Die drei ältesten Kinder des englischen Königs Charles I.

Auktion 384, Kat.-Nr. 202

ALTE KUNST UND SONDERAUKTION DER SAMMLUNG MELETTA ART & INTERIEURS am 3. Juli 2019

Die drei ältesten Kinder des englischen Königs Charles I.

Schätzpreis:
€ 15.000 bis € 20.000

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noch erhältlich

Beschreibung:
Dyck, Anthonis van
1599 Antwerpen - 1641 London, nach

Die drei ältesten Kinder des englischen Königs Charles I.


Öl auf Lwd. 157 x 148 cm. Doubliert. Rest. Min. besch. Rahmen besch.

Dargestellt sind die drei ältesten Kinder Charles I.: Prinz Charles (1630-85, als König Charles II.) - James, Duke of York (1633-1701, als König James II.) - Prinzessin Mary (1631-60, Princess Royal, spätere Prinzessin von Oranien-Nassau). In ganzer Figur vor Säulenarchitektur mit Samtvorhang stehend, flankiert von zwei King Charles Spaniels.

Es handelt sich bei vorliegendem Gemälde um eine variierende Wiederholung nach Anthonis van Dycks Original im Besitz der Sammlungen der Königin von England (Windsor Castle). Dieses wurde 1635/36 ausgeführt, nachdem der Künstler bereits ein Jahr zuvor die drei Kinder ein erstes Mal dargestellt hatte. Jenes Gemälde (Turin, Galleria Sabauda) stieß bei König Charles I. jedoch auf Kritik, da der Thronfolger, Prince Charles, noch in Kinderkleidung statt in Kniehosen porträtiert wurde. Von der späteren Fassung des Kinderbildnisses wurde zahlreiche Wiederholungen hergestellt, meist jedoch in kleinerem Format. Auf dem vorliegenden Gemälde variiert der unbekannte Künstler, möglicherweise ein Werkstattmitglied van Dycks, die Komposition in interessanter Weise: Er erweitert den Hintergrund im oberen Bereich, bildet somit mehr vom hinterfangenden, kostbaren "Genueser Stamt" ab. Dies hat zur Folge, dass das Gemälde nun in ähnlichem Format und sehr vergleichbarer Proportion wie die erste, vom König verschmähte, Turiner Fassung (151 x 154 cm) erscheint, fast als ob ein Gegenstück zu diesem geschaffen werden sollte. Vgl.: Larsen, Erik, The paintings of Anthony van Dyck. Freren 1988, Bd. II, S. 318, WVZ-Nr. 808 (das Gemälde in Windsor Castle; Abb. 307 in Bd. I., S. 306) und S. 478 f., WVZ-Nr. A 203/1-6): zu verschiedenen Kopien nach diesem Gemälde. Provenienz: Galerie Ludwig Glenk, Berlin (1919). - Sammlung Camilla Eibenschütz (seit 1919). - Süddeutsche Privatsammlung. Camilla Eibenschütz (1884-1958) war eine höchst anerkannte Schauspielerin im Berlin des späten Kaiserreichs und der Weimarer Republik. 1906 brillierte sie in der Rolle der "Wendla" in der Uraufführung von Frank Wedekinds seinerzeit umstrittenen Stück "Frühlings Erwachen". Sie wirkte in zahlreichen Inszenierungen Max Reinhardts mit, trat auf Broadway-Bühnen auf, Albert von Keller porträtierte sie als Myrrhine in Aristophanes "Lysistrata". In zweiter Ehe war sie mit dem einflussreichen Verleger Wolfgang Huck (1889-1966) verheiratet. Vorliegendes Gemälde erhielt Camilla Eibenschütz an Weihnachten 1919 zum Geschenk. Laut Eibenschütz eigenhändigen Notizen betrug der Kaufpreis damals 40.000 Mark. In ihren Aufzeichnungen vermerkt sie auch: "aus hannoverschem Besitz". Inwieweit dies eventuell als Hinweis auf das Königliche Haus Hannover verstanden werden kann, konnte nicht ermittelt werden. Ernst August von Hannover (1845-1923), dem letzten Kronprinzen des Hauses, wurden jedenfalls auf Weisung König Georgs V. von Großbritannien im Frühjahr 1919 seine britischen Adelstitel und -rechte aberkannt. Es wäre nachvollziehbar, wenn sich der Kronprinz aus Enttäuschung darüber in der Folge über den renommierten Kunsthändler Glenk von einem Gemälde getrennt hätte, das zu sehr mit der Geschichte der englischen Cousins in Verbindung stand.


Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
157 x 148 cm
Zustand:
Doubliert. Rest. Min. besch
Rahmen:
Rahmen besch
Kommentar:
Es handelt sich bei vorliegendem Gemälde um eine variierende Wiederholung nach Anthonis van Dycks Original im Besitz der Sammlungen der Königin von England (Windsor Castle). Dieses wurde 1635/36 ausgeführt, nachdem der Künstler bereits ein Jahr zuvor die drei Kinder ein erstes Mal dargestellt hatte. Jenes Gemälde (Turin, Galleria Sabauda) stieß bei König Charles I. jedoch auf Kritik, da der Thronfolger, Prince Charles, noch in Kinderkleidung statt in Kniehosen porträtiert wurde. Von der späteren Fassung des Kinderbildnisses wurde zahlreiche Wiederholungen hergestellt, meist jedoch in kleinerem Format. Auf dem vorliegenden Gemälde variiert der unbekannte Künstler, möglicherweise ein Werkstattmitglied van Dycks, die Komposition in interessanter Weise: Er erweitert den Hintergrund im oberen Bereich, bildet somit mehr vom hinterfangenden, kostbaren "Genueser Stamt" ab. Dies hat zur Folge, dass das Gemälde nun in ähnlichem Format und sehr vergleichbarer Proportion wie die erste, vom König verschmähte, Turiner Fassung (151 x 154 cm) erscheint, fast als ob ein Gegenstück zu diesem geschaffen werden sollte. Vgl.: Larsen, Erik, The paintings of Anthony van Dyck. Freren 1988, Bd. II, S. 318, WVZ-Nr. 808 (das Gemälde in Windsor Castle; Abb. 307 in Bd. I., S. 306) und S. 478 f., WVZ-Nr. A 203/1-6): zu verschiedenen Kopien nach diesem Gemälde. Provenienz: Galerie Ludwig Glenk, Berlin (1919). - Sammlung Camilla Eibenschütz (seit 1919). - Süddeutsche Privatsammlung. Camilla Eibenschütz (1884-1958) war eine höchst anerkannte Schauspielerin im Berlin des späten Kaiserreichs und der Weimarer Republik. 1906 brillierte sie in der Rolle der "Wendla" in der Uraufführung von Frank Wedekinds seinerzeit umstrittenen Stück "Frühlings Erwachen". Sie wirkte in zahlreichen Inszenierungen Max Reinhardts mit, trat auf Broadway-Bühnen auf, Albert von Keller porträtierte sie als Myrrhine in Aristophanes "Lysistrata". In zweiter Ehe war sie mit dem einflussreichen Verleger Wolfgang Huck (1889-1966) verheiratet. Vorliegendes Gemälde erhielt Camilla Eibenschütz an Weihnachten 1919 zum Geschenk. Laut Eibenschütz eigenhändigen Notizen betrug der Kaufpreis damals 40.000 Mark. In ihren Aufzeichnungen vermerkt sie auch: "aus hannoverschem Besitz". Inwieweit dies eventuell als Hinweis auf das Königliche Haus Hannover verstanden werden kann, konnte nicht ermittelt werden. Ernst August von Hannover (1845-1923), dem letzten Kronprinzen des Hauses, wurden jedenfalls auf Weisung König Georgs V. von Großbritannien im Frühjahr 1919 seine britischen Adelstitel und -rechte aberkannt. Es wäre nachvollziehbar, wenn sich der Kronprinz aus Enttäuschung darüber in der Folge über den renommierten Kunsthändler Glenk von einem Gemälde getrennt hätte, das zu sehr mit der Geschichte der englischen Cousins in Verbindung stand.