wurde die – nach dem Herkunftsort Mallorca – „Majolika“ genannte Keramiktechnik weiterentwickelt. Die Irdenware wurde nun mit einer weißen Glasur, der Zinnglasur, überzogen, durch die der poröse Ton wasserundurchlässig und glatt wird. Statt flächiger Dekore ging der Trend zu edler weißer Keramik mit stilvoll zurückhaltender Bemalung, ähnlich der des wertvollen chinesischen Porzellans. Porzellan aus China war zu dieser Zeit heiß begehrt in Europa, konnte hier jedoch nicht hergestellt werden, da ein wichtiges Mineral fehlte. Erst im März 1709 wurde in Meißen das europäische Porzellan erfunden. In Frankreich wurde die aus dem italienischen Faenza importierte Luxuskeramik „Faïence“ genannt. Man begann mit der eigenen Produktion von Fayencen, und im Laufe des 17. Jahrhunderts fanden die bedeutenden französischen Manufakturen wie Nevers, Rouen, Marseille oder Moustiers ihren ganz eigenen Stil mit Blumendekoren, zarten Ranken, naturalistischen Abbildungen oder Landschaftsbildern.

DELFTER FAYENCEN

Aber nicht nur im Süden Europas boomte die Fayence-Produktion, auch in Deutschland und Holland gab es im 17. Jahrhundert eine Vielzahl von Manufakturen. Muster und Motive beider Länder beeinflussten sich immer wieder gegenseitig. Nah am chinesischen Vorbild orientiert waren die niederländischen Werkstätten. Die berühmten Delfter Fayencen sind hauptsächlich Fliesen und Geschirr mit Motiven im blau-weißen Wanli-Stil. Vor allem reiche niederländische Reeder – die Niederlande waren zu der Zeit eine der bedeutendsten Seefahrer- und Handelsnationen – hatten als Käufer und auch als Verkäufer Einfluss auf die Motive dieser Keramiken.

KERAMIKKUNST IN DEUTSCHLAND

Hierzulande gab es seinerzeit an etwa 80 Orten Fayence-Manufakturen, meist kleine Handwerksbetriebe. Neben Deutschlands ältester Fayencemanufaktur in Hanau, wo von 1661 bis 1806 hochwertige Fayencen produziert wurden, sind zum Beispiel die Manufakturen in Ansbach (1709), Nürnberg (1712), Bayreuth (1714), Erfurt (1716) oder Wrisbergholzen im Landkreis Hildesheim (1736) sowie Braunschweig, wo zwei Manufakturen zwischen 1707 und 1807 Fayencen und Gebrauchskeramik herstellten, erwähnenswert. Die Fayence-Sammlung im Schloss Favorite in Rastatt lässt auch heute noch die Herzen von Keramik-Fans höherschlagen. Das Highlight der Sammlung sind die sogenannten Schaugerichte aus der Fayence-Manufaktur Compagnie Strasbourg-Haguenau. Die spektakulären Objekte aus dem 18. Jahrhundert zeigen Terrinen in Form von Tieren oder Gemüse, man sieht Wildvögel, Keilerköpfe und Schildkröten, die wie eine Art Deckel von Schüsseln abgenommen und mit Speisen gefüllt werden konnten. Eine wichtige Adresse für Fayence-Interessierte ist auch die Sammlung Ludwig in Bamberg, bei der Straßburger Fayencen und Meissener Porzellan im Mittelpunkt stehen. Zu den spektakulären Exponaten zählt eine sehr seltene Terrine in Form eines Truthahns, die allein durch ihre Größe und naturgetreue Bemalung beeindruckt. Apropos: Naturalistische und detaillierte Gemüse-, Obst- oder Tierfayencen waren lange eher ein Nebenschauplatz bei Auktionen, werden aber in letzter Zeit immer begehrter. Eine große Wertsteigerung ist bei solchen, meist seltenen Objekten wahrscheinlich – es gibt somit viele Gründe, um bei der NEUMEISTER Herbstauktion eine der bezaubernden Fayencen zu ersteigern.

