NEUMEISTER MAGAZIN APRIL 2021

 

AUKTION AM 14. APRIL

MÜNCHNER PRIVATSAMMLUNG, AB 14 UHR

(Lose 1 -114)

KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN

(Lose 115 - 288) 

SCHMUCK, AB 17 UHR

(Lose 289 - 496)

 

AUKTION AM 15. APRIL

GRAPHIK UND GEMÄLDE 15. - 20 . JH. AB 14 UHR

(Lose 500 - 669)

MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART AB 17 UHR
(Lose 1000 - 1063)

 

 

Vorbesichtigung: 8. bis 12. April

Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr
Gemäß aktueller Bestimmungen Einlass nach vorheriger Terminvereinbarung

Editorial von Katrin Stoll

Liebe Freund*innen des Hauses NEUMEISTER, liebe Freund*innen der Kunst,

als wir unsere März-Auktionen vor einem guten Jahr, dem ersten Lockdown geschuldet, verschieben mussten – zuerst auf April, dann Anfang Mai –, habe ich sehr optimistisch Max Frisch zitiert: „Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Nun, aus der Retrospektive betrachtet, möchte ich beinahe sagen: 

 

Wir, die Unternehmer*innen, taten, was wir immer tun: Wir tragen Verantwortung für unsere Mitarbeiter*innen, für unsere Kund*innen, die Gesellschaft, krempeln die Ärmel hoch und machen das Beste aus sich traditionell schnell ändernden Anforderungen, Marktsituationen und Wettbewerbsbedingungen. Schnell und unbürokratisch haben wir uns den Auflagen und Hygiene-Konzepten angepasst, haben investiert. Als Menschen sorgten wir für unsere Mitmenschen, Kinder, Familien. Viele Mütter, vor allem alleinerziehende, standen vor nahezu unmenschlichen Herausforderungen.

Als die Einschränkungen Anfang Mai 2020 gelockert wurden, wollte man uns weiterhin die Geschäftsgrundlage entziehen, zählte den Auktionshandel zum Bereich der „Verkaufspartys“. Ich denke, Sie wissen nur zu gut, wie wenig der Auktionshandel allgemein und NEUMEISTER mit Party gemein haben. Unter Mitwirkung meines stillen Gesellschafters, dem angesehenen Juristen Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub, verfassten wir eine Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung (§ 47 Abs. 6 VwGO). Dies stimmte die Landeshauptstadt München bzw. das Kreisverwaltungsreferat als unsere oberste Aufsichtsbehörde um, und man entschied, uns nun doch nach mehreren Monaten zu gestatten, unserem Geschäftsmodell „öffentlich zugänglich zu sein“. Dadurch haben wir gleichzeitig für alle Kolleg*innen des Auktionshandels den Weg geebnet, wieder vor Saalpublikum versteigern zu dürfen.

 

 

 

 

Ich denke, der deutsche Mittelstand hat im Schicksalsjahr 2020 eine sehr gute Figur abgegeben. Kultur, Künstler, Einzelhandel – zu dem Auktionshäuser gerechnet werden – Gastronomie und Hotellerie standen und stehen noch immer vor enormen Herausforderungen, in wirtschaftlicher wie auch menschlicher Sicht. Wir zeigen uns solidarisch, wünschen uns umgekehrt aber auch mehr Solidarität.

Die Pandemie bremste den Auktionshandel zeitweise aus, gab ihm aber auch Rückenwind, förderte insbesondere den Trend zur Digitalisierung. So hatten wir im Corona-Jahr 2020 Bieter*innen aus über 60 Nationen. Und gerade jüngere Menschen entdeckten, wie spannend und gewinnbringend Mitbieten am Computer sein kann. So kam es bei der DezemberAuktion und der in der Öffentlichkeit viel beachteten Sonderauktion „Kunst im Exil“ zu digitalen Bietgefechten, die zu Spitzenergebnissen führten.

Online-Katalog, Social Media, Bieten per Mausklick: Wir haben uns in der digitalen Welt positioniert. NEUMEISTER bekennt sich aber klar zur Tradition des Mehrspartenhauses. Die April-Auktionen, bei denen zwei bedeutende Kunstsammlungen und ein breites Portfolio an Kunstobjekten aus unterschiedlichen Sparten für jeden Geschmack und Geldbeutel versteigert werden, sind dafür das beste Beispiel. Warum sollten analoger und digitaler Auktionshandel auch im Widerspruch stehen? Dass genau das Gegenteil der Fall ist, hat NEUMEISTER seit über zehn Jahren, dank vorausschauender Hybrid-Strategie, erfolgreich unter Beweis gestellt

 

 

