Josef Wopfner - Ave Maria auf dem Chiemsee

Auktion 401, Kat.-Nr. 428

SOMMERAUKTION am 23. Juni 2021

Josef Wopfner

Ave Maria auf dem Chiemsee

Schätzpreis:
€ 20.000 bis € 25.000

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noch erhältlich
Beschreibung:

Josef Wopfner

1843 Schwaz am Inn - 1927 München

 

Ave Maria auf dem Chiemsee

 

 

Abendandacht zweier Nonnen in einem Kahn auf dem See. Auch das Fischermädchen und der Fischer halten inne. Im Hintergrund die Fraueninsel. L. u. signiert und Ortsbezeichnung München. Öl auf Holz. 14 x 18 cm. Rest. Rahmen.

 

In kleinem Format gibt Josef Wopfner ein Thema wieder, das ihn mehrmals beschäftigt hat: Die Andacht auf dem abendlichen See, ein Innehalten während der Überfahrt zur Insel, von der nicht mehr weit entfernten Klosterkirche ist das Abendläuten zu hören.

 

Ein "stiller" Bildgegenstand, der in deutlichem Kontrast zu den bewegten Überfahrten im Sturm, der routinierten Beschreibung der Tätigkeiten der Chiemseefischer, die sein Schaffen eigentlich kennzeichnen, steht. Und dennoch ein Thema, das dem Künstler offenbar am Herzen lag und von ihm öfters aufgegriffen wurde: Ein "Abendläuten" wurde z. B. als Eigentum Prinz Luitpolds von Bayern, dem späteren Prinzregenten, 1883 auf der Internationalen Kunstausstellung München präsentiert, u. a. auf der großen Münchener Jubiläumsausstellung im Jahre 1888 zeigte man ein großformatiges "Ave Maria". Dieses Gemälde stieß auf größtes Interesse, es wurde in der Folge auch auf anderen bedeutenden Ausstellungen bewundert, in populären Zeitschriften reproduziert. Im Schaffen des Künstlers stehen zwei Darstellungen des "Ave Maria" unserem Gemälde besonders nahe. Diese sind 1890 bzw. um 1890 entstanden, in deutlich größerem Format. Das 1890 datierte Gemälde wurde ebenfalls in "Die Kunst für Alle" und in der "Gartenlaube" reproduziert. Die kompositionelle Übereinstimmung geht bis in Details, den abendlichen Dunst über der Wasseroberfläche, der die Silhouette des Berge verschwimmen lässt und die silbrige glänzende Mondsichel am Abendhimmel. Friedrich Pecht, zu seiner Zeit eine wichtige Instanz der Kunstkritik, beschreibt in "Die Kunst für Alle" 1892 dieses Gemälde treffend: "Man kann die fromme Andacht, die hingebende Erhebung der Seele zu Gott gewiß nicht rührender und ergreifender aussprechen als in diesem Bilde, wo alles ruht und schweigt, und dennoch voll mächtigen inneren Lebens ist. [...] Die mächtigsten Eindrücke in der Kunst sind eben immer auch die einfachsten, hier ist Wopfners Ave Maria wahrhaft genial." (zitiert nach Holz / Rauch, s. u. , S. 34). Offenbar entsprach der Künstler mit der Wahl des Bildgegenstandes dem Kunstgeschmack seiner Zeitgenossen. Nicht nur, dass die bäuerliche Genremalerei, ja die Landschaftsmalerei schlechthin in einer Zeit größten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels besonders nachgefragt waren, anscheinend war auch ein großes inneres Bedürfnis der Kunstfreunde vorhanden, sich mit diesen "leisen" Bildern dem immer stärker werdenden "Lärm" der Außenwelt entgegenzusetzen. Man wollte in der turbulenten Großstadt - und hier lebte ein Großteil der betuchten Sammler - sich in das Idyll der ländlichen Welt, der klösterlichen Geborgenheit, in eine Welt klar definierter, auch konfessionell bedingter Rituale hineinträumen. Die Sehnsucht nach einer einfachen, besseren Welt schien durch solche Bildschöpfungen befriedigt zu werden. Eine Sehnsucht, die immer aktuell war und ist. Josef Wopfner reihte sich auf individuelle Art in eine Bildtradition des 19. Jahrhunderts ein, die im Kern auf Jean-François Millets berühmt gewordenes "Angelusläuten" (1858) zurückgeht. Zu den bedeutendsten, symbolistisch aufgeladenen Werken dieser Nachfolge zählt auch das nicht minder bekannte "Ave Maria a trasbordo" von Giovanni Segantini (1882). Vgl. Boetticher, Friedrich von, Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts. Bd. II, 2. Leipzig 1941 (Reprint), S. 1038, Nr. 13 und 21 (die beiden oben erwähnten Gemälde). - Holz, Irmgard / Rauch, Alexander, Josef Wopfner 1843-1927. Rosenheim 1989, S. 204, WVZ-Nr. 245 und 246 (mit Abb.), letztere mit Farbtafel S. 129: die beiden erwähnten, kompositionell vergleichbaren Darstellungen des "Ave Maria".



