Andrea del Sarto (Andrea dAgnolo [di Francesco]) - Maria mit dem Kind, dem Johannesknaben und drei Engeln

Auktion 390, Kat.-Nr. 541

Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 3. Dezember 2020

Andrea del Sarto (Andrea dAgnolo [di Francesco])

Maria mit dem Kind, dem Johannesknaben und drei Engeln

Schätzpreis:
€ 40.000 bis € 50.000

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noch erhältlich
Beschreibung:
Andrea del Sarto (Andrea dAgnolo [di Francesco])
1486 Florenz - 1530 ebenda, Nachfolge

Maria mit dem Kind, dem Johannesknaben und drei Engeln


Öl auf Lwd. 126 x 100 cm. Doubliert. Rest. Rahmen min. besch.

Die sitzende Muttergottes hält mit der rechten Hand behutsam das Christuskind auf ihrem Schoß. Während dieses seinen Blick auf zwei der assistierenden Engel lenkt, wendet sich Maria dem Johannesknaben zu, der links von ihr steht und liebevoll Schulter und Oberarm Mariens berührt. Hinterfangen wird die Szene von einem Baldachin, der kunstvoll an zwei Astgabeln befestigt ist.

Die vorliegende Komposition war im 16. Jahrhundert sehr populär. Sie geht auf ein - offenbar verschollenes - Vorbild Andrea del Sartos zurück, die sog. Madonna Corsini. Nach Giorgio Vasari schuf Sarto diese für Alessandro Corsini, das Aussehen des Originals ist durch eine Kopie überliefert, die sich lange Zeit in der Capella Corsini in San Gaggio bei Florenz befand.

Zahlreiche Kopien, aber auch variierende Versionen lassen sich bis heute nachweisen. Auch Künstler aus nordalpinen Kunstkreisen ließen sich von Del Sartos Vorbild inspirieren: So wurde vor Kurzem eine deutlich variierende Kopie als Werk Cornelis van Cleves im Auktionshandel angeboten (Dorotheum, Wien, Auktion 17. Oktober 2017, Kat.-Nr. 24). Ein kleinere Version van Cleves befindet sich im Chrysler Museum of Art in Norfolk, Virginia (Inv.-Nr. 2014.34). Ebenso hat Vincent Sellaer die Madonna Corsini abwandelnd kopiert (vgl. Dorotheum, Wien, Auktion 25. April 2017, Kat.-Nr. 45).

Auch bei unserem Gemälde handelt es sich - bei allen kompositionellen und detailbezogenen Übereinstimmungen - nicht um eine starre Kopie, sondern um eine variierende Weiterentwicklung eines noch unbekannten Meisters. Die Variation betrifft die Darstellung am unteren Rand. Auffallend an dieser Variante ist das beigegebene Notenblatt in der rechten unteren Ecke. An dieser Stelle befand sich auf dem verschollenen Original offenbar ein Blatt mit der Signatur des Künstlers. Das Notenblatt findet sich jedoch auch auf anderen Kopien. Besonders interessant hingegen ist die Beifügung von Johanniskrautblüten annähernd in der Mitte des unteren Randes. Das Johanniskraut - im Volksmund auch als "Herrgottsblut" bezeichnet - blüht in der Zeit des Johannestages (24. Juni) und steht damit traditionell in ikonographischer Verbindung mit Johannes dem Täufer.

Stilistische Übereinstimmungen lassen sich mit einer als sehr qualitätvoll erachteten Kopie in Petworth House, East Sussex (Sammlung Duke of Buckingham; Öl auf Holz 132 x 97 cm) feststellen. Hinsichtlich der Physiognomie Mariens sehr ähnlich ist eine Fassung in Stourhead House, Wiltshire, The Hoare Collection (National Trust, NT 732112; Öl auf Holz 111 x 92 cm). Auffallend an den Kopien nach dem verlorenen Original ist die unterschiedliche Behandlung der Farbigkeit der Kleidung.

