Alexej von Jawlensky - Meditation. 1934

Auktion 400, Kat.-Nr. 1007

FRüHJAHRSAUKTION am 14. April 2021

Alexej von Jawlensky

Meditation. 1934

Schätzpreis:
€ 30.000 bis € 50.000

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Folgerechtsabgabe    

Ergebnis:
€ 50.800 (inkl. 27 % Käuferaufgeld)

Beschreibung:
Alexej von Jawlensky
1864 Torschok - 1941 Wiesbaden

Meditation. 1934


Links unten monogrammiert "A. J." Rückseitig auf dem Unterlagenkarton mit Bleistift beschriftet von Lisa Kümmel "A. Jawlensky 1934 und von fremder Hand "16234". Unterhalb auf einem Kartonstreifen in Tinte signiert mit "A. Jawlensky" und mit eigenhändiger Widmung "Meiner lieben Lisa". Öl auf feinem leinenstrukturierten Papier auf Karton. 17,4 x 12,8 cm. 22,8 x 18,3 cm. Guter Zustand. Rahmen.

Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland / Aus dem Atelier des Künstlers
Lisa Kümmel, Wiesbaden / Privatsammlung Deutschland/ Galerie Aenne Abels Köln/
Waldemar Frowein, Wuppertal / Nachlass Waldemar Frowein, Wuppertal

"Vier Monate sitze ich in meinem Zimmer und sehe niemanden außer Lisa [....]ich bin geschnitten von der ganzen Welt und suche meinen Frieden...". Zu Beginn des Jahres 1934 ist Alexej von Jawlensky (1865-1941) verzweifelt. Die finanzielle Lage des Malers ist prekär, er ist de-primiert, fühlt sich isoliert - und er leidet: Im Juni 1927 war bei ihm nach Lähmungserscheinungen rheumatoide Arthritis diagnostiziert worden. Mehrfach muss er sich in den folgenden Jahren Kur- und Klinikaufent-halten unterziehen, doch diese lindern das Leiden nur vorübergehend. 1930 verschlechtert sich Jawlenskys Gesundheitszustand rapide. Ab 1934, die Nationalsozialisten haben für seine Werke inzwischen ein Aus-stellungsverbot erlassen, verschlimmert sich die Krankheit weiter. Bald kann er kaum noch laufen, ab 1937 geht es nicht mehr ohne Rollstuhl -einem Jahr, im dem der deutsch-russische Expressionist miterleben muss, wie 72 seiner Gemälde in deutschen Museen beschlagnahmt und einige davon bei der Ausstellung "Entartete Kunst" in München gezeigt werden. Ab 1938 vollständig gelähmt und ans Bett gefesselt, stirbt Alexej von Jawlensky am 15. März 1941 in Wiesbaden. Die fortschreitende Krankheit schränkt Jawlensky massiv in seiner Malerei ein und verändert sein künstlerisches Schaffen. Seine Finger versteifen sich, doch er improvisiert, führt den Pinsel mit beiden Händen und entwickelt einfache Maltechniken, die es ihm erlauben, trotz der behindernden Krankheit weiterzumachen und ein umfangreiches Spätwerk mit ganz neuer, kraftvoller Bildsprache zu schaffen - bevor er die Malerei 1938 aufgeben muss. Ab Mitte 1934 wählt Jawlensky notgedrungen kleine Formate, auf die er - ein frühes Leitthema seines Schaffens variierend -Köpfe mit langen Pinselstrichen auf Malpapier bringt. Nur wenn der Maler frei von Schmerzen ist, wählt er das große Format, meist für fröh-liche Blumenstilleben. Über 1.000 kleine Bilder entstehen bis Dezember 1937, fast alle im gleichen Format (ca. 18 × 13 cm). "Meditationen" nennt Jawlensky diese Serie selbst. Die melancholischen Werke zeigen stark reduzierte Gesichter. Sie wirken nach innen gekehrt und werden mit fort-schreitender Krankheit in Duktus und Farbgebung zunehmend düsterer. Teils ist die Farbauswahl fast mono chrom - ein dramatischer Kontrast zur Farbenpracht anderer Werke. Und keine Spur von innerer Ruhe, die man gemeinhin von meditierenden Menschen erwarten könnte. Dennoch ist das Spätwerk nicht bloß Ausdruck von Resignation. Vielmehr erzählt es vom Aufbegehren des Malers gegen den körperlichen Verfall. Und so ist auch das bei NEUMEISTER im April zur Versteigerung kommende, auf den ersten Blick so beklemmend wirkende Werk ein Beispiel für Jawlenskys letzten Triumph.

Werkverzeichnis: 1497

Literatur: Alexej von Jawlensky. Catalogue Raisonné of the oil Paintings, Volume III 1934-1937, S. 55.

Wir danken Frau Angelica Jawlensky Bianconi für die Bestätigung der Authentizität des Werkes.


Signatur-Bez-Vorne:
Links unten monogrammiert "A. J." Rückseitig auf dem Unterlagenkarton mit Bleistift beschriftet von Lisa Kümmel "A. Jawlensky 1934 und von fremder Hand "16234"
Signatur-Bez-Recto:
Unterhalb auf einem Kartonstreifen in Tinte signiert mit "A. Jawlensky" und mit eigenhändiger Widmung "Meiner lieben Lisa"
Technik:
Öl
Träger:
auf feinem leinenstrukturierten Papier auf Karton
Maße:
17,4 x 12,8 cm
Zustand:
Guter Zustand
Rahmen:
Rahmen
Werkverzeichnis:
1497
Literatur:
Alexej von Jawlensky. Catalogue Raisonné of the oil Paintings, Volume III 1934-1937, S. 55
Danksagung:
Wir danken Frau Angelica Jawlensky Bianconi für die Bestätigung der Authentizität des Werkes.