FAYENCEN - 2 SAMMLUNGEN

- Weithalskrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 1

Schätzpreis € 180 bis € 250
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 2

Schätzpreis € 200 bis € 250
noch erhältlich

- Zwei Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 3

Schätzpreis € 200 bis € 300
noch erhältlich

- Zwei Birnkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 4

Schätzpreis € 200 bis € 300
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 5

Schätzpreis € 500 bis € 600
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 6

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 7

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 8

Schätzpreis € 500 bis € 600
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 9

Schätzpreis € 350 bis € 400
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 10

Schätzpreis € 250 bis € 350
noch erhältlich

- Zwei Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 11

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 12

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Zwei Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 13

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Zwei Pilasterkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 14

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

- Zwei Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 15

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Zwei Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 16

Schätzpreis € 350 bis € 450
noch erhältlich

- Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 17

Schätzpreis € 200 bis € 300
noch erhältlich

- Birnkrug und Walzenkrug

Auktion 402, Kat.-Nr. 18

Schätzpreis € 200 bis € 300
noch erhältlich

- Fünf Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 19

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Fünf Walzenkrüge

Auktion 402, Kat.-Nr. 20

Schätzpreis € 250 bis € 350
noch erhältlich

- Drei Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 21 A

Schätzpreis € 150 bis € 200
noch erhältlich

- Vase

Auktion 402, Kat.-Nr. 21

Schätzpreis € 200 bis € 250
noch erhältlich

- Fächerplatte

Auktion 402, Kat.-Nr. 22

Schätzpreis € 450 bis € 550
noch erhältlich

- Große Platte

Auktion 402, Kat.-Nr. 23

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

- Schale

Auktion 402, Kat.-Nr. 24

Schätzpreis € 100 bis € 150
noch erhältlich

- Zwei Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 25

Schätzpreis € 120 bis € 150
noch erhältlich

- Wandweihwasserkessel

Auktion 402, Kat.-Nr. 26

Schätzpreis € 250 bis € 300
noch erhältlich

- Platte

Auktion 402, Kat.-Nr. 27

Schätzpreis € 400 bis € 450
noch erhältlich

- Platte

Auktion 402, Kat.-Nr. 28

Schätzpreis € 350 bis € 450
noch erhältlich

- Schale und vier Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 29

Schätzpreis € 250 bis € 300
noch erhältlich

- Ovale Schale und fünf Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 30

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

- Steckvase ( Pique Fleurs) in Kommodenform

Auktion 402, Kat.-Nr. 31

Schätzpreis € 300 bis € 350
noch erhältlich

- Ovale Schale

Auktion 402, Kat.-Nr. 32

Schätzpreis € 400 bis € 450
noch erhältlich

- Ovale Schale

Auktion 402, Kat.-Nr. 33

Schätzpreis € 400 bis € 450
noch erhältlich

- Tablett

Auktion 402, Kat.-Nr. 34

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Platte, zwei Fächerteller und drei Teller mit Korbrand

Auktion 402, Kat.-Nr. 35

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Tablett

Auktion 402, Kat.-Nr. 36

Schätzpreis € 350 bis € 400
noch erhältlich

- Terrine, runde Platte und Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 37

Schätzpreis € 350 bis € 400
noch erhältlich

- Zwei Platten und Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 38

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Fächerplatte

Auktion 402, Kat.-Nr. 39

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Platte

Auktion 402, Kat.-Nr. 40

Schätzpreis € 150 bis € 250
noch erhältlich

- Platte

Auktion 402, Kat.-Nr. 41

Schätzpreis € 200 bis € 250
noch erhältlich

- Platte

Auktion 402, Kat.-Nr. 42

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Schüssel, Platte und drei Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 43

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Sieben Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 44

Schätzpreis € 250 bis € 300
noch erhältlich

- Sechs Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 45

Schätzpreis € 250 bis € 300
noch erhältlich

- Sieben Teller

Auktion 402, Kat.-Nr. 46

Schätzpreis € 250 bis € 300
noch erhältlich

- Zurückgezogen

Auktion 402, Kat.-Nr. 47

Schätzpreis € 9.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- Kaffeekanne

