NEUMEISTER WINTERAUKTION

 

VORBESICHTIGUNG VOM 25. - 29. NOVEMBER
täglich von 10 - 17 Uhr
Sa, So von 10 - 15 Uhr

EDITORIAL VON KATRIN STOLL

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Genie oder Größenwahnsinniger? Aus Anlass von Napoleons 200. Todestag widmet NEUMEISTER dem Korsen als einziges deutsches Auktionshaus eine Sonderauktion. Die von unseren Expertinnen kuratierte Schau schlägt den Bogen weit über die Person Napoleons hinaus. Entsprechend des breiten thematischen Ansatzes werden vielfältige Warengruppen bespielt: Malerei, Skulptur, Kunsthandwerk, Schmuck, Autographen und Napoleonica aus ganz Europa kommen zum Aufruf. Und gerade die Vielfalt des qualitätvollen Angebots ist es, die diese Auktion so spannend macht.

Das vorliegende Magazin stellt die Kunstobjekte in einen thematischen Zusammenhang. Zuerst widmen wir uns dem »offiziellen« Napoleon, dem Politiker, Feldherrn und Regenten. Dessen Weg wird von seiner Zeit als Premier Consul bis zum Tod auf St. Helena mit Auktionsobjekten dokumentiert. Echte Raritäten, allen voran eine kostbare »Revolutionsuhr« sowie zwei prächtige Marmorbüsten fallen in diesen Kontext. Auch einige »Kinder der Zeit« stellen wir vor, darunter die Sängerin Adelaide Schiassetti, porträtiert von Josef Stieler – ein weiterer Höhepunkt der Auktion.

Schließlich beleuchten wir den wenig bekannten »privaten« Napoleon. Hier ist zu erfahren, welche Vorlieben der Mann hatte, welche Speisen er bevorzugte, welche Kunst er mochte und wie es in Liebesdingen aussah. Auch dieser, teils amouröse Bereich wird durch hochkarätige Auktionsobjekte abgedeckt, etwa ein Vasenpaar der Porzellanmanufaktur Sèvres sowie eine Urkunde, unterzeichnet von Joséphine, Napoleons erster Gattin – ein anrührendes Liebhaberstück.

Schließlich rückt der Stil des »Premier Empire«, zeitlich deckungsgleich mit Napoleons Kaisertum, in den Fokus. Und gerade auf die Ausstrahlung und Nachwirkung dieses Kunststils auf das europäische Ausland legt unser Auktionskonzept ein besonderes Augenmerk. Zwei Weinkühler aus der Werkstatt Odiots, ein Tafelaufsatz von Jakob Kratauer, kunstvoll gearbeitete Uhren und Möbel aus russischen Schlössern: Das Angebot ist vielfältig. Und wer noch Stilfragen hat, findet Antworten in einem kostbaren Buch von Giovanni Battista Piranesi. Ohne diese 1769 in Rom gedruckte Rarität wäre die Kunst des Empire nicht denkbar.

Ergänzt um Texte versierter Experten und eine synoptische Darstellung der historischen Fakten, lässt dieses Magazin Napoleon und seine Zeit lebendig werden. Eine lohnende Lektüre, die ich Ihnen insbesondere vor, aber auch nach der Auktion ans Herz legen möchte.

Herzlichst, Ihre

Katrin Stoll

- Ein Paar Girandolen, dreiflammig

Auktion 403, Kat.-Nr. 1163

Schätzpreis € 5.800 bis € 6.000
noch erhältlich

NAPOLEON OFFIZIELL

MACHT. FREIHEIT. GLEICHHEIT. BRÜDERLICHKEIT.

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AM 15. AUGUST 1769 wird Napoleon in Ajaccio auf Korsika geboren, und zwar als Napoleone Buonaparte – einen Namen, den er später in Bonaparte ändern wird. Seine Eltern sind Carlo Buonaparte und Letizia Ramolino, er hat acht Geschwister. Prägend ist das Verhältnis zum älteren Bruder Joseph. »Der ältere Bruder ist natürlich der Rivale, ihm bringt der kleinere eine elementare, unergründlich tiefe Feindseligkeit entgegen… Josef zu beseitigen, sich an seine Stelle zu setzen, selbst Josef zu werden, muss die stärkste Gefühlsregung des kleinen Kindes Napoleon gewesen sein«, analysierte Sigmund Freud. Hier scheint sich ein Weg vorzuzeichnen.

Familie Buonaparte gehört dem korsischen Kleinadel an. Carlo streitet zunächst an der Seite des Nationalhelden Pasquale Paoli für die Unabhängigkeit der Insel und arrangiert sich später – als Korsika von der Republik Genua an Frankreich verkauft wird – mit den neuen Herren. Als Günstling der Franzosen ergattert er königliche Stipendien für seine Söhne Napoleon und Joseph. Der Ältere soll Priester werden, der Jüngere die Militärlaufbahn einschlagen. Im Dezember 1778 verlassen die Jungs ihre Heimatinsel, um im Collège von Autun erst einmal Französisch zu lernen, danach trennen sich ihre Wege. Vom 15. Mai 1779 an besucht Napoleon die Königliche Militärschule von Brienne, um am 30. Oktober 1784 nach Paris an eine der renommiertesten Militärschulen des Landes zu wechseln. Mit 16 erhält er sein Offizierspatent und tritt in das Regiment »La Fère« in Valence ein, im Juni 1788 folgt die Versetzung nach Auxonne. In dieser Zeit hat er nicht viel zu tun, wälzt Geschichtsbücher und militärische Standardwerke, liest Platon, Voltaire, Corneille und gleich mehrfach Goethes »Leiden des jungen Werther«. Sein Vorbild wird Jean-Jacques Rousseau –der Korsika im »Contrat Social« (1762) als einiziges europäische Land dargestellt hatte, das perfekte Voraussetzungen für einen aus freien Stücken geschlossenen Gesellschaftsvertrag bietet. Auch für Napoleon wird die Insel zur aufklärerischen Projektionsfläche. Das verengt seinen Blick. Der junge Mann sieht seine Zukunft auf Korsika und unternimmt alles, um dort aufzusteigen. Monatelang lässt er sich vom Militärdienst beurlauben, um auf der Insel umfangreiche politische und militärische Aktivitäten zu entfalten, bis er kläglich scheitert. Die Familie muss ins französische Exil flüchten – für Napoleon das Ende seiner korsischen Ambitionen, aber auch Chance einer Neupositionierung im Machtgefüge der jungen Republik. Und die nutzt er. 

- Louis XVI und Marie-Antoinette

Auktion 403, Kat.-Nr. 1000

Schätzpreis € 1.800 bis € 2.000
noch erhältlich

Jean Duplessi-Bertaux - Honoré Gabriel Victor de Riqueti, Marquis de Mirabeau

Auktion 403, Kat.-Nr. 1001

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.500
noch erhältlich

Frankreich - "Execution de Louis Capet XVIme du nom, le 21. Janvier 1793"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1011

Schätzpreis € 150 bis € 180
noch erhältlich

Napoleon wird in eine Zeit des bereits geschwächten Absolutismus hineingeboren. Frankreich steht vor dem Staatsbankrott und die Ideen der Aufklärung stellen die Legitimationsgrundlage absolutistischer Herrschaft in Frage. Seit 1774 regiert Ludwig XVI. (1754–1793), die Habsburgerin Marie-Antoinette an seiner Seite. Es zeichnet sich ab: Der Bourbone wird der letzte König des Ancien Régime sein, des »alten Staates« absolutistischer Prägung.

Unter dem Druck der finanziellen Misere sieht sich Ludwig gezwungen, die Generalstände, also die Vertretung der drei Stände, erstmals seit 1614 am 5. Mai 1789 erneut einzuberufen. Das Gremium stößt tiefgreifende Reformen an – und ist höchst selbstbewusst. Als Ludwig XVI. am 23. Juni 1789 nach der letzten Sitzung der Versammlung der Generalstände die Anwesenden zum Verlassen der Versammlung auffordern lässt, erhält sein Zeremonienmeister eine sehr deutliche Ansage Mirabeaus, einem der feurigsten und eloquentesten Aufklärer: «... was berechtigt Sie … uns hier Befehle anzudeuten? Wir sind die Repräsentanten der Nation … Die Nation gibt Befehle und empfängt keine … So sagen Sie Ihrem Könige, dass wir unsere Plätze anders nicht als auf die Gewalt der Bajonette verlassen werden.« Aus den Generalständen geht am 17. Juni 1789 die Nationalversammlung hervor, die mit dem Ziel tagt, eine Verfassung zu erarbeiten, was ihr 1791 gelingt. Frankreich ist jetzt eine konstitutionelle Monarchie, ausgestattet mit einer Verfassung, die auf Montesquieus Gedanken der Gewaltenteilung beruht. Ludwig XVI. wird »König der Franzosen«, agiert jedoch ungeschickt und verpasst – träge im Geist – die Gelegenheit, sich mit dem neuen Gesellschaftsmodell zu arrangieren.

Während die Generalstände in Paris tagen, wächst im Volk die Unruhe. Das Brot ist zu teuer, Hunger droht. Es ist jetzt nur eine Frage der Zeit, bis sich der Unmut Luft macht. Am 14. Juli 1789 erfolgt der Sturm auf die Bastille, Symbol des Ancien Régime. Im August 1792 stürmen die Sansculotten die Tuilerien, Ludwig und seine Familie geraten in Haft. Am 21. September 1792 wird die Republik ausgerufen. Und während sich in Paris die Welt verändert, hat der 20-jährige Napoleon weiterhin nur Korsika im Kopf

Zehn Jahre, bis 1799, dauert die Revolutionszeit. Zuerst (1789–1791) stehen der Kampf um bürgerliche Freiheitsrechte im Vordergrund und die Schaffung einer konstitutionelle Monarchie. In einer zweiten Phase (1792–1794) kommt es als Reaktion auf gegenrevolutionäre Bedrohungen zur Errichtung einer radikaldemokratischen Republik. Maximilien de Robespierre (1758 – 1794) übt seine Schreckensherrschaft aus. Prominentestes Opfer ist Ludwig XVI. Nunmehr zum Bürger »Louis Capet« degradiert, legt er am 21. Januar 1793 seinen Kopf unter die Guillotine. Die Menge feiert das Ende einer fast 1000-jährigen Königsherrschaft mit einem zotigen Volksfest, ist froh, dass man den Bourbonen – nebst der verhassten Marie-Antoinette, die neun Monate nach dem Gatten unterm Schafott endet – endlich los ist. Das Land erlebt einen Blutrausch. Feinde der Revolution werden gnadenlos verfolgt. Zehntausende sterben unter der Guillotine, am 28. Juli 1794 erwischt es auch Robespierre.

