Hans Purrmann - Blick auf die Villa Bitthäuser, Florenz. 1942

Auktion 413, Kat.-Nr. 317

JUNI-AUKTION

am 26. Juni 2024

Hans Purrmann

1880 Speyer - 1966 Basel


Blick auf die Villa Bitthäuser, Florenz. 1942

Schätzpreis:
€ 60.000 bis € 80.000

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Ergebnis:
€ 52.000 (inkl. 30 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Hans Purrmann

1880 Speyer - 1966 Basel

Blick auf die Villa Bitthäuser, Florenz. 1942


Rechts unten "H. Purrmann" signiert. Öl auf Leinwand. 76 x 61 cm. Rahmen (89 x 74 cm).


Der 1880 in Speyer geborene Hans Purrmann erlernt zunächst das Handwerk des Dekorationsmalers im Betrieb seines Vaters. Seinem Interesse an der Kunst folgend, beginnt er 1897 an der Akademie der Bildenden Künste in München unter Gabriel von Hackl und Franz von Stuck zu studieren. Während dieser Zeit lernt er unter anderem Paul Klee, Wassily Kandinsky und Albert Weisgerber kennen, die sein Werk ebenso inspirieren, wie Pablo Picasso und Henri Matisse, die er in Paris trifft. 1908 bekommt Purrmann eine Anstellung in der neu gegründeten Akademie von Henri Matisse, mit dem er mehrere Reisen in deutsche Städte unternimmt. In Paris lernt Purrmann auch die Malerin Mathilde Vollmoeller kennen, die er 1912 heiratet. 1916 bezieht die Familie ihren Hauptwohnsitz in Berlin, wo sich Erfolge bald einstellen: So findet in den Räumen der Berliner Kunsthandlung Paul Cassirer 1918 Purrmanns erste große Einzelausstellung statt.

1919 erwirbt die Familie ein Fischerhaus in Langenargen am Bodensee, um dort viele Sommer zu verbringen. Doch Purrmann fühlt sich zunehmend von Italien angezogen, und so zieht er von 1923 bis 1928 mit seiner Familie nach Rom. Seine dortige Umgebung inspiriert ihn zu Licht durchfluteten Landschaftsbildern in kräftigen Farben. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 wird Purrmanns Werk im nationalsozialistischen Deutschland als "entartete Kunst" diffamiert. Er wird mit einem Ausstellungsverbot belegt und von der Gestapo überwacht. Es bleibt nur die Flucht: Freunde verhelfen Purrmann zur ehrenamtlichen Leitung der Villa Romana in Florenz. "Ich habe den Verwaltungsposten bei der Villa Romana in Florenz bekommen. An dem Posten ist ja nicht viel, nur freie Wohnung (eingerichtet), vier Zimmer und ein Atelier. Ich habe auf zwei Jahre angenommen und muss im Oktober antreten, damit komme ich aus Berlin und dem fruchtlosen Streit", schreibt er einem Freund im Juni 1935. Purrmann ist der bekannteste und erfolgreichste Künstler, die die Toskana als Exil wählen. Die Landschaft inspiriert ihn, er huldigt ihr mit prächtigen Gemälden und Aquarellen. Sind Purrmanns Gemälde in den 1920er Jahren noch stark vom Stil der Fauvisten geprägt (in leuchtenden, kräftigen Farben entstehen v.a Ansichten der Ufer von Sanary-sur-Mer und Langenargen am Bodensee), so löst sich der Künstler in Italien zunehmend von seinen Vorbildern und entwickelt seinen eigenen Stil. Mit vorliegendem Gemälde, das den Blick von der Villa Romana auf die Villa Bitthäuser zeigt, ge - währt uns Purrmann in seiner für diese Zeit typischen Malweise - mit transparent erscheinendem Farbauftrag - einen Blick in die sommerliche Landschaft der Toskana mit Zypressen und üppiger Vegetation.

Purrmann und seiner Frau gelingt es überdies, die Villa Romana zu einem lebendigen Kunstzentrum zu machen. Von den Nationalsozialisten zwar bedroht, aber unangetastet, wird es zum Refugium für deutsche Künstler wie Werner Gilles, Eduard Bargheer und Monika Mann. Eine freie Insel der Kunst im Exil.

Nach Mussolinis Sturz 1943 flieht Purrmann in die Schweiz, wo er weiterhin künstlerisch tätig ist. Die folgenden Jahre sind von umfangreicher Ausstellungstätigkeit und zahlreichen Ehrungen geprägt. Er stirbt 1966 in Basel. Werke von Purrmann befinden sich heute unter anderem im Kunstmuseum Stuttgart, dem Museum für Neue Kunst Freiburg und der Neuen Pinakothek in München.

Werkverzeichnis: Lenz/Billeter 1942/14, Archiv-Nr. 698

Provenienz: Dr. Lucas Lichtenhan, Basel / Privatbesitz Süddeutschland



Signatur-Bez-Vorne:
Rechts unten "H. Purrmann" signiert
Technik:
Öl
Träger:
auf Leinwand
Maße:
76 x 61 cm
Rahmen:
Rahmen (89 x 74 cm)
Werkverzeichnis:
Lenz/Billeter 1942/14, Archiv-Nr. 698
Provenienz:
Dr. Lucas Lichtenhan, Basel / Privatbesitz Süddeutschland