Gustav Klimt - Kopf und Schulter eines Mannes vom Rücken gesehen, Frauenarm. 1897/98

Auktion 413, Kat.-Nr. 300

JUNI-AUKTION

am 26. Juni 2024

Gustav Klimt

1862 Baumgarten bei Wien - 1918 Wien


Kopf und Schulter eines Mannes vom Rücken gesehen, Frauenarm. 1897/98

Schätzpreis:
€ 30.000 bis € 50.000

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noch erhältlich

Beschreibung:

Gustav Klimt

1862 Baumgarten bei Wien - 1918 Wien

Kopf und Schulter eines Mannes vom Rücken gesehen, Frauenarm. 1897/98


Schwarze Kreide und Rötel auf braunem Bütten. Blattgröße: 42 x 31,5 cm. Knitterfaltig, gebräunt. Rahmen (66 x 49,5 cm), nicht ausgerahmt.


Eine von zahlreichen Studien für den gemalten Kompositionsentwurf "Fakultätsbild Medizin" 1901-1907. Studie für den Mann, der die "Schwebende" an der Hand hält (gemalter Entwurf), Arm für die "Schwebende".

Kaum eine andere Werkgruppe des österreichischen Malers Gustav Klimt (1862-1918) hat in der Vergangenheit so hitzige Diskussionen entfacht wie die Reihe der Fakultätsbilder: Philosophie, Jurisprudenz und Medizin. Das vierte Bild, der Theologie gewidmet, wurde dem Jugendstil-Maler Franz Matsch - (nebst Klimt) Mitbegründer der Künstler-Compagnie - in Auftrag gegeben. Ursprünglich für die Decke des Großen Festsaals der Universität Wien konzipiert, stießen besonders Klimts neuartig symbolistische und kühn wirkende Darstellungen von Leben, Tod und Krankheit auf vehemente Ablehnung seitens der Universitätsprofessoren und der Öffentlichkeit. In der asymmetrischen Komposition der Allegorie der "Medizin" zeigt Klimt in der rechten Bildhälfte einen endlos wirkenden Menschenstrom, der die Menschheit in verschiedenen Phasen der Lebendigkeit, Verletzlichkeit und Krankheit darstellt. In der linken Bildhälfte erscheint ein im hellen Nebel schwebender Frauenakt mit erhobenen Armen. Die gestreckten Arme sowohl der Schwebenden als auch des männlichen Aktes in Rückenansicht fungieren gewissermaßen als Verbindungspunkte im symbolischen Lebenszyklus. Die vorliegende Skizze diente als Vorstudie dieser Szene. Der vom Menschenstrom herausragende Männerakt ist in Ansätzen skizziert. In festen Strichen sind der nach links geneigte Kopf und die muskulöse Nackenpartie erkennbar. Über seinem Kopf schwebt der nach rechts ausgestreckte Arm der schwebenden Verkörperung der fortwährenden Erneuerung des Menschengeschlechts. In Rötel im Bereich der Rückenansicht ist schemenhaft eine weitere Handstudie zu erkennen, welche allerdings nicht eindeutig der endgültigen Übertragungsskizze zuzuordnen ist. Als Resultat der massiven Kritik trat Klimt 1905 vom Auftrag zurück, nahm sämtliche Fakultätsbilder wieder zu sich und retournierte das bereits erhaltene Honorar. Über den Privatbesitz des Künstlers gelangte das Werk der "Medizin" schließlich in den Besitz der Österreichischen Galerie, wurde jedoch von den Nationalsozialisten enteignet und fiel letztlich den Flammen des Krieges zum Opfer. Als wertvolles Zeugnis der Werkserie, das für die Nachwelt erhalten geblieben ist, gewährt die Skizze Einblick in Klimts Arbeitsweise. Trotz der damaligen Ablehnung bleiben Klimts Fakultätsbilder ein Meisterwerk der österreichischen Kunstgeschichte und hängen mittlerweile als Schwarz-weiß-Reproduktionen an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort.

Werkverzeichnis: Strobl 548

Provenienz: Auktion Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 20.-24.12.1969, Nr. 31 (Abb.) / Europäische Privatsammlung



Technik:
Schwarze Kreide und Rötel
Träger:
auf braunem Bütten
Zustand:
Knitterfaltig, gebräunt
Rahmen:
Rahmen (66 x 49,5 cm), nicht ausgerahmt
Werkverzeichnis:
Strobl 548
Provenienz:
Auktion Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath, 20.-24.12.1969, Nr. 31 (Abb.) / Europäische Privatsammlung