Antonio Beduzzi - Entwurf für den Zuschauerraum eines kaiserlichen Theaters

Auktion 389, Kat.-Nr. 517

Gemälde und Graphiken 15. – 20. Jh. am 24. September 2020

Antonio Beduzzi

Entwurf für den Zuschauerraum eines kaiserlichen Theaters

Schätzpreis:
€ 10.000 bis € 15.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 12.700 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:
Antonio Beduzzi
1675 Bologna - 1735 Wien

Entwurf für den Zuschauerraum eines kaiserlichen Theaters


R. o. mit Feder in Braun nummeriert "No 27", r. u. Bleistiftnummerierung "N 26". Feder in Schwarz, grau laviert, gerändert, auf Bütten (Wz Lilie in bekröntem Wappenschild mit anhängendem "W"). 50,4 x 33,5 cm. Faltspuren. Rest. Fleckig. Rahmen min. besch.

Blick von der Bühne in das Auditorium. Über sieben stufenförmig aufsteigenden Sitzreihen erhebt sich der Zuschauerraum mit zwei Rängen. Die sog. Cavea kann durch ein großzügiges Mittelportal betreten werden, die Ränge werden von jeweils drei Eingängen erschlossen. Die Mittelloge im ersten Rang wird von zwei Karyatiden flankiert, die Bedeutung des ersten Ranges unterstreichen die diesen optisch stützenden Hermenpilaster. Die ornamentale Gestaltung der Wandflächen wird von großen Feldern mit Trophäendekoration dominiert. Die Decke ist offenbar freskiert gedacht, die Architektur des Innenraumes wird in den Deckenspiegel hinein in Form gemalter Scheinarchitektur fortgesetzt.

In den Sammlungen der Mährischen Galerie in Brünn befinden sich mit dem "Grundriss des Theaters" (Inv.-Nr. B 14 755) und der "Vorderansicht der Theaterloge" zwei weitere Zeichnungen Antoni Beduzzis zu diesem Theaterprojekt. Auch diese stammen aus der Sammlung Franz Anton Grimms (s. u.) und tragen die Nummern 26 und 28. Ergänzt werden diese Blätter durch Zeichnungen Beduzzis in den Kunstsammlungen des Stifts Seitenstetten (Inv.-Nr. G 2-11-1-9): Dargestellt sind dort u. a. Grund- und Aufriss des Zuschauerraumes, die linke Proszeniumsloge mit der halben, vom kaiserlichen Wappen bekrönten Bühne.

Seit 1708 wurde in Wien nach Plänen Antonio Beduzzis mit kaiserlichem Privilegium das Kärntnertortheater erbaut. Es befand sich annähernd an der Stelle des heutigen Hotels Sacher. 1761 wurde es durch einen Brand zerstört. Auf gegen Ende des Jahres 1709 datiert Wilhelm Georg Rizzi das Projekt für das kaiserliche Theater. Rizzi lokalisiert es im Umfeld der "Bellaria" (beim Leopoldinischen Trakt der Wiener Hofburg). Bereits im September 1708 hatte der Verwalter des Grafen Harrach vom Auftrag "von Ihre Mayestet [an Antonio Beduzzi berichtet,] daß er ein Grundriß mußte machen zu einem Comedi Haus so auf der pastei gebauet sollte warden".

Die vorliegende Zeichnung ist ein höchst bedeutendes Dokument der Theaterarchitektur des frühen 18. Jahrhunderts, nicht nur im Wien Kaiser Josefs I. sondern europaweit. Geschaffen von Antonio Beduzzi, einem hochgeschätzten Maler-Architekten, der auch als Theater-Ingenieur Aufträge von höchsten Stellen erhielt. Seit 1695 lebte Beduzzi in Wien. Zu seinen frühesten Werken von Bedeutung zählt die Ausmalung der Sakristei des Stifts Melk (1701). 1708 erfolgte in der Nachfolge Ludovico Burnacinis seine Bestallung zum kaiserlichen "Theatral-Ingenieur". Als solcher arbeitete er eng mit Francesco Galli-Bibiena, Mitglied der bedeutenden Theaterarchitektenfamilie, zusammen. Ab 1705 ist zudem die Zusammenarbeit mit Johann Lucas von Hildebrandt nachweisbar. Beduzzis Schaffen zeichnete sich durch eine ungeheure Bandbreite aus, die ihn zum universell einsetzbaren Künstler, dem die Entwürfe für Dekorationen, Skulpturen, Fresken und Architektur oblagen, machte. Seit 1724 war er alleiniger Hausarchitekt des Fürsten Liechtenstein, für den er bis zu seinem Tod vor allem dessen Projekte in Mähren verantwortete.

Provenienz: Ehem. Sammlung des Architekten Franz Anton Grimm (1710 Brünn - 1784 ebenda). - Sammlung der Grafen zu Salm-Reifferscheidt, Raitz (heute Rájec nad Svitavou). - Süddeutscher Privatbesitz.
Die ehemalige (Plan-) Sammlung des Barockarchitekten Franz Anton Grimm befand sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Schloss Raitz. Ein großer Teil der Grimmschen Sammlung ging in den Bestand der Mährischen Galerie in Brünn ein, ein kleinerer Teil befindet sich bis heute in Raitz.