Dem Terror folgt mit der Direktorialzeit eine dritte Phase der Revolution (1795 bis 1799). An die Macht klammert sich nun eine Clique, die auf die Absicherung ihrer Interessen bedacht ist. Und nun betritt Napoleon die Bühne, der die Republik als Soldat der Revolution nach Kräften unterstützt. Zunächst zeichnet er sich als Kommandant der Artillerie Ende 1793 bei der erfolgreichen Belagerung von Toulon aus und wird zum Dank mit nur 24 Jahren zum Brigadegeneral ernannt – der Beginn eines kometenhaften Aufstiegs.

Napoleon sucht und findet die Nähe der Macht, dient sich den Thermidorianern um Paul de Barras an. Diese nehmen die Offerte dankbar an, denn einen wie ihn, der in Paris für Ruhe und Ordnung sorgt, können sie gut gebrauchen. Napoleon wird zum Kettenhund des Direktotiums, insbesondere mit der brutalen Niederschlagung eines Aufstandes der Royalisten am 5. Oktober 1795 erregt er öffentliches Aufsehen. Endlich findet der Korse auch Einlass in die Pariser Gesellschaft. Als Türöffner fungiert Joséphine de Beauharnais (1763 – 1814), die ehemalige Geliebte von Barras. Napoleon verfällt ihr.

DAS ENDE DER BOURBONEN

Gilles Demarteau - Allegorie auf die Hochzeit des Dauphins Louis von Bourbon mit Erzherzogin Marie Antoinette am 16. Mai 1770

Auktion 403, Kat.-Nr. 1002

Schätzpreis € 150 bis € 180
noch erhältlich

Pierre-Gabriel Berthault - Szenen der Französischen Revolution

Auktion 403, Kat.-Nr. 1005

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
noch erhältlich

Jean-Michel Moreau - "Ouverture des États-Généraux à Versailles, le 5 Mai 1789 [...]" - "Constitution de lAssemblée Nationale [...] à Versailles le 17. Juin 1789"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1006

Schätzpreis € 450 bis € 500
noch erhältlich

- Medaille auf Ludwig XVI. von Frankreich und die Abschaffung der Standesprivilegien

Auktion 403, Kat.-Nr. 1008

Schätzpreis € 1.600 bis € 1.800
noch erhältlich

Frankreich - "Translation à St. Denis des corps de Louis XVI et de Marie Antoinette"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1012

Schätzpreis € 200 bis € 220
noch erhältlich

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EINE NEUE ZEITRECHNUNG

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REBUBLIKANISCHER KALENDER Der Rebublikanische Kalender begann mit dem 22. September 1792 und endete nach einem Dekret Napoleons I. am 1. Januar 1806. Die Besonderheit des Republikanischen Kalenders ist, dass alle zwölf Monate des Jahres gleichmäßig in je 30 Tage aufgeteilt sind. Fünf Ergänzungstage, die sog. »Jours à Complet« befinden sich zwischen dem Monat Fructidor (Fruchtmonat) und dem ersten Monat des republikanischen Jahres, dem Vendémiaire (Weinmonat, eine Erfindung des späten 17. Jahrhunderts).

Bei der Ziffer 6 ist ein kleines Fenster zu erkennen, in dem der Republikanische Kalendermonat und das Datum abzulesen sind.

HIGHLIGHT DER AUKTION ist eine Bodenstanduhr mit Äquationsanzeige und republikanischem Kalender. Die kostbare, um 1800/1805 hergestellte Rarität steht im wahrsten Sinne für eine neue Zeitrechnung, die mit der Französischen Revolution begonnen hatte. Das in ein edles Nussbaumgehäuse gefasste Uhrwerk von Henry Lepaute ist gleichsam Zeitdokument und technisches Meisterstück.

- Bodenstanduhr mit Äquationsanzeige und Republikanischem Kalender

Auktion 403, Kat.-Nr. 1127

Schätzpreis € 210.000 bis € 220.000
noch erhältlich

Die Bodenstanduhr besteht aus einem gerade schließenden Korpus, der sich aus dem Sockel und dem mit dem Stempel des Ebenisten versehenen Uhrenkasten sowie dem auskragenden Abschlussgesims zusammensetzt. Das weiß emaillierte Zifferblatt mit seiner feuervergoldeten Rahmung, das neunstäbige Präzisionspendel, die Pendellinse, das Gewicht und die Thermometer-Anzeige sind durch das verglaste Gehäuse zu erkennen. Es gibt mehrere Zeiger: den vergoldeten Stundenzeiger sowie den gebläuten Stahlminutenzeiger und den goldenen Äquationsminutenzeiger. Hinzu kommt der dünne Sekundenzeiger. Bei der Ziffer 6 ist ein kleines Fenster zu erkennen, in dem der Republikanische Kalendermonat und das Datum abzulesen sind. Das Uhrwerk ist mit einer Lepaute-Scheren-Ankerhemmung versehen und das differo-epizyklische Äquationsgetriebe wird durch das schlossscheibengesteuerte Schlagwerk angetrieben.

Die Äquationsanzeige verdeutlicht die Abweichung der mittleren von der wahren Sonnenzeit. Äquationsuhren besitzen daher zwei Minutenzeiger – im vorliegenden Fall ist der goldene Minutenzeiger mit Sonnensymbol der Äquationsminutenzeiger.

Pierre-Henri Lepaute (1745 – 1805) hat das Uhrwerk hergestellt. Das Werk wie das Zifferblatt weisen seine Signatur auf. Er arbeitete u. a. für Louis XVI und dessen Schwester Elisabeth. Zusammen mit seinem Onkel Jean Baptiste und seinem Cousin Pierre-Basile gründete er 1789 das Unternehmen Le Paute. Von Henri-François Dubuisson (aktiv 1769 – 1823) ist neben seinen verschiedenen Wohnadressen in Paris nur überliefert, dass er Zifferblätter und Uhrenboxen emaillierte. Charles Antoine Stadler war Ebenist und Schwiegersohn von Jean-Francois Leleu, der lange in der Werkstatt von hochangesehenen Pairser Ebenisten Jean-François Oeben tätig war. Leleu und er gründeten um 1780 ein gemeinsames Unternehmen und belieferten verschiedene Höfe mit ihren Möbeln. Nach Leleus Tod im Jahr 1807 führte Stadler die Werkstatt noch bis 1811 weiter.

KONSUL UND KRIEGSHELD

Am 9. März 1796 heiratet Napoleon Joséphine de Beauharnais. Die Flitterwochen fallen kurz aus: Nur zwei Tage nach der Hochzeit reist Napoleon in Richtung Nizza ab, um den Oberbefehl über die Italienarmee zu übernehmen. Was dort folgt, ist ein Siegesrausch. Mit einer erbärmlich ausgerüsteten Armee, die monatelang keinen Sold bekommen hat, gewinnt er eine Schlacht nach der anderen. Napoleon weiß, seine Soldaten durch Mut und Entschlossenheit zu begeistern und stürzt sich – wie in der Schlacht von Arcole – mit ihnen in vorderster Reihe ins Gefecht. Und als genialer Stratege erkennt er während der Schlacht sofort, wo er seine Angriffe konzentrieren muss. Auf Verluste nimmt Napoleon keine Rücksicht, seine Armee lässt er schneller marschieren als die der Gegner, die er schlichtweg überrennt. So besiegt er die Österreicher am 10. Mai 1796 in der Schlacht von Lodi. Der Siegeszug in Italien hat auch eine politische Dimension. So verhandelt Napoleon über Frieden und gründet in Norditalien Satelliten-Republiken. Das Direktorium in Paris betrachtet den Machtzuwachs argwöhnisch, kann aber nichts gegen Napoleon unternehmen, der nun ein Held ist und nach seiner Rückkehr in Frankreich von der Bevölkerung begeistert empfangen wird. Und so ist man froh, als sich Napoleon mit dem Feldzug in Ägypten schnell in ein neues militärisches Abenteuer stürzt. Am 1. Juli 1798 erreicht eine französische Flotte mit 38.000 Soldaten an Bord Ägypten. Im Schlepptau befinden sich Wissenschaftler und Künstler, die das Land der Pharaonen erforschen sollen, was folgenreicher ist als das militärische Abenteuer. So wird während des Feldzuges unter anderem der Stein von Rosette gefunden, dessen in drei Sprachen eingemeißelte Inschrift es Jean-François Champollion 1822 ermöglicht, die Hieroglyphen zu entschlüsseln. Zudem bewirkt Napoleons Expedition, dass der ägyptische Stil, der in Europa schon in den 1780er-Jahren angesagt war, wieder voll in Mode kommt. Am 21. Juli 1798 besiegen die französischen Expeditionsstreitkräfte eine Mamlukenarmee in der Schlacht bei den Pyramiden und ziehen zwei Tage darauf in Kairo ein – wo Napoleon die Nachricht erhält, dass seine Schiffe von einer britischen Flotte unter Horatio Nelson bei Abukir versenkt worden sind.

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- Medaille auf die Schlacht bei Marengo

Auktion 403, Kat.-Nr. 1014

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

- Medaille Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Großen Sankt Bernhard

Auktion 403, Kat.-Nr. 1015

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

Charles François Gabriel Levachez - "Bonaparte Premier Consul de la République Française" - "Revue du Quintidi"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1017

Schätzpreis € 450 bis € 500
noch erhältlich

Damit ist die Ägyptenarmee vom Mutterland abgeschnitten. Napoleon wird klar, dass die Expedition versandet. Und weil er auch in der Heimat gebraucht wird, lässt der Feldherr seine Soldaten in der Wüste zurück und macht sich aus dem Staub – um in der Heimat genau im richtigen Moment zur Stelle zu sein: Dort ist er jetzt der Einzige, dem man zutraut, die drängenden innen- und außenpolitischen Probleme zu lösen und dem korrupten Direktorium eine klare Ansage zu geben. Die erfolgt dann auch am 9. November 1799 in Form des Staatsstreichs vom 18. Brumaire VIII. Napoleon lässt die beiden Parlamentskammern von seinen Soldaten auseinandertreiben und verwirklicht seine Pläne zur Einrichtung der Konsulatsverfassung. Fortan regieren die Konsuln Bonaparte, Sieyes und Ducos, wobei Napoleon letztere bald durch willfährige Zeitgenossen ersetzen lässt. Bonaparte ist jetzt so stark wie nie zuvor, und er sichert seine Macht ab. 1802 wird er Konsul auf Lebenszeit und verankert die auf seine Person konzentrierte Macht in einer neuen Verfassung. 30 Jahre jung, ist er Alleinherrscher des Landes. Kritik gibt es kaum, Napoleon macht ja auch genau das, was sich das Bürgertum von ihm erhofft hat: Nach dem Chaos der vergangenen Jahre ist da endlich einer, der für Ruhe, Ordnung und Sicherheit sorgt. Und Napoleon macht ziemlich viel richtig, stößt Reformen an, die weit über seine Zeit hinaus wirken werden. Dabei geht es zum Beispiel um die Zentralisierung der Verwaltung, die Sanierung der Staatsfinanzen, die Neuorganisation des Schulwesens und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Und um sich eine ergebene Elite zu schaffen, stiftet Napoleon die Ehrenlegion. Bedeutendstes Reformwerk der Zeit ist der am 21. März 1802 veröffentlichte Code civil, auch Code Napoléon genannt. Das Gesetzbuch gilt für ganz Frankreich und wird auch von den europäischen Satelliten-Staaten ganz oder in Teilen übernommen. Gleichheit vor dem Gesetz, Freiheit des Individuums, Schutz des Eigentums, Trennung von Staat und Kirche: Das von den Grundgedanken der Französischen Revolution getragene Zivilgesetzbuch fördert in ganz Europa den Transformationsprozess von traditionellen zu modernen Gesellschaften. Für viele ist dies Napoleons bedeutendstes Werk. Auch außenpolitisch und militärisch läuft für Napoleon alles nach Plan. Im Zweiten Koalitionskrieg zieht er über die Alpen und erreicht am 14. Juni 1800 in der legendären Schlacht von Marengo einen entscheidenden Sieg. Es folgten Friedensschlüsse mit Österreich (9. Februar 1801) Russland (8. Oktober 1801) und Großbritannien (25. März 1802), die Napoleons Macht nicht nur außenpolitisch, sondern auch im Innern stabilisieren.

