Fritz Behn - Tanzender Massai. Vor 1919

Auktion 64, Kat.-Nr. 2033

KLASSISCHE MODERNE, POST WAR & CONTEMPORARY ART am 7. Dezember 2018

Fritz Behn

Tanzender Massai. Vor 1919

Schätzpreis:
€ 8.000 bis € 10.000

Differenzbesteuerung    

Folgerechtsabgabe    

Ergebnis:
€ 6.350 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Behn, Fritz

1878 Klein-Grabow/Mecklenburg - 1970 München

 

Tanzender Massai. Vor 1919

 

Bronze, braun patiniert

H. 66 cm. D. 27,5 cm auf der Standfläche signiert Behn.. Nach den Unterlagen des Archives wurde der Abguss in der Bronzegießerei Wilhelm Füssel, Berlin, gefertigt.

 

Werkverzeichnis: Fritz Behn Archiv Inv. Nr. 265

 

Literatur: Max Riehn Kunstverlag (Hrsg.). Figürliche Plastik von Fritz Behn. München 1919. Abb. o.S.

 

Vgl.: Friedel, Helmut (Hrsg.). Figürliche Plastik im Lenbachhaus 1830 - 1980. Ausst.-Kat. München 1997. Abb.S. 24.

 

Nachdem es Fritz Behn gelungen war, gegen die Vorbehalte seiner Familie - der Großvater war Bürgermeister von Lübeck gewesen - die Ausbildung zum Künstler in der damals führenden Kunstmetropole München durchzusetzen, trat der knapp Zwanzigjährige bereits mit Aufträgen für Grabfiguren, Brunnen, Büsten, Denkmäler u.a. in Erscheinung. Nach seinem Studienabschluss an der Akademie der bildenden Künste, München brachte ihn insbesondere die Bekanntschaft mit dem anerkannten Bildhauer Adolf von Hildebrand in seiner künstlerischen Entwicklung voran. Über ihn ergaben sich darüber hinaus gesellschaftliche Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten des Münchner Kulturlebens - darunter Rainer Maria Rilke, Stefan George, Richard Strauss, Oswald Spengler, Emanuel von Seidl u.v.a. - die durch das persönliche Interesse des Prinzregenten Luitpold an Behns Arbeiten nicht nur Einladungen bei Hofe nach sich zogen, sondern insgesamt für die öffentliche Beratung des jungen Bildhauers sorgte.

Auch wenn wir das Werk des Bildhauers hauptsächlich mit seiner Affinität für Tierplastiken in Verbindung bringen, so hat Fritz Behn auch in den Menschen Afrikas ein künstlerisches Thema gefunden, wenn er die Männer nachbildete die ihn als Träger und Jagdgehilfen bei den Safaris begleiteten und maßgeblich am Gelingen der Unternehmungen beteiligt waren.

 

Die hier dargestellte Skulptur "Tanzender Massai" ist vom Interesse an der Schönheit des Körpers in der Bewegung geleitet: Der Massai betont mit der hoch aufgerichteten Körperhaltung, dem zurückgeworfenen Kopf die grazile Anmut der für einen Moment eingefrorenen tänzerischen Bewegung. Die geschlungene Linienführung des Jugendstils verbindet sich im Mut zur anti-klassischen Haltung mit gesteigerter Ausdruckskraft. Die Bronze wirkt in der Nachbildung der glatten schwarzen Haut einerseits naturalistich und in der Betonung der delikaten Konturen andererseits abstrahierend. Fritz Behn griff mit seinen tanzenden Plastiken ein Motiv auf, das die Kunst des Expressionismus prägte und von einer Vielzahl von großen Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde und anderen zeitgleich thematisiert wurde. Dem gekünstelten Gesellschaftstanz wurde allenthalben der moderne Ausdruckstanz als Ausdruck einer elementaren Enthemmtheit gegenüber gestellt. Statt des Schönen suchte man das Ursprüngliche und im Bruch mit den bürgerlichen Konventionen trat die Sehnsucht nach einer unverbildeten Lebendigkeit als Antithese von Kultur und Natur hervor - ein Konflikt, den Fritz Behn geradezu verkörperte.

 

Ein Exemplar der Bronze befindet sich in der Städtischen Galerie Lenbachhaus, München.

 

Literatur:

Max Riehn Kunstverlag (hg.). Plastiken von Fritz Behn. München 1919

Vgl. Friedel, Helmut (hg.) Figürliche Plastik im Lenbachhaus 1830-1980. Ausst. Kat. München 1997. Abb. S. 24

 

 

 



Werkverzeichnis:
Fritz Behn Archiv Inv. Nr. 265
Literatur:
Max Riehn Kunstverlag (Hrsg.). Figürliche Plastik von Fritz Behn. München 1919. Abb. o.S
Vgl:
Friedel, Helmut (Hrsg.). Figürliche Plastik im Lenbachhaus 1830 - 1980. Ausst.-Kat. München 1997. Abb.S. 24