Ottmar Elliger - Der Tod der Sophonisbe

Auktion 390, Kat.-Nr. 592

Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 3. Dezember 2020

Ottmar Elliger

Der Tod der Sophonisbe

Schätzpreis:
€ 15.000 bis € 20.000

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noch erhältlich
Beschreibung:
Ottmar Elliger
1666 Hamburg - 1735 St. Petersburg

Der Tod der Sophonisbe


Die Königin erhält von einem Diener den Todesbefehl ihres Gatten Masinissa und den Giftbecher überbracht (Livius XXX, 15). R. u. (auf der Lehne des Thrones) Reste der Signatur. Öl auf Lwd. 45,5 x 40,3 cm. Doubliert. Rest. Rahmen min. besch.

Eine hinsichtlich der Pinselführung und Umsetzung von Details deutlich gröbere Replik des Gemäldes von der Hand Elligers befindet sich im Bestand der Hamburger Kunsthalle (Inv.-Nr. 684).

Sophonisbe war die Tochter des karthagischen Feldherrn Hasdrubal und Königin von Numidien. Im Zweiten Punischen Krieg wurde sie im Sinne der Heiratspolitik ihres Vaters mit dem westnumidischen König Syphax verheiratet. Nach der Niederlage ihres Mannes im Kampf gegen die Römer und ihren ehemaligen Verlobten Masinissa fiel sie in deren Hände. Masinissa heiratete Sophonisbe. Diese Eheschließung missfiel den Römern und Scipio Africanus dermaßen, dass sie Masinissa nötigten, seiner Frau den Giftbecher zu übersenden. Diese trank ihn mit größter Würde.

Das Schicksal der Sophonisbe zeigt in großer Deutlichkeit, wie - nicht nur in der Antike - Frauen zum Instrument väterlicher Heiratspolitik gemacht wurden. Durch das Trinken des Giftbechers triumphiert in der Gestalt der Sophonisbe die Liebe über den Tod. Die Geschichte Sophonisbes wurde über die Jahrhunderte immer wieder literarisch behandelt, auch bildete sie vor allem im 18. Jahrhundert das Sujet mehrerer Opern.

Ottmar Elliger d. J. war der Sohn und Schüler seines gleichnamigen Vaters (1633-1679), eines bedeutenden Stilllebenmalers. Nach dessen Tod übersiedelte er nach Amsterdam. Dort arbeitete er ab 1686 unter Gerard de Lairesse an umfangreichen Projekten zur malerischen Dekoration herrschaftlicher Häuser mit. Er beschäftigte sich als Maler überwiegend mit historischen Themen, sein Stil lässt den klassizistischen Einfluss Lairesses erkennen. Dennoch unterscheidet er sich von dessen Arbeiten durch eine deutlich kapriziösere, "barockere" Art der Darstellung.

Provenienz: Kunsthandel Julius Böhler, München (1976). - Kunsthandel London (1979). - R. Noortman Gallery, London, 1980, Nr. 15. - Galerie St. Lucas, Wien. - Alex Wengraf, London. Dort im April 1985 erworben. - Aus dem Nachlass eines hessischen Sammlers.

Literatur: The Connoisseur 193 (September 1976), S. 15. - Weltkunst 50. Jg. (1980), H. 24, Abb. S. 3611. - Roll, Carmen, Ottmar Elliger d. J. (1666-1732) - Leben und Werk, Univ. Diss. Augsburg 2002, S. 69, WVZ-Nr. 22 (mit Abb. 59).


Titel-Zusatz:
Die Königin erhält von einem Diener den Todesbefehl ihres Gatten Masinissa und den Giftbecher überbracht (Livius XXX, 15)


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. (auf der Lehne des Thrones) Reste der Signatur
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
45,5 x 40,3 cm
Zustand:
Doubliert. Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Kommentar:
Eine hinsichtlich der Pinselführung und Umsetzung von Details deutlich gröbere Replik des Gemäldes von der Hand Elligers befindet sich im Bestand der Hamburger Kunsthalle (Inv.-Nr. 684). Sophonisbe war die Tochter des karthagischen Feldherrn Hasdrubal und Königin von Numidien. Im Zweiten Punischen Krieg wurde sie im Sinne der Heiratspolitik ihres Vaters mit dem westnumidischen König Syphax verheiratet. Nach der Niederlage ihres Mannes im Kampf gegen die Römer und ihren ehemaligen Verlobten Masinissa fiel sie in deren Hände. Masinissa heiratete Sophonisbe. Diese Eheschließung missfiel den Römern und Scipio Africanus dermaßen, dass sie Masinissa nötigten, seiner Frau den Giftbecher zu übersenden. Diese trank ihn mit größter Würde. Das Schicksal der Sophonisbe zeigt in großer Deutlichkeit, wie - nicht nur in der Antike - Frauen zum Instrument väterlicher Heiratspolitik gemacht wurden. Durch das Trinken des Giftbechers triumphiert in der Gestalt der Sophonisbe die Liebe über den Tod. Die Geschichte Sophonisbes wurde über die Jahrhunderte immer wieder literarisch behandelt, auch bildete sie vor allem im 18. Jahrhundert das Sujet mehrerer Opern. Ottmar Elliger d. J. war der Sohn und Schüler seines gleichnamigen Vaters (1633-1679), eines bedeutenden Stilllebenmalers. Nach dessen Tod übersiedelte er nach Amsterdam. Dort arbeitete er ab 1686 unter Gerard de Lairesse an umfangreichen Projekten zur malerischen Dekoration herrschaftlicher Häuser mit. Er beschäftigte sich als Maler überwiegend mit historischen Themen, sein Stil lässt den klassizistischen Einfluss Lairesses erkennen. Dennoch unterscheidet er sich von dessen Arbeiten durch eine deutlich kapriziösere, "barockere" Art der Darstellung. Provenienz: Kunsthandel Julius Böhler, München (1976). - Kunsthandel London (1979). - R. Noortman Gallery, London, 1980, Nr. 15. - Galerie St. Lucas, Wien. - Alex Wengraf, London. Dort im April 1985 erworben. - Aus dem Nachlass eines hessischen Sammlers. Literatur: The Connoisseur 193 (September 1976), S. 15. - Weltkunst 50. Jg. (1980), H. 24, Abb. S. 3611. - Roll, Carmen, Ottmar Elliger d. J. (1666-1732) - Leben und Werk, Univ. Diss. Augsburg 2002, S. 69, WVZ-Nr. 22 (mit Abb. 59).