Bartholomäus Bruyn d. J. - Damenbildnis

Auktion 382, Kat.-Nr. 286

ALTE KUNST am 5. Dezember 2018

Bartholomäus Bruyn d. J.

Damenbildnis

Schätzpreis:
€ 8.000 bis € 10.000

Differenzbesteuerung    

unter Vorbehalt  € 5.000

Beschreibung:
Bruyn d. J., Bartholomäus
um 1530 Köln - zwischen 1607 und 1610 ebenda, zugeschrieben

Damenbildnis


Halbfigur nach links an einem Tisch stehend. In der rechten Hand eine rote Nelke haltend. Rücks. Memento-mori-Darstellung ("COGITA MORI"). Ebenda Inventarnummer "368 Museum W-R." und "H. 207". Auf der Rahmenrückseite altes Inventaretikett und Besitzervermerk Stupp. Öl auf Holz. BA 50,8 x 37,2 cm (mit halbrundem Abschluss). Rest. Rahmen min. besch.

Bartholomäus Bruyn d. J. übernahm mit der Werkstatt seines gleichnamigen Vaters auch dessen Formen- und Typenvorrat. In seinen Bildnissen erreichte er mit sparsamen Mitteln eine dennoch konzentrierte und ausdrucksstarke Wirkung. In den fast fünf Jahrzehnten seines Schaffens erarbeitete sich Bruyn hohes Ansehen bei seinen Auftraggebern. Ein Charakteristikum seiner Arbeiten sind ein sehr dünner Farbauftrag und ein zurückhaltendes Kolorit.

Die Kölner Bildnismalerei löste sich im 16. Jahrhunderts auffallend langsam von der religiösen Malerei (Stifterbildnisse). Trifft man auf Porträts als selbständige Bildgattung, werden ihnen häufig Vanitas-Symbole beigegeben, bei dem vorliegenden Bildnis explizit in Form des Memento mori auf der Rückseite.
Bruyns Vater gilt als Schöpfer des kölnisch-niederrheinischen Porträtideals, wohlsituierte Patrizier werden distanziert in Szene gesetzt, oft hinter einer Brüstung, hier hinter einem Tisch stehend. Deutlich werden durch Attribute der gesellschaftliche Rang und der Wohlstand ausgedrückt, der kostbare Pomander (Bisamapfel), eine Duftkugel, legt bei dem angebotenen Bildnis einer unbekannten Patrizierin hiervon beredtes Zeugnis ab.

Ferdinand Franz Wallraf (1748 Köln - 1824 ebenda) war nicht nur Priester, Botaniker und Mathematiker, sondern auch einer der bedeutendsten Sammler seiner Zeit. 1818 setzte er die Stadt Köln als seine Universalerbin ein. Seine Sammlungen wurden von 1827 bis 1860 im "Wallrafianum" ausgestellt, aus welchem verschiedene Museen hervorgehen sollten. Der größte Teil seiner Sammlung befindet sich heute im Wallraf-Richartz-Museum. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist das vorliegende Bildnis identisch mit einem im Nachlassinventar Wallrafs aufgeführten Gemälde (s. u.).

Vgl. "Verzeichnis der Gemaelde in der Hinterlassenschaft des Herrn Prof. Wallraf 1824" (Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 1105, Nr. 187), Nr. 87 "Frau mit Flügelmütze in schwarzem Pelz, verbrämten Mieder mit goldenem Gürtel, Blume in der Hand": möglicherweise vorliegendes Gemälde. - Zehnder, Frank Günter, Katalog der Altkölner Malerei (= Kataloge des Wallraf-Richartz-Museums 11). Köln 1990, S. 89, Kat.-Nr. 556 "Bildnis eines Mannes": Erwähnung des vorliegenden Gemäldes als vermutliches Gegenstück zum Herrenporträt (mit sehr ähnlichen Maßen: 51 x 34 cm). Eine Autorschaft Bartholomäus Bruyns d. J. oder seiner Werkstatt wird vermutet. - Kier, Hiltrud / Zehnder, Frank Günter (Hg.), Lust und Verlust II. Corpus-Band zu Kölner Gemäldesammlungen 1800-1860, Nr. 1: vorliegendes Gemälde. Dort als "Bartholomäus Bruyn der Jüngere (?) [...], Art". Als Provenienz dort angegeben "sehr wahrscheinlich Sammlung Wallraf" und ebenfalls als vermutliches Pendant zum genannten Herrenporträt bezeichnet.

Provenienz: Mit großer Wahrscheinlichkeit bis 1824 Sammlung Franz Ferdinand Wallraf (s. o.). - Aus dem Nachlass Wallrafs an die Stadt Köln und später das Wallraf-Richartz-Museum. - Wohl 1944 Verkauf an Hans Stupp, Wien/Karlsruhe (vgl. rücks. Eigentumsvermerk; bis 1963). - Privatsammlung Rheinland.



