Josef Wopfner - Stürmische Überfahrt

Auktion 379, Kat.-Nr. 452

ALTE KUNST am 21. März 2018

Josef Wopfner

Stürmische Überfahrt

Schätzpreis:
€ 30.000 bis € 35.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 38.100 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
WOPFNER, JOSEF
1843 Schwaz am Inn - 1927 München

Stürmische Überfahrt

R. u. signiert, Ortsbezeichnung München und 1887 datiert. Öl auf Lwd. 112,5 x 178,5 cm. Doubliert. Rest. Rahmen min. besch.

Der Chiemsee entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der beliebtesten Ziele der Münchner Künstler. Karl Raupp (1837-1918) kam erstmalig 1869 an den See, Josef Wopfner im Jahr 1872, beide gelten als Meister der Chiemseemalerei.
Im Gegensatz zu Raupp, der seine Figuren als narratives Element in den Vordergrund stellte, bildeten für Wopfner stets die Natur und die Naturgewalten die Kernaussage seiner Gemälde. Die Naturschilderung, das Spiel der Wellen oder deren Gewalt waren die zentralen Themen, die Wopfner in allen Variationen interessierten und die ihn atmosphärisch erlebbare Stimmungslandschaften schaffen ließen. Die Figuren dienen ihm, vor allem in seiner frühen bis reifen Schaffenszeit, mehr zur Unterstützung und Verstärkung dieser Wirkungen.

Das vorliegende Gemälde verdeutlicht dies - auch durch sein fast schon monumentales Format - in allen Einzelheiten. Unter einem dunkel drohendem Himmel türmt sich das vom Wind gepeitschte Wasser zu einer ansteigenden Welle, die das Ruderboot anhebt und in Schräglage bringt, ein Ruderblatt ist bereits verloren.
Die Bedrohlichkeit der Situation spiegelt sich in den Gesichtern der beiden Ruderinnen wider, die mit aller Kraft das Boot vor dem Kentern zu bewahren suchen.
Wopfner beleuchtet die Szene effektvoll von hinten, so dass zum einen die Figuren im Fokus liegen und zum anderen die Wellen in ihrer Transparenz sichtbar gemacht werden.
Ein weiterer Kunstgriff, den der Künstler aus der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts entlehnt, ist die sparsame Verwendung leuchtender Farben innerhalb einer sonst tonigen Palette, um so das Auge des Betrachters auf das Wesentliche zu lenken und die Dramatik zu verstärken.
Wie Alexander Rauch im Werkverzeichnis der Gemälde anmerkt: "Das sind keine Naturschilderungen mehr, das sind Impressionen. Das Tosen des Wassers wird hörbar. Die derart schnelle, in jedem Sekundenbruchteil mit dem Wellengang sich ändernde Gefahrensituation ist so wiedergegeben, wie sie authentisch auch nur erfahren werden kann."


Literatur: Holz, Irmgard / Rauch, Alexander, Josef Wopfner, 1843-1927, Rosenheim 1989, S. 199, WVZ-Nr. 195 (mit Abb.).

Provenienz: Auktion Dorotheum, Wien, 19. Mai 1981, Kat.-Nr. 477. - Süddeutsche Privatsammlung.


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert, Ortsbezeichnung München und 1887 datiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
112,5 x 178,5 cm
Zustand:
Doubliert. Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Provenienz:
Auktion Dorotheum, Wien, 19. Mai 1981, Kat.-Nr. 477. - Süddeutsche Privatsammlung.
Kommentar:
Literatur: Holz, Irmgard / Rauch, Alexander, Josef Wopfner, 1843-1927, Rosenheim 1989, S. 199, WVZ-Nr. 195 (mit Abb.).