Johann Georg Ziesenis - Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen

Auktion 407, Kat.-Nr. 467

WINTERAUKTION

am 7. Dezember 2022 bis 8. Dezember 2022

Johann Georg Ziesenis

1716 Kopenhagen - 1776 Hannover

Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen

Schätzpreis:
€ 15.000 bis € 20.000

Differenzbesteuerung    

noch erhältlich

Beschreibung:
Johann Georg Ziesenis

1716 Kopenhagen - 1776 Hannover

Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen

Dreiviertelfigur nach links an ihrem Stickrahmen sitzend. In Palastinterieur mit Vorhangdraperie. Öl auf Lwd. 142 x 100 cm. Umlaufende Randdoublierung. Rest. Rahmen besch. (150 x 106,5 cm).

Das vorliegende Gemälde ist eine deutlich vergrößernde Wiederholung des kleineren Gemäldes im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin, Gemäldegalerie (Inv.-Nr. 1880) aus dem Jahre 1768 und zeigt die Prinzessin kurz vor ihrer Heirat. Ziesenis fertigte auch ein Porträt ihres Verlobten, des Herzogs Ernst von Sachsen-Gotha-Altenburg. Besonders auffallend ist die Art der Darstellung beider Personen: Das Bildnis des Herzogs in Parklandschaft spielt auf die "leisure time" des Bräutigams an, er ist in moderner, legerer Kleidung wiedergegeben, die später als "Werthertracht" bezeichnet wurde. Diese Mode wurde aus England adaptiert und lehnte sich an bürgerliche Kleidung an. Beim Bildnis Charlottes von Sachsen-Meiningen zeigt Ziesenis "ein häusliches Bild weiblicher Tugend" indem er sich des Motivs der "handarbeitenden Fürstin" bedient. Dabei handelt es sich um einen neu entstandenen Typus des höfischen Privatporträts. Es werden bei beiden Porträts die Grenzen zum bürgerlichen Bildnis durchbrochen, ein sozialhistorisch nicht unbedeutender Aspekt (Zitate nach Schrader 2016, s. u., S. 213). Charlotte, Prinzessin von Sachsen-Meiningen (1751 Frankfurt a. M. - 1827 Genua) war durch Heirat eine Herzogin von Sachsen-Gotha-Altenburg. Sie wurde als Tochter des Herzogs Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen und dessen Ehefrau Charlotte Amalie, einer geborenen Prinzessin von Hessen-Philippsthal geboren. 1769 heiratete sie in Meiningen Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Sie unterstützte ihren Mann in seinem Bemühen, als aufgeklärter Monarch aufzutreten und in seiner Förderung von Kunst und Wissenschaft. Der Astronomie galt das besondere Interesse der Herzogin. Herzogin Charlotte hatte mit Ernst II. vier Söhne, darunter die beiden späteren Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg August und Friedrich IV. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1804 kam es zu Differenzen mit seinem Nachfolger Herzog August. Sie verließ Gotha, nach einem Aufenthalt in Eisenberg reiste sie mit ihrem Oberhofmeister in den Süden. Mehrere Jahre lebte sie in Marseille, später in Genua. Bernhard von Lindenau (1779 Altenburg - 1854 ebenda) war Jurist, Astronom und Minister in Sachsen. Seine bedeutende Kunstsammlung bildete den Grundstock des Lindenau-Museums in Altenburg. Da er die Fürsten Sachsen-Gotha-Altenburg jahrelang in Finanzfragen und juristischen Fragen beriet und ab 1822 den Nachfolger Augusts in den Regierungsgeschäften vertrat (was ihm im Volksmund den Beinamen "Herzog Bernhard" einbrachte) wurde ihm unter anderem dieses Portrait geschenkt. Literatur: Osten, Gert v. d., Hannoversches Rokoko. Johann Friedrich, Johann Georg, Elisabeth Zisenis. Ausst.-Katalog Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, 1937, Kat.-Nr. 151. - Schrader, Karin, Der Bildnismaler Johann Georg Ziesenis (1716-1776). Leben und Werk mit kritischem Oeuvrekatalog (= Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte, 3). Münster 1995, S. 247, WVZ-Nr. 212a. - Dies., Porträts als Medien dynastischer Kommunikation. Johann Georg Ziesenis in Gotha und Weimar, in: Bomski, Franziska u. a. (Hg.), Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den Höfen der Ernestiner. Göttingen 2016, S. 209-235, v. a. S. 211: Erwähnung des vorliegenden Porträts. Provenienz: Nachlass Bernhard von Lindenau (1779 Altenburg - 1854 ebenda). - Seitdem im Besitz der Nachfahren Lindenaus. Wir danken Dr. Karin Schrader, Bad Nauheim, für ihre freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.


Titel-Zusatz:
Dreiviertelfigur nach links an ihrem Stickrahmen sitzend. In Palastinterieur mit Vorhangdraperie


Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
142 x 100 cm
Zustand:
Umlaufende Randdoublierung. Rest
Rahmen:
Rahmen besch. (150 x 106,5 cm)
Provenienz:
Nachlass Bernhard von Lindenau (1779 Altenburg - 1854 ebenda). - Seitdem im Besitz der Nachfahren Lindenaus.
Danksagung:
Wir danken Dr. Karin Schrader, Bad Nauheim, für ihre freundliche Unterstützung im Rahmen der Katalogisierung.
Kommentar:
Bernhard von Lindenau (1779 Altenburg - 1854 ebenda) war Jurist, Astronom und Minister in Sachsen. Seine bedeutende Kunstsammlung bildete den Grundstock des Lindenau-Museums in Altenburg. Da er die Fürsten Sachsen-Gotha-Altenburg jahrelang in Finanzfragen und juristischen Fragen beriet und ab 1822 den Nachfolger Augusts in den Regierungsgeschäften vertrat (was ihm im Volksmund den Beinamen "Herzog Bernhard" einbrachte) wurde ihm unter anderem dieses Portrait geschenkt. Literatur: Osten, Gert v. d., Hannoversches Rokoko. Johann Friedrich, Johann Georg, Elisabeth Zisenis. Ausst.-Katalog Hannover, Niedersächsisches Landesmuseum, 1937, Kat.-Nr. 151. - Schrader, Karin, Der Bildnismaler Johann Georg Ziesenis (1716-1776). Leben und Werk mit kritischem Oeuvrekatalog (= Göttinger Beiträge zur Kunstgeschichte, 3). Münster 1995, S. 247, WVZ-Nr. 212a. - Dies., Porträts als Medien dynastischer Kommunikation. Johann Georg Ziesenis in Gotha und Weimar, in: Bomski, Franziska u. a. (Hg.), Mens et Manus. Kunst und Wissenschaft an den Höfen der Ernestiner. Göttingen 2016, S. 209-235, v. a. S. 211: Erwähnung des vorliegenden Porträts.