Hanno Rhomberg - Der uneigennützige Schulmeister

Auktion 402, Kat.-Nr. 497

HERBSTAUKTION am 22. September 2021

Hanno Rhomberg

Der uneigennützige Schulmeister

Schätzpreis:
€ 6.500 bis € 8.000

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Ergebnis:
€ 8.450 (inkl. 30 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Hanno Rhomberg

1820 München - 1869 Walchsee/Tirol

 

Der uneigennützige Schulmeister

 

 

R. u. signiert. Öl auf Lwd. 93,5 x 82,5 cm. Doubliert. Rest. Rahmen.

 

Im Schulhaus empfängt ein alter Lehrer eine Bäuerin mit ihrem Sohn. Im Hintergrund ist die Schulstube zu erkennen. Die Gäste haben dem Schulmeister einen saftigen Schinken übereicht, den dieser - wie ein Wickelkind - fast liebevoll im Arm hält. Mit der linken Hand streicht er dem Knaben huldvoll über das blonde Haar. Am Fenster sitzt ein weiterer Schüler über seinen Aufgaben, aufmerksam und kritisch blickt er von diesen auf. In der Fensterlaibung lehnt das berüchtigte Hilfsmittel damaliger "Pädagogik": der Rohrstock ...

 

Hanno Rhomberg war der Sohn des aus Vorarlberg gebürtigen Künstlers Joseph Anton Rhomberg (1786 Dornbirn - 1855 München). Bereits sein Großvater Johann war als Maler tätig gewesen. Hanno Rhomberg erhielt seinen ersten Unterricht bei seinem Vater, später war er Schüler von Julius Schnorr von Carolsfeld, Josef Bernhardt und Karl von Enhuber. Als Genremaler zeigte sich Rhomberg ausgeprochen talentiert. Das vorliegende Gemälde kann zu seinen besten Werken gezählt werden.

 

"H. Rhomberg zeigt uns in seinem Schulmeister, der den dargebrachten Schinken eines Zöglings huldvoll entgegennimmt, während der überreichte Blumenstrauß eines anderen Schülers unbeachtet bei Seite liegen bleibt, abermals seine große Fertigkeit in der bildlichen Darstellung des Humors." Wohlwollend wird der "Uneigennützige Schulmeister" Hanno Rhombergs im Schornschen Kunstblatt unter den Ankäufen des Münchener Kunstvereins im Jahre 1855 erwähnt. In dieser Würdigung werden die Hauptcharakteristika eines gelungenen Genregemäldes in der Mitte des 19. Jahrhunderts genannt: Es sollte sich nicht nur durch technische Perfektion (und diese konnte Rhomberg gerade unter dem in dieser Hinsicht brillanten Maler Karl von Enhuber verfeinern) auszeichnen. Der Bildgegenstand sollte auch den "Humor" bestmöglich darstellen, also eine hintergründige, zum Schmunzeln anregende Szene. Und wer nimmt beim Betrachten des vorliegenden Gemäldes nicht sofort die geheuchelte, mit einem Schinken "erkaufte" Zuneigung des gichtigen Schulmeisters wahr, in dessen Obhut die durchaus nicht unvermögende junge Bäuerin ihren Sohn - wohl mangels Alternative - gibt? Der Eigennutz des Lehrers zeigt sich wiederum im schon angewelkten Blumenstrauß, mit welchem der andere Schüler den gestrengen Alten offenbar ebenfalls milde stimmen wollte.

 

Im Jahre 1850 wurde dem bereits abgedankten König Ludwig I. von Bayern anlässlich der Einweihung der "Bavaria" auf der Münchener Theresienwiese ein Künstleralbum überreicht, das den Dank der Künstlerschaft für dessen langjähriges Mäzenatentum darstellte. Für dieses Album reichten zahlreiche Künstler letztlich 250 Kunstwerke in kleinem Format ein. Der König verfügte, dass ein großer Teil dieser Werke druckgraphisch vervielfältigt und damit einem breiten Kreis von Kunstfreunden zugänglich gemacht werden sollte. Die Originale dieser Arbeiten werden heute großenteils in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München aufbewahrt, darunter auch ein kleines Gemälde Hanno Rhombergs mit der Darstellung des "Uneigennützigen Schulmeisters" (Öl auf Papier, 25,8 x 21,7 cm; Inv.-Nr. K.-L.-A. 54). Nach dieser Arbeit, die nachweislich erst nach 1850 dem Bestand des König-Ludwig-Albums hinzugefügt wurde, schuf Carl Feederle 1859 die unten erwähnte Lithographie. Da Ludwig I. von Bayern zwischen 1850 und 1853 drei Gemälde Hanno Rhombergs erworben hatte, erklärt sich die Tatsache, dass auch Rhomberg dem König im Rahmen des Album-Projektes für dessen Förderung danken wollte. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass das vorliegende Gemälde als Vorlage für die kleine Fassung diente, die Rhomberg für das König-Ludwig-Album schuf.

 

Literatur: Deutsches Kunstblatt Nr. 8, 21. Februar 1856, S. 72: Erwähnung des Gemäldes als Ankauf des Münchener Kunstvereins. - Vgl. Boetticher, Friedrich von, Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts. Bd. II, 1. Leipzig 1941 (Reprint), S: 400, Nr. 2: Lithographie von C. Feederle nach Rhombergs Sujet für das König-Ludwig-Album (1859).

