Deutsch - Bildnis einer Dame als Pilgerin

Auktion 383, Kat.-Nr. 206

ALTE KUNST am 20. März 2019

Deutsch

Bildnis einer Dame als Pilgerin

Schätzpreis:
€ 1.110 bis € 1.200

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Ergebnis:
€ 1.651 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Deutsch 18. Jh.

Bildnis einer Dame als Pilgerin

In Felslandschaft sitzend, zu ihren Füßen ein Mops. Rücks. bezeichnet "Heberle". Aquarell und Deckfarben auf Pergament. 10,3 x 7,7 cm. Min. besch. Rahmen.

Entgegen bisheriger Annahmen handelt es sich bei der Dargestellten wohl nicht um Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen. Dennoch steht die Miniatur in ikonographischem und z. T. auch kompositionellem Zusammenhang mit dem bekannten Gemälde der Markgräfin als Pilgerin, das von Antoine Pesne geschaffen wurde (s. u.). Wilhelmine hält dort in ihren Händen einen "Traité de lamitié" - die Markgräfin nicht als Pilgerin nach Santiago di Compostela, auch nicht als Pilgerin zur Insel der Liebe (Kythera), sondern als Suchende, die sich nach idealer Freundschaft sehnt.

Die vorliegende Miniatur entwickelt diesen Bildgedanken weiter. Statt eines - wie häufig auf Bildnissen des 18. Jahrhunderts anzutreffenden - Schoßhündchens, wie den beliebten Spaniels, wird der Pilgerin hier aber ein kaum zu übersehender Mops zur Seite gesellt.

Die Dargestellte weist deutliche physiognomische Ähnlichkeit mit Wilhelmines Schwester Sophie Dorothea Marie (1719 Berlin - 1765 Schwedt) auf. Deren Aussehen ist nicht nur durch Gemälde ebenfalls von Antoine Pesne überliefert, sondern auch durch einen Kupferstich Johann Martin Bernigeroths, der die Züge der Markgräfin von Brandenburg-Schwedt deutlich individualisiert und sehr vergleichbar mit jenen unserer Pilgerin wiedergibt. Sophie Dorothea Marie hatte in ihrer 1734 geschlossenen, nicht allzu erfüllten Ehe mit Markgraf Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Schwedt allen Grund, nach "wahrer Freundschaft" zu suchen. Und in Kontakt mit ihrer korrespondierfreudigen Schwester Wilhelmine hatte sie sicherlich nicht nur Kenntnis von deren Porträt als Pilgerin, sondern war mit größerer Wahrscheinlichkeit auch mit deren Engagement im "Mopsorden" vetraut. Markgräfin Wilhelmine war um 1740 in Frankfurt in diesen Orden aufgenommen worden, eine Vereinigung mit freimaurerischem Hintergrund, in Bayreuth war sie Großmeisterin der "Mopsloge".

Vgl. Berckenhagen, Ekhart, Antoine Pesne. Berlin 1958, S. 187, WVZ-Nr. 333 h (mit Abb. 226): das Bildnis der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth als Pilgerin.


Datierung:
18. Jh.


Titel-Zusatz:
In Felslandschaft sitzend, zu ihren Füßen ein Mops


Signatur-Bez-Recto:
Rücks. bezeichnet "Heberle"
Technik:
Aquarell und Deckfarben
Träger:
auf Pergament
Maße:
10,3 x 7,7 cm
Zustand:
Min. besch
Rahmen:
Rahmen
Kommentar:
Entgegen bisheriger Annahmen handelt es sich bei der Dargestellten wohl nicht um Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen. Dennoch steht die Miniatur in ikonographischem und z. T. auch kompositionellem