EXPRESSIVE


 

 

 

Karl Caspars künstlerische Ausbildung erfolgte an den Kunstakademien in Stuttgart und München. Reisen führten ihn nach Italien, Paris und in die Schweiz, wo er sich von vielfältigen Eindrücken inspirieren ließ. 1907 lässt sich der Künstler in München nieder und wirkt dort in vielfältiger Weise. So ruft er als Gründungsmitglied die Künstlervereinigung „Sema“ ins Leben. 1913 zählt er zu den Mitbegründern der „Münchener Neue Secession“, in der sich vor allem expressionistische Künstler zusammenfinden. 1922 wird er Professor an der Münchner Kunstakademie.

In der NS-Zeit teilt Karl Caspar das Schicksal zahlreicher Künstlerkollegen. Seine Werke werden 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, dann aus deutschen Museen entfernt oder vernichtet, er selbst wird zwangspensioniert. 

 

 

Nach Kriegsende setzt Karl Caspar seine künstlerische und akademische Karriere fort. 1946 wird er wieder als Professor an die Münchner Akademie berufen, wenige Jahre später zu deren Ehrenmitglied ernannt. Spuren hinterlässt er in den Nachkriegsjahren auch als Mitbegründer der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der „Neuen Gruppe“ in München und des „Deutschen Künstlerbundes“ in Berlin. 1959 erhält er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Karl Caspar stirbt am 21. September 1956 in Brannenburg.

Karl Caspar erwies sich als Künstler, der die formalen Neuerungen seiner Zeit geschickt für die Gestaltung religiöser Kunstwerke nutzte. Seine Auseinandersetzung mit Fresken, insbesondere von Künstlern wie Giotto, hatten einen deutlichen Einfluss auf seine Malerei. Viele seiner Werke zeichnen sich durch eine matte und stumpfe Farbwirkung aus. Eine bewusste Anwendung von Kontrasten zwischen den Farben diente dazu, die emotionale oder pathetische Wirkung des dargestellten Motivs zu intensivieren. Seine neue Auffassung vom religiösen Bild ist Karls Caspers Vermächtnis. IB

 


KARL CASPAR
1879 Friedrichshafen –1956 Brannenburg (Inn)

RÜCKKEHR DES VERLORENEN SOHNES

Öl auf Leinwand. 80 × 120 cm

LOT 242
SCHÄTZPREIS € 8.000 – 10.000

 

 


KARL CASPAR
1879 Friedrichshafen –1956 Brannenburg (Inn)

ACTAION

Mischtechnik auf Papier. 55 × 40 cm

LOT 237
SCHÄTZPREIS € 700 – 900

 


LOST


Willi Geiger feierte in jungen Jahren vor allem als Grafiker und Illustrator Erfolge. Doch auch Gemälde finden sich im Frühwerk des Künstlers, darunter Arbeiten religiösen Inhalts – wie vorliegende Darstellung des Heiligen Sebastian. Hier erinnert der Körper des Heiligen stilistisch an Arbeiten El Grecos. In Anlehnung an den spanischen Manieristen gelingt es Geiger, seinen Gefühlen in der ihm eigenen Formensprache wirkungsstark Ausdruck zu verleihen. Er spielt mit Körperproportionen, verzerrt den Torso, wie bei El Greco, in die Länge und betont dadurch die Körperlichkeit. Überlebensgroß schauen wir auf den ausgemergelten Körper, der auch durch Licht geschickt in Szene gesetzt wird. Im Gegensatz dazu verschwinden Kopf und Füße fast im Dunkeln. Verkrampfte Körperhaltung und Gesichtsausdruck sagen uns, dass Sebastian leidet. Und Geiger setzt noch weitere, eigene Akzente. So sind die Armbrustbolzen kaum wahrzunehmen. Der Hintergrund wirkt auf den ersten Blick einfarbig, auf Höhe des Bauches können wir jedoch die Silhouette einer Stadt erkennen, die mit ihren weißen Mauern spanisch anmutet. Und auch im Hintergrund kristallisiert sich schemenhaft eine Berglandschaft ab.