IMPERATOR.

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- Napoleon I. Bonaparte

Auktion 403, Kat.-Nr. 1024

Schätzpreis € 60.000 bis € 80.000
noch erhältlich

- Napoléon lauré

Auktion 403, Kat.-Nr. 1025

Schätzpreis € 2.600 bis € 3.000
noch erhältlich

Um sein System dynastisch zu legitimieren und dadurch auch seine Nachkommenschaft zu regeln, krönt sich Napoleon am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris in Anwesenheit von Papst Pius VII. selbst zum Kaiser. Der zweite Akt folgt am 26. Mai 1805, als Napoleon im Mailänder Dom zum König von Italien gekrönt wird. Seinen imperialen Machtanspruch lässt Napoleon in zahlreichen Kunstwerken zum Ausdruck bringen, was auch zahlreiche Auktionsobjekte belegen, allen voran die beeindruckende Marmorbüste nach einem Modell Antoine-Denis Chaudets.

VOM HELDEN ZUR HASSFIGUR - NAPOLEON UND DEUTSCHLAND

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Carl August Schwerdgeburth - Ansicht der großen Hirschjagd am 6. Oktober 1808

Auktion 403, Kat.-Nr. 1027

Schätzpreis € 500 bis € 600
noch erhältlich

Deutsch (?) - Napoleon Bonaparte

Auktion 403, Kat.-Nr. 1055

Schätzpreis € 160 bis € 180
noch erhältlich

Um Napoleons imperialem Machtstreben Einhalt zu gebieten und Frankreich auf die Grenzen von 1792 zurückzuwerfen, treten Russland, Großbritannien, Österreich, Schweden und Neapel im Dritten Koalitionskrieg gegen den frisch gekrönten Kaiser an; Preußen hält still, Bayern, Baden und Württemberg schlagen sich auf die Seite Napoleons. Der knüpft sich zuerst Österreich vor, besiegt es und nimmt Wien am 13. November 1805 kampflos ein. Danach fügt er Russen und Österreichern am 2. Dezember 1805 in der Schlacht bei Austerlitz eine historische Niederlage zu. Frankreich ist jetzt unangefochtene Führungsmacht in Kontinentaleuropa. Während Österreich nach Austerlitz aus Deutschland, der Schweiz und Italien verdrängt wird, steigen drei süddeutsche Staaten auf. Napoleon belohnt Bayern und Württemberg für ihre Treue und erhebt sie zu Königreichen; Baden erhält immerhin den Status eines Großherzogtums. Sodann nimmt Napoleon im Rahmen der von ihm angestrebten Neuordnung Europas die Schaffung eines »Dritten Deutschlands« als Puffer zu Preußen und Österreich in Angriff und presst die Fürsten von anfangs 16 deutschen Staaten im Sommer 1806 in den Rheinbund. Der Deal: Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, Frankreich militärisch zu unterstützen; im Gegenzug hält Napoleon seine schützende Hand über den Rheinbund. De facto werden die Rheinbundstaaten – mit einer Schein-Souveränität versehen – unter Frankreichs Schirmherrschaft entmündigt. Zwar kommt es zu Modernisierungsschüben, doch im Zweifelsfall hat das Militärische für Napoleon Vorrang vor liberalen Reformen. In Deutschland für Ruhe und Ordnung sorgen, damit Frankreich weiter ungestört expandieren kann, darum geht es. Und alles läuft auf Ausbeutung hinaus: Über 60.000 Soldaten müssen allein die Gründerstaaten für die Grande Armée stellen, als die Zahl der Rheinbund-Mitglieder später auf 39 angewächst, werden es 120.000 Mann sein. Zudem muss man für den Unterhalt der 200.000 französischen Besatzungssoldaten auf deutschem Boden aufkommen – und das in einer Zeit, in der die Bevölkerung ohnehin kaum klarkommt. Es ist nur eine Frage der Zeit: Aufgrund des Blutzolls, der Repression von Polizei und Militär und der durch die Kontinentalsperre gegen England bedingte wirtschaftliche Misere schlägt das anfängliche Wohlwollen, das die Deutschen Napoleon entgegenbringen, in Feindschaft um. Wie ambivalent das Verhältnis der Deutschen zu Napoleon ist, zeigt auch das Verhalten Ludwig van Beethovens. Seine 3. Sinfonie »Sinfonia eroica, composta per festeggiare il sovvenire di un grand’uomo«, sollte anfangs den Titel »Buonaparte« tragen. Nach Napoleons Selbstkrönung zum Kaiser 1804 nimmt Beethoven diese Widmung jedoch zurück.

Nach dem historischen Sieg von Austerlitz hätte sich Napoleon zurücklehnen können. Auf dem Kontinent gibt es nun keinen ersthaften Gegner mehr – eigentlich beste Voraussetzungen, um das Erreichte mit friedlichen Mitteln zu stabilisieren. Aber Napoleons Hunger nach noch mehr Eroberungen ist längst nicht gestillt. Da bleibt der Fürstenkongress zu Erfurt 1808 als sein erster und einziger Versuch, mit friedlichen Mitteln Politik zu machen, Episode. Das Treffen, an dem die meisten Rheinbund-Fürsten sowie Zar Alexander I. teilnehmen, wird zur Machtdemonstration Napoleons gegenüber seinen deutschen Vasallen und bleibt politisch eher folgenlos. Dafür vergnügt man sich bei Militärparaden, Bällen, Ausflügen, Jagdgesellschaften, Festen und Theateraufführungen.

BAGASCH UND BÖFFLAMOTT - NAPOLEON UND BAYERN

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- Tasse mit Untertasse

Auktion 403, Kat.-Nr. 1028

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.100
noch erhältlich

Auch in Bayern wird Napoleon zunächst bejubelt. Kein Wunder: Kurfürst Maximilian IV. Joseph steigt zum ersten bayerischen König Maximilian I. J voseph (1756 – 1825) auf, zudem kann Bayern sein Territorium erheblich vergrößern, etwa um Tirol und Vorarlberg. Ein Preis dafür ist – neben der politischmilitärischen Beistandsverpflichtung – die Vermählung von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais mit Auguste Amalie, der ältesten Tochter von Max I. Joseph und Königin Karoline, wovon weder Bräutigam noch Braut begeistert sind. Und so ist es allein Napoleon, der bei der Hochzeitsfeier in der Münchner Residenz am 13. Januar 1806 gute Laune hat. Immerhin wird aus der Zwangshochzeit eine in Adelskreisen selten glückliche Ehe mit sieben Kindern. Bayern macht das Beste draus: So setzt Maximilian Graf von Montgelas (1759 — 1838), den Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution zutiefst verpflichtet, radikale Reformen um, die ein weitgehend rückständiges Bayern in ein modernes Staatswesen verwandeln. Politische Entmachtung des Adels, umfassende Säkularisierung des Staates, Gleichberechtigung der christlichen Religionen, eine neue Verfassung und Steuerpolitik, Folterverbot und allgemeine Schulpflicht: Der Minister betreibt eine Revolution von oben. Es hätte alles so gut werden können, doch im Laufe der Zeit kippt die Stimmung; Die Last, die das junge Königreich zu schultern hat, ist einfach zu hoch. Die napoleonische Zeit bedeutet für Bayern zwei Jahrzehnte permanenten Kriegszustandes. Heere ziehen durch das Land, Verwüstungen, Plünderungen und Vergewaltigungen bestimmen den Alltag. Und der Blutzoll steigt: Von 36.000 bayerischen Soldaten, die mit Napoleon nach Russland marschieren, kehren 30.000 nicht zurück. Nach dieser Katastrophe geht es für Bayern ums Überleben, doch da man, besiegelt durch den Vertrag von Ried, quasi in letzter Minute ins antinapoleonische Lager wechselt, gerät Bayern wieder auf die Siegerstraße.

Obelisk am Karolinenplatz: Für die Bronzeplatten, mit das Bauwerk verkleidet ist, wurden 34,6 Tonnen Bruchmetall verwendet, zumeist von eroberten Geschützen. Der Entwurf stammt von Leo von Klenze.
NAPOLEON IN MÜNCHEN

Noch heute erinnert in München viel an die napoleonische Zeit, allen voran der weithin sichtbare Obelisk am Karolinenplatz, der als Ehrenmal für die bei Napoleons Russlandfeldzug gefallenen bayerischen Soldaten errichtet wurde. Die Arcisstraße erinnert an eine Schlacht der Befreiungskriege in der Champagne. Im März 1814 prallte die französische Armee dort bei Arcis-sur-Aube auf die zahlenmäßig weit überlegenen Österreicher unter Feldmarschall Schwarzenberg – mit dabei war Fürst von Wrede, an den eine Statue in der Feldherrnhalle erinnert. Und wer beim Einkaufsbummel an der Kaufingerstraße einen Blick in die Fürstengruft der Kirche St. Michael wirft, wird sehen, dass dort auch Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais ruht. Anschließend geht es wieder hinaus aufs Trottoir, ein Wort, das – wie Bagasch oder Böfflamott – an die napoleonische Zeit in Bayern erinnert.

