Jan Victors - Abraham und Isaak vor der Opferung

Auktion 379, Kat.-Nr. 273

ALTE KUNST am 21. März 2018

Jan Victors

Abraham und Isaak vor der Opferung

Schätzpreis:
€ 12.000 bis € 18.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 30.480 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
VICTORS, JAN
1619 Amsterdam - 1676 o. 1677 Ostindien

Abraham und Isaak vor der Opferung

Links (auf dem Altar) signiert und 1644 datiert. Öl auf Lwd. 96,5 x 91 cm. Doubliert. Rest. Min. besch. Rahmen besch.

"Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn." (1. Moses, 22,6-8). Bei Flavius Josephus, Antiquitates Judaicae I, 13.3 ff., findet die Szene statt, nachdem Vater und Sohn den Berggipfel erreicht haben und Abraham Isaak dort eröffnet, dass er dessen Opferung plane, um Gottes Befehl nachzukommen. Die tröstende Gestik Abrahams und der fragend-traurige Blick Isaaks auf dem Gemälde Jan Victors geben diesen Moment beeindruckend und suggestiv wieder.

Lange Zeit galt Rembrandts 1645 datierte Radierung als erste Darstellung des seltenen Themas (B. 34). Das vorliegende Gemälde geht der Radierung Rembrandts jedoch ein Jahr voraus, motivische Parallelen lassen es als nicht ausgeschlossen erscheinen, dass sich Rembrandt vom Werk seines Schülers Jan Victors beeinflussen ließ. In diesem Zusammenhang ist auch eine Zeichnung in der Sammlung Robert Lehman, New York, von Interesse, die sich kompositorisch sowohl am Gemälde Victors wie auch an der Radierung Rembrandts orientiert (s. u.). Egbert Haverkamp-Begemann sieht in Rembrandt eher pauschal den "auctor intellectualis" sowohl des Gemäldes von Jan Victors, der Radierung von 1645 wie auch verschiedener Zeichnungen nach dem Thema (The Robert Lehman Collection, s. u., S. 236).

Das vorliegende, frühvollendete Werk Jan Victors kann als exemplarisch für den dessen Schaffen stark prägenden Werkkomplex von Darstellungen nach Themen des Alten Testaments gelten. Dass sich der junge Künstler mit einem bislang nicht dargestellten Bildthema auseinandersetzte, ist durchaus auf den Einfluss seines Lehrers Rembrandt zurückzuführen, den größte Phantasie in der Wahl neuer, ungewöhnlicher Darstellungen auszeichnete. Zielgruppe dieser Gemälde waren Sammler jüdischen wie christlichen Glaubens, beiden galten die Ereignisse des Alten Testaments als Präfigurationen des eigenen Lebens, sie dienten als didaktische Bilder mit der Darstellung religiöser Gewissheiten und Normen (vgl. Sumowski, Bd. IV, s. u., S. 2589).

Charakteristisch für die frühen selbständigen Gemälde Jan Victors ist die Nahsichtigkeit der Darstellung, die Figuren werden mit nur geringer Distanz zum Betrachter wiedergegeben. Dabei wechselt Jan Victors virtuos zwischen eher leicht und flächig skizzierten Partien vor allem im Hintergrund der Darstellung hin zu brillant gestalteten Oberflächenstrukturen im Vordergrund.

Literatur: Manuth, Volker, Ikonographische Studien zu den Historien des Alten Testaments bei Rembrandt und seiner frühen Amsterdamer Schule. Phil. Diss. Berlin 1987, S. 140 f., Kat.-Nr. 11. - Sumowski, Werner, Gemälde der Rembrandt-Schüler. Bd. VI. Landau 1983, S. 3746, Nr. 2464 (mit Abb. S. 4083 [Archivaufnahme Ellen Bernt]). - The Metropolitan Museum of Art (Hg.), The Robert Lehman Collection. Vol. 7. Fifteenth- to Eighteenth-Century European Drawings in the Robert Lehman Collection: Central Europe, the Netherlands, France, England. New York 1999, S. 234-237, Kat.-Nr. 73 (mit Abb.): eine kompositorisch dem vorliegenden Gemälde sehr nahestehende Zeichnung des Motivs, dort als "School of Rembrandt van Rijn" katalogisiert. Volker Manuth schließt eine Zuschreibung dieser Zeichnung an Jan Victors nicht aus.

Vgl. Sumowski, Werner, Gemälde der Rembrandt-Schüler. Bd. IV. Landau 1983, S. 2589 ff., besonders S. 2601 Nr. 1743 "Abraham und Isaak vor der Opferung" (mit Farbtafel S. 2642): eine zweite Fassung Jan Victors des Themas vom Ende der 40er Jahre (Tel Aviv Museum of Art) - Zafran, Eric, Jan Victors and the Bible, in: The Israel Museum News 12 (1977), S. 92-120.

Provenienz: Verst. Sammlung Edward Habich, Kassel (Lempertz u. Schall/Heberle), 9.-10. Oktober 1892, Kat.-Nr. 156. - Möglicherweise Verst. Berlin (Henry Weustenberg), 1907, Kat.-Nr. 138 [die vorhergehenden Provenienzangaben nach Manuth 1987]. - Sammlung Walderdorff, Schloss Molsberg / Westerwald. - Süddeutscher Adelsbesitz.

