Franz Radziwill - Abend

Auktion 413, Kat.-Nr. 309

JUNI-AUKTION

am 26. Juni 2024

Franz Radziwill

1895 Strohausen bei Rodenkirchen - 1983 Wilhelmshaven


Abend

Schätzpreis:
€ 7.000 bis € 9.000

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Beschreibung:

Franz Radziwill

1895 Strohausen bei Rodenkirchen - 1983 Wilhelmshaven

Abend


Rechts unten signiert "Fr. Radziwill". Links unten betitelt. Gouache über Tuschzeichnung auf bräunlichem Papier. Ca. 30 x 38 cm. Blattgröße: 32,5 x 42 cm. Insgesamt leicht und an den Blattkanten gebräunt. Obere Blattecken am Unterlagenkarton befestigt, Rester alter Montierung vorhanden. Rahmen (52 x 62 cm).


Franz Radziwill (1895-1983) war ein bedeutender Maler des 20. Jahrhunderts, bekannt für seine einzigartigen Werke im Stil des magischen Realismus. Seine künstlerische Reise begann in den 1920er Jahren im Kreis der Realisten, darunter Künstler wie Georg Grosz, Otto Dix, Christian Schad und Karl Hubbuch. Inspiriert von den alten Meistern und beeinflusst vom Surrealismus sowie der Neuen Sachlichkeit, entwickelte Radziwill eine bemerkenswerte malerische Sprache.

Nach ersten Erfolgen in Städten wie Bremen, Hamburg und Berlin zog Radziwill im Jahr 1922 nach Dangast am Wattenmeer, wo er sechzig Jahre lang leben und arbeiten sollte. Diese Entscheidung markierte eine bedeutende stilistische Wendung in seinem Schaffen, als er sich um 1923 vom Expressionismus löste und seine eigene Interpretation des Magischen Realismus entwickelte.

Radziwills Werke zeichnen sich durch eine einzigartige Betonung der Landschaftsmalerei aus und reflektieren seine charakteristische Haltung gegenüber den Techniken des 20. Jahrhunderts. Seine Gemälde sind unverwechselbar und unterscheiden sich deutlich von denen anderer deutscher realistischer Maler. Durch seine meisterhafte Fusion von Realität und Fantasie schuf Radziwill eine faszinierende künstlerische Welt, die bis heute Bewunderung hervorruft.

Das Leben von Franz Radziwill war ebenso widersprüchlich wie seine rätselhaften Bilder. Er zog sich vor den Wirren der Weimarer Republik ins beschauliche Dangast zurück und erlebte die Aufbruchsstimmung des Nationalsozialismus zunächst als positiv. Er trat sogar in die Partei ein und wurde Hochschullehrer. Doch die Nazis konnten mit Radziwills expressionistischem Frühwerk nichts anfangen. Sie beschlagnahmten seine Gemälde, verboten seine Ausstellungen und entließen ihn aus dem Dienst. Radziwill wurde zu einem verfemten Künstler, der dennoch auf Schiffen der Wehrmacht über die Meere fuhr.

Der Krieg brachte persönliche Entbehrungen mit sich, Freundschaften zerbrachen und geliebte Menschen starben. Doch nach dem Krieg und mit dem Eintritt in den Frieden erfuhr Radziwill ein neues Kunstverständnis und erlangte erst späte Anerkennung in beiden deutschen Staaten. Sein Werk bleibt ein eindrucksvolles Zeugnis der großen Umbrüche und Widersprüche des 20. Jahrhunderts, festgehalten in farbgewaltigen Bildern, die den brutalen Einfall der Technik in eine vermeintlich romantische Natur darstellen

Provenienz: Privatsammlung Deutschland



Signatur-Bez-Vorne:
Rechts unten signiert "Fr. Radziwill". Links unten betitelt
Technik:
Gouache über Tuschzeichnung
Träger:
auf bräunlichem Papier
Zustand:
Insgesamt leicht und an den Blattkanten gebräunt. Obere Blattecken am Unterlagenkarton befestigt, Rester alter Montierung vorhanden
Rahmen:
Rahmen (52 x 62 cm)
Provenienz:
Privatsammlung Deutschland