Max Liebermann - Tennisplatz am Meer - Studie. 1901

Auktion 69, Kat.-Nr. 1001

GRAPHIK UND GEMäLDE (15.-18. JH.) AB 14 UHR

KLASSISCHE MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART AB 17 UHR am 3. Dezember 2020

Max Liebermann

Tennisplatz am Meer - Studie. 1901

Schätzpreis:
€ 80.000 bis € 120.000

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noch erhältlich
Beschreibung:
Max Liebermann
1847 Berlin - 1935 ebenda

Tennisplatz am Meer - Studie. 1901


Links unten mit Bleistift signiert "MLiebermann". Verso auf dem Malkarton mit der Nummer "B62" in Bleistift. Verso mit zwei Ausstellungsetiketten (Nationalgalerie Berlin / Stuttgarter Kunstkabinett) sowie Fragment eines alten Etiketts. Öl auf Malkarton. 44,5 x 55 cm. Min. Rahmen bedingte Randbereibungen. Rahmen.

Ausstellungen:
Kunsthaus Lempertz, 451. Auktion, Köln, 28.10.1958, Nr. 173
Stuttgarter Kunstkabinett, 33. Auktion, 29. und 30.5.1959, Nr. 506, Taf. 20.
Max Liebermann in seiner Zeit, Nationalgalerie Berlin 1979
München Haus der Kunst 1980, Nr. 81
Sotheby`s London 19.3.1986, Nr. 104, Farbabb.

Auszeit

Ok, da ist diese schicke Villa am Wannsee, aber die Sommer verbringt Max Liebermann (1847-1935) am liebsten am Meer, bevorzugt im hollän-dischen Nordseebad Scheveningen. Auch im Sommer des Jahres 1901 hält sich der Malerfürst dort auf. Doch etwas ist anders: Mit dem neu an-brechenden Jahrhundert haben sich Liebermanns Themen geändert. Hatte er bis dahin vor allem dörfliche Landschaften und Szenen des All-tags- und Arbeitslebens dargestellt, so wählt er nun unbeschwerte Strandszenen mit Badenden im Meer und sportliche Motive mit Reitern und Tennisspielern als Sujets. Im Scheveningen des Jahres 1901 beschäftigt sich Liebermann erst-mals mit dem Motiv "Tennisspieler am Meer" und fertigt dort als Vorlage für einv Gemälde, das im Winter in seinem Berliner Atelier entstehen wird, kleinere Skizzen und Studien an, darunter auch die im Dezember bei NEUMEISTER zur Versteigerung kommende Arbeit "Tennisplatz am Meer - Studie". Der Bildausschnitt zeigt einen von drei Seiten begrenzten Rasen-Tennisplatz ohne Netz. Am rechten Bildrand sind zwei elegante Damen in weißen Kleidern zu sehen. Die Linke steht vor dem vor dem Strandkorb, die Rechte hat sich in ihm niedergelassen. Am Horizont der lichttrunkenen Szene ist das Meer zu erkennen. Nichts ist auf dem in zurückhaltenden Pastellfarben aufgetragenem Werk zu spüren von sport-lichem Ehrgeiz. Vielmehr geht es auf dem Platz entspannt und beschau-lich zu. Die weiblichen Figuren, die im leeren Raum isoliert wirken, scheinen mehr an Schwätzchen als an Schmetterbällen interessiert zu sein. Allzu gerne nehmen legen sie also am Rand des Spielfeldes eine geruhsame Auszeit ein. Tennis am Meer, das war zu Liebermanns Zeiten ein Freizeitvergnügen, das nur einem kleinen Kreis vorbehalten war. Und Frauentennis galt als besonders exotisch. Doch die Damen, die Liebermann auf den Platz schickt, ruhen gelassen in ihrer großbürgerlich behüteten Welt. Was soll ihnen schon passieren?


In flüssigem breiten Pinselstrich deutet Liebermann in seiner Studie einen von drei Seiten begrenzten Tennisplatz - noch ohne Netz - mit Meerblick an. Rechts im Bild sind zwei weiß gekleidete Damen zu sehen, dahinter das Meer und der Horizont. Zusammen mit einer weiteren Kompositionsskizze (Eberle 1901/15) entstand auch diese Studie 1901 im Nordseebad Scheveningen. Noch im selben und darauffolgendem Jahr führte Liebermann diese Studien in großformatigen Gemälden aus. Die Studien verdeutlichen, dass sich Liebermann nun auch neuen Themen zuwendete. Das Interesse am neuen Tennissport verbreitete und etablierte sich rasch in der großbürgerlichen Gesellschaft und gehörte neben dem Reiten und Polo zu den bevorzugten Vergnügen. Liebermann war der erste deutsche Maler, der sich mit neuartigen Sportarten beschäftigte.
Die Inspiration, sich mit der Darstellung von Tennisspielen zu beschäftigen, erhielt er vermutlich durch seine damals 15 Jährige Tochter Käthe, die selbst viel spielte.

Werkverzeichnis: Eberle Bd II 1901/16

Provenienz: Dr. Conrad Doebbeke, Berlin / Lempertz, Köln / Stuttgarter Kunstkabinett Ketterer (1959) / Rosa C. Klein (1986) / Sotheby`s, London (1986) / Galerie Neumeister, München (1986) / Privatbesitz

Literatur: Weltkunst, Jg. LVI, 1986, Heft 5, Farbabb. S. 733. Richardson, 1991, II, S. 145, Nr. 402.


Signatur-Bez-Vorne:
Links unten mit Bleistift signiert "MLiebermann"
Signatur-Bez-Recto:
Verso auf dem Malkarton mit der Nummer "B62" in Bleistift. Verso mit zwei Ausstellungsetiketten (Nationalgalerie Berlin / Stuttgarter Kunstkabinett) sowie Fragment eines alten Etiketts
Technik:
Öl
Träger:
auf Malkarton
Maße:
44,5 x 55 cm
Zustand:
Min. Rahmen bedingte Randbereibungen
Rahmen:
Rahmen
Werkverzeichnis:
Eberle Bd II 1901/16
Provenienz:
Dr. Conrad Doebbeke, Berlin / Lempertz, Köln / Stuttgarter Kunstkabinett Ketterer (1959) / Rosa C. Klein (1986) / Sotheby`s, London (1986) / Galerie Neumeister, München (1986) / Privatbesitz
Literatur:
Weltkunst, Jg. LVI, 1986, Heft 5, Farbabb. S. 733. Richardson, 1991, II, S. 145, Nr. 402
Kommentar:
In flüssigem breiten Pinselstrich deutet Liebermann in seiner Studie einen von drei Seiten begrenzten Tennisplatz - noch ohne Netz - mit Meerblick an. Rechts im Bild sind zwei weiß gekleidete Damen zu sehen, dahinter das Meer und der Horizont. Zusammen mit einer weiteren Kompositionsskizze (Eberle 1901/15) entstand auch diese Studie 1901 im Nordseebad Scheveningen. Noch im selben und darauffolgendem Jahr führte Liebermann diese Studien in großformatigen Gemälden aus. Die Studien verdeutlichen, dass sich Liebermann nun auch neuen Themen zuwendete. Das Interesse am neuen Tennissport verbreitete und etablierte sich rasch in der großbürgerlichen Gesellschaft und gehörte neben dem Reiten und Polo zu den bevorzugten Vergnügen. Liebermann war der erste deutsche Maler, der sich mit neuartigen Sportarten beschäftigte. Die Inspiration, sich mit der Darstellung von Tennisspielen zu beschäftigen, erhielt er vermutlich durch seine damals 15 Jährige Tochter Käthe, die selbst viel spielte.