Affenfamilie mit Kirschen

Auktion 372, Kat.-Nr. 360

ALTE KUNST & SCHMUCK am 5./6. Juli 2016

Affenfamilie mit Kirschen

Schätzpreis:
€ 30.000 bis € 50.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 38.100 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Max, Gabriel von
1840 Prag - 1915 München

Affenfamilie mit Kirschen

L. u. signiert und 1912 datiert. Auf dem Keilrahmen wohl eigenhändig bezeichnet "Gabriel v. Max 1912". Auf der Rahmenrückseite auf altem Klebeetikett "MÚ-ÉS RÉGISÉG / KERESKEDELMI VALLALAT / RAKATÁRI SZÁM" nummeriert 2873. Öl auf Lwd. 66,6 x 50,5 cm. Min. besch. Rest. Rahmen besch.

Eine Affenfamilie hat sich auf und bei einem orientalisierenden Tisch versammelt. Eines der Tiere greift nach von oben herabhängenden Kirschen. Die Aufmerksamkeit der weiteren Affen gilt wohl einem Beobachter der Szene, der sich von rechts nähert und die Affen in ihrem Treiben überrascht. Die Szene wird von einem bunten orientalischen Glasfenster im Hintergrund geheimnisvoll beleuchtet.

Die Beschäftigung mit Charles Darwins Lehre vom Ursprung des Menschen führte dazu, dass sich Gabriel von Max zeitweise bis zu 14 Affen hielt, später umgab er sich nur noch mit wenigen Tieren, die er aufmerksam beobachtete, nach ihrem Tode wissenschaftlich untersuchte und photographierte. Auch wurden die Affen als Hausgenossen in das Familienleben integriert, was durch verschiedene Fotografien und auch Skizzen des Künstlers dokumentiert ist. Das einzige bekannte Selbstporträt zeigt 1910 den Künstler mit seinem Lieblingsaffen Paly, der nach seinem Tod in einem Glassarg im Atelier des Künstlers aufgebahrt wurde.

Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens standen von Beginn an religiös-mystische Themen, die Psychologisierung der Bildinhalte zeichnet das Schaffen Max lebenslang aus. Seine Gemälde mit Darstellungen von Affen machten den Künstler berühmt. Das erste dokumentierte Affengemälde "Schmerzvergessen" entstand 1871, die "Affen als Kunstrichter" - Max berühmtestes Werk - wurde 1889 für die Münchner Neue Pinakothek erworben. Indem er dem Affen menschliche Eigenschaften unterstellt und ihn damit zum Spiegelbild menschlicher Verhaltensweisen macht, reiht sich Gabriel von Max in eine bis in die Antike zurückreichende Tradition ein.

Gabriel Max erinnert sich 1904 an den starken Eindruck, den ein lebender Orang Utan als Kind auf ihn machte: "Die Weihnachtsbücher mit ihren Urwaldgeschichten lebten auf, gleichzeitig sah mich die Mystick [sic!] des Daseins, der Menschwerdung aus diesen sanften Augen so an, daß ich den Eindruck behielt als hätte mich ein Wunder Gottes, weit herbeigeschleppt, auf die Stirne geküßt und einen Keim mir anvertraut, als wär ich der Nährboden dafür ... Natur, freie Natur weite fremde Natur berührte mich mystisch." Über seinen Lieblingsaffen Paly schreibt Max: "Das ist nun der wahre Homunkulus, der alle Altweltaffen überragt. Noch einmal tritt die untergehende Sonne aus den Wolken und beleuchtet ein längst aufgegebenes Ideal ..." (aus den autobiographischen Aufzeichnungen Gabriel von Max im Deutschen Kunstarchiv, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg; zitiert nach Gabriel von Max. Malerstar - Darwinist - Spiritist. Ausst.-Kat. München, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, 23. Oktober 2010 - 30. Januar 2011. München 2010, S. 332 f. und 335).

Auf der Münchner Jahres-Ausstellung im Glaspalast war im Jahre 1912 ein Gemälde "Abendsonne" Gabriel von Max ausgestellt. Möglicherweise handelte es sich dabei um das vorliegende Werk. Sicherlich hat sich der Künstler bei diesem nicht ohne Grund für das auffällige Fenster als Lichtquelle entschieden, die das Geschehen in warmes, der Abendsonne ähnliches Licht taucht. Das kreisrunde Fenster entspricht in seiner Silhouette der Sonnenscheibe. Unter Berücksichtigung der bereits oben zitierten Äußerung Max, dass mit seinem Lieblingsaffen Paly noch einmal die "untergehende Sonne aus den Wolken" träte und ein längst aufgegebenes Ideal beleuchte, kann das angebotene Gemälde als später Höhepunkt der Affengemälde des Künstlers gewertet werden und stellt hinsichtlich seines deutlich psychologisierenden und unterstellt retrospektiven Bildinhalts die Summe der Affenmalerei des Gabriel von Max dar, der mit "seiner seltsam-fremdartigen, poetisch-packenden Kunst seit Langem die Legendenbildung" um seine eigene Person herausforderte (Franz Hermann Meissner im Jahre 1899 über den Künstler; zitiert nach Ausst.-Kat. Gabriel von Max, op. cit., S. 35).


Provenienz: Österreichische Privatsammlung.


Signatur-Bez-Vorne:
L. u. signiert und 1912 datiert
Signatur-Bez-Recto:
Auf dem Keilrahmen wohl eigenhändig bezeichnet "Gabriel v. Max 1912". Auf der Rahmenrückseite auf altem Klebeetikett "MÚ-ÉS RÉGISÉG / KERESKEDELMI VALLALAT / RAKATÁRI SZÁM" nummeriert 2873
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
66,6 x 50,5 cm
Zustand:
Min. besch. Rest
Rahmen:
Rahmen besch
Provenienz:
Österreichische Privatsammlung.