Mindestens dreimal hat Geiger Darstellungen des Heiligen Sebastian gemalt. Im Unterschied zu seinen anderen Werken, in denen der Heilige an einen Baumstamm angelehnt ist und die Armbrustbolzen deutlich zu erkennen sind, erlebt man in der abstrahierten „Faußner-Version“ eine fast schon transzendente Szene. Unser Sebastian schwebt frei im Raum. Er findet keinen Halt, ist weder mit Boden oder Hintergrund verbunden und interagiert in keiner Weise mit seiner Umgebung. Wir werden als Betrachter mit dem Leid Sebastians allein gelassen, auch uns fehlt der Halt, wir entfremden uns mit ihm von seiner Umgebung.

Willi Geiger schuf das Bild 1914, wohl noch in seiner Berliner Zeit, in der er unter anderem mit Max Beckmann befreundet war. Über diese frühe Schaffenszeit des Künstlers ist wenig publiziert worden. Eigentlich unverständlich, denn Werke wie der Heilige Sebastian nehmen hinsichtlich Farbigkeit und Ausdrucksstärke viel vom dem vorweg, was Geiger später als Künstler auszeichnen wird. Insofern ist die vorliegende Arbeit ein Schlüsselwerk des Landshuter Expressionisten. LS/IB

 

 


WILLI GEIGER
1878 Landshut – 1971 München

HEILIGER SEBASTIAN. 1914

Öl auf Leinwand. 192 × 108 cm

LOT 243
SCHÄTZPREIS € 6.000 – 8.000

 

 


WILLI GEIGER
1878 Landshut – 1971 München

DREI HEILIGE SCHLAFEND. 1923

Öl auf Leinwand. 60,5 × 77 cm

LOT 244
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 2.500

 

 

Der Maler und Grafiker Willi Geiger prägt die Kunstszene seiner Zeit maßgeblich. Unter den deutschen Expressionisten zeichnet er sich durch psychologische und politisch-satirische Schärfe aus. Als Maler setzt Willi Geiger Farben und Formen im Dienste seiner Lebensphilosophie ein. Dabei zeichnet er unter Verwendung ihm eigener Symbolik das Bild einer tragisch verstrickten Welt, in der Hoffnungslosigkeit und gläubiger Mut ein fragiles Gleichgewicht halten.

Besondere Bekanntheit erlangt Willi Geiger durch grafische und illustrative Arbeiten in ganz eigenständiger Ausdrucksweise. Zu diesem OEuvre zählen unter anderem Mappenwerke, die sich mit spanischen Stierkämpfern beschäftigen sowie Illustrationen zu Werken von Schriftstellern wie Dostojewski, Tolstoi und Balzac. Als Anerkennung für sein grafisches Wirken erhält Geiger bereits 1910 den angesehenen Villa-Romana-Preis. 

 

Zunächst durchläuft der Sohn eines Lehrers verschiedene künstlerische Ausbildungsstationen. Erst lernt er in München an der Kunstgewerbeschule, dann macht er an der Technischen Hochschule sein Staatsexamen als Zeichenlehrer. Von 1903 bis 1905 studiert Geiger an der Münchner Akademie bei Peter Halm und Franz von Stuck. In dieser Zeit entstehen Freundschaften mit Künstlern wie Hans Purrmann und Albert Weisgerber, der Geiger auch porträtiert. Er stellt regelmäßig aus und wird in München Professor an der Kunstgewerbeschule. Intensiv beschäftigt sich Geiger auch mit spanischer Kunst, so kopiert er Gemälde von Goya, Velasquez und El Greco und lehnt sich auch selbst in seinen Werken an die Spanier an, was zum Beispiel das Werk „Heiliger Sebastian“ aus der Sammlung Faußner eindrucksvoll belegt. 

