Über Umwege gelangt der aus einer Bauernfamilie stammende Thomas Baumgartner an die Mal- und Zeichenschule des damals noch privat unterrichtenden Künstlers Hermann Groeber. Später erhält er durch Vermittlung Georg Hirths, Herausgeber der Zeitung „Jugend“, einen Platz an der Akademie in München.

Baumgartner erzielt bereits in frühen Jahren große Erfolge. So gewinnt der 21-Jährige 1913 bei der Internationalen Ausstellung im Münchner Glaspalast mit einem Porträt des Generals von Keller die Goldmedaille. Im selben Jahr betritt er in Pittsburgh sogar die internationale Bühne: Dort wird unter anderem sein Bildnis einer Dame mit Leopardenmantel gezeigt – das nun im Mai bei NEUMEISTER versteigert wird.

Mit solchen Erfolgen macht sich Baumgartner einen Namen als Porträtist. Bayerns König Ludwig III. bedenkt ihn mit Aufträgen, auch Künstlerkollegen wie Joseph Wopfner und Constantin Gerhardinger lassen sich von ihm abbilden.

Vor allem aber malt Baumgartner – inspiriert von heimatlichen Gefilden rund um Chiemsee und Tegernsee – markante Genreporträts von Bäuerinnen und Bauern nach Vorbild Leibls und offenbart dabei sein ganzes Talent. Die Dargestellten – teils mit roten Wangen und von Falten durchfurchtem Gesicht – blicken uns oft frontal an, erzählen so ihre Geschichte, scheinen ihre letzten Geheimnisse preiszugeben. Dabei sehen wir in den ausdrucksstarken Porträts Individuen mit ganz eigenen Charakterzügen. Baumgartner hilft uns auch, genau das zu erkennen, indem er das ganze Bild auf die Dargestellten reduziert und ihnen nur wenig oder gar keine Staffage zur Seite stellt. 

Gerade Thomas Baumgartners sorgfältige Frauenporträts der Sammlung Faußner spiegeln die Entwicklung im Schaffen des Künstlers. Seine Damen der 1910er Jahre erinnern in ihrer malerischen Ausführung noch an Hermann Groeber; auch in der Hintergrundgestaltung lassen sich durch die Lichtstimmung Parallelen zu seinem frühen Lehrmeister feststellen. In den 1920er Jahren wird der Hintergrund dann einfarbiger, Konturen nehmen an Bedeutung zu und die Individualität der Charaktere wird hervorgehoben. Die bundesrepublikanischen Porträts des Spätwerks wirken hingegen fast schon fotorealistisch und stehen ganz im Zeichen der 1950er Jahre.

Thomas Baumgartner malt sein Leben lang. Von der Kaiserzeit bis zur Bundesrepublik bildet er in Genreporträts fast ausschließlich Personen des bäuerlichen Lebens ab. Wie sein Freund Maier-Erding ist er ein malender Bauer, wirkt im Gegensatz zu diesem jedoch weniger präsent. Baumgartner hält sich lieber unter Bauern auf oder geht zur Jagd, als sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Wie viele Künstler in seinem Umfeld ist Thomas Baumgartner ein Nutznießer der NS-Zeit. Seine Werke werden von den Machthabern geschätzt, unter anderem ist er 1941 bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ präsent. Allerdings lässt sich bei ihm kein Werk finden, das einen klar propagandistischen Inhalt gemäß nationalsozialistischer Ideologie besitzt. Vielmehr werden in der NS-Zeit Werke Baumgartners ausgestellt, die die gleichen Motive haben, wie jene, die er schon in den 1920er Jahren im Münchner Glaspalast gezeigt hatte.

Thomas Baumgartner stirbt 1962 in Kreuth. Die meisten seiner Gemälde befinden sich heute in Privatbesitz. LS

 


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

SELBSTPORTRÄT IM MALERKITTEL, AN STAFFELEI GELEHNT. 1932

Öl auf Leinwand. 100 × 84 cm

LOT 114
SCHÄTZPREIS € 2.500 – 3.000

 

 


FESCHER MIT FÄCHER


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

SPANISCHE DAME IN TRACHT. 1919

Öl auf Leinwand. 103 × 85 cm

LOT 105
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000

 

 


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

BILDNIS DER CAROLA BAUMGARTNER. 1932

Öl auf Leinwand. 95 × 75,5 cm

LOT 113
SCHÄTZPREIS € 1.500 – 1.800

 

 


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

JUNGE BÄURIN IM BLAUEN SAMT MIEDER. 1940

Öl auf Leinwand. 91 × 77,5 cm

LOT 118
SCHÄTZPREIS € 1.500 – 1.800

 


MANN (?) UND FRAU


 

 

 


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

BILDNIS THOMAS MANN (?)