EIN STAAT STEHT MODELL - DAS KÖNIGREICH WESTPHALEN

Im Zuge seiner Expansionspolitik ruft Napoleon nach dem Frieden von Tilsit in Deutschland das Königreich Westphalen ins Leben. Es entsteht, mit Kassel als Hauptstadt, aus ehemals preußischen Landesteilen. König wird 1807 Napoleons jüngster Bruder Jérôme Bonaparte (1784 – 1860), der in zweiter Ehe mit Katharina von Württemberg verheiratet ist, die sich als Katharina von Westphalen wegen ihrer festen Treue Respekt verschafft. Bei den Entscheidern des neuen Staatsgebildes handelt es sich vorwiegend um Vertraute und Verwandte Napoleons. So wird General Joseph Lagrange, ein früher Parteigänger Bonapartes, Kriegsminister. Auch eine schmucke Residenz ist mit dem Kasseler Stadtschloss vorhanden. Als dieses 1811 abbrennt, bezieht Jérôme 1811 Schloss Wilhelmshöhe, das während seiner Regentschaft in Napoleonshöhe umbenannt wird. Jérôme stattet das Domizil im repräsentativen Empire-Stil aus, die passenden Möbel, darunter kostbare Arbeiten der Werkstätten Molitor oder Jacob-Desmalter, lässt er sich aus Paris liefern. Zusätzliches Mobiliar wird von Kasseler Kunsthandwerkern nach französischen Vorbildern angefertigt. Zu Jérômes Hofstaat gehört übrigens auch der seinerzeit noch wenig erfahrene Leo von Klenze, der später zu einem der bedeutendsten Architekten des deutschen Klassizismus aufsteigen wird. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Hofbaudirektor entsteht auf der Napoleonshöhe 1810 ein Ball- oder Commedienhaus. Westphalen ist als napoleonischer Musterstaat gedacht. Kulturell ambitioniert und nach Maßgabe des Code Civil modern geordnet, soll es den anderen Rheinbundstaaten als Modell dienen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen allerdings auseinander. Da der ständige Geld- und Menschenbedarf für die napoleonischen Kriege das Land wirtschaftlich ausbluten lässt, zeitigen die angestoßenen Reformen nur bedingt Erfolg. Das Experiment dauert sieben Jahre, bis das Königreich Westphalen nach der Völkerschlacht bei Leipzig untergeht.

- Napoleons Gesetzbuch

Auktion 403, Kat.-Nr. 1029

Schätzpreis € 200 bis € 250
noch erhältlich

Frankreich - General Joseph Lagrange

Auktion 403, Kat.-Nr. 1030

Schätzpreis € 280 bis € 320
noch erhältlich

- Guéridon

Auktion 403, Kat.-Nr. 1031

Schätzpreis € 4.600 bis € 5.000
noch erhältlich

Franz Seraph Stirnbrand - Katharina Prinzessin von Württemberg, 1807-1813 Königin von Westphalen

Auktion 403, Kat.-Nr. 1032

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

UNGEHEUER VS. AMAZONE - NAPOLEON UND PREUSSEN

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Preußen verharrt lange in unentschlossener Neutralität, bis es doch gegen Napoleon antritt. Ein Geheimbündnis mit Russland im Rücken, fordert das Königreich Frankreich am 26. August 1806 auf, seine Truppen hinter den Rhein zurückzuziehen. Napoleon antwortet auf seine Art: In der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 schlägt er Preußen vernichtend und zieht wenig später in Berlin ein. Während Napoleon den anschließenden Winter in Warschau verbringt – wo seine langjährige Beziehung zu Gräfin Walewska beginnt, mit der er ein Kind zeugt – formieren sich seine Gegner neu. Die end ­ gültige Entscheidung im Vierten Koalitionskrieg – Russland hat unterdessen zugunsten Preußens in die Kämpfe eingegriffen – fällt schließlich am 14. Juni 1807 in der Schlacht bei Friedland, in der die russischen und preußischen Truppen eine schwere Niederlage erleiden. Bei den anschließenden Friedensverhandlungen in der ostpreußischen Stadt Tilsit hat Preußen dann ein echtes Problem: Napoleon ist offensichtlich entschlossen, das Königreich mit Russland – das Preußen im Stich lässt – zu teilen und von der Landkarte zu streichen. Da Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, der von Napoleon wie ein Lakai be ­ handelt wird, nur eine klägliche Nebenrolle spielt und die Mittel der herkömmlichen Diplomatie ausgeschöpft sind, bleiben dem wehrlosen Königreich nur noch die Waffen einer jungen Frau. Es ist die 30 -jährige Königin Luise, Gattin Friedrich Wilhelms III., die Napoleon verzaubern soll, um Preußen vor dem Untergang zu bewahren. Die Voraussetzungen für ein geplantes Treffen der beiden sind eher ungünstig: Sie nennt den Korsen ein »Ungeheuer«, er sieht in ihr eine »schwertfuchtelnde Amazone«, für Preußen »so verderblich…, wie … Helena für die Trojaner«. Doch Luise stellt das Staatswohl vor Antipathien und entschließt sich, »dorthin zu gehen, wo ich nicht begraben sein wollte«. Und ihr Mut wird sich auszahlen. Luise erweist sich als geschickte Verhandlungsführerin. Beeindruckt notiert Napoleon: »Trotz aller von mir aufgebotenen Geschicklich ­ keit, trotz aller meiner Anstrengung erwies sie sich stets als Beherrscherin, als die Tonangebende der Unterhaltung, kam immer auf ihr Thema zurück.« Am Ende diktiert Napoleon Preußen in Tilsit einen Frieden, der Fläche und Einwohnerzahl des Landes um die Hälfte reduziert. Preußen bezahlt teuer, sichert sich aber – wohl auch dank Luises Einsatz – das Überleben als Staat.

- Tasse mit Untertasse

Auktion 403, Kat.-Nr. 1033

Schätzpreis € 1.800 bis € 2.000
noch erhältlich

- Napoleon empfängt die preußische Königin in Tilsit

Auktion 403, Kat.-Nr. 1034

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

GUTE PARTIE - NAPOLEON UND ÖSTERREICH

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Mit fortschreitendem Kaisertum nimmt das napoleonische System immer despotischere Züge an. Der Personenkult um Napoleon wächst, derweil schreitet die Re-Aristokratisierung weiter fort, entfaltet Napoleons Hofhaltung monarchische Pracht. Das ruft Missfallen hervor, doch Napoleon duldet keine Kritik, verschärft die Zensur.

Auch andernorts formiert sich Widerstand. In Tirol kämpft Andreas Hofer gegen die bayerischen Besatzer. In Deutschland erheben Intellektuelle wie Johann Gottlieb Fichte, Joseph Görres und Ernst Moritz Arndt die Stimme, wobei der Ton immer nationalistischer wird. In Spanien, wo Napoleon seinen Bruder Joseph als König einsetzen ließ, verliert sich Frankreich in einem Kleinkrieg, der teuer ist und Truppen bindet. Zudem kommt es im Rahmen des Fünften Koalitionskrieges abermals zur militärischen Auseinandersetzung mit Österreich. In der Schlacht bei Aspern-Essling muss Naploeon seine erste Niederlage hinnehmen, kann den Feind dann aber bei Wagram letztendlich doch besiegen.

Am 14. Oktober 1809 schließen Napoleon und Kaiser Franz.I. von Österreich den Frieden von Schönbrunn. Österreich erleidet enorme Territorialverluste, verliert auch den Zugang zur Adria. Der neu berufene Staatskanzler Metternich leitet sodann einen außenpolitischen Kurswechsel ein. Österreich schließt ein Militärbündnis mit Frankreich, und um die Bande zu stärken, wählt Metternich die 18jährige Kaisertochter Marie-Louise, Erzherzogin von Österreich als politisch vorteilhafte Braut für Napoleon aus. Dem passt das sehr gut, denn nach der Scheidung seiner kinderlosen Ehe mit Joséphine de Beauharnais ergibt sich nun endlich die Gelegenheit, eine eigene Dynastie zu begründen.

Kaiser Franz und seine Familie haben Vorbehalte – und man muss sich das ja auch einmal vorstellen: Da soll die Kaisertochter aus dem mächtigsten Adelsgeschlecht Europas einen Emporkömmling aus dem Volk heiraten, der für ein Regime steht, das Marie Antoinette – die Großtante seiner künftigen Gattin (!) – aufs Schafott geschickt hat. Aus Sicht der Habsburger ist die geplante Heirat eine Zumutung. Aber man nimmt die Demütigung hin und handelt gemäß der Staatsräson. Zunächst »per procurationem« in Wien vermählt, wird die Habsburgerin am 1. April 1810 in der Kapelle des Louvre Gemahlin Napoleons. Am 20. März 1811 bringt Marie-Louise den ersehnten Sohn zur Welt, der unter dem Namen Napoleon II. Franz noch am Tag der Geburt zum König von Rom ausgerufen wird. Der Junge, 1818 zum Herzog von Reichstadt ernannt und von der Mutter nach dem Scheitern Napoleons in Schönbrunn versteckt, wird nur 21 Jahre alt.

- Kaiserin Marie-Louise von Frankreich (1791 Wien
- 1847 Parma)

Auktion 403, Kat.-Nr. 1036

Schätzpreis € 35.000 bis € 50.000
noch erhältlich

- Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte, Herzog von Reichstadt

Auktion 403, Kat.-Nr. 1038

Schätzpreis € 3.000 bis € 4.000
noch erhältlich

ZIEMLICH BESTE FEINDE - NAPOLEON UND RUSSLAND

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Napoleon und Zar Alexander I., zunächst erbitterte Feinde, versöhnen sich im Sommer 1807 bei den Friedensverhandlungen in Tilsit geradezu theatralisch. Das tête-à-tête der kaiserlichen Kollegen in einem weißen, von Kerzenschein illuminierten Zelt auf einem mitten in der Memel verankerten Floß ist Legende. Alexander gibt sich, so bezeugen Briefe Napoleons, überaus liebenswürdig, was dem Franzosen schmeichelt: Endlich eine Unterredung mit einem von Europas gekrönten Häuptern, die ihn bis dahin belächelt haben, auf Augenhöhe!

Und während Friedrich Wilhelm III., König von Preußen, am Ufer zurückbleiben muss, tun Napoleon und Alexander bei ihrem Gespräch auf dem Fluss so, als wären sie schon immer die dicksten Freunde gewesen. Am Ende stecken sie ihre Interessensphären in Europa ab. Napoleon versichert, dass Frankreich ganz Osteuropa den Russen überlässt, wenn er dafür freie Hand in Mitteleuropa bekommt. Damit ist das Bündnis des Herrschers des Westens und des Herrschers des Ostens perfekt. Tilsit scheint die Vorherrschaft der beiden Mächte auf dem europäischen Kontinent für Jahrzehnte zu zementieren. Napoleon befindet sich nun auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Später bekunden Napoleon und Alexander I. immer wieder öffentlich ihre tiefe Verbundenheit. Doch solche Schmeicheleien können die unüberwindbaren Gräben, die sich in den nächsten Jahren zwischen den beiden immer tiefer auftun, nicht überdecken. Die Beziehung kühlt ab, und als sich Russland Ende 1810 der Kontinentalsperre gegen Großbritannien entzieht, stehen die Vorzeichen auf Krieg.