Titel-Zusatz:
Abendandacht zweier Nonnen in einem Kahn auf dem See. Auch das Fischermädchen und der Fischer halten inne. Im Hintergrund die Fraueninsel


Signatur-Bez-Vorne:
L. u. signiert und Ortsbezeichnung München
Technik:
Öl
Träger:
auf Holz
Maße:
14 x 18 cm
Zustand:
Rest
Rahmen:
Rahmen
Kommentar:
Ein "stiller" Bildgegenstand, der in deutlichem Kontrast zu den bewegten Überfahrten im Sturm, der routinierten Beschreibung der Tätigkeiten der Chiemseefischer, die sein Schaffen eigentlich kennzeichnen, steht. Und dennoch ein Thema, das dem Künstler offenbar am Herzen lag und von ihm öfters aufgegriffen wurde: Ein "Abendläuten" wurde z. B. als Eigentum Prinz Luitpolds von Bayern, dem späteren Prinzregenten, 1883 auf der Internationalen Kunstausstellung München präsentiert, u. a. auf der großen Münchener Jubiläumsausstellung im Jahre 1888 zeigte man ein großformatiges "Ave Maria". Dieses Gemälde stieß auf größtes Interesse, es wurde in der Folge auch auf anderen bedeutenden Ausstellungen bewundert, in populären Zeitschriften reproduziert. Im Schaffen des Künstlers stehen zwei Darstellungen des "Ave Maria" unserem Gemälde besonders nahe. Diese sind 1890 bzw. um 1890 entstanden, in deutlich größerem Format. Das 1890 datierte Gemälde wurde ebenfalls in "Die Kunst für Alle" und in der "Gartenlaube" reproduziert. Die kompositionelle Übereinstimmung geht bis in Details, den abendlichen Dunst über der Wasseroberfläche, der die Silhouette des Berge verschwimmen lässt und die silbrige glänzende Mondsichel am Abendhimmel. Friedrich Pecht, zu seiner Zeit eine wichtige Instanz der Kunstkritik, beschreibt in "Die Kunst für Alle" 1892 dieses Gemälde treffend: "Man kann die fromme Andacht, die hingebende Erhebung der Seele zu Gott gewiß nicht rührender und ergreifender aussprechen als in diesem Bilde, wo alles ruht und schweigt, und dennoch voll mächtigen inneren Lebens ist. [...] Die mächtigsten Eindrücke in der Kunst sind eben immer auch die einfachsten, hier ist Wopfners Ave Maria wahrhaft genial." (zitiert nach Holz / Rauch, s. u. , S. 34). Offenbar entsprach der Künstler mit der Wahl des Bildgegenstandes dem Kunstgeschmack seiner Zeitgenossen. Nicht nur, dass die bäuerliche Genremalerei, ja die Landschaftsmalerei schlechthin in einer Zeit größten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels besonders nachgefragt waren, anscheinend war auch ein großes inneres Bedürfnis der Kunstfreunde vorhanden, sich mit diesen "leisen" Bildern dem immer stärker werdenden "Lärm" der Außenwelt entgegenzusetzen. Man wollte in der turbulenten Großstadt - und hier lebte ein Großteil der betuchten Sammler - sich in das Idyll der ländlichen Welt, der klösterlichen Geborgenheit, in eine Welt klar definierter, auch konfessionell bedingter Rituale hineinträumen. Die Sehnsucht nach einer einfachen, besseren Welt schien durch solche Bildschöpfungen befriedigt zu werden. Eine Sehnsucht, die immer aktuell war und ist. Josef Wopfner reihte sich auf individuelle Art in eine Bildtradition des 19. Jahrhunderts ein, die im Kern auf Jean-François Millets berühmt gewordenes "Angelusläuten" (1858) zurückgeht. Zu den bedeutendsten, symbolistisch aufgeladenen Werken dieser Nachfolge zählt auch das nicht minder bekannte "Ave Maria a trasbordo" von Giovanni Segantini (1882). Vgl. Boetticher, Friedrich von, Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts. Bd. II, 2. Leipzig 1941 (Reprint), S. 1038, Nr. 13 und 21 (die beiden oben erwähnten Gemälde). - Holz, Irmgard / Rauch, Alexander, Josef Wopfner 1843-1927. Rosenheim 1989, S. 204, WVZ-Nr. 245 und 246 (mit Abb.), letztere mit Farbtafel S. 129: die beiden erwähnten, kompositionell vergleichbaren Darstellungen des "Ave Maria".