Wir danken Prof. Dr. Volker Manuth, Radboud University, Nijmegen, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.


Signatur-Bez-Vorne:
Links (auf dem Altar) signiert und 1644 datiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
96,5 x 91 cm
Zustand:
Doubliert. Rest. Min. besch
Rahmen:
Rahmen besch
Kommentar:
"Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn." (1. Moses, 22,6-8). Bei Flavius Josephus, Antiquitates Judaicae I, 13.3 ff., findet die Szene statt, nachdem Vater und Sohn den Berggipfel erreicht haben und Abraham Isaak dort eröffnet, dass er dessen Opferung plane, um Gottes Befehl nachzukommen. Die tröstende Gestik Abrahams und der fragend-traurige Blick Isaaks auf dem Gemälde Jan Victors geben diesen Moment beeindruckend und suggestiv wieder. Lange Zeit galt Rembrandts 1645 datierte Radierung als erste Darstellung des seltenen Themas (B. 34). Das vorliegende Gemälde geht der Radierung Rembrandts jedoch ein Jahr voraus, motivische Parallelen lassen es als nicht ausgeschlossen erscheinen, dass sich Rembrandt vom Werk seines Schülers Jan Victors beeinflussen ließ. In diesem Zusammenhang ist auch eine Zeichnung in der Sammlung Robert Lehman, New York, von Interesse, die sich kompositorisch sowohl am Gemälde Victors wie auch an der Radierung Rembrandts orientiert (s. u.). Egbert Haverkamp-Begemann sieht in Rembrandt eher pauschal den "auctor intellectualis" sowohl des Gemäldes von Jan Victors, der Radierung von 1645 wie auch verschiedener Zeichnungen nach dem Thema (The Robert Lehman Collection, s. u., S. 236). Das vorliegende, frühvollendete Werk Jan Victors kann als exemplarisch für den dessen Schaffen stark prägenden Werkkomplex von Darstellungen nach Themen des Alten Testaments gelten. Dass sich der junge Künstler mit einem bislang nicht dargestellten Bildthema auseinandersetzte, ist durchaus auf den Einfluss seines Lehrers Rembrandt zurückzuführen, den größte Phantasie in der Wahl neuer, ungewöhnlicher Darstellungen auszeichnete. Zielgruppe dieser Gemälde waren Sammler jüdischen wie christlichen Glaubens, beiden galten die Ereignisse des Alten Testaments als Präfigurationen des eigenen Lebens, sie dienten als didaktische Bilder mit der Darstellung religiöser Gewissheiten und Normen (vgl. Sumowski, Bd. IV, s. u., S. 2589). Charakteristisch für die frühen selbständigen Gemälde Jan Victors ist die Nahsichtigkeit der Darstellung, die Figuren werden mit nur geringer Distanz zum Betrachter wiedergegeben. Dabei wechselt Jan Victors virtuos zwischen eher leicht und flächig skizzierten Partien vor allem im Hintergrund der Darstellung hin zu brillant gestalteten Oberflächenstrukturen im Vordergrund. Literatur: Manuth, Volker, Ikonographische Studien zu den Historien des Alten Testaments bei Rembrandt und seiner frühen Amsterdamer Schule. Phil. Diss. Berlin 1987, S. 140 f., Kat.-Nr. 11. - Sumowski, Werner, Gemälde der Rembrandt-Schüler. Bd. VI. Landau 1983, S. 3746, Nr. 2464 (mit Abb. S. 4083 [Archivaufnahme Ellen Bernt]). - The Metropolitan Museum of Art (Hg.), The Robert Lehman Collection. Vol. 7. Fifteenth- to Eighteenth-Century European Drawings in the Robert Lehman Collection: Central Europe, the Netherlands, France, England. New York 1999, S. 234-237, Kat.-Nr. 73 (mit Abb.): eine kompositorisch dem vorliegenden Gemälde sehr nahestehende Zeichnung des Motivs, dort als "School of Rembrandt van Rijn" katalogisiert. Volker Manuth schließt eine Zuschreibung dieser Zeichnung an Jan Victors nicht aus. Vgl. Sumowski, Werner, Gemälde der Rembrandt-Schüler. Bd. IV. Landau 1983, S. 2589 ff., besonders S. 2601 Nr. 1743 "Abraham und Isaak vor der Opferung" (mit Farbtafel S. 2642): eine zweite Fassung Jan Victors des Themas vom Ende der 40er Jahre (Tel Aviv Museum of Art) - Zafran, Eric, Jan Victors and the Bible, in: The Israel Museum News 12 (1977), S. 92-120. Provenienz: Verst. Sammlung Edward Habich, Kassel (Lempertz u. Schall/Heberle), 9.-10. Oktober 1892, Kat.-Nr. 156. - Möglicherweise Verst. Berlin (Henry Weustenberg), 1907, Kat.-Nr. 138 [die vorhergehenden Provenienzangaben nach Manuth 1987]. - Sammlung Walderdorff, Schloss Molsberg / Westerwald. - Süddeutscher Adelsbesitz. Wir danken Prof. Dr. Volker Manuth, Radboud University, Nijmegen, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.