Napoleon sammelt eine gewaltige Streitmacht, die größte, die Europa bis dahin gesehen hat: Auf dem Papier beträgt die Sollstärke der Grande Armée rund 590.000 Mann, tatsächlich sind es wohl nicht mehr als 350.000 Soldaten überwiegend unterworfener und verbündeter Nationen. In der ersten Angriffswelle vom 24. bis 26. Juni 1812 überqueren die französischen Truppen die Memel und marschieren ohne Kriegserklärung in Russland ein. Napoleon setzt auf Blitzkrieg, sucht die schnelle Entscheidung, doch die Russen ziehen sich in die Weiten des Landes zurück. Vor Moskau kommt es zur Schlacht von Borodino, die fast 80.000 Tote und Verwundete fordert. Für Napoleon ein Pyrrhussieg. Er marschiert zwar kampflos in das brennende Moskau ein, da er jedoch vom Nachschub abgeschnitten ist und den Zar zu keinen Verhandlungen bewegen kann, befiehlt er am 18. Oktober 1812 den Rückzug. Schließlich ist es der russische Winter, der den Untergang der Grande Armée endgültig besiegelt: Nur wenige Tausend Mann überleben. Napoleon selbst flüchtet mit einem Schlitten. Auf russischer Seite sind rund 500.000 Tote zu beklagen.

- Napoléon lauré

Auktion 403, Kat.-Nr. 1025

Schätzpreis € 2.600 bis € 3.000
noch erhältlich

J.-F. Cazenave - "Aléxandre 1er. / Empereur de toutes les Russies"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1045

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.400
noch erhältlich

Ferdinand von Rayski - Generalleutnant August von Leyßer zu Pferd

Auktion 403, Kat.-Nr. 1048

Schätzpreis € 3.000 bis € 4.000
noch erhältlich

Auf Zar Alexander I. machen in der Auktion zwei Büsten aufmerksam: Von großer Seltenheit ist eine kleine Bronzebüste Alexanders, nach dem Entwurf Bertel Thorvaldsens wiederum wurde eine kleine Wiederholung in weißen Marmor gehauen. Ein weiteres Auktions-Highlight ist die Büste der Zarin Alexandra Fjodorowna (1798 – 1860). Geboren als Prinzessin Charlotte von Preußen, war sie die älteste Tochter Friedrich Wilhelms III. und der legendären Königin Luise. Als Gattin von Zar Nikolaus I., der Zar Alexander I. 1825 auf den Thron folgte, wurde mir ihr – unter neuem Namen – erstmals eine Preußin zur russischen Zarin. Christian Daniel Rauch zählt neben seinem Lehrer Johann Gottfried Schadow zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Klassizismus. Seine Büsten sind u. a. in der Eremitage in St. Petersburg und in der Alten Nationalgalerie in Berlin zu sehen. Eines seiner Hauptwerke ist das Grabmal für die 1810 verstorbene Königin Luise von Preußen.

- Zar Alexander I. von Russland

Auktion 403, Kat.-Nr. 1049

Schätzpreis € 10.000 bis € 12.000
noch erhältlich

- Zar Alexander I. von Russland

Auktion 403, Kat.-Nr. 1050

Schätzpreis € 7.000 bis € 9.000
noch erhältlich

- Büste der Kaiserin Alexandra Fjodorowna von Russland

Auktion 403, Kat.-Nr. 1051

Schätzpreis € 19.000 bis € 24.000
noch erhältlich

Ein wahrhafter Herrschersitz: Der (erneuerte) Bezug im »Bleu de la France« verweist mit dem napoleonischen N und den imperialen Emblemen Adler und Biene auf das römische Kaiserreich bzw. Unsterblichkeit und Auferstehung.

- Fauteuil

Auktion 403, Kat.-Nr. 1156

Schätzpreis € 4.500 bis € 5.000
noch erhältlich

ZUSAMMENBRUCH. BEFREIUNG.

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Napoleons europäisches Herrschaftssystem bricht nach dem Desaster in Russland zusammen. Einstige Verbündete fallen von ihm ab und in Deutschland erlebt die nationale Bewegung einen Aufschwung. Im Oktober 1813 wird Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig von der Koalition seiner Feinde vernichtend geschlagen – womit auch die langjährige französische Herrschaft in Deutschland endet. Am 31. März 1814 nehmen die Allierten Paris ein. Napoleon unterschreibt nach einem nächtlichen Selbstmordversuch am 14. April seine Abdankung und wird auf die Insel Elba verbannt. Er beobachtet die Lage in Frankreich genau und harrt zehn Monate dort aus. Als er sieht, dass seine Landsleute mit dem von den Allierten wieder eingesetzten Bourbonen Ludwig XVIII. nicht glücklich sind, kehrt Napoleon zurück. Am 1. März 1815 landet er in Südfrankreich und zieht in Richtung Paris. Ein Infanterieregiment unter General Michel Ney, der Napoleon aufhalten soll, läuft zu ihm über. Am 20. März erneuert Napoleon in den Tuilerien, aus denen Ludwig XVIII. erst am Tag zuvor geflohen ist, seinen Machtanspruch: Die »Herrschaft der Hundert Tage« beginnt – und endet am 18. Juni 1815 abrupt bei Waterloo.

Frankreich - Michael Ney

Auktion 403, Kat.-Nr. 1052

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Medaille zur Erinnerung an die Freiheitskriege

Auktion 403, Kat.-Nr. 1058

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

Moritz Retzsch - Anton Jacob Carl von Watzdorf

Auktion 403, Kat.-Nr. 1059

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

- Zinn-Steck-Taler mit Darstellungen der Herrschaft der Hundert Tage und Waterloo

Auktion 403, Kat.-Nr. 1060

Schätzpreis € 400 bis € 600
noch erhältlich

Johann Baptist Pflug - Das Gefecht bei Souffelweyersheim im Elsaß am 25. Juni 1815 zwischen den alliierten Truppen und der napoleonischen Armee

Auktion 403, Kat.-Nr. 1061

Schätzpreis € 20.000 bis € 25.000
noch erhältlich

ENDSTATION

Nach dem Desaster von Waterloo hofft Napoleon auf politisches Asyl in Großbritannien oder Emigration nach Amerika, doch diesmal wollen Europas Fürsten den ewigen Unruhestifter endgültig loswerden und verbannen ihn nach St. Helena im Südatlantik. Streng bewacht und von einem kleinen »Hofstaat« umsorgt, lebt Napoleon auf dem weltfernen Inselchen im Longwood House, dem Wohnsitz des Gouverneurs. Napoleon hat dort viel Zeit, und so diktiert er seinem Getreuen Emmanuel de Las Cases sein politisches Testament, in dem er sich als Vordenker Europas stilisiert. In seiner Napoleon-Biographie beschreibt Johannes Willms die Rolle, die sich Napoleon auf St. Helena zurechtrückte: »Gegenwart und Vergangenheit, Revolution und Ancien Régime, die legitimen Rechte und Ansprüche der Völker wie ihrer Könige und Fürsten habe er zu einer neuen gesellschaftlichen, politischen und territorialen Synthese formen wollen. Er … sei dazu bestimmt gewesen, diese gewaltigen Veränderungen ins Werk zu setzen und die ›europäische Neuordnung‹, jetzt das ideale Ziel seines imperialen Wollens, zu vollenden. … So habe er mit seiner europäischen Hegemonialpolitik nichts anderes bezweckt, als eine europäische Konföderation der geeinten und nationalstaatlich organisierten Völker.« 

Wie dem auch sei: Das nach Napoleons Tod veröffentlichte »Mémorial de Sainte-Hèlène« erzielt die erhoffte Wirkung: Napoleon wird Mythos. Schon die Romantik verklärt ihn als idealen Helden, Heinrich Heine besingt Napoleon gar als »weltlichen Heiland«. 

Derweil hat Napoleon die Hoffnung auf ein erneutes Comeback noch nicht aufgegeben. Und tatsächlich ist eine Verschwörung amerikanischer Anhänger im Gange. So soll ein Kreis um Nicholas Girod, Bürgermeister von New Orleans, Napoleons Befreiung von St. Helena geplant haben, sogar eine Residenz in New Orleans steht bereit. Doch Napoleons Gesundheitszustand ist schlecht, bis er – drei Tage vor der geplanten Befreiungsaktion – am 5. Mai 1821 um 17:49 Uhr Ortszeit stirbt. Erst 19 Jahre nach seinem Tod werden Napoleons sterbliche Überreste auf der Fregatte Belle Poule (dt. »Schöne Henne«) von St. Helena nach Frankreich überführt, um am 15. Dezember 1840 in einem Sarkophag im Pariser Invalidendom beigesetzt zu werden.

Unbekannt - "St. Helena"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1063

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

- Napoleon in der Verbannung, oder Eine Stimme aus St. Helena.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1064

Schätzpreis € 150 bis € 200
noch erhältlich

Robert Havell - "Funeral Procession of Napoleon Bonaparte on the 9th of May 1821"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1065

Schätzpreis € 700 bis € 800
noch erhältlich

- Schreibzeug "Sarkophag Napoleons"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1066

Schätzpreis € 1.000 bis € 2.000
noch erhältlich

SPOTT UND HOHN: NAPOLEON IM SPIEGEL DER KARIKATUR

VOM ERHABENEN ZUM LÄCHERLICHEN

In der Geschichte der Karikatur ist Napoleon Bonaparte die erste Figur von europäischem Format. In der Auktion finden sich zahlreiche Bildsatiren, die in ihrer Zeit für Aufsehen sorgten und heutzutage auch als Illustrationen in Geschichtsoder Schulbüchern bekannt sind.

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James Gillray - "DEMOCRACY; _ or _ a Sketch of the Life of BUONAPARTE"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1076

Schätzpreis € 3.500 bis € 3.700
noch erhältlich

England - "A little man alarmed at his own shadow"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1079

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

J. Smith - "Playing at Bubbles"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1080

Schätzpreis € 520 bis € 560
noch erhältlich

Frankreich - "Le Carnaval de 1814 ou Le macaroni Impérial"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1084

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

Frankreich - "Ah Papa les belles bulles de Savon que tu as faites."

Auktion 403, Kat.-Nr. 1085

Schätzpreis € 600 bis € 700
noch erhältlich

Johann Michael Voltz - "Diesen Bock habe Ich geschossen"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1087

Schätzpreis € 400 bis € 500
noch erhältlich

Joseph Kreiling - "Wahre Abbildung des Eroberers Napolion"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1088

Schätzpreis € 650 bis € 750
noch erhältlich

Die ersten Karikaturen gab es bereits in der Antike und im Mittelalter, später zeichnete Leonardo da Vinci herrliche Zerrbilder seiner Zeitgenossen. Die eigentliche gesellschaftskritische Karikatur entwickelte sich schließlich im 18. Jahrhundert in Großbritannien. William Hogarth (1697 – 1746) gilt mit seinen mehrteiligen Bildergeschichten, die Missstände der Zeit mit bissiger Ironie anprangerten, als Vorläufer der modernen Karikaturisten. An ihn knüpften auf der Insel dann die ersten politischen Karikaturisten an, allen voran James Gillray (1757 – 1815), dessen Graphiken sich durch einen besonders trockenen, britischen Humor auszeichnen. Gillray thematisierte die gesellschaftlichen und politischen Zustände in seiner Heimat und zog mit Blick auf den Kontinent besonders gerne über Frankreich, die Revolution und Napoleon her. Von der kritischen Rezeption Napoleon Bonapartes in England zeugt in der Auktion eine ganze Suite kolorierter Graphiken Gillrays. Beginnend mit dem Ägyptenfeldzug entfaltet sich hier ein Panorama spöttischer Wahrnehmung.

