Am Ufer IV

Auktion 381, Kat.-Nr. 466

ALTE KUNST am 26. September 2018

Am Ufer IV

Schätzpreis:
€ 25.000 bis € 30.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 55.880 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Putz, Leo
1869 Meran - 1940 ebenda

Am Ufer IV


R. u. signiert. Öl auf Lwd. 53,5 x 45 cm. Rahmen besch.

Frau Sigrid Putz, Gauting, hat die Echtheit am 2. August 2018 bestätigt. Wir danken für freundliche Auskunft und ihre Unterstützung bei der wissenschaftlichen Bearbeitung.

Vgl. Putz, Helmut, Leo Putz - Werksverzeichnis in 2 Bänden. Gauting 1994, S. 666, WVZ-Nrn. 498-500 (mit Abb.): Am Ufer I - III, 1911.

Die bisher bekannten drei Fassungen des Gemäldes "Am Ufer" schuf Leo Putz bei seinem Sommeraufenthalt 1911 in Hartmannsberg beim Chiemsee. Die ersten beiden Versionen zeigen ein blondes Modell, während in der dritten und größten Version ein dunkelhaariger Frauenakt zu sehen ist.
Unser Gemälde variiert die verschiedenen Bildelemente bzw. kombiniert sie neu, Putz verwendet ein etwas verändertes Standmotiv und der Hintergrund übernimmt das freie Kompositionsschema der ersten beiden Fassungen, das in der dritten durch das Laub von Uferbäumen ergänzt wurde.

Wie viele seiner Künstlerkollegen der Moderne schuf Leo Putz häufig mehrere Varianten einer Komposition. So konnte er durch die verschiedenartige Behandlung des Inkarnats, der Perspektive oder durch die Verteilung seiner charakteristischen Licht-und Sonnenflecken immer wieder neue Sehaspekte kreieren, zum Anderen spielte aber auch die erhebliche Nachfrage nach seinen Kahnbildern eine Rolle und bewog ihn, Variationen des selben Themas zu schaffen.

Das dunkelhaarige Modell findet sich auf mehreren späteren Bildern des Künstlers wieder, wie in "Die badenden Schwestern" oder "Badendes Mädchen" aus dem Jahre 1914 (vgl. Putz WVZ-Nrn 524 u. 525) und ist als Toni Hasch identifizierbar, bei dem Modell mit Hut handelt es sich um ihre Schwester Mina.

Im Spiel von vibrierendem Licht und Schatten entfaltet sich in Putz Kahnbildern mit weiblichem Akt die Poesie eines heißen Sommertages. Es offenbart sich die Virtuosität des Münchner Malers, der als angesehener Künstler und Mitglied der Künstlervereinigung "Scholle" zur Entstehungszeit des Bildes mit weltweiten Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht hatte und auf dem Höhepunkt seines Erfolgs angelangt war. Mit der Pleinairmalerei vollzog er wie viele Künstler um die Jahrhundertwende den Aufbruch aus der Enge des Ateliers und der akademischen Kunstauffassung.

Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung.



Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
53,5 x 45 cm
Rahmen:
Rahmen besch