Wir danken Dr. Marcus Leifeld, Referat für Museumsangelegenheiten der Stadt Köln, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.


Titel-Zusatz:
Halbfigur nach links an einem Tisch stehend. In der rechten Hand eine rote Nelke haltend


Signatur-Bez-Recto:
Rücks. Memento-mori-Darstellung ("COGITA MORI"). Ebenda Inventarnummer "368 Museum W-R." und "H. 207". Auf der Rahmenrückseite altes Inventaretikett und Besitzervermerk Stupp
Technik:
Öl
Träger:
auf Holz
Zustand:
Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Danksagung:
Wir danken Dr. Marcus Leifeld, Referat für Museumsangelegenheiten der Stadt Köln, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.
Kommentar:
Bartholomäus Bruyn d. J. übernahm mit der Werkstatt seines gleichnamigen Vaters auch dessen Formen- und Typenvorrat. In seinen Bildnissen erreichte er mit sparsamen Mitteln eine dennoch konzentrierte und ausdrucksstarke Wirkung. In den fast fünf Jahrzehnten seines Schaffens erarbeitete sich Bruyn hohes Ansehen bei seinen Auftraggebern. Ein Charakteristikum seiner Arbeiten sind ein sehr dünner Farbauftrag und ein zurückhaltendes Kolorit. Die Kölner Bildnismalerei löste sich im 16. Jahrhunderts auffallend langsam von der religiösen Malerei (Stifterbildnisse). Trifft man auf Porträts als selbständige Bildgattung, werden ihnen häufig Vanitas-Symbole beigegeben, bei dem vorliegenden Bildnis explizit in Form des Memento mori auf der Rückseite. Bruyns Vater gilt als Schöpfer des kölnisch-niederrheinischen Porträtideals, wohlsituierte Patrizier werden distanziert in Szene gesetzt, oft hinter einer Brüstung, hier hinter einem Tisch stehend. Deutlich werden durch Attribute der gesellschaftliche Rang und der Wohlstand ausgedrückt, der kostbare Pomander (Bisamapfel), eine Duftkugel, legt bei dem angebotenen Bildnis einer unbekannten Patrizierin hiervon beredtes Zeugnis ab. Ferdinand Franz Wallraf (1748 Köln - 1824 ebenda) war nicht nur Priester, Botaniker und Mathematiker, sondern auch einer der bedeutendsten Sammler seiner Zeit. 1818 setzte er die Stadt Köln als seine Universalerbin ein. Seine Sammlungen wurden von 1827 bis 1860 im "Wallrafianum" ausgestellt, aus welchem verschiedene Museen hervorgehen sollten. Der größte Teil seiner Sammlung befindet sich heute im Wallraf-Richartz-Museum. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist das vorliegende Bildnis identisch mit einem im Nachlassinventar Wallrafs aufgeführten Gemälde (s. u.). Vgl. "Verzeichnis der Gemaelde in der Hinterlassenschaft des Herrn Prof. Wallraf 1824" (Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 1105, Nr. 187), Nr. 87 "Frau mit Flügelmütze in schwarzem Pelz, verbrämten Mieder mit goldenem Gürtel, Blume in der Hand": möglicherweise vorliegendes Gemälde. - Zehnder, Frank Günter, Katalog der Altkölner Malerei (= Kataloge des Wallraf-Richartz-Museums 11). Köln 1990, S. 89, Kat.-Nr. 556 "Bildnis eines Mannes": Erwähnung des vorliegenden Gemäldes als vermutliches Gegenstück zum Herrenporträt (mit sehr ähnlichen Maßen: 51 x 34 cm). Eine Autorschaft Bartholomäus Bruyns d. J. oder seiner Werkstatt wird vermutet. - Kier, Hiltrud / Zehnder, Frank Günter (Hg.), Lust und Verlust II. Corpus-Band zu Kölner Gemäldesammlungen 1800-1860, Nr. 1: vorliegendes Gemälde. Dort als "Bartholomäus Bruyn der Jüngere (?) [...], Art". Als Provenienz dort angegeben "sehr wahrscheinlich Sammlung Wallraf" und ebenfalls als vermutliches Pendant zum genannten Herrenporträt bezeichnet. Provenienz: Mit großer Wahrscheinlichkeit bis 1824 Sammlung Franz Ferdinand Wallraf (s. o.). - Aus dem Nachlass Wallrafs an die Stadt Köln und später das Wallraf-Richartz-Museum. - Wohl 1944 Verkauf an Hans Stupp, Wien/Karlsruhe (vgl. rücks. Eigentumsvermerk; bis 1963). - Privatsammlung Rheinland.