Carl Spitzweg - Der Stelzfuss

Auktion 378, Kat.-Nr. 405

ALTE KUNST am 6. Dezember 2017

Carl Spitzweg

Der Stelzfuss

Schätzpreis:
€ 80.000 bis € 120.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 107.950 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
SPITZWEG, CARL
1808 München - 1885 ebenda

Der Stelzfuss

L. u. mit S im Rhombus bezeichnet. Öl auf Lwd. 29 x 22 cm. Rest. Min. fleckig.

Unser Gemälde zeigt links eine Festungskanone in einer Schießscharte, auf der sich ein Spatz niedergelassen hat, rechts das Schilderhaus mit Gewehr. Die Hauptfigur, "Der Stelzfuß" mit Holzbein, sitzt in Uniform strickend im rechten Mittelgrund auf einem Mauerrest. Carl Spitzweg verarbeitete das Motiv des strickenden Wachtpostens seit etwa 1848, als strickenden Kanonier (vgl. Wichmann, WVZ-Nr. 492 u. 493), "Strickenden Wachtposten" in den späten 1850er Jahren (vgl. W. 995-998) und erneut in unserem kleinformatigen Werk. Spitzweg beschreitet, wie in den meisten anderen seiner Werke, den Weg biedermeierlicher Verklärung, ganz entgegen der tatsächlichen politischen Lage. 1848 hielt die Revolution in Deutschland Einzug, in Berlin und Dresden fanden Barrikadenkämpfe statt, und Ludwig I. dankte nach der Märzproklamation ab. Währenddessen schildert Spitzweg den friedlichen Soldaten, der sich in aller Beschaulichkeit, zwar durch den Krieg versehrt, sich seiner Beschäftigung widmen kann, fernab jeden kämpferischen Geschehens. Zu der Komposition existieren zwei Vorzeichnungen, die eine zeigt die Lafette des Geschützes, die andere die Festung Rothenberg bei Schnaittach (Skizzenbuch 1864). Provenienz (lt. Wichmann und Roennefahrt): Galerie Nusser, München, Hotel Bayerischer Hof, 1957, Inv.-Liste 23 a. - Bayerische Privatsammlung. Literatur: Holland, Hyazinth, Karl Spitzweg. München 1916, S. 26, Abb. Nr. 39. - Roennefahrt, Günther, Mit Spitzweg auf Reisen. Stuttgart 1958, Farbabb. S. 109. - Ders., Carl Spitzweg. Beschreibendes Verzeichnis seiner Gemälde, Ölstudien und Aquarelle. München 1960, S. 220 , WVZ-Nr. 800 (mit Abb. S. 80). - Wichmann, Siegfried, Bildreihen zum strickenden Kanonier und zum Wachsoldaten auf der Festung. Starnberg-München 1975, Nr. 53. - Ders., Carl Spitzweg. Vorposten des bewaffneten Friedens. Ein Beitrag zur Motivforschung. München 1982, S. 57. - Ders., Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke - Gemälde und Aquarelle. Stuttgart 2002, S. 550, WVZ-Nr. 1529 (mit Abb.): dort um 1870 datiert. Die bei Wichmann erwähnte Echtheitsbestätigung von E. Hanfstaengl, München 1941, nicht mehr erhalten.


Signatur-Bez-Vorne:
L. u. mit S im Rhombus bezeichnet
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
29 x 22 cm
Zustand:
Rest. Min. fleckig