In der NS-Zeit wird Willi Geiger aus dem Staatsdienst entlassen, und seine als „entartet“ verleumdeten Werke verschwinden aus den Museen. Geigers Rückzugsort bis Kriegsende wird ein Bauernanwesen, das der Künstler 1932 in Feldwies am Chiemsee erwirbt. Dort widmet er sich verstärkt der Malerei. In den Bildern transformiert Geiger die flammende Farbigkeit apokalyptischer Geschichten in Blumenmotive und Stillleben, durchtränkt von lichten, transparenten Tönen.

Nach dem Krieg lehrt Willi Geiger an der Hochschule der Bildenden Künste in München und erhält zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1958 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

1971 stirbt Willi Geiger in München. Er hinterlässt ein künstlerisches Erbe, das eine Verbindung zwischen Tradition und Expressionismus herstellt. Ein weiteres Kapitel der Kunstgeschichte wird nach ihm sein einziges Kind schreiben: Rupprecht Geiger. IB

 


WILLI GEIGER
1878 Landshut – 1971 München

STILLLEBEN MIT HANDSCHUHEN UND DEGEN. 1938

Öl auf Leinwand. 40,5 × 60 cm

LOT 247
SCHÄTZPREIS € 1.500 – 2.000

Dargestellt ist das Rüstzeug eines spanischen Matadors. Es besteht aus dem roten Tuch (Muleta) des Stierkämpfers, einem Degen (Espada), einer spanischen Kopfbedeckung, zwei gelben Handschuhen, zwei Kastagnetten sowie einer Spielkarte, der Herz-Dame. Das Gemälde war 2011 in der Willi Geiger-Gedächtnisausstellung in Prien und Landshut zu sehen, betitelt als „Spanisches Stillleben“

 

 

Heinrich Heidner, geboren 1876 in Schoppersdorf bei Nürnberg, ist ein bedeutender deutscher Landschafts- und Figurenmaler des 20. Jahrhunderts. Sein künstlerischer Werdegang zeichnet sich durch eine vielseitige Ausbildung und eine bemerkenswerte Entwicklung seines Stils aus. Heidner beginnt seine künstlerische Laufbahn schon im Alter von 15 Jahren mit einem Studium an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg. Später setzt er seine Ausbildung unter anderem an der Münchner Akademie fort, wo er im Jahr 1900 Meisterschüler von Wilhelm von Diez wird. Während seiner Studienzeit eröffnet Heidner eine Malschule in München.

Die frühen Werke zeigen Einflüsse des Impressionismus, dann erfährt Heidners künstlerisches Schaffen durch die Erlebnisse des Ersten Weltkriegs eine bedeutende Wendung. Als „Kriegsmaler“ dokumentiert er die Ereignisse auf dem Schlachtfeld, insbesondere in den Vogesen. Diese Erfahrungen prägen seinen Übergang zum Expressionismus, seine Werke werden nun von einer kraftvollen Bildsprache gekennzeichnet. In den 1930er Jahren entwickelt Heidner eine Vorliebe für Aquarellmalerei. Doch erst in den späten 1960er Jahren erreicht sein Stil seine reife Phase

 

Thematisch konzentriert sich der Künstler vor allem auf die Malerei von Landschaften und ländlichen Szenen. Wiederholt malt er zum Beispiel den Chiemsee mit der Fraueninsel. Überdies zeichnet er Tiere und Landarbeiter in verschiedenen Maltechniken. Innerhalb seiner Porträtkunst nehmen Selbstbildnisse eine wichtige Rolle ein.

Trotz Heidners kommerzieller Erfolge wird er von Zeitgenossen als bescheidener Mensch beschrieben, der weniger am Verkauf seiner Werke interessiert ist als an der künstlerischen Entwicklung und dem Ausdruck seiner inneren Welt durch die Malerei. IB

 

 


HEINRICH HEIDNER
1876 Nürnberg – 1974 Gstad a. Chiemsee

FIGURENSTAFFAGE IN SÜDLICHER

FLUSSLANDSCHAFT. 1922

Öl auf Leinwand. 148,5 × 168,5 cm

LOT 250
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000

 


YOUNGSTER


 

 

YOUNGSTER

 

Arnold Balwé genießt bis heute Anerkennung für seine farbenfrohen Landschaften und Blumenbilder, die ihm insbesondere in Deutschland große Bekanntheit einbrachten. In expressiver Manier verleiht der Künstler seinen Werken eine einzigartige Note, indem er helle, kräftig leuchtende Farben mit einem lebendigen und pastosen Pinselstrich auf die Leinwand setzt. Sein unverwechselbarer Stil zeichnet sich durch die gelungene Verbindung impressionistischer Motive mit lebendiger, expressionistischer Farbgebung aus.