AUKTION MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART

INTENSIV. INSPIRIEREND. INNOVATIV. SIE SCHÄTZEN DIE KLASSISCHE MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE KUNST? DANN LASSEN SIE SICH GERNE AUF DEN NÄCHSTEN SEITEN VON AUSGEWÄHLTEN WERKEN INSPIRIEREN, DIE BEI DER NEUMEISTER-AUKTION IM APRIL AUFGERUFEN WERDEN. HIGHLIGHTS DER KLASSISCHEN MODERNE SIND DIE MEDITATION VON ALEXEJ VON JAWLENSKY, EIN ITALIENISCHES SEHNSUCHTSBILD VON KONSTANTIN GORBATOV UND EIN LANDSCHAFTSGEMÄLDE VON LESSER URY. IM BEREICH DER ZEITGENÖSSISCHEN KUNST, DIE NIE POPULÄRER WAR ALS HEUTE, FREUEN WIR UNS, ZWEI ERSTKLASSIGE WERKE VON ARNULF RAINER ANBIETEN ZU DÜRFEN. ABGERUNDET WIRD DAS ZEITGENÖSSISCHE AUKTIONSPORTFOLIO DURCH EINE VIELZAHL SIGNIFIKANTER KUNSTWERKE FÜR KLEINERE BUDGETS. 

Auktion am 15. April, 17 Uhr

Vorbesichtigung: 8. bis 12. April
Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr
Gemäß aktueller Bestimmungen Einlass nach vorheriger Terminvereinbarung

HIGHLIGHTS DER MODERNE

FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER

GEGNER DER GERADEN LINIE

Friedensreich Hundertwasser (1928 – 2000) war ein Gegner der geraden Linie, ein Credo, das sich vor allem in seinen bunten und lebendigen Bauwerken manifestiert. Seine Malerei mit intensiv leuchtenden Farben und der Spirale als Erkennungszeichen nannte der österreichische Künstler „vegetativ“. Typisch für Hundertwassers Farbenreichtum sind auch die zehn Graphiken, die im April bei NEUMEISTER versteigert werden. Hundertwassers graphisches Werk ist übrigens überschaubar. Er experimentierte dabei mit verschiedenen, teils komplizierten und effektvollen drucktechnischen Verfahren. Beispiele für die künstlerische Vielseitigkeit Hundertwassers sind die von ihm gestalteten Briefmarken, Medaillen, Bibeln, Brockhaus-Enzyklopädien – und Uhren.

PRIVATSAMMLUNGEN

KONVOLUTE FÜR KENNER NEUMEISTER SCHÄTZT UND VERSTEIGERT SAMMLUNGEN UND NACHLÄSSE SEIT JAHRZEHNTEN. IMMER WIEDER WURDEN UNS GROSSE UND BEDEUTENDE KONVOLUTE ANVERTRAUT, DIE BEI AUKTIONEN SPITZENERGEBNISSE ERZIELTEN. JÜNGERE BEISPIELE DAFÜR SIND DER IM OKTOBER 2019 VERSTEIGERTE NACHLASS DES FIRMENGRÜNDERS RUDOLF NEUMEISTER UND ERST IM MÄRZ 2021 DIE AUFSEHENERREGENDE SONDERAUKTION „KUNST IM EXIL“. NUN VERSTEIGERT NEUMEISTER IM RAHMEN DER APRIL-AUKTION KUNSTGEGENSTÄNDE AUS DEM NACHLASS EINES BEDEUTENDEN MÜNCHNER KUNSTSAMMLERS UND EINE WEITERE, KLEINERE SAMMLUNG AUS DER AMMERSEE-REGION. WIR BEKENNEN UNS DAMIT ZUR TRADITION ALS MEHRSPARTEN-AUKTIONSHAUS MIT BREITER AUSWAHL VON KUNSTGEGENSTÄNDEN. 

 

VOL. 1

PRIVATSAMMLUNG MÜNCHEN

DIE SAMMLUNG WIRD ALS EIGENES KONVOLUT IM RAHMEN DER AUKTION AM 14. APRIL VERSTEIGERT

 

 

VOL. 2

SAMMLUNG SCHLOSS MÜHLFELD

OBJEKTE DER SAMMLUNG WERDEN IM RAHMEN DER AUKTIONEN AM 14. UND 15. APRIL VERSTEIGERT

Hier wache ich (über die Kunst). Mops, liebevoll arrangiert, wie die Gemälde an der Wand.

Statement: Hier durch einen prachtvollen und technisch meisterhaft ausgeführten Schreibschrank (um 1750), dort durch Miniaturen und Graphiken, die der Fotograf sorgsam in die Szenerie eingebettet hat.

Ästhetik ist alles:
Marie-Antoinette und Ludwig XVI.
in schönstem Glanz.

Die Zeichen der Zeit erkannt.
Tischuhr, Wien, 19.Jh. meets
Video Screen, München, 21. Jh.

Um 1500 entstand dieser Hl. Petrus, der das Buch an sich drückt.

Vom Sieg der Liebe über die Sünde erzählt das virtuose Buchsbaum-Relief
aus der 1. Hälfte des 17. Jh.

ÜBER DAS SAMMELN

ONLINEKATALOG
SAMMLUNGEN

ANSICHTSKARTEN, BÜCHER, COMICS, FOSSILIEN, KRONKORKEN, OLDTIMER, SCHALLPLATTEN, ÜBERRASCHUNGSEIER: MENSCHEN SAMMELN GERN, ALLES. UND SOLLTE – WIE IM FALL DES MÜNCHNER SAMMLERS, DESSEN NACHLASS JETZT BEI NEUMEISTER VERSTEIGERT WIRD – DIE PASSION HOCHRANGIGEN KUNSTGEGENSTÄNDEN GELTEN, KOMMT AM ENDE OFT EIN AUKTIONSHAUS INS SPIEL.