Auch auf dem europäischen Kontinent eroberte die Karikatur die Gazetten. In Deutschland standen dabei besonders Napoleon und seine Besatzung im Fokus. Wie tief die Abneigung hierzulande war, zeigt zum Beispiel Joseph Kreilings um 1814 entstandene Arbeit »Wahre Abbildung des Eroberers Napolion«. Sie stellt Napoleons Kopf dar – aus Leichen bestehend.

Solange sich Bildsatiren gegen den Feind richteten, hieß der Staat sie gut, sollten jedoch die eigenen Herrscher zur Zielscheibe werden, reagierte man mit harter Hand. Karikaturisten wurden wegen Majestätsbeleidigung angezeigt, satirische Blätter (wie La Caricature) von der Zensur kaltgestellt. Vor allem in Frankreich, wo die Karikatur im 19. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte, nahmen die Zeichner kein Blatt vor den Mund. Honoré Daumiers (1808 – 1879) berühmte Arbeit, die den Kopf des »Bürgerkönigs« Louis-Philippe als Birne zeigt, sorgte ebenso für einen Skandal wie die 1832 erschienene Lithographie »Cet animal fut appelé araignée. (à regner.)«, als deren zumindest SPOTT UND HOHN: NAPOLEON IM SPIEGEL DER KARIKATUR geistiger Urheber Charles-Casimire Savare du Moulin zu gelten hat. Auf diesem Blatt ist Louis-Philippe als Spinne dargestellt (ihr Körper zeigt das Konterfei des Königs), die in ihrem Netz sitzt und ihre langen Beine nach allem ausstreckt, was diese ergreifen können. Ihre Beute sind unter anderem die Zivilliste, die »liste incivile«, die (Ideen der) Revolution in Gestalt der Jakobinermütze und dem Kopf des enthaupteten Louis XVI sowie der Duc de Berry und der Duc de Bourbon (siehe auch S. 60).

WIE MAN NAPOLEON AUF DIE SCHLICHE KOMMT

EIN GESPRÄCH mit dem Historiker und Publizisten Johannes Willms

 

Johannes Willms (73) gilt als einer der profiliertesten Napoleon-Kenner. Der Historiker und Publizist, der auch als Leiter des ZDFKulturmagazins »aspekte« und SZ-Feuilleton-Chef bekannt wurde, lebt und arbeitet in Paris und München. In seiner Schwabinger Altbauwohnung treffen wir uns zum Gespräch über Napoleon Bonaparte. Die Kulisse bildet eine mit Raritäten bestückte Bibliothek, darunter große Werke über den »kleinen« Korsen, der auch in Gestalt von Büsten und Schnupftabakdosen anwesend ist.

Johannes Willms Natürlich. Gedanklich, aber auch physisch. Und das war teilweise ganz schön abenteuerlich. Einmal bin ich auf die Insel St. Helena gereist, wohin Napoleon verbannt wurde und bis zu seinem Tod lebte. Da hinzukommen, war nicht einfach. Zuerst bin ich mit der Royal Air Force bis Ascension Island geflogen, wo ich eine ganze Woche ausharren musste. Dann kam endlich ein Postschiff, das Briefe, Bier, Klopapier und so nach St. Helena bringt. Die Anlandung war dort auch nicht so einfach. Man steigt in ein kleines Boot um, das einen zur Küste bringt. Und weil es auf St. Helena kein Pier gibt, muss man irgendwie an Land springen, wenn es der Wellengang des Atlantiks zulässt. Das gelingt nicht jedem. Manchmal landet einer im Wasser.

Das Longwood House, in dem Napoleon lebte, haben die Franzosen gekauft, mit viel Geld renoviert, und sie müssen es dauernd weiter renovieren. Das ist schon alles sehr museal. Da steht zum Beispiel das Bett, in dem Napoleon angeblich starb, doch das ist längst kein Original mehr, sondern eine Reproduktion. Irgendwie steht man dort und denkt: So what? Ehrlich gesagt war ich froh, als das Postschiff nach ein paar Tagen wiederkam.

Die meisten Franzosen sind nicht mehr von seiner Großartigkeit überzeugt, aber es gibt natürlich auch viele, die ihn toll finden. Diese gespaltene Meinung war auch rund um die Feierlichkeiten zu Napoleons 200. Todestag zu spüren. Es spricht zudem für sich, dass Napoleon in Frankreich öffentlich kaum präsent ist. In Paris gibt es die Säule an der Place Vendôme mit seiner Statue, aber dort trägt er eine römische Toga, man muss schon wissen, dass er es sein soll. Dann ist da sein Sarkophag im Invalidendom. Ansonsten ist Napoleon in Paris eher durch Hinweise auf seine Schlachten präsent. Es gibt den Gare d’Austerlitz, aber keine Rue Napoleon, nur eine Rue Bonaparte.

Als die Dritte Republik 1871 mühsam in die Gänge kam, wollte man mit den Monarchisten und den Napoleoniden Schluss machen. Ganz bezeichnend ist, dass die republikanische Geschichtsschreibung unterschieden hat zwischen dem guten Bonaparte – also dem Revolutionsgeneral und Republikaner – und dem schlechten Napoleon, der die Republik abschaffte und sich selbst zum Kaiser krönte. In einem Lexikon habe ich mal einen Eintrag unter dem Stichwort »Bonaparte« gefunden, der endete mit der Zeile »… gestorben für Frankreich am 9. November 1799«, also an dem Tag, an dem er sich an die Macht geputscht hatte. Und dann fand sich noch ein Eintrag zu »Napoleon«. Es gab also einen unter B und einen unter N. Napoleon wurde nicht als eine, sondern als zwei Personen verstanden.

Der Korse war nicht nur ein fantastischer Feldherr und ein großer Stratege, sondern auch ein kluger Politiker. Er führte den Code civil ein und war regelrecht geistreich. Der Mann liefert insofern viele Deutungsangebote, an die man andocken kann. Mich fasziniert vor allem das Gewicht einer Person, die so viel bewegt und so epochale Veränderungen angestoßen hat. Napoleon ist die prägende Figur der Neuzeit. Und zurück zur Frage: Mir ist Bonaparte lieber als Napoleon. Aber mir ist ja auch meine Jugend lieber als mein Alter.

Er hat sich immer wieder neu erfunden, wenn es erforderlich war. Der junge Bonaparte nutzte seine Chancen, hatte aber auch einfach viel Glück. Er wusste zudem, wie man sich ins Gespräch brachte, außerdem protegierte man ihn. Als Kaiser war es dann neben seinem militärischen Genie auch eine ordentliche Portion Hybris, die ihn erst zum Herrscher über Europa werden ließ und dann in den Untergang trieb.

Schreiben ist ein schöpferischer Akt, das ist etwas Wunderbares. Biografien schreibe ich besonders gern, denn da durchdringen Sie eine Figur. Vor allem geht es ums Hinterfragen, denn das Bild, das Personen der Zeitgeschichte von sich vermitteln, zeigt meist ihre eigene, beschönigende Sichtweise. Nehmen wir die Schlacht bei Lodi. Da galt es, eine Holzbrücke zu erobern, und angeblich soll Bonaparte bei dem Angriff persönlich vorangegangen sein. Das kann man so hinnehmen, wie Napoleon es dargestellt haben wollte oder man denkt sich: Das klingt nicht plausibel, das kann so nicht stimmen, da bohre ich dann weiter. Und plötzlich ergibt sich ein anderes, überraschendes Bild. Entscheidend ist, welche Fragen man an die Quellen stellt. Jemandem auf die Schliche kommen, etwas über den Menschen herausfinden, seine Handlungsmotive erkennen, das ist das Spannende. Für mich ist es ein echtes Vergnügen, private Korrespondenz und Tagebücher zu lesen und nicht nur die offiziellen Akten. Und wenn ich dann auf einen Punkt stoße, an dem ich erkenne, dass etwas nicht stimmt, freue ich mich richtig! Ja, ich freue mich so, dass ich mir sage: Heute Abend mach ich mir eine Flasche Wein auf. 

Dazu gibt es fast keine Zeugnisse. Man weiß, was er gerne aß und welchen Wein er mochte. Er war auch kein guter Liebhaber; sein Motto in Liebesdingen lautete »In and out and back to battle«. 

Von Joséphine war Napoleon schwer begeistert. Sie kam aus aristokratischen Verhältnissen und er war völlig beglückt, dass sich so eine Frau für ihn interessierte. Da hat er sich richtig hineingesteigert und ihr anfangs bezaubernde Liebesbriefe geschrieben. Aber das war sehr schnell vorbei, als er merkte, dass Joséphine ihn betrog. Er mag sie geliebt haben, aber Joséphine war für ihn auch wichtig, weil sie Türen zur Pariser Gesellschaft öffnete und Napoleon Benimm-Regeln beibrachte. Der Korse kam ja aus einfachen Verhältnissen. Joséphine war eine ältere, erfahrene Frau und hat dem Jungen gezeigt, wo es langgeht. 

An Kunst hatte Napoleon kein wirkliches Interesse, es sei denn, sie strahlte auf ihn ab. Beim Erwerb von Kunst ging es Napoleon eher um den geldwerten Vorteil. So hatte er schon bei seinen italienischen Feldzügen eine ganze Schar von Leuten im Schlepptau, die den Fürsten und dem Papst Kunstwerke abschwatzten, um sie in den Louvre nach Paris zu bringen. Wir reden hier vor allem über einen riesigen Kunstraub.

Heroische Darstellungen seiner Person und Heldentaten waren für Napoleon sehr wichtig. Wie kein anderer Herrscher vor ihm, wusste er Kunst als Propaganda-Instrument zu nutzen. Am Beispiel des berühmten Gemäldes von Jacques-Louis David, das Napoleon beim Überschreiten des Großen Sankt Bernhard zeigt, lässt sich das verdeutlichen: Napoleon ist dort in prachtvoller Uniform auf einem edlen Ross dargestellt. In Wirklichkeit trottete er in einem groben Mantel auf einem Maultier über den Pass, rutschte ihn teils sogar auf dem Hosenboden hinunter. Es kam Napoleon auf die Botschaft an, und die brachte er vor allem mit Kupferstichen, die man für kleines Geld kaufen konnte, unter die Leute. Das ist fast ein bisschen wie heute mit Social Media.