Literatur: Rizzi, Wilhelm Georg, Ein Theaterprojekt für den kaiserlichen Hof von Antonio Beduzzi, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege LXV (2011), H. 4, S. 390-398: zur Geschichte des Theaterprojekts, den bislang bekannten Entwürfen und zum geplanten Standort im Kontext der Wiener Hofburg.

Wir danken Prof. Dr. Jiri Kroupa, Brünn, und Dr. Wilhelm Georg Rizzi, Wien, für ihre umfassende Unterstützung der Recherchen.


Signatur-Bez-Vorne:
R. o. mit Feder in Braun nummeriert "No 27", r. u. Bleistiftnummerierung "N 26"
Technik:
Feder in Schwarz, grau laviert, gerändert,
Träger:
auf Bütten (Wz Lilie in bekröntem Wappenschild mit anhängendem "W")
Maße:
50,4 x 33,5 cm
Zustand:
Faltspuren. Rest. Fleckig
Rahmen:
Rahmen min. besch
Danksagung:
Wir danken Prof. Dr. Jiri Kroupa, Brünn, und Dr. Wilhelm Georg Rizzi, Wien, für ihre umfassende Unterstützung der Recherchen.
Kommentar:
In den Sammlungen der Mährischen Galerie in Brünn befinden sich mit dem "Grundriss des Theaters" (Inv.-Nr. B 14 755) und der "Vorderansicht der Theaterloge" zwei weitere Zeichnungen Antoni Beduzzis zu diesem Theaterprojekt. Auch diese stammen aus der Sammlung Franz Anton Grimms (s. u.) und tragen die Nummern 26 und 28. Ergänzt werden diese Blätter durch Zeichnungen Beduzzis in den Kunstsammlungen des Stifts Seitenstetten (Inv.-Nr. G 2-11-1-9): Dargestellt sind dort u. a. Grund- und Aufriss des Zuschauerraumes, die linke Proszeniumsloge mit der halben, vom kaiserlichen Wappen bekrönten Bühne. Seit 1708 wurde in Wien nach Plänen Antonio Beduzzis mit kaiserlichem Privilegium das Kärntnertortheater erbaut. Es befand sich annähernd an der Stelle des heutigen Hotels Sacher. 1761 wurde es durch einen Brand zerstört. Auf gegen Ende des Jahres 1709 datiert Wilhelm Georg Rizzi das Projekt für das kaiserliche Theater. Rizzi lokalisiert es im Umfeld der "Bellaria" (beim Leopoldinischen Trakt der Wiener Hofburg). Bereits im September 1708 hatte der Verwalter des Grafen Harrach vom Auftrag "von Ihre Mayestet [an Antonio Beduzzi berichtet,] daß er ein Grundriß mußte machen zu einem Comedi Haus so auf der pastei gebauet sollte warden". Die vorliegende Zeichnung ist ein höchst bedeutendes Dokument der Theaterarchitektur des frühen 18. Jahrhunderts, nicht nur im Wien Kaiser Josefs I. sondern europaweit. Geschaffen von Antonio Beduzzi, einem hochgeschätzten Maler-Architekten, der auch als Theater-Ingenieur Aufträge von höchsten Stellen erhielt. Seit 1695 lebte Beduzzi in Wien. Zu seinen frühesten Werken von Bedeutung zählt die Ausmalung der Sakristei des Stifts Melk (1701). 1708 erfolgte in der Nachfolge Ludovico Burnacinis seine Bestallung zum kaiserlichen "Theatral-Ingenieur". Als solcher arbeitete er eng mit Francesco Galli-Bibiena, Mitglied der bedeutenden Theaterarchitektenfamilie, zusammen. Ab 1705 ist zudem die Zusammenarbeit mit Johann Lucas von Hildebrandt nachweisbar. Beduzzis Schaffen zeichnete sich durch eine ungeheure Bandbreite aus, die ihn zum universell einsetzbaren Künstler, dem die Entwürfe für Dekorationen, Skulpturen, Fresken und Architektur oblagen, machte. Seit 1724 war er alleiniger Hausarchitekt des Fürsten Liechtenstein, für den er bis zu seinem Tod vor allem dessen Projekte in Mähren verantwortete. Provenienz: Ehem. Sammlung des Architekten Franz Anton Grimm (1710 Brünn - 1784 ebenda). - Sammlung der Grafen zu Salm-Reifferscheidt, Raitz (heute Rájec nad Svitavou). - Süddeutscher Privatbesitz. Die ehemalige (Plan-) Sammlung des Barockarchitekten Franz Anton Grimm befand sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Schloss Raitz. Ein großer Teil der Grimmschen Sammlung ging in den Bestand der Mährischen Galerie in Brünn ein, ein kleinerer Teil befindet sich bis heute in Raitz. Literatur: Rizzi, Wilhelm Georg, Ein Theaterprojekt für den kaiserlichen Hof von Antonio Beduzzi, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege LXV (2011), H. 4, S. 390-398: zur Geschichte des Theaterprojekts, den bislang bekannten Entwürfen und zum geplanten Standort im Kontext der Wiener Hofburg.