Johann Christoph Storer - Intercessio durch das Hl. Herz Mariae

Auktion 381, Kat.-Nr. 300

ALTE KUNST am 26. September 2018

Johann Christoph Storer

Intercessio durch das Hl. Herz Mariae

Schätzpreis:
€ 10.000 bis € 15.000

Differenzbesteuerung    

Ergebnis:
€ 12.700 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Storer, Johann Christoph

1620 Konstanz - 1671 ebenda

 

Intercessio durch das Hl. Herz Mariae

 

 

(Christus und die reuigen Sünder). R. u. signiert. Auf dem Keilrahmen Klebeetiketten mit Eigentumsnachweis Josef und Auguste Maier, Passau. Öl auf Lwd. 272 x 151 cm. Doubliert. Rest. Besch.

 

Christus erscheint als Schmerzensmann, Maria hilft ihm, das Kreuz zu tragen und reicht ihrem Sohn gleichzeitig ihr eigenes, von einem Pfeil durchbohrtes Herz. Maria Magdalena umklammert den Fuß des Kreuzes, hinter ihr die anbetende dritte Maria. Rechts ein Apostel (wohl Petrus), auf dem Boden liegt ein zu erlösender Sünder.

 

Das vorliegende Gemälde galt bislang als verschollen. Es gehörte zur ab 1852 im Zuge der Regotisierung entfernten Barockausstattung des Augsburger Domes. Das Altarbild wurde vom Augsburger Domkapitular Johann Martin Miller (gest. 1700) gestiftet, der im Jahre 1658 dafür 280 fl. bezahlte. Der ursprüngliche Aufstellungsort des Gemäldes war nach Appuhn-Radtke (s. u.) der Nikolausaltar auf der Evangelienseite, also in Blickrichtung auf den Ostchor links, des Augsburger Domes, Bushart (s. u.) lokalisierte es jedoch auf den rechten Altar am zweiten Pfeilerpaar des Kirchenschiffs.

Von Johann Christoph Storer stammten fünf Gemälde der seit 1655 umgesetzten Neugestaltung des Augsburger Domes. Ziel dieser vor allem vom späteren Augsburger Bischof Johann Christoph von Freyberg betriebenen "Domreformation" war, das mittelalterliche Bauwerk in ein "straff gegliedertes, klar überschaubares, regelmäßiges, sinnbelebtes Bauwerk" (Bushart, op.cit., S. 114) zu verwandeln. Die bedeutendste Unternehmung in diesem Zusammenhang stellte die Altarausstattung im Mittelschiff dar, die neuen Altäre waren an den Pfeilern des Mittelschiffs paarweise geordnet. Während sich die weiteren Altargemälde Johann Christoph Storers heute in Kirchen in Bachern, Wertingen und Hohenwarth befinden, gelangte das vorliegende Gemälde in Privatbesitz.

 

Johann Christoph Storer betätigte sich als Maler, Radierer und Zeichner für den Kupferstich. Nach einer Lehrzeit u. a. in Augsburg reiste der junge Künstler 1640 nach Mailand, wo er zunächst bei Ercole Procaccini d. J. arbeitete und spätestens ab 1644 eine eigene Werkstatt betrieb. Storers Malstil nach 1650 zeugt deutlich vom Einfluss der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts, ist aber auch geprägt durch Rückgriffe auf die flämische Malerei des beginnenden 17. Jahrhunderts.

1657 kehrte Johann Christoph Storer endgültig nach Konstanz zurück, seine ersten Auftraggeber nach der Rückkehr waren Jesuiten bzw. Gönner der Gesellschaft Jesu in Luzern, Landshut, Dillingen und anderen Kollegien. Es entstand nun auch eine große Anzahl an Vorzeichnungen für Thesen- und Titelblätter, die von Augsburger Stechern umgesetzt wurden. Geistliche Auftraggeber überwiegen in der Folgezeit vor weltlichen. Die Fertigung von fünf Altargemälden für die Neuausstattung des Augsburger Domes zählt sicherlich zu den prominentesten kirchlichen Aufträgen in Storers Laufbahn.

 

Literatur: Bushart, Bruno, Die Barockisierung des Augsburger Domes, in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 3 (1969), S. 109-129, v. a. S. 118 (zum vorliegenden Gemälde; mit Abb. 7). - Scherp, Astrid, Johann Christoph Storer - Leben und Werk unter besonderer Berücksichtigung des malerischen Oeuvres zwischen 1655 und 1671 in Süddeutschland. Magisterarbeit Kunsthistorisches Institut der Universität Stuttgart 1993 (Ms.), S. 36 ff. und S. 128, Kat.-Nr. 2: zu vorliegendem Gemälde. - Appuhn-Radtke, Sibylle, Visuelle Medien im Dienst der Gesellschaft Jesu. Johann Christoph Storer (1620-1671) als Maler der Katholischen Reform. Regensburg 2000, S. 198 ff., WVZ-Nr. G 5 (mit Abb.). - Thierbach, Melanie (Hg.), Der Augsburger Dom in der Barockzeit. Ausst.-Kat. Diözesanmuseum St. Afra, Augsburg, 29. April - 26. Juli 2009. Augsburg 2009, S. 32 ff. (zur Barockisierung des Augsburger Domes ab 1655) und Kat.-Nr. 3,4 und 6 (drei der erhaltenen Altargemälde Johann Christoph Storers).

 

 

 

Provenienz: Seit Mitte der 1920er Jahre im Besitz des Hoteliers Josef Maier, Passau. - 1971 Verkauf des Gemäldes aus dem Besitz Maier an die Familie der Einlieferer.



Titel-Zusatz:
(Christus und die reuigen Sünder)


Signatur-Bez-Vorne:
R. u. signiert
Signatur-Bez-Recto:
Auf dem Keilrahmen Klebeetiketten mit Eigentumsnachweis Josef und Auguste Maier, Passau
Technik:
Öl
Träger:
auf Lwd
Maße:
272 x 151 cm
Zustand:
Doubliert. Rest. Besch
Provenienz:
Seit Mitte der 1920er Jahre im Besitz des Hoteliers Josef Maier, Passau. - 1971 Verkauf des Gemäldes aus dem Besitz Maier an die Familie der Einlieferer.
Kommentar:
Das vorliegende Gemälde galt bislang als verschollen. Es gehörte zur ab 1852 im Zuge der Regotisierung entfernten Barockausstattung des Augsburger Domes. Das Altarbild wurde vom Augsburger Domkapitular Johann Martin Miller (gest. 1700) gestiftet, der im