Et in Arcadia ego

Auktion 384, Kat.-Nr. 246

ALTE KUNST UND SONDERAUKTION DER SAMMLUNG MELETTA ART & INTERIEURS am 3. Juli 2019

Et in Arcadia ego

Schätzpreis:
€ 10.000 bis € 15.000

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noch erhältlich

Beschreibung:
Schütz (Schüz), Johann Georg
1755 Frankfurt - 1813 ebenda

Et in Arcadia ego


R. u. signiert und 1788 datiert. Auf dem Keilrahmen Klebeetikett mit handschriftlichen Angaben zu Vorbesitzern. Öl auf Lwd. 84 x 124,5 cm. Doubliert. Rest. Rahmen min. besch.

Bei einem Grabmal für eine jung verstorbene Frau haben sich arkadische Hirten versammelt. Eine Mutter erklärt ihrer Tochter die griechische Inschrift auf dem Sockel desselben, die dem lateinischen "Et in Arcadia ego" entspricht. Links sitzende Trauernde, im Hintergrund zwei tanzende junge Frauen mit einem Panflötenspieler (Pan).

Johann Georg Schütz, der "Römer-Schütz", erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater Christian Georg Schütz d. Ä., dem Stammvater der bekannten Künstlerfamilie. Danach studierte er von 1775-79 Historienmalerei an der Düsseldorfer Akademie. Von 1784 bis 1790 hielt er sich in Rom auf, wo er mit anderen Künstlern, wie z. B. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, im Haus der Familie Collina lebte. Im Oktober 1786 stieß auch Johann Wolfgang von Goethe unter einem Pseudonym zu seinen Landsmännern im Haus Collina. 1790 kehrte Schütz nach Frankfurt zurück. Ein bekanntes Aquarell Johann Georg Schütz aus dem Jahre 1789 zeigt Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach in Begleitung u. a. Johann Gottfried Herders und der berühmten Malerin Angelika Kauffmann bei einem Ausflug nach Tivoli. Bei der Herzogin, bei welcher Schütz durch Goethe eingeführt wurde, hatte der junge Künstler "täglich Zutritt" (Gwinner s. u.) und durfte an deren Ausflügen in die Umgegend Roms teilnehmen. Von Goethe erhielt der Künstler den Auftrag, die Illustrationen zum Kapitel "Der römische Carneval" aus der "Italienischen Reise" zu illustrieren. Die Zeichnungen wurden in Frankfurt radiert und 1789 publiziert. Ein Jahr zuvor entstand das vorliegende Werk, eines von zwei Gemälden, die Johann Georg Schütz aus Rom nach Frankfurt mitbrachte. Schütz Zeitgenosse Heinrich Sebastian Hüsgen lobt dieses, das er "kürzlich [...] bei ihm über die rührende Worte einer Griechischen Grabschrift gesehen: Auch ich bin in Arkadien gewesen: In diesem Stück findet man ungemein viel gutes; Die Bäume sind ganz Natur, und der Faltenwurf seiner Gewande in einem guten Styl. Besonders ist man so ganz zufrieden mit seinen Kindern und weiblichen Figuren, an welchen man die edlen Formen