Johann Heinrich Tischbein d. Ä. - Sultan und Odaliske

Auktion 382, Kat.-Nr. 327

ALTE KUNST am 5. Dezember 2018

Johann Heinrich Tischbein d. Ä.

Sultan und Odaliske

Schätzpreis:
€ 18.000 bis € 20.000

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Ergebnis:
€ 27.940 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Tischbein d. Ä., Johann Heinrich
1722 Haina - 1789 Kassel

Sultan und Odaliske


R. u. signiert und 1767 datiert. Öl auf Lwd. 39,5 x 30,5 cm. Doubliert. Min. rest. Rahmen.

Im 18. Jahrhundert erreichte die Türkenmode einen ihrer Höhepunkte. In Paris, Wien und Berlin trafen osmanische Gesandtschaften ein. Prunkvolle Empfänge fachten die Begeisterung für die "Turquerie" an und inspirierten die Phantasie der Künstler und ihrer Auftraggeber. So ließ sich die Marquise de Pompadour in den 1750er Jahren mehrmals als Sultanin porträtieren, bei Hofe kleidete man sich "türkisch", auf Bällen tanzte man in orientalischen Kostümen. Vorbei schien die Zeit, als die Osmanen noch die westlich-christliche Zivilisation bedrohten. Knapp einhundert Jahre nach dem Entsatz von Wien im Jahre 1683 wurde im Juli 1782 schließlich in Wien Mozarts "Entführung aus dem Serail" uraufgeführt. Sie wurde zu seiner erfolgreichsten Oper und erlebte fortlaufende Wiederholungen.

Zugrunde liegen den meisten Darstellungen à la turque weniger die Beschäftigung mit realen Begebenheiten, sondern mitteleuropäische Phantasien vom Luxus des Orients. Der ehemalige unzivilisierte Feind vor den Toren Wiens wandelte sich zum kultivierten Exoten. Phantasien, die unter den strengen Regeln des Hofzeremoniells offiziell nicht toleriert wurden, fand man am Hofe des Sultans wiedergespiegelt: Dort lebten auch die Odalisken, hellhäutige Konkubinen bzw. Kammerfrauen des Sultans, die zum persönlichen Dienst in dessen Harem bestimmt waren. Auf dem vorliegenden Gemälde betört die reizende Odaliske mit ihrem Gesang den deutlich älteren Sultan, der ihr liebevoll seine Hand auf die Schulter legt und sie andächtig-mehrdeutig betrachtet.

Erheblichen Einfluss auf die Türkenmode im 18. Jahrhunderte übte Lady Mary Wortley Montague aus, die 1717 in das osmanische Reich reiste und deren Beschreibungen ihres dortigen Aufenthaltes bis zu ihrem Tode 1762 immer wieder neu aufgelegt wurden. Auch die "Geschichten aus Tausendundeiner Nacht", die zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals von Antoine Galland ins Französische übersetzt wurden, beeindruckten Künstler, Literaten und Komponisten.


Provenienz: Ketterer, Hamburg, Auktion 232, 27. Mai 1999, Kat.-Nr. 112. - Süddeutsche Privatsammlung.

Szene aus der Operette "Les Trois Sultanes" von Charles-Simon Favart, vgl. Engelschall, Joseph Friedrich, Johann Heinrich Tischbein. Nürnberg 1797, S. 103 f., WVZ-Nr. 44 und S. 107, WVZ-Nrn. 82-84.


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert und 1767 datiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
39,5 x 30,5 cm
Zustand:
Doubliert. Min. rest
Rahmen:
Rahmen
Provenienz:
Ketterer, Hamburg, Auktion 232, 27. Mai 1999, Kat.-Nr. 112. - Süddeutsche Privatsammlung.
Vgl:
Szene aus der Operette "Les Trois Sultanes" von Charles-Simon Favart, vgl. Engelschall, Joseph Friedrich, Johann Heinrich Tischbein. Nürnberg 1797, S. 103 f., WVZ-Nr. 44 und S. 107, WVZ-Nrn. 82-84.
Kommentar:
Im 18. Jahrhundert erreichte die Türkenmode einen ihrer Höhepunkte. In Paris, Wien und Berlin trafen osmanische Gesandtschaften ein. Prunkvolle Empfänge fachten die Begeisterung für die "Turquerie" an und inspirierten die Phantasie der Künstler und ihrer Auftraggeber. So ließ sich die Marquise de Pompadour in den 1750er Jahren mehrmals als Sultanin porträtieren, bei Hofe kleidete man sich "türkisch", auf Bällen tanzte man in orientalischen Kostümen. Vorbei schien die Zeit, als die Osmanen noch die westlich-christliche Zivilisation bedrohten. Knapp einhundert Jahre nach dem Entsatz von Wien im Jahre 1683 wurde im Juli 1782 schließlich in Wien Mozarts "Entführung aus dem Serail" uraufgeführt. Sie wurde zu seiner erfolgreichsten Oper und erlebte fortlaufende Wiederholungen. Zugrunde liegen den meisten Darstellungen à la turque weniger die Beschäftigung mit realen Begebenheiten, sondern mitteleuropäische Phantasien vom Luxus des Orients. Der ehemalige unzivilisierte Feind vor den Toren Wiens wandelte sich zum kultivierten Exoten. Phantasien, die unter den strengen Regeln des Hofzeremoniells offiziell nicht toleriert wurden, fand man am Hofe des Sultans wiedergespiegelt: Dort lebten auch die Odalisken, hellhäutige Konkubinen bzw. Kammerfrauen des Sultans, die zum persönlichen Dienst in dessen Harem bestimmt waren. Auf dem vorliegenden Gemälde betört die reizende Odaliske mit ihrem Gesang den deutlich älteren Sultan, der ihr liebevoll seine Hand auf die Schulter legt und sie andächtig-mehrdeutig betrachtet. Erheblichen Einfluss auf die Türkenmode im 18. Jahrhunderte übte Lady Mary Wortley Montague aus, die 1717 in das osmanische Reich reiste und deren Beschreibungen ihres dortigen Aufenthaltes bis zu ihrem Tode 1762 immer wieder neu aufgelegt wurden. Auch die "Geschichten aus Tausendundeiner Nacht", die zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstmals von Antoine Galland ins Französische übersetzt wurden, beeindruckten Künstler, Literaten und Komponisten.