 

Eine eigene Sammlung aufzubauen, schenkt innere Freude, trägt zur Selbstverwirklichung bei, weckt Jagdinstinkte und macht glücklich. Hoffnung auf finanziellen Gewinn, steuerliche Vorteile, gesellschaftliches Ansehen – das alles mögen Sammelmotive sein, aber vor allem geht es um Leidenschaft. Und was schließlich aus tiefstem inneren Antrieb erworben wird, gibt man so schnell nicht mehr her. Es geht ja nicht bloß um den materiellen Wert; nein, da gibt es ein inneres Band, das Sammler und Objekt zusammenhält. Wer zum Beispiel einen Spitzweg ersteigert, wird sich dem Maler und dessen auf Leinwand gebrachter Weltsicht nahe fühlen. Wer 200 Jahre altes Porzellan aus Meissen sammelt, wird empfänglich für den Geist sein, mit dem diese zerbrechlichen Preziosen inhaltlich aufgeladen sind. Und wer dann einen 250 Jahren alten Edelholz-Prachtschrank ins Wohnzimmer wuchtet, wird von dessen zeitloser Schönheit und meisterlicher Ausarbeitung begeistert sein. Vita brevis, ars longa. Was geschieht mit den Gegenständen, wenn der Sammler sterben sollte und seine Nachkommen das Werk nicht mehr weiterführen möchten, weil ihnen der innere Bezug zu den Objekten fehlt oder nachfolgende Generationen schlichtweg einen anderen Geschmack haben? Dann wird das, was in einem Leben zusammengetragen wurde, verkauft, meist von Profis im Rahmen einer Auktion. Klar, dass die bestehende Sammlung durch den Verkauf auseinandergerissen wird, doch jeder Nachgeschmack verflüchtigt sich, wenn man bei einer Auktion miterlebt, wie jemand nach einem erfolgreichen Bietergefecht vor Glück strahlt, weil der Erwerb gerade dieses so lange gesuchten Einzelstücks nach einer gefühlten Ewigkeit geduldigen Wartens die Sammlung vervollständigt.

Bevor eine Sammlung in die Auktion kommt, wird sie von unseren Kunsthistoriker*innen bewertet. Zu diesem Zweck begutachteten NEUMEISTER-Expert*innen auch den Nachlass in der vormaligen Villa des Münchner Sammlers und der begleitende Fotograf nutzte die Gelegenheit, die Kunst in situ, also in ursprünglicher Position, abzulichten. Die daraus entwickelte Fotoreportage ist auf den vorigen und folgenden Seiten zu sehen. Die Kunstwerke erzählen von den Vorlieben des Samm - lers und seiner Freude an schönen Dingen. Gotische Skulpturen, ein klein - teiliges Relief des 17. Jahrhunderts sowie hochwertige Möbel sind da zu sehen. Die Wände zieren ein Gemälde von Carl Spitzweg, zwei Werke von Franz Christoph Janneck, fröhliche Zecher und galante Miniaturen. Die hochkarätige Porzellansammlung ist liebevoll in beleuchteten Vitrinen arrangiert. Kaffeekannen, Tassen, Platten, Teller, Putten, Schäfergruppen und Schneider, die auf Ziegenböcken reiten – das Angebot von Kostbar - keiten aus Meissen, Ludwigsburg und Frankenthal ist breitgefächert und wartet nun wie alles weitere darauf, die Augen anderer Sammler zum Leuchten zu bringen (al).

 

 

Ein kühles Bier, eine deftige Brotzeit. Mehr braucht es nicht. Lassen wir uns gedanklich in den Ohrensessel sinken und an die schönen, einfachen Dinge des Lebens denken.

Zerbrechliche Gesellschaft. Die kostbaren Porzellanobjekte gehören zu den Highlights der Sammlung.

Lichtspiele. Seit ca. 1490 spendet das Kind auf dem Arm der mitteldeutschen Mondsichelmadonna seinen Segen.

 

„DEN ECHTEN SAMMLER ERKENNT MAN NICHT AN DEM, WAS ER HAT, SONDERN AN DEM, WORÜBER ER SICH FREUEN WÜRDE.“ MARC CHAGALL

„SAMMLER SIND GLÜCKLICHE MENSCHEN.“ JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

„IN MANCHER BILDERSAMMLUNG IST DER EIGENTÜMER DAS EINZIGE ORIGINAL.“ CLAUDE VILLIERS [SAMMELN]

„DINGE, FÜR DIE MAN SICH INTERESSIERT, ZUSAMMENTRAGEN, UM SIE (WEGEN IHRES WERTES IN GRÖSSERER ANZAHL, WEGEN IHRER SCHÖNHEIT O. Ä.) [IN EINER BESTIMMTEN ORDNUNG] AUFZUHEBEN.“ DUDEN

„SAMMELN – KRANKHAFTE NEIGUNG, GEGENSTÄNDE OHNE PRAKTISCHEN BEDARF ANZUHÄUFEN.“ BROCKHAUS LEXIKON 1965

AUKTION GRAPHIK UND GEMÄLDE 15. - 20. JH.