Auktion 402, Kat.-Nr. 48

Schätzpreis € 7.800 bis € 8.000
noch erhältlich

- Teekännchen

Auktion 402, Kat.-Nr. 49

Schätzpreis € 3.800 bis € 4.000
noch erhältlich

FEINES PORZELLAN - MEISSEN - NYMPHENBURG

- Kaffeekanne

Auktion 402, Kat.-Nr. 48

Schätzpreis € 7.800 bis € 8.000
noch erhältlich

- "Der Tag"

Auktion 402, Kat.-Nr. 86

Schätzpreis € 2.600 bis € 3.000
noch erhältlich

EINE KANNE MIT 400 JAHREN GESCHICHTE - TRINKKULTUR: BECHERN MIT STIL

- Abendmahlskanne

Auktion 402, Kat.-Nr. 66

Schätzpreis € 18.000 bis € 24.000
noch erhältlich

- Becher

Auktion 402, Kat.-Nr. 120

Schätzpreis € 4.000 bis € 5.000
noch erhältlich

AUKTION SCHMUCK

Lassen Sie sich begeistern von hochkarätigen Schmuckstücken, die im September bei NEUMEISTER versteigert werden!

Wir empfehlen: EDLEN PERLENSCHMUCK, darunter eine historische Perlenkette von Mauboussin.

Eine Brosche aus dem Besitz von ELSE MOSHAMMER.

ANTIKEN SCHMUCK –insbesondere Ohrringe – aus der römischen Kaiserzeit.

INDISCHEN HOCHZEITSSCHMUCK aus der Zeit um 1900.

WERTVOLLE COLLIERS mit Brillanten und Saphiren. Ein Gliederarmband mit 1296 BRILLANTEN.

RINGE mit Smaragden und Diamanten.

Und für ihn: MANSCHETTENKNÖPFE mit Harlekin-Motiven aus den 1920er Jahren (LOT 362) oder noch früher in St. Petersburg gefertigte FABERGÈ-MANSCHETTENKNÖPFE mit Diamantrosen und Rubinen (LOT 355).

Eine Uhr von Patek Philippe (LOT 368) darf natürlich auch nicht fehlen.

 AUKTION SCHMUCK AM 22. SEPTEMBER, 16 UHR

Vorbesichtigung: 16. bis 20. September

Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr

CATCH OF THE DAY

- Armband mit Brillanten und Saphiren

Auktion 402, Kat.-Nr. 300

Schätzpreis € 2.800 bis € 3.500
noch erhältlich

- Verwandelbarer Anhänger zur Brosche mit Diamanten im Alt -und Baguetteschliff besetzt

Auktion 402, Kat.-Nr. 319

Schätzpreis € 13.500 bis € 16.000
noch erhältlich

- Brosche mit Smaragd und Diamanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 326

Schätzpreis € 24.000 bis € 26.000
noch erhältlich

ANLAGETIPP

- Unikates Brillanten - Collier

Auktion 402, Kat.-Nr. 244

Schätzpreis € 6.200 bis € 7.800
noch erhältlich

- Entouragering mit einem ovalen Diamant - Brillanten sowie Kleinbrillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 288

Schätzpreis € 19.500 bis € 23.000
noch erhältlich

- Exquisites Brillanten besetztes Gliederarmband

Auktion 402, Kat.-Nr. 297

Schätzpreis € 26.800 bis € 30.000
noch erhältlich

HANDSOME

- Collier und Armband mit Brillanten und Saphiren

Auktion 402, Kat.-Nr. 187

Schätzpreis € 23.000 bis € 25.000
noch erhältlich

- Doppelentouragering mit pinkfarbenem Saphir und Diamanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 225

Schätzpreis € 7.200 bis € 8.200
noch erhältlich

- Ring mit Rubin und Saphir sowie Diamanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 226

Schätzpreis € 6.500 bis € 7.500
noch erhältlich

- Doppelentourage-Ring mit Smaragd und Brillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 251

Schätzpreis € 5.200 bis € 6.200
noch erhältlich

- Bandring mit einem Saphir und Diamanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 256

Schätzpreis € 8.200 bis € 10.000
noch erhältlich

- Doppelentourage-Ring mit einem natürlichen leicht goldgelben Diamanten und Brillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 284