Mit dem Rheinbund wollte Napoleon neben Preußen und Österreich ein drittes Deutschland schaffen, das klappte nicht. Im Gegenteil: In einer allergischen Gegenreaktion auf ihn befeuerte er den deutschen Nationalismus. Napoleon sah Deutschland, wie alle seine europäischen Eroberungen, als Kolonie, die es zum Wohle Frankreichs auszubeuten galt. Damit verscherzte er sich Sympathien, die ihm anfangs entgegengebracht wurden.

Für die Bayern müsste Napoleon geradezu ein Hausheiliger sein, denn ohne Napoleon wäre Bayern nicht Bayern. Bayern in seiner politischen Geografie ist eine napoleonische Schöpfung. Es war nicht die CSU, die Bayern erfunden hat. Das war Napoleon.

Sehen Sie, das ist merkwürdig. Die Leute tun immer so, als wären Deutschland und Frankreich zwei völlig getrennte, unterschiedliche Einheiten und alles sei nach Karl dem Großen auseinandergegangen. Das ist gar nicht wahr. Wir haben immer in Kriegen, durch Hochzeiten und so weiter miteinander zu tun gehabt. Es waren Deutsche, die die darniederliegenden französischen Champagner-Gebiete im 19. Jahrhundert gerettet haben. Deshalb heißen die so: Deutz, Roederer, Heidsieck und so weiter. Das sind keine französischen Namen, das waren Leute aus dem Rheinland, die Geld hatten und dort die Champagner-Firmen kauften und retteten. Umgekehrt ist da die wunderbare französische Lebensart, der ich mich, wie viele Deutsche, verwandt fühle. Es gibt keine deutsche Geschichte ohne französische Bezüge und keine französische Geschichte ohne deutsche Einflüsse und Verschränkungen. Das geht hin und her. Heute wie im napoleonischen Zeitalter.

DAS GESPRÄCH MIT JOHANNES WILLMS FÜHRTEN KATJA KRAFT UND ANDREAS LÜCK

KINDER DER ZEIT

Friedrich Wilhelm Herdt - Herren- und Damenporträt

Auktion 403, Kat.-Nr. 1119

Schätzpreis € 10.000 bis € 12.000
noch erhältlich

Joseph Stieler - Adelaide Schiasetti

Auktion 403, Kat.-Nr. 1122

Schätzpreis € 40.000 bis € 60.000
noch erhältlich

Franz Seraph Stirnbrand - Karl Egon II. Fürst zu Fürstenberg - Amalie Christine Caroline Fürstin zu Fürstenberg

Auktion 403, Kat.-Nr. 1123

Schätzpreis € 5.000 bis € 6.000
noch erhältlich

Johann Baptist Seele - Staatsrat Clemens Ritter von Neumayr und eine Familienangehörige (Charlotte Neumayr?)

Auktion 403, Kat.-Nr. 1124

Schätzpreis € 8.000 bis € 12.000
noch erhältlich

GLOBAL PLAYER - MINIATUREN UND IHRE GESCHICHTE

Jean Baptiste Isabey - Napoleon und seine Zeit - Sammlung von zwölf Porträtminiaturen

Auktion 403, Kat.-Nr. 1110

Schätzpreis € 30.000 bis € 35.000
noch erhältlich

Adolphe (Pierre-Louis-Alphonse) de Labroue - Ambroise Achille Alexandre

Auktion 403, Kat.-Nr. 1113

Schätzpreis € 1.500 bis € 2.000
noch erhältlich

Peter Mayr - Therese Alexandra Freifrau von Tettenborn

Auktion 403, Kat.-Nr. 1114

Schätzpreis € 1.000 bis € 1.200
noch erhältlich

NACHGESCHMACK. BÜRGERKING

Bürgerkönig Louis-Philippe I. (1773–1850) wurde 1830 zum König von Frankreich ernannt. Seine Regierungszeit endete 1848 mit der französischen Februarrevolution, in dessen Folge er nach England verbannt wurde, wo er 1850 starb. Er war der letzte französische König mit dem offiziellen Titel »König der Franzosen«. Im Rahmen der Auktion werden einige Objekte aus dieser Zeit versteigert, darunter prachtvolle Weinkühler, die wohl aus seinem kostbaren »Penthièvre-Service« stammen (siehe Seite 96/97).


 

Alexandre-Evariste Fragonard - "LE ROI CITOYEN et sa Famille"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1116

Schätzpreis € 150 bis € 200
noch erhältlich

Frankreich - "Cet animal fut appelé araignée. (à regner.)"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1117

Schätzpreis € 200 bis € 250
noch erhältlich

Paul (Hippolyte) Delaroche - Figuren-, Kopf- und Handstudien zur Ausmalung der Kirche "La Madeleine" in Paris

Auktion 403, Kat.-Nr. 1125

Schätzpreis € 15.000 bis € 20.000
noch erhältlich

NAPOLEONICA

Nach Napoleons Tod machen sich die Bonapartisten für die Thronansprüche der Familie Bonaparte stark. Sie haben großen Einfluss und tragen wesentlich zum Aufstieg Napoleons III. (1808 –1873) bei – Sohn von Louis Bonaparte (Napoleons Bruder) und Hortense Eugénie Cécile de Beauharnais (Napoleons Stief- und Adoptivtochter). Napoleon III. ist von 1848 bis 1852 französischer Staatspräsident und von 1852 bis 1870 französischer Kaiser. Auch wenn die Bonapartisten mit der Zeit an Einfluss verlieren, bleibt die Faszination. Napoleon wird zur Kultfigur. Andenken an den ehemaligen Kaiser der Franzosen werden reliquiengleich verehrt. Zahlreiche, teils skurrile Objekte der Auktion – darunter Schreibzeug in Gestalt eines Sarkophags – zeugen vom allseitigen und bis heute anhaltenden Hype um Napoleon und seine Zeit.

Johann Heinrich Richter - Napoleon Bonaparte

Auktion 403, Kat.-Nr. 1091

Schätzpreis € 2.500 bis € 3.000
noch erhältlich

Heinrich Knauth - "Der Tod Napoleons (den 5ten May 1821)"

Auktion 403, Kat.-Nr. 1092

Schätzpreis € 350 bis € 400
noch erhältlich

- Flötenuhr

Auktion 403, Kat.-Nr. 1137

Schätzpreis € 4.500 bis € 5.000
noch erhältlich

KLEINE KORSEN

- Büste Napoleons

Auktion 403, Kat.-Nr. 1093

Schätzpreis € 600 bis € 800
noch erhältlich

- Statuette von Kaiser Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1094

Schätzpreis € 400 bis € 600
noch erhältlich

- Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1095

Schätzpreis € 50 bis € 100
noch erhältlich

- Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1096

Schätzpreis € 100 bis € 150
noch erhältlich

- Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1097

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1098

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1099

Schätzpreis € 250 bis € 350
noch erhältlich

- Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1100

Schätzpreis € 200 bis € 300
noch erhältlich

DOSENKAVALIERE

- Revolutions-Dose mit Medaillon mit der Darstellung Louis XVI

Auktion 403, Kat.-Nr. 1068

Schätzpreis € 900 bis € 1.100
noch erhältlich

- Dose mit Medaillon mit Napoleon Bonaparte als Premier Consul

Auktion 403, Kat.-Nr. 1069

Schätzpreis € 500 bis € 700
noch erhältlich

- Dose mit der Darstellung Amors im Triumphwagen

Auktion 403, Kat.-Nr. 1070

Schätzpreis € 700 bis € 900
noch erhältlich

- Dose mit Plakette mit den Siegern über Napoleon

Auktion 403, Kat.-Nr. 1071

Schätzpreis € 500 bis € 700
noch erhältlich

- Dose mit Medaillon von Louis XVIII

Auktion 403, Kat.-Nr. 1072

Schätzpreis € 500 bis € 700
noch erhältlich

- Dose mit dem Medaillon des gerade verblichenen Napoleon Bonaparte

Auktion 403, Kat.-Nr. 1073

Schätzpreis € 700 bis € 900
noch erhältlich

- Dose mit dem Portrait von Charles X, sog. Boîte royale de France

Auktion 403, Kat.-Nr. 1074

Schätzpreis € 400 bis € 600
noch erhältlich

- Zwei Tabatièren

Auktion 403, Kat.-Nr. 1103 A

Schätzpreis € 1.200 bis € 1.400
noch erhältlich

- Pfeifenkopf

Auktion 403, Kat.-Nr. 1103

Schätzpreis € 150 bis € 200
noch erhältlich

- Dose

Auktion 403, Kat.-Nr. 1104

Schätzpreis € 450 bis € 550
noch erhältlich

- Vase

Auktion 403, Kat.-Nr. 1104 A

Schätzpreis € 450 bis € 500
noch erhältlich

GEHT UNTER DIE MALHAUT

DIE ZEITGENÖSSISCHE SICHT: OLIVER JORDAN PORTRÄTIERT DELACROIX UND NAPOLEON

Napoleon und seine Zeit inspirieren auch zeitgenössische Künstler. Ein Beispiel dafür ist Oliver Jordan, der in der Auktion mit einem Porträt von Eugène Delacroix vertreten ist und – was uns besonders freut – mit zwei gezeichneten Bildnissen Napoleons, die der Künstler speziell für die Auktion angefertigt hat.

»Oliver Jordan ... gehört zu den herausragenden Porträtisten unserer Zeit. Zu seinem Œuvre zählen Bildnisse von Politikern wie den Bundeskanzlern Konrad Adenauer und Willy Brandt oder dem Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger, Zyklen zu Albert Camus und zahlreiche Einzelbildnisse, die sich klassischen und modernen Musikern oder aber den Städten und Landschaften Europas widmen«, formuliert die Kunstsammlung des Deutschen Bundestages. In einer weiteren, sehr umfänglichen Werkgruppe setzt sich Oliver Jordan seit mehr als 40 Jahren mit Personen auseinander, die ihn prägten oder beeinflussten. Der vorliegende Eugène Delacroix gehört in diese Werkgruppe und steht gleichberechtigt neben Dürer, Rembrandt, Goya, Picasso, Giacometti, Auerbach, Freud, Bacon, Beuys, Käthe Kollwitz und vielen anderen. Rousseau, Balzac, Rimbaud, Verlaine, Camus und Beauvoir: Mit der Geschichte, Kunst und Literatur Frankreichs hat sich Oliver Jordan bereits während des Studiums an der Kunstakademie in Düsseldorf und gegen Ende der 1980er Jahre intensiv auseinandergesetzt. Mit den beiden, speziell für die Auktion angefertigten Zeichnungen knüpft er an diese Tradition an. Oliver Jordan hat über die Jahre eine völlig eigenständige Mal- und Zeichentechnik entwickelt. Über die mit satten Mengen von Ölfarbe geschichteten Porträts legt Jordan am Ende des malerischen Prozesses eine aktiv gestische, spontan wie gesteuerte, sich tief in die Malhaut eingrabende Schraffur. Mit dieser malerischen Geste schafft er nicht nur einen völlig eigenständigen Stil, mit diesem Duktus aktiviert er mit einer quasi letzten, verletzenden Geste auch die Autonomie des Bildes. Er dynamisiert das Bild und entlässt es in die Freiheit. Dieses Stilmittel findet sich auch in seinen Zeichnungen. Die im direkten Zugriff mit den Händen und Fingern mittels Kohle gezeichneten Werke entstehen über Auftragen, Wegwischen, Verreiben und Radieren. Oliver Jordans Porträts sind einzigartige malerische Erzeugnisse und stehen ebenso für die Bedeutung des Porträtierten wie für die des malerischen Porträts in einer Welt der geschönten, geglätteten und digitalen Oberflächlichkeit.