MALKUNST VON BREUGHEL BIS BÜRKEL
JAN BREUGHEL D J. (1601 –1678), ZUGESCHRIEBEN PARADIESLANDSCHAFT. JOHANNES LINGELBACH (1622–1674) SEESCHLACHT. ANTONIO CARNICERO (1748–1814), ZUGESCHRIEBEN KNABE MIT KANARIENVOGEL. KARL THEODOR VON PILOTY (1826–1886) RÖMISCHER SENATOR. DEUTSCH (?), MITTE 19. JH. JUNGE DAME. KARL WILHELM DIEFENBACH (1851–1913) RICHARD WAGNER. HEINRICH BÜRKEL (1802–1869) ZUGSPITZE. EDUARD SCHLEICH D. Ä. (1812–1874) STARNBERGER SEE. MAX VON MENZ (1824–1895) ASCHENPUTTEL. CANTIUS DILLIS (1779–1854) HÜGELLANDSCHAFT. WILHELM VON KAULBACH (1804–1874) FRANZ VON LÖHER EUGEN NAPOLEON NEUREUTHER, ZUGESCHRIEBEN (1806–1882) „DEUTSCHLANDS SÜDEN UND NORDEN“

Auktion am 15. April, 14 Uhr

Vorbesichtigung: 8. bis 12. April
Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr
Gemäß aktueller Bestimmungen Einlass nach vorheriger Terminvereinbarung

AUKTION KUNSTHANDWERK UND ANTIQUITÄTEN

SCHÖNE SACHEN

SO SCHÖN KANN KUNSTHANDWERK SEIN! WERTVOLLE HUMPEN UND POKALE, HISTORISCHE UHREN, PAUSBÄCKIGE PUTTEN, EXPRESSIVE BAROCK-SKULPTUREN, LEUCHTER AUS ALTEM SILBER, EDLES PORZELLAN UND BEGEHRTE OBJEKTE ITALIENISCHER UND JAPANISCHER STAR-DESIGNER. NEUMEISTER RUFT BEI DER FRÜHJAHRSAUKTION KUNSTHANDWERK DER EXTRAKLASSE AUF.

Auktion am 14. April, 14 Uhr

Vorbesichtigung: 8. bis 12. April
Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr
Gemäß aktueller Bestimmungen Einlass nach vorheriger Terminvereinbarung

SIEG DER LIEBE ÜBER DIE SÜNDE
SÜNDENFALL
BUCHSBAUM-RELIEF
SÜDDEUTSCH, 1.HÄLFTE 17. JH.
36,5 × 24,5 cm
AUKTION 400 // LOT 51
SCHÄTZPREIS € 8.000–12.000
ERGEBNIS: € 27.940 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Adam und Eva, der Baum der Erkenntnis und die Schlange – die Geschichte der biblischen Stammeltern ist über 2000 Jahre alt und der Menschwerdungsmythos schlechthin. Die Darstellung des Sündenfalls findet sich ab dem späten 2. Jahrhundert nach Chr. in der Kunst. Hier wird der heute allseits bekannte Typus – Adam und Eva seitlich des Baumes der Erkenntnis mit Schlange positioniert – geprägt und bis in die frühe Neuzeit hinein beibehalten. Eine der bekanntesten und einfluss - reichsten Verbildlichungen schuf Albrecht Dürer in seinem meisterhaften, 1504 datierten Kupferstich, in dem er die beiden Akte nach antiker Proportionslehre konstruierte und zahlreiche allegorische Motive aus Flora und Fauna integrierte. 

Dürers Sündenfall wurde von Künstlern des 16. und 17. Jahrhunderts gerne aufgegriffen und in das Medium der Skulptur übersetzt. Vor allem in der Kleinplastik finden sich vollplastische Gruppen oder Reliefs dieses Themas. Schnitztechnisch oft meisterhaft ausgeführt, waren solche Kunstwerke häufig Sammlungsstücke frühbarocker Kunstund Wunderkammern. 

Stellt man Dürers Kupferstich nun das bei der NEUMEISTER -Frühjahrsauktion zur Versteigerung kommende Buchsbaum-Relief (siehe rechts) aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegenüber, so erschließen sich in dieser besonders qualitätvollen, Anatomie und Vege - tation detailliert und fein strukturiert darstellenden Arbeit auf den ersten Blick Parallelen: der Baum der Erkenntnis als Zentrum der Komposition, Figur und Haltung Adams, Eva mit den seitlich flatternden Lockensträhnen und dem Apfel in der Linken, der ihr zu Füßen lagernde Ochse als mittelalterliches Sinnbild für das Temperament des Phlegma - tikers. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass Adam und Eva hier in ganz anderer Beziehung zueinander stehen: Während die beiden bei Dürer keinen Blickkontakt haben und damit eine gewisse Distanz wahren, sind sie sich in unserem Relief innig zugewendet. Bei diesem Liebespaar ist das Thema der Versuchung in Gestalt der sich um den Baum winden - den Schlange im wahrsten Sinn des Wortes in den Hintergrund gerückt: Die Liebe scheint sich hier vor der Sünde zu behaupte

