Antoine Pesne - Rudolph Wilhelm Eversmann und seine Gemahlin Elisabeth Margarethe Ilse, geb. Köhler

Auktion 377, Kat.-Nr. 207

ALTE KUNST am 27. September 2017

Antoine Pesne

Rudolph Wilhelm Eversmann und seine Gemahlin Elisabeth Margarethe Ilse, geb. Köhler

Schätzpreis:
€ 10.000 bis € 15.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 12.700 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
PESNE, ANTOINE
1683 Paris - 1757 Berlin, Werkstatt
und Georg Lisiewsky (um 1674 Olesko - 1750 Berlin)

Rudolph Wilhelm Eversmann und seine Gemahlin Elisabeth Margarethe Ilse, geb. Köhler

Zwei Dreiviertelporträts. Das Damenbildnis rechts unten (auf dem Steinsockel) schwer lesbar signiert und datiert. Öl auf Lwd. 145 x 113 / 144 x 110,5 cm. Doubliert. Rest. Besch. Rahmen besch.

Rudolph Wilhelm Eversmann (1685 Hannover - 1745 Berlin) ist in überaus selbstbewusster Haltung dargestellt: leicht nach links stehend, den linken Unterarm auf eine Stuhllehne gestützt, weist die linke Hand mit sprechender Geste aus dem Gemälde heraus, Eversmann fixiert den Betrachter frontal mit suggestivem Blick. Seine Gemahlin Elisabeth Margarethe Ilse, geb. Köhler (1699 Helmstedt - 1769 Wansleben) steht in einem aufwendig gearbeiteten weißen Kleid und mit blauem Mantel in nahezu königlicher Attitüde vor einer Parklandschaft, die linke Hand auf einen Steinsockel gestützt, der die Signatur des Künstlers Georg Lisiewsky trägt.



"Mein Großvater hieß Rudolph Wilhelm, er war Kammerdiener u. Ober-Castellan bei König Fried: Wilh: I von Preußen. Er starb zu Berlin den 7. Jan. 1745 am Schlagfluß 60 Jahre alt, u. wurde am 11. Jan. in der St. Petri Kirche begraben. Ich besitze noch ein Bild von ihm, ein Kniestück, vom großen Maler Paine [= Antoine Pesne] gemalt; ein Meisterstück; darnach war er ein untersetzter dicker Mann, schön gebildet u. mit jovialischem Aussehen. Er scheint kein Mann von tieffem aber doch von gesundem Verstande gewesen zu sein, sein Gesicht u. das seines Herrn [= König Friedrich Wilhelm I. von Preußen] haben in den Verhältnissen viel Aehnliches. Auch waren sie beide würkliche Freunde. Friedrich Wilhelm ging mit ihm auf einem bürgerlich vertrauten Fuß um, sie kamen des Abends en famille zusammen u. rauchten beim Glase Bier ihre Pfeiffe Taback, eine ganz leichte Sorte, die man damals Holländische Blättchen nannte. Meine Großmutter, von der ich auch noch das Bild besitze, von einem ebenfalls berühmten Maler seiner Zeit, Leczewsky [= Georg Lisiewsky], war eine schöne Frau; stark fleischig u. von gesundem Körperbau. Sie hieß Elisabeth Margarethe von Köhler, und war die Tochter von Peter Köhler Cammerrath u. Oberamtmann zu Wannsleben. Sie starb 1769." (Zitat nach der handschriftlichen "Autobiographie von Alexander v. Eversmann" (1759-1837), S. 2; Privatbesitz).

Die hochgebildete, ebenso scharfsinnige wie -züngige, für ihren Bayreuther "Musenhof" berühmt gewordene Markgräfin Wilhelmine (1709-1758), Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, charakterisierte den engen Vertrauten ihres allzu strengen und ungeliebten Vaters dagegen weniger empathisch als "monstre" bzw. "un vrai suppôt de satan" ("eine Ausgeburt des Teufels") ...

Unbestreitbar ist sicherlich das ausgeprägte Selbstbewusstsein Rudolph Wilhelm Eversmanns. Nichts lag für den engen Vertrauten des preußischen Königs näher, als sich vom Hofmaler Antoine Pesne (oder zumindest einem Künstler aus dessen Werkstatt) porträtieren zu lassen. Und der zu seiner Zeit als Bildnismaler ebenfalls geschätzte Georg Lisiewsky, Vater der berühmten Künstlerinnen Anna Dorothea Therbusch und Barbara (Anna) Rosina de Gasc, wurde schließlich mit einem wahrlich fürstlichen Porträt seiner Gemahlin beauftragt.

Wir danken Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung. Er ordnet das Bildnis Rudolph Wilhelm Eversmanns auf Basis von Fotografien aus stilistischen Gründen als in der Werkstatt Antoine Pesnes entstanden ein.
Ebenso danken wir Dr. Sigrid Sangl, München, für die Überlassung ihrer Exzerpte und die Zugänglichmachung der Autobiographie Alexander von Eversmanns.

