Carl Spitzweg - Wachtposten vor dem Einlasstor

Auktion 389, Kat.-Nr. 649

Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 24. September 2020

Carl Spitzweg

Wachtposten vor dem Einlasstor

Schätzpreis:
€ 30.000 bis € 35.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 58.420 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:
Carl Spitzweg
1808 München - 1885 ebenda

Wachtposten vor dem Einlasstor


R. u. Nachlass-Stempel (Lugt 2307). Öl auf Lwd. 33 x 18,2 cm. Rest. Min. besch. Rahmen.

Auch bei diesem Gemälde beschäftigt sich Carl Spitzweg mit dem Polizeiwesen seiner Zeit. Wie bei der "Scharwache", Kat.-Nr. 648 dieser Auktion, ist ein hilfreicher Mitarbeiter der Obrigkeit dargestellt. Er ist von hinten, vor einem Torbogen stehend, zu sehen. Den Oberkörper neigt er leicht nach rechts, denn er versucht eine Gestalt zu beobachten, die im Mittelgrund in der Gasse halb von einer Hauswand verdeckt ist. Das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett hat er vor sich abgestellt. Auch dieser Wachtposten scheint mit seiner altertümlichen Uniformierung aus der Zeit gefallen.

Im Polizeistaat, der nach 1848 errichtet wurde, erhob man die genaue Beobachtung des Tuns der Mitmenschen, ja deren Bespitzeln zur Tugend. Die Verunsicherung unter der Bevölkerung war nicht klein, die Urteile der Gerichte nicht unumstritten und bisweilen willkürlich. Dies könnte der Grund sein, warum sich die Gestalt im Hintergrund zur Hälfte versteckt. Andererseits kommt der Wachtposten seiner Aufgabe in eher lethargischer Weise nach, er scheint des Beobachtens seiner Mitmenschen möglicherweise überdrüssig zu sein. Nicht genau identifiziert werden kann das Objekt, das er unter dem Arm hält. Hat es die zweite Gestalt verloren, ist es am Ende fallengelassenes Diebesgut? Der Wachtposten, da er den Zweiten ohne Eile mit seinem Blick zu erfassen sucht, scheint sich gar zu überlegen, den Gegenstand für sich selbst zu behalten ...

Literatur: Wichmann, Siegfried, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke - Gemälde und Aquarelle. Stuttgart 2002, S. 284 f., WVZ-Nr. 560 (mit Abb.): dort um 1860 datiert. Wichmann stellt in der Bearbeitung von drei Fassungen des Themas die vorliegende an die erste Stelle und sieht sie damit als am frühesten entstanden an.


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. Nachlass-Stempel (Lugt 2307)
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
33 x 18,2 cm
Zustand:
Rest. Min. besch
Rahmen:
Rahmen
Kommentar:
Auch bei diesem Gemälde beschäftigt sich Carl Spitzweg mit dem Polizeiwesen seiner Zeit. Wie bei der "Scharwache", Kat.-Nr. 648 dieser Auktion, ist ein hilfreicher Mitarbeiter der Obrigkeit dargestellt. Er ist von hinten, vor einem Torbogen stehend, zu sehen. Den Oberkörper neigt er leicht nach rechts, denn er versucht eine Gestalt zu beobachten, die im Mittelgrund in der Gasse halb von einer Hauswand verdeckt ist. Das Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett hat er vor sich abgestellt. Auch dieser Wachtposten scheint mit seiner altertümlichen Uniformierung aus der Zeit gefallen. Im Polizeistaat, der nach 1848 errichtet wurde, erhob man die genaue Beobachtung des Tuns der Mitmenschen, ja deren Bespitzeln zur Tugend. Die Verunsicherung unter der Bevölkerung war nicht klein, die Urteile der Gerichte nicht unumstritten und bisweilen willkürlich. Dies könnte der Grund sein, warum sich die Gestalt im Hintergrund zur Hälfte versteckt. Andererseits kommt der Wachtposten seiner Aufgabe in eher lethargischer Weise nach, er scheint des Beobachtens seiner Mitmenschen möglicherweise überdrüssig zu sein. Nicht genau identifiziert werden kann das Objekt, das er unter dem Arm hält. Hat es die zweite Gestalt verloren, ist es am Ende fallengelassenes Diebesgut? Der Wachtposten, da er den Zweiten ohne Eile mit seinem Blick zu erfassen sucht, scheint sich gar zu überlegen, den Gegenstand für sich selbst zu behalten ... Literatur: Wichmann, Siegfried, Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke - Gemälde und Aquarelle. Stuttgart 2002, S. 284 f., WVZ-Nr. 560 (mit Abb.): dort um 1860 datiert. Wichmann stellt in der Bearbeitung von drei Fassungen des Themas die vorliegende an die erste Stelle und sieht sie damit als am frühesten entstanden an.