Otto Modersohn - Bauerngarten in Fischerhude / Das Haus der Modersohns. 1911

Auktion 406, Kat.-Nr. 831

HERBSTAUKTION 28. UND 29. SEPTEMBER am 28. September 2022

Otto Modersohn

Bauerngarten in Fischerhude / Das Haus der Modersohns. 1911

Schätzpreis:
€ 12.000 bis € 15.000

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noch erhältlich

Beschreibung:

Otto Modersohn

1865 Soest - 1943 Fischerhude

 

Bauerngarten in Fischerhude / Das Haus der Modersohns. 1911

 

 

Links unten datiert IX II (September 1911). Öl auf Malpappe. 56,5 x 39,5 cm. Rahmen besch. (70,5 x 54 cm).

 

Otto Modersohn gehört zu den ersten Künstlern, die sich in der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen niederlassen. Über seine Ankunft berichtet er: "Mittwoch, 3. Juli 1889 kam ich mit F. Mackensen voller Erwartung hier an. Ich sah fast gleich, dass meine Erwartungen nicht getäuscht waren. Ich fand ein höchst originelles Dorf, das auf mich einen durchaus fremdartigen Eindruck machte; der hügelige sandige Boden im Dorf selbst, die großen bemoosten Strohdächer und nach allen Seiten, soweit man sehen konnte, alles so weit und so groß wie am Meer." Otto Modersohn, der sich zugunsten einer vereinfachten impressionistischen Landschaftsmalerei bereits früh von der klassisch-idealistischen Akademiekunst seiner Zeit abgewendet hatte, siedelt nach Worpswede um und bildet mit Fritz Mackensen, Hans am Ende, Heinrich Vogeler und Fritz Overbeck eine Gruppe gleichgesinnter Künstler. Kreative Kraft schöpft der Kreis aus geistiger Versenkung in die Natur. Unter freiem Himmel entstehen Landschaftsbilder, inspiriert von der einsamen Landschaft mit dem geheimnisvollen Teufelsmoor, vom hohen Himmel und dem besonderen Farbenspiel. Nach dem eher holprigen Start bei der ersten gemeinsamen Ausstellung in der Bremer Kunsthalle 1895 feiern die Worpsweder bei der anschließenden Ausstellung im Münchener Glaspalast den Durchbruch. 1901 heiratet der kurz zuvor verwitwete Otto Modersohn die damals 25-jährige Paula Becker. Otto Modersohn ist es, der damals als einer von wenigen bemerkt, dass seine Frau kein Worpsweder "Malweib" ist, sondern eine wirklich große Künstlerin. Er selbst - bodenständig, erdverwachsen, den Traditionen des 19. Jahrhunderts verbunden - bleibt als Maler hinter ihr zurück. 1906 verlässt Paula ihren Mann und geht nach Paris, wo richtungsweisende Werke entstehen. Diese expressionistischen Bildnisse, in denen sie ihren nackten Körper wie selbstverständlich zum Thema macht, gelten als die ersten Akt-Selbstdarstellungen der Kunstgeschichte, manch eine(r) liest in ihnen den Beginn der Selbstbefreiung moderner Frauen. 1907 kehrt Paula nach Worpswede zurück und versöhnt sich mit ihrem Mann. Nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde stirbt die erst 31-jährige Malerin am 20. November. Otto Modersohn siedelt nach Paulas Tod ins Nachbardorf Fischerhude um, wo er wenig später die Sängerin und Malerin Luise Breling heiratet. An ihrer Seite folgen 36 Jahre künstlerischer Tätigkeit. Fischerhude wird dabei zum zentralen Ort der - nach Westfalen und Worpswede - dritten Schaffensperiode des Künstlers. Einen fast privaten Einblick in Otto Modersohns Fischerhuder Zeit gewährt das Ölgemälde, das das Haus der Modersohns samt Bauerngarten in Fischerhude zeigt. Zu sehen ist eine expressiv gestaltete Landschaft mit Garten. Das Motiv scheint unspektakulär und skizzenhaft, die Darstellung vereinfacht - und dennoch ist das Gemälde voller Atmosphäre und intimer Stimmung.

 

Es liegt ein Fotogutachten von Christian Modersohn (o.J.) vor. Die Authentizität wurde von Herrn Rainer Noeres bestätigt.

 

Provenienz: Christian Modersohn, Fischerhude / Galerie Rosenbach, Hannover / Privazsammlung / Schloß Ricklingen / Privatbesitz Norddeutschland

 

Ausstellung: Katalog Auktion 54, am 3.12.1988, Schloß Ricklingen, Garbsen, Los-Nr. 1039, Tafel 9

 

Wir danken Herrn Rainer Noeres für die freundliche Unterstützung bei der wissenschaftlichen Bearbeitung.



Signatur-Bez-Vorne:
Links unten datiert IX II (September 1911)
Technik:
Öl
Träger:
auf Malpappe
Maße:
56,5 x 39,5 cm
Rahmen:
Rahmen besch. (70,5 x 54 cm)
Echtheit:
Es liegt ein Fotogutachten von Christian Modersohn (o.J.) vor. Die Authentizität wurde von Herrn Rainer Noeres bestätigt.
Provenienz:
Christian Modersohn, Fischerhude / Galerie Rosenbach, Hannover / Privazsammlung / Schloß Ricklingen / Privatbesitz Norddeutschland
Ausstellung:
Katalog Auktion 54, am 3.12.1988, Schloß Ricklingen, Garbsen, Los-Nr. 1039, Tafel 9
Danksagung:
Wir danken Herrn Rainer Noeres für die freundliche Unterstützung bei der wissenschaftlichen Bearbeitung.