Robert Campin - Maria mit dem Kind und musizierenden Engeln in einer Apsis

Auktion 375, Kat.-Nr. 250

ALTE KUNST am 29. März 2017

Robert Campin

Maria mit dem Kind und musizierenden Engeln in einer Apsis

Schätzpreis:
€ 30.000 bis € 40.000

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Ergebnis:
€ 101.600 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
CAMPIN, ROBERT
1378 o. 1379 Valenciennes - 1445, Nachfolge

Maria mit dem Kind und musizierenden Engeln in einer Apsis

Öl auf Holz. 54,6 x 42,8 cm. Rest. Min. besch. Rahmen.

Neben Jan van Eyck ist Robert Campin als Hauptkünstler der frühen niederländischen Malerei zu sehen. Das vorliegende Gemälde ist ein frühes Beispiel für das Nachwirken eines nicht erhaltenen Gemäldes Campins, das um 1420 entstanden sein sollte.
Robert Campins Gemälde muss sich einer immensen Popularität erfreut haben, es sind zahlreiche - zeitlich z. T. in bedeutendem Abstand entstandene - Kopien bekannt, die von Lievens-De Waegh (s. u.) akribisch chronologisch geordnet wurden. Das vorliegende Gemälde ist dort unter die zehn dem Vorbild auch zeitlich am nächsten stehenden Kopien eingeordnet. Für die zeitliche und stilistische Nähe zum Vorbild sprechen u. a. die rundliche Gesichtsform Mariens und das dichte wellige Haar, der skulpturale Faltenwurf ihres Gewandes und auch das perlmutterfarbene Inkarnat. Hierin ist das vorliegende Gemälde z. B. der im Metropolitan Museum, New York, verwahrten Fassung sehr eng verwandt (The Rogers Fund, 1905. Inv.-Nr. 05.39.2), die um 1480 datiert wird.
Die Darstellung der Nährenden Muttergottes (Maria lactans) geht auf den byzantinischen Ikonentypus der "Galaktrophousa" zurück. In Campins Komposition wird diese Darstellung in direkten Zusammenhang mit dem Kirchenraum als Ort christlicher Andacht gebracht: Maria steht an der Stelle des Tabernakels, in welchem das Allerheiligste verwahrt wird. Die gekreuzten Unterarme Mariens und das Tuch, auf welchem Maria das Kind trägt, nehmen die Leidensgeschichte vorweg. Diese inhaltliche Vielschichtigkeit und der Umstand, dass die musizierenden Engel auf den damals in Gottesdiensten gebräuchlichen Instrumenten spielen (Laute und Harfe), machen den vorliegenden Bildtypus zum idealen Gegenstand privater Andacht. Dies erklärt die große Nachfrage nach Kopien in einer Zeit zunehmender Marienverehrung, in der Literatur wird auch vermutet, dass dem Original im 15. Jahrhundert wundertätige Wirkung nachgesagt wurde.

Literatur: Friedländer, Max J., Die Altniederländische Malerei. 2. Band "Rogier van der Weyden und der Meister van Flémalle". Leiden 1934, S. 115 f., Kat.-Nr. 74 b: als Werk des Meisters von Flémalle. - Ders., Early Netherlandish Painting. Vol. 2 "Rogier van der Weyden and the Master of Flémalle. New York 1967, S. 43, Kat.-Nr. 74 b. - Lievens-de Waegh, Marie-Léopoldine, Les primitifs flamands. Le Musée National dArt Ancien et le Musée National des Carreaux de Faïence de Lisbonne. Corpus de la peinture des anciens pays-bas méridionaux au quinzième siècle, Bd. 16, S. 114, Nr. 166/8. - Ainsworth, Maryan W., The Virgin and Child in an Apse: Reconsidering a Campin Workshop Design, in: Foiser, Ed. Susan / Nash, Susie (Hgg.), Robert Campin - New Directions in Scholarship. Turnhout 1996, S. 149-158: zum vorliegenden Bildtypus.

Provenienz: Sammlung Auersperg, Graz. - Dr. Otto Fröhlich, Wien. - Privatsammlung Han Coray, Erlenbach. - Auktion "Sammlung Han Coray" Wertheim, Berlin, 1. Oktober 1930, Kat.-Nr. 58. - Privatsammlung, Berlin. - Seitdem in Familienbesitz.


Technik:
Öl
Träger:
auf Holz
Maße:
54,6 x 42,8 cm
Zustand:
Rest. Min. besch
Rahmen:
Rahmen