Schätzpreis € 4.800 bis € 5.500
noch erhältlich

- Ring mit Brillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 285

Schätzpreis € 4.800 bis € 5.500
noch erhältlich

- Ring mit Rubin und Diamanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 287

Schätzpreis € 4.800 bis € 5.500
noch erhältlich

- Ring mit Südsee-Zuchtperle und Diamanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 290

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.600
noch erhältlich

- Solitär Brillantring

Auktion 402, Kat.-Nr. 302

Schätzpreis € 6.000 bis € 7.000
noch erhältlich

- Entouragering mit gelbem Saphir und Brillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 306

Schätzpreis € 4.500 bis € 5.500
noch erhältlich

- Ring mit Saphir und Brillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 329

Schätzpreis € 6.500 bis € 7.500
noch erhältlich

CHE BELLO - GOLDSCHMIEDEKUNST AUS ITALIEN

- Collier mit Brillanten

Auktion 402, Kat.-Nr. 241

Schätzpreis € 15.000 bis € 18.000
noch erhältlich

- Südsee-Zuchtperlenkette mit brillantenbesetzter Kugelschließe

Auktion 402, Kat.-Nr. 313

Schätzpreis € 11.000 bis € 13.000
noch erhältlich

HIGH FIVE

- Unikater Solitärring mit einem Diamanten im Fancy Deep Greenish Orangy Yellow

Auktion 402, Kat.-Nr. 196

Schätzpreis € 5.500 bis € 6.500
noch erhältlich

- Historischer Entouragering mit einem Rubin im natürlichen "Rouge" sowie Diamanten im Altschliff

Auktion 402, Kat.-Nr. 224

Schätzpreis € 13.000 bis € 15.000
noch erhältlich

- Klassischer Alliancering mit einem feinen kolumbianischen Smaragd und Diamanten im Assher Cut

Auktion 402, Kat.-Nr. 232

Schätzpreis € 13.700 bis € 16.000
noch erhältlich

- Indischer Hochzeitsring mit einem old Mine Smaragd und Email

Auktion 402, Kat.-Nr. 248

Schätzpreis € 5.000 bis € 6.000
noch erhältlich

- Indischer Mantelring mit einem floral gravierten burmesischen Saphir

Auktion 402, Kat.-Nr. 249

Schätzpreis € 13.000 bis € 15.000
noch erhältlich

- Verwandelbarer Entouragering verziert mit einem Fancy Deep Orangy Brown Brillanten sowie weißen Kleinbrillanten, mit zwei Memoryringen kombinierbar

Auktion 402, Kat.-Nr. 253

Schätzpreis € 7.500 bis € 9.000
noch erhältlich

- Armband mit verschiedenfarbigen Saphiren

Auktion 402, Kat.-Nr. 266

Schätzpreis € 26.000 bis € 28.000
noch erhältlich

- Art Dèco Ring verziert mit einem Diamat - Brillanten, Saphiren und Bergkristall

Auktion 402, Kat.-Nr. 301

Schätzpreis € 3.200 bis € 3.800
noch erhältlich

DIE PERFEKTE PERLE
Grace Kelly oder Prinzessin Diana trugen gerne Perlenketten, ins kollektive Gedächtnis eingeprägt hat sich aber vor allem das ikonische Bild von Audrey Hepburn als Holly Golightly in „Frühstück bei Tiffany“. Das mehrreihige Perlencollier zum kleinen Schwarzen wurde ein Signature Look in Hollywood.

Perlen schreiben Geschichte, allen voran „La Peregrina“, eine der berühmtesten Perlen der Welt. Die faszinierende Story beginnt Mitte des 16. Jahrhunderts. Da wurde die Perle in der Größe eines Wachteleis im Golf von Panama von einem Perlentaucher gefunden. Anschließend gelangte sie in die Hände diverser Herrscher, darunter Maria I. von England („Bloody Mary“) und die Bonapartes. 1969 kaufte Richard Burton die Kostbarkeit, um sie Elisabeth Taylor zum Valentinstag zu schenken. Nach dem Tod der Schauspielerin wechselte „La Peregrina“ im März 2011 schließlich für 11,8 Millionen US Dollar den Besitzer. Und es kommt noch besser: Als größte und teuerste Perle gilt die „Perle Allahs“, ein Taucher hatte sie am 7. Mai 1934 vor der philippinischen Insel Palawan entdeckt. Gewicht: 6,37 Kilogramm. 