SALUTI DA MILANO

MÖBEL UND MODE, AUTOS UND ARCHITEKTUR: ITALIENISCHES DESIGN SETZT WELTWEIT TRENDS. WARUM? „GANZ EINFACH, WIR SIND DIE BESTEN“, FORMULIERTE DER ARCHITEKT UND DESIGNER LUIGI CACCIA DOMINIONI (1913 – 2016) DIE GRIFFIGE ANTWORT. DASS ER DAMIT NICHT GANZ FALSCH LIEGT, ZEIGEN AUCH DIE OBJEKTE, DIE IM APRIL BEI NEUMEISTER VERSTEIGERT WERDEN. 

KATZE „GATTO AVVOCACCIATO FIORATO“
PIERO FORNASETTI
AUKTION 400 // LOT 188
SCHÄTZPREIS € 1.000–1.200
ERGEBNIS: € 1.270 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)
TABLETT „FIORI”
PIERO FORNASETTI
AUKTION 400 // LOT 210
SCHÄTZPREIS € 600–800

PIERO FORNASETTI: KUNST ALS TEIL DES LEBENS

Malerei, Graphik, Bildhauerei, Objektdesign, Innenausstattung, Buchdruck, Bühnenbild: Piero Fornasetti (1913–1988) war das, was man heute einen Allrounder nennt. Mehr als 11.000 Kunstobjekte soll der Italiener Zeit seines Lebens hergestellt haben. Markenzeichen: das Gesicht der italienischen Opernsängerin Lina Cavalieri, die 1952, viele Jahre nach deren Tod, von Fornasetti entdeckt und fortan zur Obsession wurde. In unzähligen Varianten gab er der einst gefeierten Diva, die um 1900 als schönste Frau der Welt galt, in der Serie „Tema e Variazioni“ (Thema und Variationen) auf Wandtellern immer wieder eine neue, surreale Gestalt. Kunst als fester Bestandteil des Lebensalltags – so lautete das Credo der Manufaktur, die Fornasetti nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit Gio Ponti (1891–1979), dem berühmten Designer (Superleggera-Stuhl) und Architekt (Mailänder Pirelli-Hochhaus) gründete. Fornasseti wurde zur Marke, der wir eine Reihe schöner Dinge verdanken, darunter auch die beiden Objekte, die im April bei NEUMEISTER aufgerufen werden.

VITRINENSCHRANK
ALDO TURA
232 × 250 × 58 cm
AUKTION 400 // LOT 226
SCHÄTZPREIS € 7.000–9.000

ALDO TURA: VORLIEBE FÜR KOMPLEXE FORMEN

Exemplarisch für die italienische Stilvielfalt ist ein großer Vitrinenschrank (siehe S. 121) des experimentellen Mailänder Möbeldesigners Aldo Tura (1909–1963). Der Holzkorpus dieses Möbels wurde mit Ziegenleder bespannt, blaugrau gefasst und lackiert, was einen einzigartigen Effekt erzeugt. Ganz im Geiste Aldo Turas, der komplexe Formen mochte, extravagante Farben bevorzugte, außergewöhnliche Materialien verwendete und Art Déco, Jugendstil und Minimalismus in seinen Entwürfen vereinte. Und immer sind die in Aldo Turas Werkstatt in kleiner Stückzahl oder als Prototyp hergestellten Möbelstücke von außergewöhnlicher handwerklicher Qualität. 

DIE HANDSCHRIFT VON GIO PONTI

Zurück zu Gio Ponti. Seine Handschrift tragen die beiden Halbschränke (siehe S. 120), die im April ebenfalls versteigert werden. Sie sind mit dekorativen Szenen – wohl aus der Antike – bemalt. Stilvoll, ein wenig exotisch und echte Hingucker.

ZWEI HALBSCHRÄNKE
ITALIEN, 1930ER JAHRE
(IN DER ART VON GIO PONTI)
92 × 100 × 54 cm
AUKTION 400 // LOT 224
SCHÄTZPREIS € 1.500–1.800 (ZUSAMMEN)
ERGEBNIS:€ 6.985 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)
HOW HIGH TO THE MOON!

How high the Moon, der Jazz-Klassiker von Duke Ellington, lieh dem Drahtsessel, den der japanische Innenarchitekt und Designer Shirō Kuramata 1982 für Vitra entwarf, seinen Namen. Wie Mondlicht schimmert die Oberfläche des vernickelten Metall-Maschengeflechts. Das aufwändig konstruierte Sitzobjekt fasziniert durch den Gegensatz der opulenten, bourgeoisen Form im Stil eines ausladenden Salonsessels und kühlen, einfachen Materialien. Und, ja, man kann auch drauf sitzen! Richtig bequem ist das nicht, dafür haben alle, die bei der April-Auktion beim Bieterwettbewerb auf Draht sind, die Chance, ein echtes Kunstobjekt zu erwerben. Dies gilt übrigens auch für Shirō Kuramatas Sing-Sing Chair, einen coolen Armlehnstuhl aus Metall-Maschengeflecht und silbergrau lackiertem Stahlrohr.