Als Sohn eines niederländischen Diplomaten 1898 in Dresden geboren, verbringt Balwé seine frühe Kindheit in der südafrikanischen Hafenstadt Durban. Auch als Künstler wird er später mit seiner Frau viel auf Reisen sein. Sie führen ihn unter anderem in die Niederlande, nach Südfrankreich, Spanien, Italien und Griechenland. Die Reisen hinterlassen Spuren in seinem Werk, seine künstlerische Heimat findet Balwé aber in Bayern. Inspiriert von Vincent van Gogh verewigt der Künstler vor allem die charakteristischen Eigenheiten und Schönheiten des Chiemgaus in seinen Bildern.

 

1920 beginnt Balwé seine künstlerische Ausbildung an der Antwerpener Kunstakademie, gefolgt von einem einjährigen Studienaufenthalt in Italien, insbesondere in Rom. Anschließend setzt er sein Studium von 1922 bis 1927 bei Professor Karl Caspar in München fort – und erhält schon in dieser Zeit den Alexander-von-HumboldtPreis. 1927 heiratet Arnold Balwé die Malerin Elisabeth Balwé-Staimmer, die ebenfalls in der Sammlung Faußner vertreten ist. Beide lassen sich im Chiemgau nieder, wo ein altes Bauernanwesen in Feldwies zu ihrem Refugium wird. 

Durch die Teilnahme an bedeutenden Ausstellungen wie der „Neuen Sezession“ in München und der „Rheinischen Sezession“ in Düsseldorf erlangt Balwé weithin Bekanntheit. Während des Nationalsozialismus werden dann einige seiner Werke bei Ausstellungen beschlagnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nimmt Balwé seine Ausstellungstätigkeit wieder auf. Er zählt auch zu dem Mitbegründern der Künstervereinigung „Neue Gruppe“, an deren Ausstellungen er sich bis zu seinem Tod beteiligt.

Arnold Balwé stirbt am 20. Januar 1983 in Prien am Chiemsee und hinterlässt ein unverwechselbares Œuvre, das seinen Platz unter den bekannten Namen der deutschen Malerei des 20. Jahrhunderts einnimmt. IB

„Dem Glanz, dem Leuchten, dem Schimmern der Farbe ist Arnold Balwé ein Leben lang im wörtlichen Sinne nachgegangen, nachgefahren. (...) Er hat die Färbungen der Jahreszeiten im Chiemseegebiet – sein Atelier Bauernhaus steht in Feldwies – beobachtet und in seine Darstellung übersetzt.“

Remigius Netzer aus „Arnold Balwé“, Ausstellungskatalog S. 5

 


ARNOLD BALWÉ
1898 Dresden – 1983 Feldwies/Chiemsee

STRAUSS AN PFINGSTEN

Öl auf Leinwand. 93 × 74 cm

LOT 254A
SCHÄTZPREIS € 2.000 – 3.000

 


ARNOLD BALWÉ
1898 Dresden – 1983 Feldwies/Chiemsee

SONNENUNTERGANG AM CHIEMSEE

Öl auf Leinwand. 60 × 100 cm

LOT 253
SCHÄTZPREIS € 3.000 – 4.000

 