Die einzigen in der Literatur bekannten Kopien nach der Madonna Corsini größeren Formats (des annähernden Originalformats?) auf Leinwand befinden sich im Palais des Beaux-Arts in Lille bzw. wurden 1953 im holländischen Kunsthandel angeboten. Vgl. hierzu Shearman (s. u.), S. 219, Nr. 32 VI (ein Gemälde, das am 6. Dezember 1953 bei Mak in Dordrecht mit Kat.-Nr. 487 versteigert wurde; 126 x 108 cm) und Nr. 32 VIII (das Gemälde in Lille, 121 x 101 cm).

Literatur: Shearman, John, Andrea del Sarto. London 1965, Bd. 2, S. 217-219, WVZ-Nr. 32: zur Madonna Corsini und den damals bekannten Kopien.

Provenienz: Privatsammlung Österreich.


Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
126 x 100 cm
Zustand:
Doubliert. Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Provenienz:
Privatsammlung Österreich.
Kommentar:
Die vorliegende Komposition war im 16. Jahrhundert sehr populär. Sie geht auf ein - offenbar verschollenes - Vorbild Andrea del Sartos zurück, die sog. Madonna Corsini. Nach Giorgio Vasari schuf Sarto diese für Alessandro Corsini, das Aussehen des Originals ist durch eine Kopie überliefert, die sich lange Zeit in der Capella Corsini in San Gaggio bei Florenz befand. Zahlreiche Kopien, aber auch variierende Versionen lassen sich bis heute nachweisen. Auch Künstler aus nordalpinen Kunstkreisen ließen sich von Del Sartos Vorbild inspirieren: So wurde vor Kurzem eine deutlich variierende Kopie als Werk Cornelis van Cleves im Auktionshandel angeboten (Dorotheum, Wien, Auktion 17. Oktober 2017, Kat.-Nr. 24). Ein kleinere Version van Cleves befindet sich im Chrysler Museum of Art in Norfolk, Virginia (Inv.-Nr. 2014.34). Ebenso hat Vincent Sellaer die Madonna Corsini abwandelnd kopiert (vgl. Dorotheum, Wien, Auktion 25. April 2017, Kat.-Nr. 45). Auch bei unserem Gemälde handelt es sich - bei allen kompositionellen und detailbezogenen Übereinstimmungen - nicht um eine starre Kopie, sondern um eine variierende Weiterentwicklung eines noch unbekannten Meisters. Die Variation betrifft die Darstellung am unteren Rand. Auffallend an dieser Variante ist das beigegebene Notenblatt in der rechten unteren Ecke. An dieser Stelle befand sich auf dem verschollenen Original offenbar ein Blatt mit der Signatur des Künstlers. Das Notenblatt findet sich jedoch auch auf anderen Kopien. Besonders interessant hingegen ist die Beifügung von Johanniskrautblüten annähernd in der Mitte des unteren Randes. Das Johanniskraut - im Volksmund auch als "Herrgottsblut" bezeichnet - blüht in der Zeit des Johannestages (24. Juni) und steht damit traditionell in ikonographischer Verbindung mit Johannes dem Täufer. Stilistische Übereinstimmungen lassen sich mit einer als sehr qualitätvoll erachteten Kopie in Petworth House, East Sussex (Sammlung Duke of Buckingham; Öl auf Holz 132 x 97 cm) feststellen. Hinsichtlich der Physiognomie Mariens sehr ähnlich ist eine Fassung in Stourhead House, Wiltshire, The Hoare Collection (National Trust, NT 732112; Öl auf Holz 111 x 92 cm). Auffallend an den Kopien nach dem verlorenen Original ist die unterschiedliche Behandlung der Farbigkeit der Kleidung. Die einzigen in der Literatur bekannten Kopien nach der Madonna Corsini größeren Formats (des annähernden Originalformats?) auf Leinwand befinden sich im Palais des Beaux-Arts in Lille bzw. wurden 1953 im holländischen Kunsthandel angeboten. Vgl. hierzu Shearman (s. u.), S. 219, Nr. 32 VI (ein Gemälde, das am 6. Dezember 1953 bei Mak in Dordrecht mit Kat.-Nr. 487 versteigert wurde; 126 x 108 cm) und Nr. 32 VIII (das Gemälde in Lille, 121 x 101 cm). Literatur: Shearman, John, Andrea del Sarto. London 1965, Bd. 2, S. 217-219, WVZ-Nr. 32: zur Madonna Corsini und den damals bekannten Kopien.