WENIGER IST MEHR.


 

 

 


OBERRHEINISCHER MEISTER
1. Viertel 16. Jh.

DER TOD MARIENS

Öl auf Holz. 116,5 × 106,7 cm

LOT 43
SCHÄTZPREIS € 20.000 – 25.000

 

Die Komposition des vorliegenden Gemäldes geht auf einen Kupferstich Martin Schongauers, der um 1473/74 datiert wird, zurück. Martin Schongauer hat als einer der innovativsten Künstler seiner Zeit zu gelten. Seine in Form von Druckgraphiken vervielfältigten Bildideen beeinflussten die Künstler seiner eigenen wie auch der folgenden Generation. Der unbekannte Meister des vorliegen - den Gemäldes orientiert sich aber nicht exakt an seiner Inspirationsquelle, sondern variiert in vielerlei Hinsicht: Er reduziert die Anzahl der Apostel auf zehn. Damit wird die Darstellung bezüglich der Anzahl der Figuren vereinfacht. Auch auf manches andere Element, das dem Künstler entbehrlich schien, wird verzichtet. Der uneingeschränkte Blick auf Maria wird nicht durch einen gerafften Vorhang beeinträchtigt, kleinteilige Ornamentik findet sich nicht mehr. Sogar das Bettzeug wird weniger detailreich, dafür – wie die Decke – umso raumgreifender und damit optisch wirksamer wiedergegeben. Am rechten Rand wird zusätzlich der Bereich der Türe hinzugefügt. Das kunstvoll gestaltete Gesprenge am oberen Rand entspricht dagegen dem für das Gemälde angedachten Gesamtzusammenhang. Denn dieses – nun von annähernd quadratischem Format – sollte Bestandteil eines größeren Flügelaltars gewesen sein, der mit kostbarem Schnitzwerk desselben Stils dekoriert gewesen sein muss. Manche Reduktion und Abänderung sollte somit dem Wunsch nach Klarheit der Darstellung beim Betrachten aus größerem Abstand geschuldet sein. RS 


MARIA LACTANS


 

 

 

Joos van Cleve, ein nicht nur wegen seiner Darstellungen der Hl. Familie und der „Maria mit dem Kind“ hochgeschätzter und stilbildender Künstler, schuf verschiedene kompositionell vergleichbare Werke. Auch die Darstellung Mariens als „Maria lactans“, also als nährender Mutter, ist dabei nachzuweisen. In unserem Fall separiert der unbekannte Künstler die Darstellung Mariens mit dem Kind aus einer Darstellung der „Heiligen Familie“. Die „Maria lactans“ mit dem stehenden Kind findet sich nahezu identisch auf einer „Hl. Familie“ Joos van Cleves in der Eremitage zu St. Petersburg wieder. Der Hl. Joseph wurde beim vorliegenden Werk jedoch durch einen Blumenstrauß ersetzt … 

 

JOOS VAN CLEVE
um 1485 wohl Cleve – 1540/41 Antwerpen, Nachfolge 2. Hälfte 16. Jh.

MARIA MIT DEM KIND (MARIA LACTANS)

Öl auf Holz. 44,5 × 31,5 cm

LOT 46
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 5.000

 

 


LUCAS CRANACH D. Ä.
1472 Kronach – 1553 Weimar, Nachfolge

MADONNA LACTANS

Öl auf Holz. 84,5 × 56 cm

LOT 45
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

 

 


ANTWERPEN
1. Hälfte 16. Jh.

DIE GEBURT CHRISTI MIT ENGELSKONZERT

Öl auf Holz. 128,5 × 76,5 cm

LOT 47
SCHÄTZPREIS € 12.000 – 15.000

 

Eine der einprägsamsten Darstellungen der Geburt Christi mit einem Engelskonzert stammt aus den Händen von Jacob Cornelisz und Adriaen Isenbrant (ehem. Sammlung John E. Stillwells). Hier begleiten die Engel mit festlicher Musik die Ankunft der Hirten im Stall zu Bethlehem. Die Szene des vorliegenden Gemäldes ist dagegen ganz auf die Geburt Christi und die zahlreichen musizierenden Engel konzentriert. Dass der genannte Adriaen Isenbrant den Künstler unseres Gemäldes beeinflusst haben muss, belegt die sehr individuelle Wiedergabe des Hl. Joseph. Denn vor allem bei Isenbrant findet sich Joseph mehrmals mit diesem ausgeprägt nachdenklichen Ausdruck wieder, bei dem eine Hand den Kopf des Erschöpften stützt. 

 

 

NIEDERLANDE
17. Jh. (?)

KLAPPALTAR MIT DER BEWEINUNG CHRISTI (MITTELBILD) SOWIE DER GEISSELUNG UND DORNENKRÖNUNG CHRISTI (SEITENFLÜGEL)

Öl auf Holz. 70 × 51 cm (Mitteltafel), 73 × 23,5 (Seitenflügel)

LOT 49A
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 5.000

 

 

OBERRHEINISCHER MEISTER
Anfang 16. Jh.

DIE HLL. WOLFGANG UND JAKOBUS DER ÄLTERE

Öl auf Holz. 146,5 × 50 cm

LOT 44
SCHÄTZPREIS € 15.000 – 18.000

 

 

BERNHARD STRIGEL
1460 Memmingen – 1588 ebenda, Nachfolge

KAISER MAXIMILIAN I.

Öl auf Holz. 28,8 × 23 cm

LOT 53
SCHÄTZPREIS € 3.500 – 4.000

 

 

DEUTSCH
1. Hälfte 16. Jh.

