Kartoffelstehen. 1916

Auktion 65, Kat.-Nr. 4

MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART   am 7. Juni 2019

Kartoffelstehen. 1916

Schätzpreis:
€ 35.000 bis € 40.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 78.740 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Zille, Heinrich
1858 Radeburg/Sachsen - 1929 Berlin

Kartoffelstehen. 1916

Mischtechnik. Gouache, farbige Kreide mit Deckweiß, über Bleistift und Kohle auf dünnem Zeichenpapier
32,3 x 25,1 cm cm

Rechts unten mit Kohle signiert und datiert "H. Zille 16". Verso Reste eines Berliner Ausstellungsetiketts eigenhändig bezeichnet "H.Zille. Charlottenburg 5, Sophie Charlottestr. 88". Rahmen.

Echtheitsbestätigung: Herr Detlev Rosenbach hat die Authentizität mündlich bestätigt.

Provenienz: Privatsammlung Berlin

Ausstellung: 21. Ausstellung des Verbandes deutscher Illustratoren, Berlin 191?

Der Grafiker, Zeichner und Fotograf Rudolf Heinrich Zille wurde bekannt durch seine satirischen, sozialkritischen Zeichnungen des Berliner Proletariats. Unter ärmlichen Bedingungen aufgewachsen, entdeckt Zille schon bald seine Leidenschaft für das Zeichnen. Nach der Lehre als Lithograph, studiert er an der königlichen Kunstschule. Ab 1877 ist er für die "Photographische Gesellschaft" tätig, die ihm ein sicheres Einkommen sowie die Freiheit sein eigenes künstlerisches Schaffen voranzutreiben, bietet. 1885 erscheinen seine ersten eigenen druckgraphischen Werke. Um die Jahrhundertwende sind seine Arbeiten in Zeitschriften wie dem "Simplicissimus", " Jugend - Münchener Illustrierte Wochenschrift für Kunst & Leben" und "Die Lustigen Blätter" vertreten. Zille überspitzt und stereotypisiert darin mit scharfer Beobachtungsgabe die sozialen Probleme des zeitgenössischen Großstadtlebens. Auch die vorliegende Zeichnung reiht sich in diese Werkgruppe ein. "Kartoffelstehen" greift ein sowohl bekanntes, als auch typisches Zille-Motiv auf. Erstmals erscheint "Kartoffelstehen" am 20. September 1916 als schwarz gedruckte Lithographie im "Bildermann" (Erster Jahrgang, Nr. 12). Laut Detlev Rosenbach existieren weitere Ausgaben und Abzüge auf anderen Bildträgern, darunter eine signierte und nummerierte Edition der Pan-Presse (Paul Cassirer, Berlin 1917) mit dem Titel "Kartoffelpolonaise". In den 20er Jahren überarbeitet Zille die Fassung und experimentiert mit Körperstatur, Kleidung und Mimik der Dargestellten. Ab 1923 veröffentlichte der Rembrandt-Verlag auch kolorierte Blätter. (vgl. Rosenbach 52, insbesondere 52 a., c. und e. [von a. - g.]). Noch im selben Jahr wird das Motiv als Reproduktion einer "Zeichnung" von Zille in den "Lustigen Blättern" unter dem Titel "Schwere Zeiten" veröffentlicht. Ein Original, das hier als Vorlage gedient haben könnte, wurde bislang jedoch nicht nachgewiesen (vgl. die Angaben bei Rosenbach).


Signatur-Bez-Vorne:
Rechts unten mit Kohle signiert und datiert "H. Zille 16". Verso Reste eines Berliner Ausstellungsetiketts eigenhändig bezeichnet "H.Zille. Charlottenburg 5, Sophie Charlottestr. 88"
Technik:
Mischtechnik. Gouache, farbige Kreide mit Deckweiß, über Bleistift und Kohle
Träger:
auf dünnem Zeichenpapier
Rahmen:
Rahmen
Echtheit:
Herr Detlev Rosenbach hat die Authentizität mündlich bestätigt.
Provenienz:
Privatsammlung Berlin
Ausstellung:
21. Ausstellung des Verbandes deutscher Illustratoren, Berlin 191?