MARIENTOD

Franken (Nürnberg), um 1490

Lindenholzrelief. 126 × 134 cm

LOT 10
SCHÄTZPREIS € 80.000 – 120.000

Provenienz: ehem. Besitz Graf Schönborn, Schloss Hallburg


 


GLAUBE. LIEBE. HOFFNUNG.


VON Dr. Bettina Schwick

„Also schied Marien Seele aus dem Leib, ohn alle Pein oder Leiden, gleich wie sie ohne Makel war gewesen in ihrem Leben; und flog in die Arme ihres Sohnes“ (Benz, Richard, Jacobus de Voragine. Legenda aurea Bd. II. Jena 1925, „Von Mariae Himmelfahrt“ Sp. 4 ). Vor allem auf diese, um 1264 vom Genueser Erzbischof Jacobus de Voragine verfasste Sammlung von Heiligenlegenden gehen spätmittelalterliche Darstellungen des Marientodes zurück. Demnach wurden auf Mariens Wunsch die Apostel aus aller Welt auf Wolken zu Maria gebracht, um sich in der Stunde ihres Todes um sie zu sammeln und ihr Beistand zu leisten.

Spätgotische Darstellungen in Malerei und Plastik zeigen Maria entsprechend im Kreise der Apostel – entweder sitzend oder im Bett liegend, wobei ein angedeutetes Interieur mit Mobiliar und Alltagsgegenständen Lebensnähe erzeugen und das Geschehen in die Erfahrungswelt des Betrachters rücken sollte. Die trauernden Apostel begleiten das Sterben der Gottesmutter betend und mit liturgischen Riten, worauf Geräte wie Weihrauchfass, Weihwasserkessel und -sprenger oder Sterbekerze hinweisen.

 

Viele Kompositionen basieren dabei auf einem Kupferstich Martin Schongauers (vor 1475), dessen Zentrum das fast frontalansichtige Baldachinbett mit der entschlafenen Jungfrau dominiert. Auf diesen bezieht sich auch der gemalte Marientod der Sammlung Faußner, der im späten 15. Jahr - hundert im Gebiet des Oberrheins entstanden ist (siehe Seite 16/17).

Bislang noch nicht festzumachen war die grafische Vorlage für die große Reliefdarstellung der Sammlung Faußner. Sie zeigt Maria auf dem Sterbebett im Kreise der zwölf Apostel. Seitlich am Tisch mit Kerze befindet sich die Stifterfigur. Dass es sich hier nicht um eine eigenständige Bilderfindung handelt, belegt ein ähnlich dimensioniertes Relief fast gleicher Komposition im Bestand des Würzburger Museum für Franken. Es stammt aus dem Hochaltar von St. Vitus in Gerolzhofen und wurde 1902 an den Kunst- und Altertumsverein Würzburg verkauft.

Marias Entschlafen (lat. Dormitio) galt als Ideal des „guten“ Todes – ohne Leiden und Einsamkeit. Vorbildhaft sollten Darstellungen ihres Todes dem zeitgenössischen Betrachter darüber hinaus Hoffnung auf Auferstehung und Aufnahme in den Himmel vermitteln.

Ein spätes Revival erlebte Marienfrömmigkeit Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Gewissermaßen einen Schlusspunkt setzte 1950 das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, das Papst Pius XII. als letztes von vier Mariendogmen verkündete. Der Tag Mariae Himmelfahrt am 15. August ist dabei nicht nur in Bayern Feiertag, sondern auch im Saarland, wie auch in überwiegend katholischen Nachbar - ländern. 


PAIN


 

 

 

HL. SEBASTIAN
Deutsch, um 1500

H. 75 cm

LOT 16
SCHÄTZPREIS € 2.500 – 3.000

 

 

PIETÀ
Österreich, um 1700

Linde. H. 83 cm

LOT 26
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

 


HARTES SCHICKSAL - WEICHER STIL.