der Antiquen wohl nachgeahmt siehet, wie sie aus dem Schooß der Mutter Natur in ihrer guten Laune entstehen." (Hüsgen, s. u., S. 388). Aber nicht nur das Studium nach der Antike, auch die Kunst der damals höchst geschätzten Angelika Kauffmann spiegelt sich in den Gemälden Schütz wieder. Die Herkunft der Formulierung "Et in Arcadia ego" ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass diese erst im beginnenden 17. Jahrhundert geprägt wurde. Die berühmtesten Umsetzungen des Themas, des "soggetto", schuf Nicolas Poussin (Chatsworth bzw. Musée du Louvre, Paris). Bei diesen wird vermutet, dass das Sujet dem Künstler von Giulio Rospigliosi (1600-1669), dem späteren Papst Clemens IX., vorgegeben wurde. Arkadien ist seit Vergil der exemplarische Schauplatz der Hirtenpoesie, das Reich Pans. Die Bewohner dieser idealen Landschaft führen ein "von den Klängen Silens [...] und von Liebe erfülltes, einfach-schönes, erhöhtes Dasein" (Denzler, s. u.). Zwei Interpretationen bzw. Übersetzungen des lateinischen Themas haben sich eingebürgert: "Auch in Arkadien bin ich" bzw. "Auch ich war in Arkadien". Die Wissenschaft bevorzugt seit Erwin Panofksy die erste Interpretation in dem Sinne, dass sich der Tod des Zugangs sogar zu einem irdischen Paradies rühmt. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde jedoch die zweite Deutung populär, die von André Félibien formuliert wurde: Die jung Verstorbene hat in Arkadien gelebt, der Tod scheut sich nicht, seine Opfer in jungen Jahren und im Zustand der Glückseligkeit auszuwählen. In diesem Sinne, der in der Kunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts große Popularität auch bei anderen deutschen Künstlern gewann, interpretiert auch Hüsgen (s. o.) das vorliegende Werk. Schließlich wurde die Formulierung "Et in Arcadia ego" grundsätzlich auf als glücklich empfundene, vergangene Zustände, auf die Endlichkeit von Liebe, Freundschaft und Jugend angewandt, so von Johann Wolfgang von Goethe, als er die 1816/17 erschienenen Bände der "Italienischen Reise" mit "Auch ich in Arcadien!" betitelte. Mit Goethe schließt sich wiederum der Kreis zu Johann Georg Schütz, dem römischen Wohnungsgenossen des großen Dichters ... Literatur: Hüsgen, Heinrich Sebastian, Artistisches Magazin. Frankfurt a. M. 1790, S. 387-390: zur Biographie des Johann Georg Schütz. - Gwinner, Philipp Friedrich, Kunst und Künstler in Frankfurt am Main vom 13. Jahrhundert bis zur Eröffnung des Städelschen Kunstinstituts. Frankfurt a. M. 1862, 318 f.: zur Biographie des Künstlers. - Denzler, Max, Et in Arcadia ego, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. VI (1968), Sp. 117-131.