HOW HIGH THE MOON
ENTWURF SHIRŌ KURAMATA
1982
Stahl vernickelt
AUKTION 400 // LOT 227
SCHÄTZPREIS € 5.000–7.000
ERGEBNIS: € 5.080 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)
SING SING CHAIR
ENTWURF SHIRŌ KURAMATA
1982
Stahl vernickelt
AUKTION 400 // LOT 228
SCHÄTZPREIS € 1.200–1.500
AUKTION SCHMUCK

 

Auktion am 14. April, 17 Uhr

Vorbesichtigung: 8. bis 12. April
Mo bis Fr von 10 bis 17 Uhr
Sa und So von 10 bis 15 Uhr
Gemäß aktueller Bestimmungen Einlass nach vorheriger Terminvereinbarung

Blaues Wunder.

Dieses Collier mit hell leuchtenden Topasen wurde anlässlich einer Hochzeit handgefertigt, und zwar als Geschenk für die Braut, die es nur an ihrem Hochzeitstag getragen hat. Eine passende Wahl, symbolisieren doch sowohl der Topas als auch die Farbe Hellblau Treue, Harmonie und Beständigkeit.

BLUMENSCHMUCK

Rose, in Ketten gelegt. 

Diese Sautoir Brillantenkette kann – wie bei der Rose zu sehen – mehrfach um den Hals gelegt werden. In der Art DécoPeriode waren diese Preziosen sehr begehrt und wurden in Platin mit Brillanten sowie mit Saphiren, Rubinen und Smaragden in allen Längen angeboten.

Flower Power.

Verneigung vor so großer Kunstfertigkeit der Natur und der Schmuckdesigner:
Anhängerkette besetzt mit edlem Smaragd, dem Inbegriff grüner Farbedel- steine.
Mantelring mit einem natürlichen roten „Old Mine“ Spinell aus Burma.

Paris, 1935. 

Historischer Broschen-Clip mit Diamanten und Rubinen von Boivin.

René Boivin (1864–1917) lebte und arbeitete in Paris. Als ausgezeichneter Designer und Graveur begann er bereits in jungen Jahren eine Karriere im Schmuckbereich. In den 1890er Jahren kaufte er mehrere Werkstätten und ließ sich in der Rue St. Anastase nieder. 1893 heiratete er Jeanne Poiret, und gemeinsam kreierten sie einige der kühnsten und gewagtesten Schmuck-Moden des frühen 20. Jahrhunderts. Nach Boivins frühem Tod führten Frau und Tochter das Unternehmen mit anderen Designerinnen über 40 Jahre lang erfolgreich weiter

TRAUT EUCH!

Blau ist die Farbe des Gefühls. Und so gegensätzlich wie unsere Gefühle selbst. Hellblau steht für Leichtigkeit und Harmonie. Dunkles Blau wirkt melancholisch, ist aber auch romantisch und edel.

Im Spannungsfeld des Farbspektrums bewegen sich zwei Colliers, die NEUMEISTER bei der Frühjahrsauktion aufruft, eines mit himmelblauen Topasen, das andere mit azurblauen Saphiren.

Der Frühling ist da, richten wir den Blick daher zuerst auf den Topas. Er weist eine außergewöhnliche Farbvielfalt auf, von farblos über gelb, braun, grün, rot, violett bis blau. Besonders begehrt ist der in der Natur sehr selten vorkommende Blautopas. Farblose Topase ähneln Diamanten – Verwechslungen nicht ausgeschlossen. Das prominenteste Beispiel dafür ist der Braganza-Diamant (1680 Karat), der sich in der portugie - sischen Krone befindet und lange für einen Diamanten gehalten wurde, in Wirklichkeit aber ein klarer Topas ist. Und noch eine Gemeinsamkeit mit Diamanten gibt es, denn Topas-Edelsteine sind pleochroitisch, zeigen je nach Betrachtungswinkel also unterschiedliche Farben: Ein flackernder Effekt, der dem Topas inneres Feuer verleiht, wie bei einem Diamanten. Meist ist der Topas von einer helleren Farbe, so wie die Steine des Colliers, das nun bei NEUMEISTER zur Versteigerung kommt. 

Schmuckstücke mit blauen Edelsteinen sind das perfekte Hochzeits - geschenk. Und wer bei seiner Angebeteten richtig punkten möchte, greift am besten zu azurblauen Saphiren, die auch das Vintage-Collier (siehe rechts) zieren, das bei NEUMEISTER ebenfalls versteigert wird. Das romantische Blau der Steine steht für Treue und sagt auf sehr charmante und wertschätzende Weise: Vergissmeinnicht.

Um edle Steine ranken sich Legenden. Eine handelt vom Schneckenstein in Sachsen. Nixen sollen an dem 23 Meter hohen Felsen von einem Geist in weingelbe Topase verwandelt worden sein. Fakt ist: August der Starke (1670 –1733), der den Topas liebte, ließ ihn am Schneckenstein zur Schmuckgewinnung abbauen. Heute lassen sich geschliffene Exemplare im Grünen Gewölbe in Dresden bestaunen. 
Sabine von Poschinger,  Expertin für Schmuck 19. bis 20. Jahrhundert, Juwelen

Cheers!
CocktailCollier mit Brillanten und Diamanten im Achtkantschliff.
USA, 1960er Jahre.