Perlen sind das älteste Zahlungsmittel der Welt und werden seit Jahrtausenden hoch geschätzt. Griechen und Römer begehrten und besangen sie. Zudem wurden Perlen über die Zeiten bedeutungsschwer aufgeladen, hielten als Symbol für Jungfräulichkeit, Reichtum, Glück und Tränen her. Problem: Zunächst kam man an die Dinger, die in Austern auf dem Meeresgrund schlummerten, nicht so einfach heran. Also schickte man tollkühne Taucher ans Werk. Ohne jegliche technische Hilfsmittel seilten sie sich im Lendenschurz hinab in bis zu 30 Meter Tiefe, um die Auster dort mit einem Messer vom Grund zu schneiden. Ein lebensgefährlicher Job, der von denen, die Luft besonders lange anhalten konnten, möglichst schnell erledigt werden musste. Eine lange Tradition hat die Perlenfischerei an der „Piratenküste“ des Persischen Golfs. Vor den Küsten der Arabischen Halbinsel tauchte man schon vor über 7.000 Jahren nach Perlen. Auch in den Gewässern Ceylons und Japans fischte man nach Naturperlen. In Japan überlies man diese heikle Angelegenheit üblicherweise Frauen, wo es noch heute etwa 2.000 „Ama“ gibt, die mit geweihtem Kopftuch nach Muscheln tauchen. Mit der Erfindung der Perlenzucht änderte sich alles. 1888 eröffnete der Japaner Kokichi Mikimoto seine erste Perlenzuchtfarm. Am 11. Juli 1893 gelang es ihm, die erste Perle zu züchten. Es sollte aber noch über zehn Jahre dauern, bis er vollkommen runde (Akoya-)Zuchtperlen vorweisen konnte. Und damit begann – auch für die Verwendung von Perlen in der Schmuckherstellung – eine neue Zeitrechnung.

VON BEATE KALISCH, NEUMEISTER-EXPERTIN FÜR SCHMUCK 18. BIS 20.JH., DIAMANTEN, EDELSTEINE UND PERLEN

Highlight der Herbstauktion ist eine Südsee-Zuchtperlenkette, die 2007 in den USA gefertigt wurde. Der beachtliche Durchmesser der Perlen beträgt ca. 13–16,8 Millimeter (Lot 313). Eine echte Rarität ist die Naturperlenkette mit einem von Diamantrosen verzierten Schloss, die vor über 100 Jahren für Mauboussin erstellt wurde. 112 natürliche Salzwasser-Perlen und 32 winzige Diamantrosen wurden dabei verarbeitet. Das originale Form-Etui aus hell-graublauer Seide ist Teil dieses außergewöhnlichen Loses (Lot 245).

 

ZUCHTPERLEN

 

AUS DEM MEERAUS SEE UND FLUSS 

AKOYA-PERLEN
Die kleine Perle, die traditionell aus dem Japanischen Meer stammt, ist für viele immer noch der Inbegriff der perfekten Zuchtperle. Sie ist von Natur aus weiß oder cremefarben, durch Züchtung aber auch in vielen weiteren Farben erhältlich.

SÜDSEE-PERLEN
Sie schimmern weiß, silbern oder golden und sind besonders groß, können bis zu 20 Millimeter Durchmesser erreichen. Beheimatet sind sie in den warmen Gewässern Australiens, Indonesiens und der Philippinen.

TAHITI-PERLEN
Die dunklen Zuchtperlen wachsen vor den Küsten Tahitis und anderer Inseln Französisch-Polynesiens heran. In Farbnuancen von Anthrazit bis Silbergrau, mit schimmernden Aubergine- oder Grüntönen, unterscheiden sie sich von den klassischen hellen Perlen

SÜSSWASSERPERLEN
Sie werden in China schon seit Jahrhunderten in Seen und Flüssen gezüchtet. Im Unterschied zu Meerwasserperlen haben sie in der Regel keinen natürlichen Kern. Sie sind nicht immer ganz rund, sondern auch oval- oder tropfenförmig. 