 

HL. KATHARINA
Salzburgisch, um 1440

Linde. H. 98 cm

LOT 3
SCHÄTZPREIS € 15.000 – 18.000

 

Die hl. Märtyrerin Katharina von Alexandrien wurde der Legende nach mit dem Schwert enthauptet, nachdem das Rad zerbrochen war, auf dem sie gerädert werden sollte. Nebenstehende hl. Katharina, ursprünglich mit dem zerbrochenen Rad in der Linken, ist ein charakteristisches und qualitätvolles Beispiel für den Weichen Stil. Der Begriff ist in der Kunstwissenschaft seit dem beginnenden 20. Jahrhundert gebräuchlich. Er leitet sich ab von dem fließend-weichen Faltenduktus, der die europäische Plastik zwischen Prag und Paris im Zeitraum von etwa 1400 bis 1450 bestimmt. Besonders ausgeprägt findet sich dieser an den sogenannten Schönen Madonnen, deren mädchen - hafter Typus schwingende Haltung und innige Zugewandtheit zum Kind kennzeichnet. Ein Zentrum dieser Schönen Madonnen ist neben Böhmen und Oberbayern das Salzburger Land. BS

 

HL. APOSTEL
Franken, um 1490

Linde. H. 113 cm

LOT 9
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

 

 

VIER EVANGELISTENSYMBOLE
Schwaben (?), Mitte 18. Jh.

Linde. H. 44 – 49 cm

LOT 29
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 12.000

 

 

HLL. JOHANNES UND PETRUS
Bartholomäus Steinle (um 1580 Böbing – 1628 Weilheim in Oberbayern), Werkstatt, um 1600

Linde. H. 39,5 cm bzw. 42 cm

LOT 21
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

 

 

GOTTVATER
Josef Deutschmann (1717 Imst – 1787 Passau), zugeschr., um 1750/60

Linde. H. 143 cm

LOT 28
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 6.000

 

 

HL. JOHANNES EV.
Niederbayern, um 1490

Linde. H. 137 cm

LOT 8
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

 

 

HL. BARBARA
Wohl Salzburg, um 1480

Linde (?). H. 161 cm

LOT 6
SCHÄTZPREIS € 15.000 – 18.000

 

Die bekrönte Heilige steht in leicht geschwungener Haltung auf rundem Terrainsockel, in der Linken hält sie den Kelch. Das Kleid betont den Oberkörper, der Umhang ist in ausladenden, abknicken - den Röhrenfalten vor den Unterkörper gezogen.

Hinsichtlich Komposition, Faltenschema und dem markanten ovalen Kopftypus findet sich im Londoner Victoria & Albert Museum eine so eng verwandte Mondsichelmadonna gleicher Größe (A.35-1913), dass man eine Zusammen gehörigkeit beider Skulpturen annehmen möchte (abgebildet bei Jopek, Norbert, German Sculpture 1430  – 1540. A Catalogue of the Collection in the Victoria and Albert Museum. London 2002, S. 124 Kat.Nr. 57.) Jopek weist auf die stilistische Nähe der Madonna zu weiteren nach Salzburg zu lokalisierenden Heiligenfiguren der Zeit um 1480 hin, so den weiblichen Heiligen der Pfarrkirche in Fridolfing, einer Mondsichelmadonna im Kunstmuseum Magdeburg sowie einer hl. Katharina im Bayerischen Nationalmuseum München. Weiterhin zu dieser Gruppe zugehörig ist eine Hl. Katharina aus Neustift (?) im Berg bau- und Gotikmuseum Leogang. BS

 

 

HL. PETRUS
Frankreich (?), Mitte 15. Jh.

Weichholz. H. 162 cm

LOT 4
SCHÄTZPREIS € 7.000 – 9.000

 

HL. JOHANNES BAPT.
Alpenländisch, um 1500

Linde (?). H. 144 cm

LOT 13
SCHÄTZPREIS € 4.000 –6.000

 

 

HL. FLORIAN
Süddeutsch, dat. 1753

Zirbelkiefer. H. (mit Sockel) 153 cm

LOT 27
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 10.000

 

 

 


AUFSATZSCHREIBSCHRANK
Carl Maximilian Mattern
(1705 Nürnberg – 1774 Würzburg), Umkreis, um 1745

Furnier Nussbaum, Nussmaser, Ahorn,
Mooreiche. Marketerie Ahorn, Palisander,
Perlmutter, Elfenbein. Alte vergoldete
Messing-Zuggriffe

LOT 39
SCHÄTZPREIS € 20.000 – 30.000

 

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