 

Noch auf der Suche nach einem zum Drink passenden Diamanten
Wer den Zuschlag für eines der auch zeitgeschichtlich bedeutsamen Kunstwerke erhält, wird damit die Blicke bei der nächsten Cocktail-Party auf sich ziehen.

Passender Drink: Mojito 

5 cl weißer Rum 

2,5 cl Limettensaft 

2 cl Zuckersirup 

6 bis 8 Minzeblätter (frisch) 

Sodawasser zum Auffüllen (rund 4 cl)

Passender Drink: White Russian 
Bekannt aus dem Kultfilm „The Big Lebowski“.

3 cl Wodka

3 cl Kahlua

4 cl Milch

1 cl Sahne

ALLE MAL HERSCHAUEN!

Cocktailschmuck ist auffällig, ein bisschen provokant und liefert stets Gesprächsstoff.

Glänzenden Small Talk garantieren vor allem extravagante Ringe. 

Wenn schon Gesetzesbruch, dann bitte mit Stil!

Lassen wir unsere Geschichte irgendwo in einer Hinterzimmer-Bar in New York spielen. An einem Abend in den Goldenen Zwanzigern, in den USA eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte, aber auch des Gangstertums und der Vergnügungssucht. 

Und der Prohibition, während der man den verbotenen Alkohol nur versteckt trinken konnte – was man auch tat. Wir sehen eine wohlhabende junge Frau. Mit trotzigem Blick unterm Bubikopf macht sie sich fein für die illegale Cocktailparty. Sie will es richtig krachen lassen, die Blicke auf sich ziehen. Also hüllt sie sich in ein verführerisches Kleid im Flapper-Look, wirft sich eine Feder-Boa um, packt eine endlos lange Zigarettenspitze in die elegante Clutch – und platziert einen Ring am Finger. Keine schüchterne Preziose im Prinzessinnenschliff, sondern ein schamloses Teil mit riesigem, dekadent funkelndem Schmuckstein. Schaut her, ein Cocktailring! Cocktailschmuck ist auffällig, ein bisschen provokant und liefert stets Gesprächsstoff. Glänzenden Small Talk garantieren vor allem extravagante Ringe. Blickfang auf jeder Party. [26] Diese Preziose besticht durch den feinen natürlichen Pink Saphir sowie das elegante Erscheinungsbild im Cocktailstil der 1960er und  1970er Jahre.

Passender Drink: Pink Lady 4 cl Gin 1 TL Zitronensaft 1 Schuss Grenadine Sirup 1 ganzes Eiweiß 1 BL Puderzucker 1 Maraschino Kirsche 3 Eiswürfel

Mit den Flüsterparties der Prohibitionszeit (1920–1933) kommt der Cocktailring in Mode. Ein pompöses Schmuckstück, dem der Geist von Rebellion innewohnt. Auffällig, groß und laut. Ein Statement, auch gesellschaftlich, denn Cocktailringe und verwandte Accessoires haben eine klare Message: Alle mal herschauen! Ich bin wohlhabend, lebe selbstbestimmt und stehe gern im Mittelpunkt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Cocktailparty-Tradition, nunmehr legal, in den USA weitergeführt und in Wohnzimmern zum gesellschaftlichen Ritual. Wie spritzig sich solche Feierabend-Treffs ausgestalten ließen, zeigen vergnügliche Hollywoodfilme der 1950er und 1960er Jahre. Zeitversetzt erfasste der Trend dann auch Wirtschaftswunder-Deutschland. Im Unterschied zu den USA, wo man zu solchen Anlässen gerne extravaganten Cocktailschmuck trug, ging es hierzulande dezenter zu, war eher eleganter Juwelenschmuck angesagt. Hier wie dort war dem Cocktailring Aufmerksamkeit gewiss, denn bei Steh-Parties hält man das Glas meist in der Hand. Und so erfüllte der Ring seinen hauptsächlichen Zweck: die Trägerin ins Gespräch zu bringen und möglicherweise einen Flirt anzubahnen

Ob vor hundert Jahren im Zwielicht eines versteckten Hinterhof-Etablissements in New York oder heute in einer Hipster-Bar: Ein Cocktailring – mit dem übrigens auch Männer ihren persönlichen Stil unterstreichen dürfen – wird seine Wirkung nicht verfehlen. Vor allem opulente VintageKlunker sind der perfekte kommunikative Opener, denn sie haben Geschichten zu erzählen. Schnell kommt man sich dann bei einem Gimlet oder Manhattan näher und flüstert an der Bar zum Beispiel über Al Capone und die Ruhmestaten der Barkeeper der Prohibitionszeit; jene Zeremonienmeister, die stets im Sinn hatten, den schwarz gebrannten Fusel trinkbar zu machen und seinen eigenwilligen Geschmack mit ideenreichen Cocktail-Kreationen zu überdecken.