- Edle Naturperlenkette mit einem Diamantrosen verzierten Zierschloss

Auktion 402, Kat.-Nr. 245

Schätzpreis € 4.000 bis € 5.500
noch erhältlich

- Südsee-Zuchtperlenkette mit brillantenbesetzter Kugelschließe

Auktion 402, Kat.-Nr. 313

Schätzpreis € 11.000 bis € 13.000
noch erhältlich

- Anhänger "Salamander mit Schmetterling" verziert mit Perlen, Brillanten und rubinen

Auktion 402, Kat.-Nr. 321

Schätzpreis € 2.000 bis € 2.800
noch erhältlich

ANHÄNGLICHES AUS DER ANTIKE

Troja, 31. Mai 1873. Heinrich Schliemann stößt am Fuße einer soeben aus - gegrabenen Festungsmauer auf eine Kupferplatte. Dahinter schimmert etwas: Eine Flasche aus purem Gold wird sichtbar. Was danach ans Tageslicht kommt, übertrifft die kühnsten Erwartungen: 2 Diademe, 6 Armbänder, 60 goldene Ohrringe und 8.000 goldene Fingerringe. Schliemann spricht euphorisch vom „Schatz des Priamos“, heute weiß man, dass der Schmuck etwa 1.000 Jahre vor dem Fall Trojas gefertigt worden ist. Egal: Der Fund ist eine Sensation und macht den bis dahin belächelten Laien-Archäologen Schliemann auf einen Schlag berühmt.

Und spätestens seit das Foto seiner jungen Frau Sophia mit dem Troja-Goldschmuck um die Welt ging, ist antiker Schmuck in aller Munde. Während die Kleinodien aus Kleinasien nach dem Krieg als „Beutekunst“ im Moskauer Puschkin-Museum verschwanden, geriet die Schmuckkunst eines weiteren untergegangenen Volkes zusehends ins Bewusstsein. Befeuert durch sensationelle Ausgrabungsfunde und Ausstellungen zeigte sich, dass die Etrusker DIE Schmuckkünstler der Antike waren. Ihre Innovationen, vor allem bei den Ohrringen, gelten als wegweisend. Hier übernahmen sie die schlichte Bügelform von anderen Kulturen, verzierten diese nun aber mit feinster Granulation und versahen sie mit Anhängern. Hinzu kamen regel - rechte Schmuckplatten aus hauchdünnem, getriebenen Goldblech. Um 250 v. Chr. wurde die etruskische Kultur von dem sich ausdehnenden Römischen Reich förmlich aufgesogen. Die Römer, die das Talent der etrus - kischen Goldschmiede schätzten, ließen diese bald für sich arbeiten. Wie gut das geklappt hat, zeigt die bei NEUMEISTER im September angebotene Sammlung. Das Konvolut stammt größtenteils aus der Römischen Kaiserzeit (1.  – 3. Jh. n. Chr.) und umfasst auch einige wenige nachantike Stücke. Über - wiegend handelt es sich um antike Ohrringe, darunter Exemplare, die in der Tradition der etruskischen Bügelohrringe stehen, aber auch Schildohrringe in neuer „römischer“ Form.

VON SABINE VON POSCHINGER,
NEUMEISTER -EXPERTIN FÜR SCHMUCK

- Collier, Anhänger, sechs Paar Ohrringe und sechs einzelne Ohrringe

Auktion 402, Kat.-Nr. 180

Schätzpreis € 2.200 bis € 2.800
noch erhältlich

- Zehn Paar Ohrringe und zehn einzelne Ohrringe

Auktion 402, Kat.-Nr. 205

Schätzpreis € 2.700 bis € 3.500
noch erhältlich

- Elf Paar Ohrringe und drei Haarnadeln

Auktion 402, Kat.-Nr. 233

Schätzpreis € 3.200 bis € 3.800
noch erhältlich