Otto Geigenberger, Sohn des Bildhauers Heinrich Geigenberger, studiert zunächst Malerei an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München bei Max Arthur Stremel und Maximilian Dasio. Später macht er einen Zeichenlehrer-Abschluss am Polytechnikum. 1905 lässt er sich in München als freier Kunstmaler nieder. Bald sind seine Werke auch in namhaften Ausstellungen zu sehen, was Geigenberger weit über München und Deutschland hinaus bekannt werden lässt. Zudem wird Geigenberger mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Albrecht-Dürer-Medaille und dem Rom-Preis. Otto Geigenberger unternimmt im Laufe seines Lebens längere Studienreisen, die ihn unter anderem nach Italien, Frankreich, Österreich und die BeneluxLänder führen. Und klar, dass sich solche Touren auch auf seine Kunst auswirken – nach einem längeren Aufenthalt in Paris lässt in Geigenbergers Bildern vor allem Paul Cézanne grüßen.

Geigenberger erstellt wunderbare Stillleben und Landschaften, aber vor allem Städte und Bauwerke haben es ihm angetan. So malt er die Brücke von Avignon und Schloss Grünwald, ebenso wie Häuser, Klöster, Häfen, Kamine, Industriebauten – und immer wieder seine Heimatstadt Wasserburg

 

Während des Nationalsozialismus werden Geigenbergers Werke kontrovers rezipiert. Einerseits konfiszieren die Nationalsozialisten einige seiner Gemälde 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen. Anderseits stellt Geigenberger 1942 und 1943 bei der Großen Deutschen Kunstausstellung in München aus. Überdies erscheinen in der NS-Zeit mehrere wohlwollende Publikationen – so in dem 1937 erschienenen Buch „Münchner Künstlerköpfe“, wo Geigenberger als „einer der besten deutschen Landschafter der Gegenwart“ bezeichnet wird.

Obwohl Otto Geigenberger die meisten seiner Arbeiten selbst vernichtet haben soll, bleibt doch Einiges erhalten. So finden sich Geigenbergers Werke heute sowohl in Museen als auch in privaten Sammlungen. IB

 


OTTO GEIGENBERGER
1881 Wasserburg am Inn – 1946 Ulm

„AUS LUXEMBURG“. 1927

Öl auf Leinwand. 76 × 88 cm

LOT 263
SCHÄTZPREIS € 800 – 1.000

 


OTTO GEIGENBERGER
1881 Wasserburg am Inn – 1946 Ulm

TORBOLE AM GARDASEE. 1928

Öl auf Leinwand. 80 × 100 cm

LOT 264
SCHÄTZPREIS € 800 – 1.000

 


OTTO GEIGENBERGER
1881 Wasserburg am Inn – 1946 Ulm

SAN GIMIGNANO

Öl auf Leinwand. 77 × 88 cm

LOT 269
SCHÄTZPREIS € 800 – 1.000

 


OTTO GEIGENBERGER
1881 Wasserburg am Inn – 1946 Ulm

BLUMENSTILLLEBEN. 1935

Öl auf Leinwand. 116 × 91 cm

LOT 279A
SCHÄTZPREIS € 500 – 600

 

Anton Lamprecht gilt als herausragender Maler seiner Zeit. Besonders bekannt ist der Künstler für seine Landschaften, Blumenbilder, Städteansichten und Architekturzeichnungen. Lamprechts Arbeiten beeindrucken durch einen unverwechselbaren künstlerischen Duktus und eine gekonnte Motivwahl. Und immer gelingt es ihm, die zeitlose Schönheit von Natur und Architektur einzufangen.

Zunächst lernt Lamprecht an der Düsseldorfer Kunstakademie, 1923 zieht es ihn dann nach München, wo er an der Akademie der Bildenden Künste als Meisterschüler von Karl Caspar studiert. Bereits 1925 erhält er den zweiten Preis bei einem Plakatwettbewerb zur Jahrtausendausstellung der Rheinlande in Köln. Ein Jahr später genießt er im Rahmen eines Reisestipendiums der Stadt München einen inspirierenden Aufenthalt in Italien, um seinen Lehrer Karl Caspar nach der Rückkehr bei der Ausmalung der Apsis im Bamberger Dom zu unterstützen. Diese Zeit markiert den Beginn einer erfolgreichen Karriere als freischaffender Künstler. 1928 tritt Lamprecht der Münchner Neuen Secession bei. Ein Jahr später wird er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. 

