Ernst Wilhelm Nay - Gem. Nay Ernst Wilhelm
1956

Auktion 53, Kat.-Nr. 159

MODERNE KUNST 53 am 6. Juni 2013

Ernst Wilhelm Nay

Gem. Nay Ernst Wilhelm
1956

Schätzpreis:
€ 60.000 bis € 80.000

Ergebnis:
€ 76.200 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)



Beschreibung:
Nay, Ernst Wilhelm 1902 Berlin - 1968 Köln
"Zinngrau u. Ocker". 1956
Öl auf Leinwand
51 x 73,5 cm

Scheibler 797. Rechts unten signiert und datiert "Nay 56". Verso auf der Leinwand nochmals signiert. Auf dem Keilrahmen signiert und betitelt "Zinngrau u. Ocker". Rahmen.

Mit der Hinwendung zur Abstraktion vollzog die Nachkriegsgeneration den endgültigen Bruch mit der figurativen Darstellungstradition. In der Abgrenzung vom nationalsozialistischen Kunstideal galt vielen die Ungegenständlichkeit als die einzig angemessene Ausdrucksform der Moderne. Zu ihren Hauptvertretern zählt Ernst Wilhelm Nay, Schüler von Karl Hofer an der Berliner Akademie und einst verfemter Maler, der sich seit den 1940er Jahren mit Farben, Formen, Strukturen und Rhythmen im Bild auseinandersetzt. Seine Werkserien lassen sich Schaffensperioden zuordnen, als deren stärkste gemeinhin die zwischen 1954 und 1962 entstandenen "Scheibenbilder" gelten. Sie begründeten, begleitet durch die theoretische Schrift über den "Gestaltwert der Farbe", seinen künstlerischen Erfolg und hatten die Präsentation seiner Werke auf den documenta-Ausstellungen von 1955, 1959 und 1963 zur Folge.

In dem Scheibenbild "Zinngrau u. Ocker" von 1956 folgt die Anordnung von runden Formen unterschiedlicher Größe einer ausgewogenen Komposition. Die Verdichtung der gelben Farbflecken auf den Bilddiagonalen wird durch dunkelgraue Scheiben mit unregelmäßigem Rand sowie einzelne helle Akzente überlagert. Sie sind im flächigen "All-over", das heißt ohne Hervorhebung einzelner Motive, über die Leinwand verstreut. Im Kontrast von Hell und Dunkel sorgen die runden Gebilde für einen Bewegungsimpuls, der sich über die Bildfläche wie auch in die Bildtiefe ausbreitet.

In den Scheibenbildern macht Ernst Wilhelm Nay die rhythmisch-musikalische Bewegung zum eigentlichen Bildmotiv. Auch wenn er sich von jeglicher Assoziation an die Wirklichkeit lösen und zur "reinen Malerei" gelangen will, impliziert "Zinngrau und Ocker" von 1956 auch jenen dynamischen Aufbruch in die Moderne, der die Schatten der Vergangenheit hinter sich lässt und im Licht der Abstraktion den Bogen schlägt von den spätimpressionistischen Seerosenbildern Claude Monets bis zu den Pixelrastern des digitalen Zeitalters.

Ergänzung: WVZ Scheibler 797



Rahmen:
1