Jan Miense Molenaer - Fröhliche Gesellschaft beim "Handjeklap"-Spiel

Auktion 401, Kat.-Nr. 344

SOMMERAUKTION am 23. Juni 2021

Jan Miense Molenaer

Fröhliche Gesellschaft beim "Handjeklap"-Spiel

Schätzpreis:
€ 7.000 bis € 10.000

Differenzbesteuerung    

noch erhältlich
Beschreibung:

Jan Miense Molenaer

um 1610 Haarlem - 1668 ebenda

 

Fröhliche Gesellschaft beim "Handjeklap"-Spiel

 

 

R. u. (auf dem Hocker) Reste einer Signatur. Öl auf Holz. 39,4 x 55,5 cm. Rahmen. Rest. Min. besch.

 

In einem Gastraum ist eine große, heitere Gesellschaft versammelt. Männer und Frauen vergnügen sich gleichermaßen bei Trank und Spiel. Im Vordergrund verbirgt eine junge Frau, vornübergebeugt, ihr Gesicht im Schoß einer sitzenden, den Betrachter einladend anlächelnden Frau. Ihre rechte Hand hat sie - mit der Handfläche nach oben - auf ihren Rücken gelegt und erwartet den "Handjeklap" eines kräftigen, nicht mehr nüchternen Mannes in grünem Wams.

 

Beim "Handjeklap" handelt es sich um ein einst in Westeuropa durchaus verbreitetes Gesellschaftsspiel. Es stellt eine Variante zu "Blinde Kuh" dar und ist in England als "hot cockles", in Frankreich als "la main chaude" (oder auch, in der gröberen Variante, als "haute coquilles"), im deutschsprachigen Raum u. a. unter der eher plumpen Bezeichnung "Schinkenkloppen" bekannt.

 

Wie der Begriff des "Schinkenkloppens" bereits andeutet: Nicht immer begnügte man sich damit, einer Person, der man die Augen verbunden hatte oder die ihr Gesicht im Schoß einer weiteren Person verbirgt, einen Klaps oder Schlag auf die Handfläche zu verabreichen und diese dann den "Täter" erraten zu lassen. Nicht selten - auch infolge übermäßigen Alkoholgenusses, und dieser ist bei unserem "Täter" nicht zu übersehen - traf der Schlag auch das Gesäß. Ein derbes Gesellschaftsspiel, das aber über Jahrhunderte (eine der ältesten Darstellungen datiert in das 14. Jahrhundert) durch alle Gesellschaftsschichten geschlechtsübergreifend populär war. Sicherlich war vor allem bei gemischtgeschlechtlichen Gruppen jüngerer Erwachsener wegen des intensiveren Körperkontakts ein erotischer Effekt weder unerwünscht noch -beabsichtigt.

 

Jan Miense Molenaer zählt zu den populärsten Genremalern des niederländischen 17. Jahrhunderts. Er schloss sich stilistisch Dirck Hals an, zudem sind Einflüsse des Frans Hals und Judith Leysters festzustellen, die mit Molenaer verheiratet war. Seine Interieurs sind selten von großem Format und zeigen - quer durch die Gesellschaft - genreartig aufgefasste (Familien-) Gruppen sowohl bei ausgelassenem Feiern wie auch den Verrichtungen des Alltags.

 

Bestätigung Ellis Dullaart MA, RKD Den Haag, 26. August 2020. Das Gemälde wurde mit Nr. 298408 in die Datenbank des RKD aufgenommen.

 

Provenienz: Hugo Helbing, München, Auktion 10. Dezember 1907, Kat.-Nr. 13 "Bäuerliches Gesellschaftsspiel" (mit Abb.). - Privatsammlung Österreich.



Signatur-Bez-Vorne:
R. u. (auf dem Hocker) Reste einer Signatur
Technik:
Öl
Träger:
auf Holz
Maße:
39,4 x 55,5 cm
Zustand:
Rest. Min. besch
Echtheit:
Bestätigung Ellis Dullaart MA, RKD Den Haag, 26. August 2020. Das Gemälde wurde mit Nr. 298408 in die Datenbank des RKD aufgenommen.
Provenienz:
Hugo Helbing, München, Auktion 10. Dezember 1907, Kat.-Nr. 13 "Bäuerliches Gesellschaftsspiel" (mit Abb.). - Privatsammlung Österreich.
Kommentar:
Beim "Handjeklap" handelt es sich um ein einst in Westeuropa durchaus verbreitetes Gesellschaftsspiel. Es stellt eine Variante zu "Blinde Kuh" dar und ist in England als "hot cockles", in Frankreich als "la main chaude" (oder auch, in der gröberen Variante, als "haute coquilles"), im deutschsprachigen Raum u. a. unter der eher plumpen Bezeichnung "Schinkenkloppen" bekannt. Wie der Begriff des "Schinkenkloppens" bereits andeutet: Nicht immer begnügte man sich damit, einer Person, der man die Augen verbunden hatte oder die ihr Gesicht im Schoß einer weiteren Person verbirgt, einen Klaps oder Schlag auf die Handfläche zu verabreichen und diese dann den "Täter" erraten zu lassen. Nicht selten - auch infolge übermäßigen Alkoholgenusses, und dieser ist bei unserem "Täter" nicht zu übersehen - traf der Schlag auch das Gesäß. Ein derbes Gesellschaftsspiel, das aber über Jahrhunderte (eine der ältesten Darstellungen datiert in das 14. Jahrhundert) durch alle Gesellschaftsschichten geschlechtsübergreifend populär war. Sicherlich war vor allem bei gemischtgeschlechtlichen Gruppen jüngerer Erwachsener wegen des intensiveren Körperkontakts ein erotischer Effekt weder unerwünscht noch -beabsichtigt. Jan Miense Molenaer zählt zu den populärsten Genremalern des niederländischen 17. Jahrhunderts. Er schloss sich stilistisch Dirck Hals an, zudem sind Einflüsse des Frans Hals und Judith Leysters festzustellen, die mit Molenaer verheiratet war. Seine Interieurs sind selten von großem Format und zeigen - quer durch die Gesellschaft - genreartig aufgefasste (Familien-) Gruppen sowohl bei ausgelassenem Feiern wie auch den Verrichtungen des Alltags.