Öl auf Leinwand. 83 × 69 cm

LOT 106
SCHÄTZPREIS € 5.000 – 7.000

Bei dem Dargestellten handelt es sich möglicherweise um den Schriftsteller Thomas Mann. Dieser reiste als Kind in den Sommermonaten regelmäßig an den Tegernsee und kehrte auch als Erwachsener immer wieder dorthin zurück. In den Sommermonaten des Jahres 1924 mietete Thomas Mann für längere Zeit eine Villa in Feldafing am Starnberger See, um von dort aus auch Ausflüge ins Tegernseer Tal zu unternehmen. Leider ist bislang unklar, ob Thomas Baumgartner Thomas Mann in der Zeit porträtierte

 

 


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

BILDNIS EINER SITZENDEN DAME IM LEOPARDENMANTEL. 1913

Öl auf Leinwand. 115 × 90,5 cm

LOT 96
SCHÄTZPREIS € 1.200 – 1.500

Am Beispiel der „Dame im Leopardenmantel“, einem frühen Werk Baumgartners, lässt sich der Einfluss seines ersten Lehrers Hermann Groeber gut erkennen: Der Farbauftrag wirkt bewegt, das Gemälde wird vom Pinselduktus des Malers bestimmt, ihm wird eine gewisse Unschärfe verliehen. Das Licht strahlt von links oben auf die Dame und belebt den Hintergrund. Das Motiv ist untypisch im Vergleich zu seinen späteren Werken, bei denen eher volkstümliche Kleidungen dargestellt werden. Zu sehen ist eine emanzipierte Dame mit modischer Kurzhaarfrisur und Leopardenmantel, einem damals neuen, angesagten und teuren Kleidungsstück. Mit der rechten Hand scheint sie etwas festzuhalten, womöglich eine Zigarette – als Zeichen von Selbstbewusstsein, gepaart mit einem Hauch von Erotik.

Das Gemälde entstand 1913 und zählt zu Baumgartners ersten Werken. Im selben Jahr stellte der 21-Jährige – dem Vernehmen nach auf Drängen seiner Mutter – erstmals im Münchner Glaspalast aus, wo er für sein Gemälde des Generals von Keller auf Anhieb die goldene Medaille erhielt. Interessanterweise war seine Leopardendame schon vor der Schau im Glaspalast unter dem Titel „Lady in furs“ bei einer Ausstellung im Carnegie Institute Pittsburg zu sehen. Insofern muss Baumgartner bereits in jungen Jahren Bewunderer und Förderer gefunden haben, die hinter den Kulissen halfen, ihn auf die internationale Bühne zu bringen.

 


AUS DEM LEBEN GERISSEN


 

 

 

THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

FLÜCHTLINGSELEND. 1914

Öl auf Leinwand. 204 × 223 cm

LOT 97
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 5.000

Dieses frühe Werk des erst 22-jährigen Malers zeigt eine französische Familie, die aus dem Kampfgebiet zwischen deutschen und französischen Truppen evakuiert wurde. Das Fluchtgepäck wurde in der Not in ein rot-weiß gestreiftes Betttuch gestopft und steht für den gesamten materiellen Besitz, welcher der Familie noch geblieben ist. Dieses großformatige Werk wurde durch einen Auftrag der Akademie der Bildenden Künste in München initiiert und erzählt eindrucksvoll vom Elend des Krieges und der Machtlosigkeit aus dem alltäglichen Leben gerissener Familien

 


ARMUTSZEUGNIS


 

 

 


THOMAS BAUMGARTNER
1892 München – 1962 Kreuth/Tegernsee

„DER BUCKLIGE“. UM 1924

Öl auf Leinwand. 125 × 109 cm

LOT 110
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

 

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