DIE HL. DREI KÖNIGE

Öl auf Holz. 92,5 × 84 cm

LOT 42
SCHÄTZPREIS € 4.000 – 4.500

 

 

DEUTSCH O. NIEDERLÄNDISCH
Anfang 16. Jh.

CHRISTUS WIRD AN DAS KREUZ GENAGELT

Öl auf Holz. 65 × 39 cm

LOT 41
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

 

Es handelt sich hier um ein seltenes Pfeilergemälde. Mit großer Wahrscheinlichkeit stammt es aus dem Kontext eines Passionszyklus’. (Rund-) Pfeiler v. a. mittelalterlicher Kirchen wurden nicht nur mit Fresken dekoriert, auch Gemälde konnten dort angebracht sein, die der Form des Pfeilers angepasst waren. Nur selten sind Pfeilergemälde noch an Ort und Stelle erhalten.  


SCHWARZ MALEREI


Christoph Schwarz, Sohn eines Goldschmieds, war 1560 – 66 Lehrling von Johann Melchior Bocksberger. 1568 malte er zusammen mit Hans Mielich und Hans Ostendorfer die Festdekoration anlässlich der Hochzeit des Erbprinzen Wilhelm (später Herzog Wilhelm V.) von Bayern mit Renata von Lothringen. Im Jahr darauf erhielt er das Meisterrecht. Es folgte ein Aufenthalt in Italien. Ab 1573 war Christoph Schwarz wieder in München tätig. Neben kleineren Arbeiten für den Münchner Hof entstanden nun auch viel beachtete Fassadenmalereien an Münchner Bürgerhäusern. Mit dem Amtsantritt Herzog Wilhelms V. im Jahre 1579 wurde Christoph Schwarz zu dessen bevorzugtem Maler für Aufträge zu Themen der katholischen Konfessionalisierung. 1587 entstand sein diesbezügliches Hauptwerk, der Hochaltar für die Jesuitenkirche St. Michael in München.

 

 

CHRISTOPH SCHWARZ
um 1545 München – 1592 ebenda

HERREN- UND DAMENPORTRÄT

Öl auf Leinwand.
47 × 37,3 bzw. 47 × 37,5 cm

LOT 54
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

 

Bei den beiden angebotenen Porträts handelt es sich um Fragmente aus einem Familienbildnis, dessen Aussehen lediglich in Form einer Kopie in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen überliefert ist. Bis 1956 sind neben den Bildnissen der Mutter und des Vaters auch noch zwei zugehörige Kinderbildnisse nachzuweisen. Diese wurden im Jahre 2013 bei NEUMEISTER versteigert. Als Vorbesitzer der Gemäldefragmente gilt Franz Xaver Joseph Freiherr von Unertl (1675 – 1750).

Aus dem Verkaufskatalog der Sammlung des Freiherrn Joseph Ferdinand von Castell (Mannheim 1789) hat man wiederum Kenntnis, dass Christoph Schwarz sich und seine Familie mindestens einmal selbst porträtierte. Denn es wurde damals neben anderen Gemälden des Künstlers auch „Das Portrait von Christoph Schwarz, Frau und Kinde, auf Leinw. 2 Fuß 8 Zoll hoch und 3 Fuß breit, von ihm selbst gemahlt“ offeriert. Da der Verbleib dieses Gemäldes nicht bekannt ist, können die Physiognomien der Dargestellten auf den vorliegenden Gemälden nicht mit den authentischen Bildnissen abgeglichen werden. Insofern bleibt von hypothetischem Charakter, was neuere Messingetiketten auf den Rahmenrückseiten unserer Gemälde kundtun: nämlich dass es sich um Bildnisse von Christoph Schwarz und seiner Gemahlin handele. RS

 

 

JACOPO PALMA, GEN. PALMA IL GIOVANE
1544 o. 1548 Venedig – 1628 ebenda, Werkstatt

DIE GEISSELUNG CHRISTI

Öl auf Leinwand. 73 × 91,5 cm

LOT 51
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

 

Verkleinernde Werkstattwiederholung von Palmas Gemälde in San Francesco della Vigna, Venedig. Eine Wiederholung des Gemäldes wird im Katalog der Fondazione Zeri, Bologna, als eigenhändiges Werk des Künstlers geführt (Nr. 43065). Dieses Gemälde befand sich 1963/64 beim Kunsthändler Giovanni Salocchi in Florenz.

Hans Constantin Faußner ersteigerte das vorliegende Gemälde, das aus der Sammlung des Prinzen Joseph Clemens von Bayern stammt, im Jahr 1990.

 

 

GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO
1696 Venedig – 1770 Madrid, Werkstatt

DIE DORNENKRÖNUNG CHRISTI

Öl auf Leinwand. 78 × 87,5 cm

LOT 52
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 12.000

 

Vorliegendes Werk ist eine Werkstattwiederholung nach dem Gemälde Tiepolos in der Hamburger Kunsthalle, das – wie Forschungen der letzten Jahre ergeben haben – aus einem Zyklus von Gemälden zur Leidensgeschichte Christi stammt. Dazu gehört ein weiteres Gemälde in Hamburg, „Christus im Garten Gethsemane“. Letzteres wurde für Giacomo Concolo in Venedig gefertigt, es kann daher davon ausgegangen werden, dass Concolo der Auftraggeber des gesamten Zyklus’ war. Bereits Morassi nennt 1962 mehrere Wiederholungen nach der „Dornenkrönung“, das vorliegende Gemälde wird jedoch nicht erwähnt.

 

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