 

Ein besonderes Interesse Lamprechts gilt Chioggia südlich von Venedig. Ab den 1950er Jahren malt er immer wieder Fischerboote und Bewohner des malerischen Ortes – eine Hingabe, die Chioggia durch die Ernennung Lamprechts zum Ehrenbürger würdigt. Überhaupt wird der Künstler im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, darunter der Albrecht-DürerPreis der Stadt Nürnberg und der renommierte Rom-Preis. In der NS-Zeit werden Lamprechts Werke auf der Großen Münchner Kunstausstellung präsentiert. Nach dem Krieg ist er 1947 eines der Gründungsmitglieder der Künstlervereinigung „Neue Gruppe“ in München. IB

 


ANTON LAMPRECHT
1901 Allershausen – 1984 München

GASSE IN CHIOGGIA

Öl auf Leinwand. 76,5 × 99 cm

LOT 283
SCHÄTZPREIS € 600 – 800

 


ANTON LAMPRECHT
1901 Allershausen – 1984 München

AMARYLLIS. 1932

Öl auf Leinwand. 100,5 × 89 cm

LOT 289
SCHÄTZPREIS € 800 – 1.000

 


ANTON LAMPRECHT
1901 Allershausen – 1984 München

BAHNHOF IM WINTER. 1929

Öl auf Leinwand. 85 × 97 cm

LOT 284
SCHÄTZPREIS € 1.000 – 1.500

 

Auch wenn sich die Werke Julius Wolfgang Schüleins in der Sammlung Faußner an einer Hand abzählen lassen, lohnt es sich, diesen Künstler näher zu betrachten.

Julius Wolfgang Schülein entstammt einer angesehenen Münchner Familie des deutsch-jüdischen Bildungsbürgertums. Sein Vater Jacob Schülein, der sich 1891 das Leben nimmt, ist Bankier. Dessen Bruder, Joseph Schülein, macht sich als Brauerei-Unternehmer einen Namen.

Bis 1904 studiert Schülein in München und Berlin Jura, entschließt sich dann aber, Maler zu werden. 1906 gelangt er an die Münchner Akademie der Bildenden Künste in die Malklasse von Hugo von Habermann. Anschließend ist er als freischaffender Maler tätig. Über Jahre hält er sich auch in Paris auf, wo er eine Malschule besucht und 1912 die Malerin und Fotografin Suzanne Carvallo heiratet. 1913 kehrt er nach München zurück und wird Mitbegründer der Münchner Neuen Secession.

 

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung gerät Schülein als jüdischer Künstler – obendrein mit modernistischem Ansatz – in Gefahr. Also flieht er am 1. April 1933 nach Paris – so bleibt es ihm erspart, mitzuerleben, wie seine als „entartet“ diffamierten Werke 1937 in Deutschland beschlagnahmt und aus mehreren Museen entfernt werden. Während der deutschen Besetzung Frankreichs emigriert Schülein 1941 in die USA, wo er in New York weiterhin als Maler tätig ist und bis zu seinem Tod im Jahr 1970 lebt.

Seine Motive, hauptsächlich Landschaften, findet Schülein in den 1920er Jahren auf zahlreichen Reisen. Die Bilder erinnern an Stimmungslandschaften des 19. Jahrhunderts, die Schülein jedoch künstlerisch in das 20. Jahrhundert übersetzt. Seine Werke werden auch philosophisch gedeutet: Als Künstler einer Generation, die den Ersten Weltkrieg miterlebt hat, liegt über seinem Werk einen Hauch von Melancholie – mit entsprechend impressionistischer Wirkung. LS

 


JULIUS WOLFGANG SCHÜLEIN

1881 München – 1970 New York

BOOT IM HAFEN

Öl auf Leinwand. 72 × 100,5 cm

LOT 294
SCHÄTZPREIS € 800 – 1.000

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