 

Wir danken Dr. Bettina Keller, Institut für Kunstgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, für ihre freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung und die Mitteilung essentieller Informationen zur Einordnung des "Uneigennützigen Schulmeisters" in den zeitlichen Kontext. Dr. Keller leitet seit 2011 das Forschungsprojekt "König-Ludwig-Album. Herrscherlob von Künstlerhand - Die Reproduktion des König-Ludwig-Albums im Bestand der Graphischen Sammlung der Universität Erlangen-Nürnberg".



Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
93,5 x 82,5 cm
Zustand:
Doubliert. Rest
Rahmen:
Rahmen
Kommentar:
Hanno Rhomberg war der Sohn des aus Vorarlberg gebürtigen Künstlers Joseph Anton Rhomberg (1786 Dornbirn - 1855 München). Bereits sein Großvater Johann war als Maler tätig gewesen. Hanno Rhomberg erhielt seinen ersten Unterricht bei seinem Vater, später war er Schüler von Julius Schnorr von Carolsfeld, Josef Bernhardt und Karl von Enhuber. Als Genremaler zeigte sich Rhomberg ausgeprochen talentiert. Das vorliegende Gemälde kann zu seinen besten Werken gezählt werden. "H. Rhomberg zeigt uns in seinem Schulmeister, der den dargebrachten Schinken eines Zöglings huldvoll entgegennimmt, während der überreichte Blumenstrauß eines anderen Schülers unbeachtet bei Seite liegen bleibt, abermals seine große Fertigkeit in der bildlichen Darstellung des Humors." Wohlwollend wird der "Uneigennützige Schulmeister" Hanno Rhombergs im Schornschen Kunstblatt unter den Ankäufen des Münchener Kunstvereins im Jahre 1855 erwähnt. In dieser Würdigung werden die Hauptcharakteristika eines gelungenen Genregemäldes in der Mitte des 19. Jahrhunderts genannt: Es sollte sich nicht nur durch technische Perfektion (und diese konnte Rhomberg gerade unter dem in dieser Hinsicht brillanten Maler Karl von Enhuber verfeinern) auszeichnen. Der Bildgegenstand sollte auch den "Humor" bestmöglich darstellen, also eine hintergründige, zum Schmunzeln anregende Szene. Und wer nimmt beim Betrachten des vorliegenden Gemäldes nicht sofort die geheuchelte, mit einem Schinken "erkaufte" Zuneigung des gichtigen Schulmeisters wahr, in dessen Obhut die durchaus nicht unvermögende junge Bäuerin ihren Sohn - wohl mangels Alternative - gibt? Der Eigennutz des Lehrers zeigt sich wiederum im schon angewelkten Blumenstrauß, mit welchem der andere Schüler den gestrengen Alten offenbar ebenfalls milde stimmen wollte. Im Jahre 1850 wurde dem bereits abgedankten König Ludwig I. von Bayern anlässlich der Einweihung der "Bavaria" auf der Münchener Theresienwiese ein Künstleralbum überreicht, das den Dank der Künstlerschaft für dessen langjähriges Mäzenatentum darstellte. Für dieses Album reichten zahlreiche Künstler letztlich 250 Kunstwerke in kleinem Format ein. Der König verfügte, dass ein großer Teil dieser Werke druckgraphisch vervielfältigt und damit einem breiten Kreis von Kunstfreunden zugänglich gemacht werden sollte. Die Originale dieser Arbeiten werden heute großenteils in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München aufbewahrt, darunter auch ein kleines Gemälde Hanno Rhombergs mit der Darstellung des "Uneigennützigen Schulmeisters" (Öl auf Papier, 25,8 x 21,7 cm; Inv.-Nr. K.-L.-A. 54). Nach dieser Arbeit, die nachweislich erst nach 1850 dem Bestand des König-Ludwig-Albums hinzugefügt wurde, schuf Carl Feederle 1859 die unten erwähnte Lithographie. Da Ludwig I. von Bayern zwischen 1850 und 1853 drei Gemälde Hanno Rhombergs erworben hatte, erklärt sich die Tatsache, dass auch Rhomberg dem König im Rahmen des Album-Projektes für dessen Förderung danken wollte. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass das vorliegende Gemälde als Vorlage für die kleine Fassung diente, die Rhomberg für das König-Ludwig-Album schuf. Literatur: Deutsches Kunstblatt Nr. 8, 21. Februar 1856, S. 72: Erwähnung des Gemäldes als Ankauf des Münchener Kunstvereins. - Vgl. Boetticher, Friedrich von, Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts. Bd. II, 1. Leipzig 1941 (Reprint), S: 400, Nr. 2: Lithographie von C. Feederle nach Rhombergs Sujet für das König-Ludwig-Album (1859). Wir danken Dr. Bettina Keller, Institut für Kunstgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, für ihre freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung und die Mitteilung essentieller Informationen zur Einordnung des "Uneigennützigen Schulmeisters" in den zeitlichen Kontext. Dr. Keller leitet seit 2011 das Forschungsprojekt "König-Ludwig-Album. Herrscherlob von Künstlerhand - Die Reproduktion des König-Ludwig-Albums im Bestand der Graphischen Sammlung der Universität Erlangen-Nürnberg".