Literatur: Biermann, Georg, Deutsches Barock und Rokoko. Herausgegeben im Anschluss an die Jahrhundert-Ausstellung Deutscher Kunst 1650-1800, Darmstadt 1914. Bd. I. Leipzig 1914, S. 145, Abb. 231: das Bildnis R. W. Eversmanns (als Werk Antoine Pesnes). - Ausst.-Kat. Antoine Pesne - 23. Mai 1683 - 5. August 1757. Gedächtnisausstellung im Schloss Charlottenburg zum 200. Todestag. Berlin 1957, S. 36, Kat.-Nr. 44: das Bildnis R. W. Eversmanns. - Berckenhagen, Ekhart, Antoine Pesne. Berlin 1958, S. 120, WVZ-Nr. 92 a: dort beide Porträts als eigenhändige Arbeiten Antoine Pesnes.



Datierung:
und Georg Lisiewsky (um 1674 Olesko - 1750 Berlin)


Titel-Zusatz:
Zwei Dreiviertelporträts


Signatur-Bez-Vorne:
Das Damenbildnis rechts unten (auf dem Steinsockel) schwer lesbar signiert und datiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
145 x 113 / 144 x 110,5 cm
Zustand:
Doubliert. Rest. Besch
Rahmen:
Rahmen besch
Kommentar:
"Mein Großvater hieß Rudolph Wilhelm, er war Kammerdiener u. Ober-Castellan bei König Fried: Wilh: I von Preußen. Er starb zu Berlin den 7. Jan. 1745 am Schlagfluß 60 Jahre alt, u. wurde am 11. Jan. in der St. Petri Kirche begraben. Ich besitze noch ein Bild von ihm, ein Kniestück, vom großen Maler Paine [= Antoine Pesne] gemalt; ein Meisterstück; darnach war er ein untersetzter dicker Mann, schön gebildet u. mit jovialischem Aussehen. Er scheint kein Mann von tieffem aber doch von gesundem Verstande gewesen zu sein, sein Gesicht u. das seines Herrn [= König Friedrich Wilhelm I. von Preußen] haben in den Verhältnissen viel Aehnliches. Auch waren sie beide würkliche Freunde. Friedrich Wilhelm ging mit ihm auf einem bürgerlich vertrauten Fuß um, sie kamen des Abends en famille zusammen u. rauchten beim Glase Bier ihre Pfeiffe Taback, eine ganz leichte Sorte, die man damals Holländische Blättchen nannte. Meine Großmutter, von der ich auch noch das Bild besitze, von einem ebenfalls berühmten Maler seiner Zeit, Leczewsky [= Georg Lisiewsky], war eine schöne Frau; stark fleischig u. von gesundem Körperbau. Sie hieß Elisabeth Margarethe von Köhler, und war die Tochter von Peter Köhler Cammerrath u. Oberamtmann zu Wannsleben. Sie starb 1769." (Zitat nach der handschriftlichen "Autobiographie von Alexander v. Eversmann" (1759-1837), S. 2; Privatbesitz). Die hochgebildete, ebenso scharfsinnige wie -züngige, für ihren Bayreuther "Musenhof" berühmt gewordene Markgräfin Wilhelmine (1709-1758), Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, charakterisierte den engen Vertrauten ihres allzu strengen und ungeliebten Vaters dagegen weniger empathisch als "monstre" bzw. "un vrai suppôt de satan" ("eine Ausgeburt des Teufels") ... Unbestreitbar ist sicherlich das ausgeprägte Selbstbewusstsein Rudolph Wilhelm Eversmanns. Nichts lag für den engen Vertrauten des preußischen Königs näher, als sich vom Hofmaler Antoine Pesne (oder zumindest einem Künstler aus dessen Werkstatt) porträtieren zu lassen. Und der zu seiner Zeit als Bildnismaler ebenfalls geschätzte Georg Lisiewsky, Vater der berühmten Künstlerinnen Anna Dorothea Therbusch und Barbara (Anna) Rosina de Gasc, wurde schließlich mit einem wahrlich fürstlichen Porträt seiner Gemahlin beauftragt. Wir danken Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, für seine freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung. Er ordnet das Bildnis Rudolph Wilhelm Eversmanns auf Basis von Fotografien aus stilistischen Gründen als in der Werkstatt Antoine Pesnes entstanden ein. Ebenso danken wir Dr. Sigrid Sangl, München, für die Überlassung ihrer Exzerpte und die Zugänglichmachung der Autobiographie Alexander von Eversmanns. Literatur: Biermann, Georg, Deutsches Barock und Rokoko. Herausgegeben im Anschluss an die Jahrhundert-Ausstellung Deutscher Kunst 1650-1800, Darmstadt 1914. Bd. I. Leipzig 1914, S. 145, Abb. 231: das Bildnis R. W. Eversmanns (als Werk Antoine Pesnes). - Ausst.-Kat. Antoine Pesne - 23. Mai 1683 - 5. August 1757. Gedächtnisausstellung im Schloss Charlottenburg zum 200. Todestag. Berlin 1957, S. 36, Kat.-Nr. 44: das Bildnis R. W. Eversmanns. - Berckenhagen, Ekhart, Antoine Pesne. Berlin 1958, S. 120, WVZ-Nr. 92 a: dort beide Porträts als eigenhändige Arbeiten Antoine Pesnes.