Provenienz: Privatsammlung Pfaelzer, Hanau / Stuttgart. - Privatsammlungen Reitz und Staengel, Stuttgart. - Süddeutscher Privatbesitz.


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert und 1788 datiert
Signatur-Bez-Recto:
Auf dem Keilrahmen Klebeetikett mit handschriftlichen Angaben zu Vorbesitzern
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
84 x 124,5 cm
Zustand:
Doubliert. Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Provenienz:
Privatsammlung Pfaelzer, Hanau / Stuttgart. - Privatsammlungen Reitz und Staengel, Stuttgart. - Süddeutscher Privatbesitz.
Kommentar:
Johann Georg Schütz, der "Römer-Schütz", erhielt seine erste Ausbildung bei seinem Vater Christian Georg Schütz d. Ä., dem Stammvater der bekannten Künstlerfamilie. Danach studierte er von 1775-79 Historienmalerei an der Düsseldorfer Akademie. Von 1784 bis 1790 hielt er sich in Rom auf, wo er mit anderen Künstlern, wie z. B. Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, im Haus der Familie Collina lebte. Im Oktober 1786 stieß auch Johann Wolfgang von Goethe unter einem Pseudonym zu seinen Landsmännern im Haus Collina. 1790 kehrte Schütz nach Frankfurt zurück. Ein bekanntes Aquarell Johann Georg Schütz aus dem Jahre 1789 zeigt Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach in Begleitung u. a. Johann Gottfried Herders und der berühmten Malerin Angelika Kauffmann bei einem Ausflug nach Tivoli. Bei der Herzogin, bei welcher Schütz durch Goethe eingeführt wurde, hatte der junge Künstler "täglich Zutritt" (Gwinner s. u.) und durfte an deren Ausflügen in die Umgegend Roms teilnehmen. Von Goethe erhielt der Künstler den Auftrag, die Illustrationen zum Kapitel "Der römische Carneval" aus der "Italienischen Reise" zu illustrieren. Die Zeichnungen wurden in Frankfurt radiert und 1789 publiziert. Ein Jahr zuvor entstand das vorliegende Werk, eines von zwei Gemälden, die Johann Georg Schütz aus Rom nach Frankfurt mitbrachte. Schütz Zeitgenosse Heinrich Sebastian Hüsgen lobt dieses, das er "kürzlich [...] bei ihm über die rührende Worte einer Griechischen Grabschrift gesehen: Auch ich bin in Arkadien gewesen: In diesem Stück findet man ungemein viel gutes; Die Bäume sind ganz Natur, und der Faltenwurf seiner Gewande in einem guten Styl. Besonders ist man so ganz zufrieden mit seinen Kindern und weiblichen Figuren, an welchen man die edlen Formen der Antiquen wohl nachgeahmt siehet, wie sie aus dem Schooß der Mutter Natur in ihrer guten Laune entstehen." (Hüsgen, s. u., S. 388). Aber nicht nur das Studium nach der Antike, auch die Kunst der damals höchst geschätzten Angelika Kauffmann spiegelt sich in den Gemälden Schütz wieder. Die Herkunft der Formulierung "Et in Arcadia ego" ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass diese erst im beginnenden 17. Jahrhundert geprägt wurde. Die berühmtesten Umsetzungen des Themas, des "soggetto", schuf Nicolas Poussin (Chatsworth bzw. Musée du Louvre, Paris). Bei diesen wird vermutet, dass das Sujet dem Künstler von Giulio Rospigliosi (1600-1669), dem späteren Papst Clemens IX., vorgegeben wurde. Arkadien ist seit Vergil der exemplarische Schauplatz der Hirtenpoesie, das Reich Pans. Die Bewohner dieser idealen Landschaft führen ein "von den Klängen Silens [...] und von Liebe erfülltes, einfach-schönes, erhöhtes Dasein" (Denzler, s. u.). Zwei Interpretationen bzw. Übersetzungen des lateinischen Themas haben sich eingebürgert: "Auch in Arkadien bin ich" bzw. "Auch ich war in Arkadien". Die Wissenschaft bevorzugt seit Erwin Panofksy die erste Interpretation in dem Sinne, dass sich der Tod des Zugangs sogar zu einem irdischen Paradies rühmt. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde jedoch die zweite Deutung populär, die von André Félibien formuliert wurde: Die jung Verstorbene hat in Arkadien gelebt, der Tod scheut sich nicht, seine Opfer in jungen Jahren und im Zustand der Glückseligkeit auszuwählen. In diesem Sinne, der in der Kunst des ausgehenden 18. Jahrhunderts große Popularität auch bei anderen deutschen Künstlern gewann, interpretiert auch Hüsgen (s. o.) das vorliegende Werk. Schließlich wurde die Formulierung "Et in Arcadia ego" grundsätzlich auf als glücklich empfundene, vergangene Zustände, auf die Endlichkeit von Liebe, Freundschaft und Jugend angewandt, so von Johann Wolfgang von Goethe, als er die 1816/17 erschienenen Bände der "Italienischen Reise" mit "Auch ich in Arcadien!" betitelte. Mit Goethe schließt sich wiederum der Kreis zu Johann Georg Schütz, dem römischen Wohnungsgenossen des großen Dichters ... Literatur: Hüsgen, Heinrich Sebastian, Artistisches Magazin. Frankfurt a. M. 1790, S. 387-390: zur Biographie des Johann Georg Schütz. - Gwinner, Philipp Friedrich, Kunst und Künstler in Frankfurt am Main vom 13. Jahrhundert bis zur Eröffnung des Städelschen Kunstinstituts. Frankfurt a. M. 1862, 318 f.: zur Biographie des Künstlers. - Denzler, Max, Et in Arcadia ego, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. VI (1968), Sp. 117-131.