Andrea del Sarto - Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben

Auktion 379, Kat.-Nr. 265

ALTE KUNST am 21. März 2018

Andrea del Sarto

Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben

Schätzpreis:
€ 25.000 bis € 30.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 41.910 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
SARTO, ANDREA DEL
1486 Florenz - 1530 ebenda, Nachfolge

Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben

Öl auf Lwd. 123,5 x 96 cm. Doubliert. Rest. Min. besch. Profilrahmen mit Pfeifenschnitt- und Drehstabdekor besch.

Ein unbekannter Künstler aus der wohl direkten Nachfolge Andrea del Sartos ließ sich bei dem vorliegenden Gemälde von zwei bekannten, bereits von Giorgio Vasari in seinen Künstlerviten erwähnten Werken des Meisters anregen: Die Komposition entspricht mit Abweichungen u. a. hinsichtlich der Gestaltung des Hintergrundes und der Farbigkeit der "Sacra Famiglia Borgherini" (um 1528; Öl auf Holz, 135 x 100 cm; New York, Metropolitan Museum of Art), die Gestalt Mariens hingegen findet ihr direktes Vorbild in der "Carità" (um 1528/29; Öl auf Holz 122 x 93 cm; Washington, National Gallery of Art, Kress Collection), die Farbe des Gewandes jedoch in ein leuchtendes, gelb changierendes Korallenrot abgewandelt.

Der Künstler scheint mit beiden Gemälden wohl aus eigener Anschauung vertraut gewesen sein, allerdings spricht in technischer Hinsicht die Verwendung von Leinwand als Bildträger für eine spätere Entstehung, wie auch die charakteristische und markante Gestaltung der Physiognomien Mariens und des Kindes auf einen Künstler schließen lässt, der den Stil des Meisters - wie sonst bei direkten Werkstattmitgliedern häufig feststellbar - nicht streng imitiert. Auch durch die von den Vorbildern abweichende Farbgebung zeigt sich der Maler selbständig und vom Schaffen eines der führenden Florentiner Künstler seiner Zeit stilistisch "emanzipiert".

Der Johannesknabe hält mit dem Christuskind gemeinsam die Weltkugel, beziehungsweise hält sie, während dieses nach ihr greift - eine ikonographische Besonderheit, die in direktem Zusammenhang mit der Entstehung der oben erwähnten "Sacra Famiglia Borgherini" steht. Diese wurde von Giovanni Borgherini, einem bedeutenden Förderer der kurzlebigen Florentiner Republik (seit 1527) in Auftrag gegeben. Die "Welt" in den Händen des Gottessohnes und des jungen Johannes des Täufers, dem Stadtpatron von Florenz: Symbol für die republikanische Regierung, die noch im Februar 1528 Christus durch die Anbringung einer Inschrift über dem Eingang zum Palazzo della Signoria zum "Rex populi florentini" erklärt hatte.

Ungewöhnlich und bemerkenswert an vorliegendem Gemälde ist in ikonographischer Hinsicht die Darstellung Mariens mit entblößter Brust in direkter Übernahme der "Carità". Zwar ist die nährende Gottesmutter als Bildmotiv in der Kunstgeschichte fest verankert, doch hier wendet sich ihr Sohn von ihr ab und der Weltkugel zu. Nach Angaben der Vorbesitzer wurde ein später aufgebrachter Schleier auf der Brust im Rahmen einer Restaurierung entfernt.

Vgl. Natali, Antonio / Cecchi, Alessandro, Andrea del Sarto. Catalogo completo dei dipinti. Florenz 1989, S. 119, WVZ-Nr. 56 (Sacra Famiglia Borgherini) und S. 139, WVZ-Nr. 69 ("Carità").

Provenienz: Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung.


Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
123,5 x 96 cm
Zustand:
Doubliert. Rest. Min. besch
Rahmen:
Profilrahmen mit Pfeifenschnitt- und Drehstabdekor besch
Provenienz:
Provenienz: Süddeutsche Privatsammlung.
Kommentar:
Ein unbekannter Künstler aus der wohl direkten Nachfolge Andrea del Sartos ließ sich bei dem vorliegenden Gemälde von zwei bekannten, bereits von Giorgio Vasari in seinen Künstlerviten erwähnten Werken des Meisters anregen: Die Komposition entspricht mit Abweichungen u. a. hinsichtlich der Gestaltung des Hintergrundes und der Farbigkeit der "Sacra Famiglia Borgherini" (um 1528; Öl auf Holz, 135 x 100 cm; New York, Metropolitan Museum of Art), die Gestalt Mariens hingegen findet ihr direktes Vorbild in der "Carità" (um 1528/29; Öl auf Holz 122 x 93 cm; Washington, National Gallery of Art, Kress Collection), die Farbe des Gewandes jedoch in ein leuchtendes, gelb changierendes Korallenrot abgewandelt. Der Künstler scheint mit beiden Gemälden wohl aus eigener Anschauung vertraut gewesen sein, allerdings spricht in technischer Hinsicht die Verwendung von Leinwand als Bildträger für eine spätere Entstehung, wie auch die charakteristische und markante Gestaltung der Physiognomien Mariens und des Kindes auf einen Künstler schließen lässt, der den Stil des Meisters - wie sonst bei direkten Werkstattmitgliedern häufig feststellbar - nicht streng imitiert. Auch durch die von den Vorbildern abweichende Farbgebung zeigt sich der Maler selbständig und vom Schaffen eines der führenden Florentiner Künstler seiner Zeit stilistisch "emanzipiert". Der Johannesknabe hält mit dem Christuskind gemeinsam die Weltkugel, beziehungsweise hält sie, während dieses nach ihr greift - eine ikonographische Besonderheit, die in direktem Zusammenhang mit der Entstehung der oben erwähnten "Sacra Famiglia Borgherini" steht. Diese wurde von Giovanni Borgherini, einem bedeutenden Förderer der kurzlebigen Florentiner Republik (seit 1527) in Auftrag gegeben. Die "Welt" in den Händen des Gottessohnes und des jungen Johannes des Täufers, dem Stadtpatron von Florenz: Symbol für die republikanische Regierung, die noch im Februar 1528 Christus durch die Anbringung einer Inschrift über dem Eingang zum Palazzo della Signoria zum "Rex populi florentini" erklärt hatte. Ungewöhnlich und bemerkenswert an vorliegendem Gemälde ist in ikonographischer Hinsicht die Darstellung Mariens mit entblößter Brust in direkter Übernahme der "Carità". Zwar ist die nährende Gottesmutter als Bildmotiv in der Kunstgeschichte fest verankert, doch hier wendet sich ihr Sohn von ihr ab und der Weltkugel zu. Nach Angaben der Vorbesitzer wurde ein später aufgebrachter Schleier auf der Brust im Rahmen einer Restaurierung entfernt. Vgl. Natali, Antonio / Cecchi, Alessandro, Andrea del Sarto. Catalogo completo dei dipinti. Florenz 1989, S. 119, WVZ-Nr. 56 (Sacra Famiglia Borgherini) und S. 139, WVZ-Nr. 69 ("Carità").