Joseph Stieler - Gräfin Sophie Kisseleff

Auktion 381, Kat.-Nr. 344

ALTE KUNST am 26. September 2018

Joseph Stieler

Gräfin Sophie Kisseleff

Schätzpreis:
€ 40.000 bis € 60.000

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Ergebnis:
€ 120.650 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Stieler, Joseph
1781 Mainz - 1858 München

Gräfin Sophie Kisseleff


R. u. signiert und 1834 datiert. Rücks. eigenhändig bezeichnet "Sophie Kisseleff née Comtesse Potocka / peint par J. Stieler. 1834". Öl auf Lwd. 110 x 92 cm. Rest. Besch.

Die Gräfin, kostbar in weiße Seide und Spitze gekleidet, sitzt auf einem prächtigen Fauteuil vor einem Spiegel, der auf seinem Gestell das Allianzwappen der Kisseleff-Potocki trägt. Der Zopf aus kräftigem schwarzen Haar ist geöffnet, die Gräfin schmückt ihn mit einer langen Perlenschnur.

Gräfin Sophie Kisseleff (1801 Tultschyn / Ukraine - 1875 Paris) war eine Tochter des polnischen Magnaten und Politikers Stanislaw Szczesny Potocki (1751/52 - 1805) und seiner dritten Gemahlin Sophie (Zofia) Celice-Glavoni (1760-1822). Im Jahre 1821 heiratete sie den russischen General und Reformer Pawel Dimitrijewitsch Kisseleff (Kisseljow)(1788 Moskau - 1872 Paris), den bis 1834 mächtigsten Mann in den Donaufürstentümern. 1835 ging Kisseleff nach St. Petersburg, ab 1856 war er russischer Gesandter in Paris.

Bereits im Jahre 1832 fertigte Joseph Stieler eine Studie zu vorliegendem Gemälde. Im gleichen Jahr war der Künstler in Wien, wo ihn ganz offensichtlich Rubens "Toilette der Venus" in den Sammlungen des Fürsten Liechtenstein beeindruckte und die Komposition des vorliegenden Porträts beeinflusste. Sei es Tizians "Venus mit einem Spiegel" (National Gallery of Art, Washington) oder auch eine Arbeit wie das "Mädchen mit dem Spiegel - Allegorie der Irdischen Liebe" von Paulus Moreelse (Fitzwilliam Museum, Cambridge): Das Motiv der sich im Spiegel betrachtenden schönen Frau ist in der Kunstgeschichte allgegenwärtig. Die zu unterstellende Gleichsetzung der attraktiven polnisch-russischen Gräfin mit der Göttin der Schönheit und Liebe - Venus - ist pikant und zeugt vom Selbstbewusstsein der Dargestellten.

Dieses kam nicht von ungefähr: Als Tochter eines der einflussreichsten Magnaten und einer wegen ihrer Schönheit (aber auch ihres Lebenswandels) berühmten Mutter, zudem Gattin eines ebenfalls mächtigen russischen Grafen, hatte Sophie Kisseleff allen Grund, sich wahrhaft fürstlich darstellen zu lassen. Den Konventionen jedoch widersprach es deutlich, sich bei der Toilette, einer eher privaten Beschäftigung porträtieren zu lassen: Sophie als Venus, als Denkmal der 1834 offenbar noch nicht erloschenen Liebe zu ihrem Mann.

Wenn man der Literatur glauben darf, scheinen sich beider Wege in den folgenden Jahren getrennt zu haben. Gräfin Sophie entbrannte in Spielleidenschaft, in der 1841 eröffneten Spielbank von Bad Homburg war sie nicht nur regelmäßiger Gast, sondern auch an den Geschäften beteiligt. 1842 wurde in Bad Homburg die Villa Kisseleff erbaut, bis heute trägt ein Straßenzug den Namen der Gräfin.

Offensichtlich diente der ausgeprägte Charakter Kisseleffs auch als Vorbild für eine der berühmtesten Figuren der russischen Literatur: Es wird gemutmaßt, dass sich Fjodor M. Dostojewski 1863 bei seinem ersten Besuch in Bad Homburg von ihr in einem Maße beeindrucken ließ, dass sie ihn zur "Babuschka", der spielsüchtigen Gräfin in seinem Roman "Der Spieler" inspirierte. Und Robert L. Stevenson, Autor der "Schatzinsel", erinnert sich an die alternde Gräfin: "Nacht für Nacht, Tag für Tag kam die alte Gräfin an die Spieltische, ihr Stuhl war für sie reserviert und dort spielte sie. Ich hörte, sie habe alles verlassen: Ehemann, Familie, Charakter um dieses armseligen Vergnügens willen".

Vgl. Hase, Ulrike von, Joseph Stieler 1781-1858. Sein Leben und sein Werk - Kritisches Verzeichnis der Werke. München 1971, S. 135, WVZ-Nr. 155 "Studie zu Gräfin Kiseleff" (mit Abb.): Vorstudie zu vorliegendem Gemälde aus dem Jahre 1832. - Walsh, Gerta, Bad Homburger Fassaden - Geschichten rund um berühmte Häuser der Kurstadt. Frankfurt a. M. 2002, S. 49 ff.

Dr. Ulrike von Hase-Schmundt bestätigte nach Prüfung des Originals mündlich die Authentizität des vorliegenden Gemäldes.


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert und 1834 datiert
Signatur-Bez-Recto:
Rücks. eigenhändig bezeichnet "Sophie Kisseleff née Comtesse Potocka / peint par J. Stieler. 1834"
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
110 x 92 cm
Zustand:
Rest. Besch
Echtheit:
Dr. Ulrike von Hase-Schmundt bestätigte nach Prüfung des Originals mündlich die Authentizität des vorliegenden Gemäldes.
Kommentar:
Bereits im Jahre 1832 fertigte Joseph Stieler eine Studie zu vorliegendem Gemälde. Im gleichen Jahr war der Künstler in Wien, wo ihn ganz offensichtlich Rubens "Toilette der Venus" in den Sammlungen des Fürsten Liechtenstein beeindruckte und die Komposi