VON DR. RALF-P. SEIPPEL

 

Oliver Jordan - Eugène Delacroix

Auktion 403, Kat.-Nr. 1107

Schätzpreis € 14.000 bis € 18.000
noch erhältlich

Oliver Jordan - General Napoleon Bonaparte

Auktion 403, Kat.-Nr. 1108

Schätzpreis € 3.000 bis € 3.500
noch erhältlich

Oliver Jordan - Napoleon Bonaparte

Auktion 403, Kat.-Nr. 1109

Schätzpreis € 3.000 bis € 3.500
noch erhältlich

TISCHKULTUR

WEINKÜHLER DES KÖNIGS

Bürgerkönig Louis-Philippe I. (1773–1850) erbte von seiner Mutter, Louise Marie Adélaïde de Bourbon-Penthièvre (1753 – 1821) eine außergewöhnliche Goldschmiedesammlung: das sehr umfangreiche, mehr als 360 kg schwere »Penthièvre-Service«, das während der französischen Revolution zunächst eingeschmolzen werden sollte, aber glücklicherweise erhalten blieb. Louis-Philippe ließ es von Jean-Baptiste Claude Odiot (1763 – 1850), einem der führenden Pariser Goldschmiede, teilweise ergänzen und umarbeiten. In Frankreich hatte die Gold- und Silberschmiede der Familie Odiot einen exzellenten Ruf. Odiot lernte die filigrane Kunst von seinem Vater und Großvater und brachte es bald zu großer Kunstfertigkeit. 1785 übernahm er das 1690 gegründete Familienunternehmen. Die vorliegenden Weinkühler stehen jeweils auf vier vollplastischen, geflügelten Hermenfiguren auf Löwentatzen, die den konischen Korpus tragen. Den unteren Rand umziehen zwei glatte Bänder, den oberen Bereich ein Friesband mit stilisierten Blättern. Darüber öffnet sich die weite Mündung, deren Rand mit einem ornamentalen Friesband geschmückt ist. An den Seiten zwei plastische Kartuschen mit Löwenmasken, in deren Mäulern ein Tragering durchzogen ist. Über der glatten Wandung findet sich am oberen, geschwungenem Rand das bekrönte Wappen mit den drei Lilien des Bürgerkönigs Louis-Philippe I.

TAFELFREUDEN

 

 Die Terrine gehört als Nachfertigung und Ergänzung für die Hoftafel zu dem bedeutenden großen Mailänder Prunkservice Grand Vermeil, das 1808 wahrscheinlich von Eugène de Beauharnais, dem Stiefsohn Napoleons, für den Hof in Mailand in Auftrag gegeben wurde. 1816 kam das Service anlässlich der Hochzeit Franz’ I. mit Carolina Augusta von Bayern von Mailand nach Wien. Es befindet sich heute in der Wiener Hof- und Silberkammer in der Hofburg. Ein vergleichbarer silberner Tafelaufsatz, gefertigt in St. Petersburg 1817 vom Goldschmiedemeister A. Gedlund befindet sich im Moskauer Kreml.

 

 

- Paar Weinkühler

Auktion 403, Kat.-Nr. 1143

Schätzpreis € 45.000 bis € 55.000
noch erhältlich

- Tafelaufsatz

Auktion 403, Kat.-Nr. 1145

Schätzpreis € 40.000 bis € 60.000
noch erhältlich

EDLE DURSTLÖSCHER

- Vier Deckelbecher mit gräflichem Wappen

Auktion 403, Kat.-Nr. 1146

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

- Girandole, dreiflammig

Auktion 403, Kat.-Nr. 1164

Schätzpreis € 3.500 bis € 4.000
noch erhältlich

ERLEUCHTEND

- Girandole, dreiflammig

Auktion 403, Kat.-Nr. 1164

Schätzpreis € 3.500 bis € 4.000
noch erhältlich

- Deckenkrone, sechsflammig

Auktion 403, Kat.-Nr. 1165

Schätzpreis € 5.000 bis € 5.500
noch erhältlich

SALONFÄHIGES

 

Tatzenfüße mit geflügelten Löwen, Kopf- und Fußteil mit Schwanenhälsen und Beschlagdekor mit Füllhörnern und gegenständigen Löwen. Die bei NEUMEISTER aufgreufene Récamière muss man einfach haben! Benannt ist das Möbelstück in der Art eines Sofas nach Juliette Recamier (1777 – 1849), die als außerordentliche Schönheit galt – was auch eine zur Versteigerung kommende Terrakotta-Büste belegt. Zu Beginn des Consulats unterhielt Juliette Recamier in Paris einen bedeutenden Salon, der unter anderem von Madame de Staël und Napoleons Erzfeind General Jean-Victor-Marie Moreau besucht wurde. Napoleon ließ den Salon 1803 schließen und Madame Récamier 1811 wegen ihrer regierungsfeindlichen Gesinnung aus Paris verbannen. Nach Napoleons Sturz kehrte sie nach Paris zurück und eröffnete ihren Salon wieder. Juliette Récamier wurde von bedeutenden Künstlern gemalt, unter anderem Jacques-Louis David – der sie auf einer Récamière malte. Aber auch das in der Auktion aufgerufene Portrait einer jungen Dame auf einer Récamière ist ein echter Hingucker.

- Juliette Récamier

Auktion 403, Kat.-Nr. 1044

Schätzpreis € 2.400 bis € 2.600
noch erhältlich

- Vitrinenaufsatzschrank

Auktion 403, Kat.-Nr. 1151

Schätzpreis € 9.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- Demilune Halbschrank

Auktion 403, Kat.-Nr. 1152

Schätzpreis € 4.500 bis € 4.800
noch erhältlich

- Kommode

Auktion 403, Kat.-Nr. 1153

Schätzpreis € 5.000 bis € 5.500
noch erhältlich

- Tisch

Auktion 403, Kat.-Nr. 1154

Schätzpreis € 6.000 bis € 9.000
noch erhältlich

- Tisch

Auktion 403, Kat.-Nr. 1155

Schätzpreis € 9.000 bis € 10.000
noch erhältlich

- Ein Paar Fauteuils

Auktion 403, Kat.-Nr. 1157

Schätzpreis € 26.000 bis € 29.000
noch erhältlich

- Fauteuil

Auktion 403, Kat.-Nr. 1158

Schätzpreis € 6.000 bis € 8.000
noch erhältlich

- Stuhl

Auktion 403, Kat.-Nr. 1159

Schätzpreis € 4.000 bis € 6.000
noch erhältlich

- Récamière

Auktion 403, Kat.-Nr. 1160

Schätzpreis € 4.000 bis € 5.000
noch erhältlich

LIEBLINGSSTÜCKE

- Schreibzeug

Auktion 403, Kat.-Nr. 1149

Schätzpreis € 7.500 bis € 9.500
noch erhältlich

- Ein Paar Girandolen, dreiflammig

Auktion 403, Kat.-Nr. 1163

Schätzpreis € 5.800 bis € 6.000
noch erhältlich

- Tafelaufsatz

Auktion 403, Kat.-Nr. 1172

Schätzpreis € 4.600 bis € 4.800
noch erhältlich

- Jardinière

Auktion 403, Kat.-Nr. 1174

Schätzpreis € 4.000 bis € 4.500
noch erhältlich

»GOLD GAB ICH FÜR EISEN«

- Medaille zur Erinnerung an die Freiheitskriege

Auktion 403, Kat.-Nr. 1058

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Statuette von Kaiser Napoleon I.

Auktion 403, Kat.-Nr. 1094

Schätzpreis € 400 bis € 600
noch erhältlich

- Plakette mit dem Befreiungsdenkmal auf dem Kreuzberg in Berlin

Auktion 403, Kat.-Nr. 1147

Schätzpreis € 300 bis € 400
noch erhältlich

- Demiparure, bestehend aus einem Collier und einem Paar Ohrgehängen

Auktion 403, Kat.-Nr. 1176

Schätzpreis € 2.000 bis € 3.000
noch erhältlich

Seit 1798 wurde in der königlichen Gießerei in Gleiwitz (Schlesien) und seit 1804 in der königlichen Gießerei zu Berlin Gegenstände aus Eisen hergestellt, darunter auch viele Kameen. Diese fanden als dominantes Element von Schmuckstücken bald großen Gefallen bei den Damen. In eigenen Gießereien fertigten Johann Conrad Geiss (1772  – 1846) und Siméon Pierre Devaranne (1789  – 1859) sehr qualitätsvollen Eisenschmuck. Vor allem sie waren es, die den Ruhm des Eisenschmuckes begründeten. Zunächst wurde dieser nur als Trauer ­ schmuck getragen. Als Königin Luise am 19. Juli 1810 starb, trugen die preußi ­ schen Frauen zum Zeichen ihrer Trauer Eisenschmuckstücke mit dem Profil ­ bildnis der Königin. Während der Befreiungskriege avancierte der Eisenschmuck dann zum patriotischen Schmuck. Am 1.4.1813 erschien in den Zeitungen der berühmte – von Prinzessin Marianne (Maria Anna) von Preußen (1785  – 1846) initiierte – Aufruf der königlichen Prinzessinnen »an die Frauen im preußischen Staate« ihren goldenen Schmuck »für die Rettung des Vater ­ landes« zu geben. Im Austausch dafür erhielten sie Broschen oder Ringe aus Eisen mit der Inschrift »Gold gab ich für Eisen«. Auch kleine Medaillons mit Namen oder Porträts großer Feldherren bzw. Orte und Daten bedeutender Siege wurden in Schmuckstücken zusammengefügt und von Preußinnen getragen, die damit ihren Patriotismus zeigen wollten. Im Ersten Weltkrieg wurde Prinzessin Mariannes Aufruf wieder aufgenommen. Schmuckstücke, v. a. auch Ketten mit Schiebern, die die Aufschrift »Eiserne Zeit 1916« trugen, wurden an spendenwillige Bürgern ausgegeben.