- Aufsatzschreibkommode

Auktion 404, Kat.-Nr. 91

FRüHJAHRSAUKTION

am 31. März 2022

 

Aufsatzschreibkommode

Schätzpreis:
€ 8.000 bis € 10.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 104.000 (inkl. 30 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Aufsatzschreibkommode

Böhmen (?), um 1730

 

Furnier Nussbaum, Ahorn, Mooreiche. Rest., erg., tlw. verzogen, besch. 195 x 132 x 75 cm.

 

Sechsschübiger, frontal eingeschwungener Kommodenuntersatz mit abgerundeten Vorderkanten, hinter deren zurückschiebbbarer Verkleidung sich Geheimfächer verbergen. Schräge Schreibplatte mit flankierenden Schüben. Ausstattung mit sieben Schubladen. Aufsatz mit Bogengiebel und neun Schubfächern um zentrales Fach mit Türe. Innenliegend div. kleine (Geheim)schubladen. Tlw. Zentralverriegelung. Reicher Bandelwerkdekor. Die Türe eingelegt mit einem Obelisk über Rocaillesockel mit Blumenvasen, die Schreibklappe mit bekröntem Doppelwappen in Rocaillekartusche auf Lambrequin.

 

Bei dem Allianzwappen mit Fürstenhut handelt es sich um die die Wappen der Markgrafen von Baden und des Fürstenhauses Schwarzenberg. Möglicherweise bezieht sich das Doppelwappen auf Ludwig Georg Simpert von Baden (1702-1761), der 1721 Maria Anna von Schwarzenberg (1706-1755) auf Schloss Krumau in Böhmen ehelichte. Der aufwändige Marketeriedekor des Möbels wird in erster Linie bestimmt durch die mehrfarbig eingelegte, kunstvoll verschränkte Ornamentform des sog. Bandelwerks, die insbesondere über Vorlagewerke der französischen Ornamentstecher Bérain und Marot um 1700 auch im deutschsprachigen Bereich modern wurde und dort vor allem durch Augsburger Vorlagenstecher Verbreitung fand. Ab etwa 1730, am frühesten in München unter François de Cuvilliés d. Ä., wurde das Bandelwerk langsam abgelöst durch die Ornamentform der Rocaille, die sich auch an vorliegender Schreibkommode in streng symmetrischer Anordnung findet.



Datierung:
um 1730


Zustand:
Rest., erg., tlw. verzogen, besch
Kommentar:
Bei dem Allianzwappen mit Fürstenhut handelt es sich um die die Wappen der Markgrafen von Baden und des Fürstenhauses Schwarzenberg. Möglicherweise bezieht sich das Doppelwappen auf Ludwig Georg Simpert von Baden (1702-1761), der 1721 Maria Anna von Schwarzenberg (1706-1755) auf Schloss Krumau in Böhmen ehelichte. Der aufwändige Marketeriedekor des Möbels wird in erster Linie bestimmt durch die mehrfarbig eingelegte, kunstvoll verschränkte Ornamentform des sog. Bandelwerks, die insbesondere über Vorlagewerke der französischen Ornamentstecher Bérain und Marot um 1700 auch im deutschsprachigen Bereich modern wurde und dort vor allem durch Augsburger Vorlagenstecher Verbreitung fand. Ab etwa 1730, am frühesten in München unter François de Cuvilliés d. Ä., wurde das Bandelwerk langsam abgelöst durch die Ornamentform der Rocaille, die sich auch an vorliegender Schreibkommode in streng symmetrischer Anordnung findet.