Es ist schon verrückt. Erleben wir gerade eine Art Flashback zurück in die 1920er Jahre? Damals wie heute sind Bar-Besuche tabu, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Doch es gibt ja nicht nur die Sehnsucht nach ausgelassenen Parties, sondern auch die Hoffnung, dass diese in naher Zukunft wieder möglich sein werden. Allein die Vorahnung auf eine Zeit, in der es sich ohne Reue wieder analog und leibhaftig flüstern und flirten lässt, macht uns glücklich! Verkürzen wir uns das Warten doch mit dem Aussuchen der coolsten Location, des perfekten Outfits, des originellsten Toasts, der aufwändigsten Frisur – und zeitlos schönem Cocktailschmuck, wie er bei der NEUMEISTER-Frühjahrsauktion zu haben sein wird (kjk)

„Bis heute ist der Cocktailring ein Eye-Catcher, denn allein aufgrund seiner schieren Größe und seinen schillernden Farben kann er nicht übersehen werden. Als Allrounder, je nach Geschmack und Liquidität mit Edel- oder Schmucksteinen besetzt, wertet er – gern in ironischer Brechung – jedes Outfit auf, kann zu Jeans und T-Shirt oder Büro-Outfit ebenso getragen werden wie zum kleinen Schwarzen.
Beate Kalisch,  Expertin für Schmuck 18. bis 20. Jahrhundert, Diamanten, Edelsteine und Perlen.

DER LETZTE PHARAO UND SEIN GOLDBECHER

GOLDBECHER MIT BRILLANTEN AUS DEM BESITZ KÖNIG FARUKS I. ÄGYPTEN, ALEXANDRIA, 1. HÄLFTE 20. JH.

AUKTION 400 // LOT 329
SCHÄTZPREIS € 13.000–15.000

Im Alter von 16 Jahren besteigt König Faruk I. 1936 Ägyptens Königsthron. Der seit seiner Kindheit verhätschelte Jugendliche folgt seinem Vater Fuad I., der das ägyptische Königreich 1922 gegründet hatte. Faruk I. ist ein mieser Regent, gerät durch Misswirtschaft, Korruption und einen ausschweifenden Lebensstil in die Schlagzeilen. Am 23. Juli 1952 wird der Mann, der sich für Ägyptens letzten Pharao hält, durch einen Putsch von General Muhammad Nagib und Oberstleutnant Gamal Abd el-Nasser, dem langjährigen Präsidenten der später neu ausgerufenen Republik, gestürzt.

Faruk, nunmehr 32 Jahre alt, begibt sich nach Italien ins Exil, weint der verlorenen Macht jedoch nicht nach. Dolce vita ist angesagt, ein echter Playboy will er jetzt sein, so einer wie Gunter Sachs oder Alfonso Prinz zu Hohenlohe. Fotos zeigen, dass der korpulente Ex-Monarch die Rolle des kosmopolitischen Lebemanns gerne spielt, auch wenn das meist daneben geht. Faruk gibt ein Vermögen bei Einkaufstouren, in Kasinos sowie für Liebschaften aus – und für gutes Essen. So auch am 18. März 1965 im Nobel-Restaurant „Ile de France“ in Rom. Dort ereilt ihn nach einem üppigen Dinner und einer letzten Zigarre mit 45 Jahren der Tod. Ein Hirnschlag oder Herzinfarkt soll es gewesen sein, auch das Gerücht von einem vergifteten Hummer macht die Runde.

Nicht viel erinnert in Ägypten an den einstigen Monarchen. Der königliche Besitz war ja schon 1954 in Kairo im Koubbeh-Palast versteigert worden. Gut, da gab es eine Elefantenschildkröte, die Faruk dem Zoo von Kairo geschenkt hatte, aber die starb 2006 im Alter von 250 Jahren. Und so horchen Kunstfreunde mit Faible für Fürstliches aus Ägypten auf, wenn Dinge königlicher Provenienz auftauchen – wie der aus Faruks Besitz stammende Goldbecher, der im April bei NEUMEISTER versteigert wird und viel über Lebensstil und Selbstverständnis des einstigen Besitzers aussagt. Das gilt vor allem für die mit Brillanten besetzte, stilisierte Papyruspflanze auf der Wandung. Papyrus war im alten Ägypten dem Pharao vorbehalten: Faruk, der letzte Pharao.

ZEITLOS ELEGANT

Die Auswahl an luxuriösen HerrenArmbanduhren ist vielschichtig. Maßgeblich für den Kaufpreis sind Material, Uhrwerk und Exklusivität der Marke. Am oberen Ende der Preisskala bewegen sich die klassisch eleganten, zeitlos perfekten und äußerst schlichten Zeitmesser der Genfer LuxusuhrenManufaktur Patek Philippe. Die von NEUMEISTER bei der April-Auktion (in sehr gutem Zustand, mit Original-Holz-Box und -Lederarmband) angebotene Gold-Uhr besticht durch ihre klare, aufgeräumte Ästhetik. Auf der Rückseite befindet sich eine runde Glasab - deckung, wodurch das Uhrwerk sichtbar ist. Ein zeitloser Hingucker im unnachahmlichen Patek Philippe Stil – und eine echte Geldanlage.