Karl Theodor von Piloty - Studie eines römischen Senators

Auktion 400, Kat.-Nr. 591

FRüHJAHRSAUKTION am 14. April 2021

Karl Theodor von Piloty

Studie eines römischen Senators

Schätzpreis:
€ 5.000 bis € 7.000

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noch erhältlich
Beschreibung:
Karl Theodor von Piloty
1826 München - 1886 Ambach

Studie eines römischen Senators


R. u. signiert und Ortsbezeichnung Rom. Öl auf Lwd. 53,5 x 41 cm. Rest. Rahmen min. besch.

Im Jahre 1873/1874 schuf Karl Theodor von Piloty, führender Meister der Historienmalerei und als Professor an der Münchener Akademie schulbildend, sein wichtigstes Werk der späten Schaffensphase: Im Auftrag König Ludwigs II. von Bayern entstand "Thusnelda im Triumphzug des Germanicus", ein Gemälde riesigen Formats (490 x 710 cm), das bis heute zu den berühmtesten Werken der Münchener Neuen Pinakothek zählt.

Zur Handlung: Thusnelda, Gattin des Cheruskerfürsten Arminius, wir zusammen mit Thumelicus, ihrem Sohn, ihrem Bruder Sigismund und ihrem Gefolge als Trophäe des Sieges über die Germanen durch Rom geführt. Dies geschieht unter den Augen des römischen Kaisers Tiberius. Tiberius sitzt mit seiner Gemahlin und weiteren wichtigen Personen auf einer Tribüne, auch der gesamte römische Senat hat sich eingefunden. Als Hauptfigur im Kreis dieser Senatoren kann jene Gestalt gesehen werden, die sich - wie mit Scheinwerferlicht für das Auge des Betrachters hervorgehoben - vornüber auf eine Steinbrüstung stützt und zum Kaiser blickt. Die vorliegende Studie bezieht sich auf diesen Senator.

Die Entstehung dieses Hauptwerkes von Karl Theodor von Piloty erstreckte sich über mehrere Jahre. Den Ursprung der Bildidee sieht die Forschung im Jahre 1856, als Piloty in der Loggia dei Lanzi in Florenz eine damals als Thusnelda identifizierte römische Skulptur studierte. Sicher überliefert ist eine Beschäftigung mit dem Thema ab 1863. In diesem Jahr scheint die Komposition weitgehend vorgeplant gewesen zu sein, Verkaufsverhandlungen scheiterten jedoch vorerst. Die Ausführung des Gemäldes erfolgte dann ab 1869, nachdem der Künstler hierfür den offiziellen Auftrag König Ludwigs II. erhalten hatte. Der Entstehungsprozess entwickelte sich zum Ereignis für das Münchener Bildungsbürgertum, man drängte sich in dem samstags geöffneten Atelier Pilotys, um das Fortschreiten der Arbeit zu verfolgen. Es stand fest, dass das Gemälde auf der Wiener Weltausstellung 1873 gezeigt werden sollte.

Die vorliegende Studie wird in das Jahr 1858 datiert, der Künstler hatte sie auf einer Romreise angefertigt. Zur gleichen Figur existiert auch ein Studienblatt mit zwei Bleistiftskizzen in Privatbesitz. Der Senator trägt hier noch jugendliche Gesichtszüge, die in der Ölstudie stärker definiert und personalisiert wiedergegeben werden, so wie der Senator schließlich auf dem Gemälde ausgeführt werden sollte. Während auf unserer Studie - ganz offenbar nach dem Leben - noch von einem porträthaften Charakter gesprochen werden kann, wird die Haltung von Kopf und Oberkörper später jedoch den dramaturgischen Erfordernissen des Monumentalgemäldes entsprechend verändert.


Literatur: Baumstark, Reinhold / Büttner, Frank (Hgg.), Großer Auftritt. Piltoy und die Historienmalerei. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung München, Neue Pinakothek, 4. April - 27. Juli 2003. München / Köln 2003, S. 336 und S. 426, Kat.-Nr. 16.15 (mit Abb.).


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert und Ortsbezeichnung Rom
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
53,5 x 41 cm
Zustand:
Rest
Rahmen:
Rahmen min. besch
Kommentar:
Im Jahre 1873/1874 schuf Karl Theodor von Piloty, führender Meister der Historienmalerei und als Professor an der Münchener Akademie schulbildend, sein wichtigstes Werk der späten Schaffensphase: Im Auftrag König Ludwigs II. von Bayern entstand "Thusnelda im Triumphzug des Germanicus", ein Gemälde riesigen Formats (490 x 710 cm), das bis heute zu den berühmtesten Werken der Münchener Neuen Pinakothek zählt. Zur Handlung: Thusnelda, Gattin des Cheruskerfürsten Arminius, wir zusammen mit Thumelicus, ihrem Sohn, ihrem Bruder Sigismund und ihrem Gefolge als Trophäe des Sieges über die Germanen durch Rom geführt. Dies geschieht unter den Augen des römischen Kaisers Tiberius. Tiberius sitzt mit seiner Gemahlin und weiteren wichtigen Personen auf einer Tribüne, auch der gesamte römische Senat hat sich eingefunden. Als Hauptfigur im Kreis dieser Senatoren kann jene Gestalt gesehen werden, die sich - wie mit Scheinwerferlicht für das Auge des Betrachters hervorgehoben - vornüber auf eine Steinbrüstung stützt und zum Kaiser blickt. Die vorliegende Studie bezieht sich auf diesen Senator. Die Entstehung dieses Hauptwerkes von Karl Theodor von Piloty erstreckte sich über mehrere Jahre. Den Ursprung der Bildidee sieht die Forschung im Jahre 1856, als Piloty in der Loggia dei Lanzi in Florenz eine damals als Thusnelda identifizierte römische Skulptur studierte. Sicher überliefert ist eine Beschäftigung mit dem Thema ab 1863. In diesem Jahr scheint die Komposition weitgehend vorgeplant gewesen zu sein, Verkaufsverhandlungen scheiterten jedoch vorerst. Die Ausführung des Gemäldes erfolgte dann ab 1869, nachdem der Künstler hierfür den offiziellen Auftrag König Ludwigs II. erhalten hatte. Der Entstehungsprozess entwickelte sich zum Ereignis für das Münchener Bildungsbürgertum, man drängte sich in dem samstags geöffneten Atelier Pilotys, um das Fortschreiten der Arbeit zu verfolgen. Es stand fest, dass das Gemälde auf der Wiener Weltausstellung 1873 gezeigt werden sollte. Die vorliegende Studie wird in das Jahr 1858 datiert, der Künstler hatte sie auf einer Romreise angefertigt. Zur gleichen Figur existiert auch ein Studienblatt mit zwei Bleistiftskizzen in Privatbesitz. Der Senator trägt hier noch jugendliche Gesichtszüge, die in der Ölstudie stärker definiert und personalisiert wiedergegeben werden, so wie der Senator schließlich auf dem Gemälde ausgeführt werden sollte. Während auf unserer Studie - ganz offenbar nach dem Leben - noch von einem porträthaften Charakter gesprochen werden kann, wird die Haltung von Kopf und Oberkörper später jedoch den dramaturgischen Erfordernissen des Monumentalgemäldes entsprechend verändert. Literatur: Baumstark, Reinhold / Büttner, Frank (Hgg.), Großer Auftritt. Piltoy und die Historienmalerei. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung München, Neue Pinakothek, 4. April - 27. Juli 2003. München / Köln 2003, S. 336 und S. 426, Kat.-Nr. 16.15 (mit Abb.).