Arnulf Rainer - Nachtigall. 1970/71

Auktion 400, Kat.-Nr. 1031

FRüHJAHRSAUKTION am 14. April 2021

Arnulf Rainer

Nachtigall. 1970/71

Schätzpreis:
€ 50.000 bis € 60.000

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Folgerechtsabgabe    

Ergebnis:
€ 63.500 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:

Arnulf Rainer

1929 Baden b. Wien - lebt in Wien und Enzenkirchen/Oberöst.

 

Nachtigall. 1970/71

 

 

Aus der "Werkgruppe Face Serie". Rechts unten signiert, datiert und betitelt. Verso mit der Werknummer 668/72. Mischtechnik (Öl, Ölkreide, Kratztechnik) über Fotografie auf Karton auf Hartfaserplatte. Blattgröße: 100 x 79 cm. Rahmen.

 

Bei Arnulf Rainers "Nachtigall" aus dem Jahre 1970/71 handelt es sich um ein übermaltes Selbstporträt, dass aus der Werkgruppe "Faces" stammt. Arnulf Rainer beschreibt seine Faces folgendermaßen: "Wenn ich mich selbst reproduziere, dann auch als Versuch einer Erweiterung: visuelle Formulierungen von Möglichem, Ausgedachtem." (Arnulf Rainer Körpersprache, 1980, S. 112)

 

Das künstlerische Talent des 1929 in Baden bei Wien geborenen Österreichers kommt früh zum Vorschein. Und sein rebellischer Charakter. Der junge Mann hat Chancen, verbaut sie sich aber lieber. So besteht er die Aufnahmeprüfungen sowohl an der Akademie für angewandte Kunst in Wien als auch an der Wiener Akademie der bildenden Künste, wirft in beiden Instituten aber schon nach wenigen Tagen wegen künstlerischer Kontroversen hin. Das Thema setzt sich fort: So gründet Arnulf Rainer 1959 gemeinsam mit Friedensreich Hundertwasser und Ernst Fuchs das "Pintorarium", als "Creatorium zur Einäscherung der Akademie". 1981 wird er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, emeritiert aber 1995 nach der Zerstörung von 26 Gemälden in seinem Atelier durch unbekannte Täter.

Malerei, Zeichnung, Skulptur, Druckgraphik, Fotografie, Performance, Schriften. Arnulf Rainers reiches künstlerisches Ouvre spiegelt die intensive Suche nach immer neuen Ausdrucksformen. Der Künstler tastet sich vor, testet aus, entwickelt neue Techniken, geht im Drogenrausch an die Grenzen, malt mit geschlossenen Augen und bemerkt Ende der 1960er Jahre eher zufällig, dass er beim Zeichnen unbewusst Grimassen schneidet - und findet damit ein selbstironisches Leitmotiv seiner Kunst, die in den Anfängen surrealistisch, später vom Informel geprägt ist. Aber, wie gesagt: Der Mann lässt sich nicht in Schubladen zwängen. In den frühen 1950er Jahren fertigt Arnulf Rainer aus Geld- und Materialmangel erste Übermalungen von Bildern an, die er zu diesem Zweck auf Flohmärkten zusammensucht - denn die waren billiger als neue Leinwände. Diese ausdrucksstarken Übermalungen, die er in zahl-reichen Variationen - unter anderem auf eigenen und fremden Bildern, Grimassen-Fotos sowie Kreuzen und (Beethoven-)Totenmasken - erstellt, machen ihn international bekannt. Auch Künstler wie Sam Francis und Victor Vasarely stellen dem Österreicher Werke zum Übermalen zur Verfügung. Mit seinen Übermalungen möchte Arnulf Rainer die als Vorlage die-nenden Bilder nicht zerstören, sondern vervollkommnen und ihnen ihr verloren gegangenes Geheimnis zurückgeben. "Ich wusste nicht wozu, wohin, wie lange, als ich 1952 begann, über eigene Bilder zu malen (Anm.: ab 1953 auch über fremde). Erst langsam, im Laufe der Jahre, entwickelten sich geschlossene schwarze Flächen oder Strichbündel, in denen ich mich selber erkannte, eintauchte und repräsentierte", so Arnulf Rainer 1973 in seinem Aufsatz "Von den Übermalungen zur Zumalung". Arnulf Rainer ist heute als einer der einflussreichsten lebenden Künst-ler der Gegenwart anerkannt. Einige der weltweit bedeutendsten Museen widmeten ihm große Retrospektiven. Seine Werke waren mehrmals auf der Documenta zu sehen, 1978 vertrat er Österreich auf der Biennale in Venedig. Der Künstler erhielt höchste Ehrungen und Auszeichnungen, d arunter der große Österreichische Staatspreis. Arnulf Rainer, nunmehr 92 Jahre alt, arbeitet in Oberösterreich und (im Winter) auf Teneriffa.

 

Wir danken dem Museum Arnulf Rainer, Baden b. Wien für die wissenschaftliche Bearbeitung. Die Authentizität des Werkes wurde vom Atelier Arnulf Rainer, Baden b. Wien anhand von Fotos mündlich best

 

Provenienz: Privatsammlung Süddeutschland

 

Vgl. Van de Loo und Prelinger. Körpersprache. München 1980, S. 123. Es handelt sich hierbei um eine frühere Version des hier angebotenen Werkes.



Titel-Zusatz:
Aus der "Werkgruppe Face Serie"


Signatur-Bez-Vorne:
Rechts unten signiert, datiert und betitelt
Signatur-Bez-Recto:
Verso mit der Werknummer 668/72
Technik:
Mischtechnik (Öl, Ölkreide, Kratztechnik) über Fotografie
Träger:
auf Karton auf Hartfaserplatte
Rahmen:
Rahmen
Echtheit:
Wir danken dem Museum Arnulf Rainer, Baden b. Wien für die wissenschaftliche Bearbeitung. Die Authentizität des Werkes wurde vom Atelier Arnulf Rainer, Baden b. Wien anhand von Fotos mündlich best
Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland
Vgl:
Vgl. Van de Loo und Prelinger. Körpersprache. München 1980, S. 123. Es handelt sich hierbei um eine frühere Version des hier angebotenen Werkes.